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Das Turamichele ist ein Sinnbild des Urfaschismus

Wenn mit Beginn des Herbsts Blutrausch und Kaufrausch auf dem Augsburger Rathausplatz Hochzeit feiern, dann ist das Turamichele zurück. 

Ein Tötungsritual als Kindergeburtstag: Das Augsburger Turamichele-Fest – Bildnachweis: Stadt Augsburg

Falls es eines Bildes bedürfte, um die Ideologie des Faschismus auf den Punkt zu bringen – das Augsburger Turamichele wäre dafür ideal: Ein glanzvoller, männlich-jugendlicher Charakter dominiert einen dunklen, bestialischen Untermenschen und metzelt diesen ohne mit der Wimper zu zucken ab. 

Das ist Rassismus, der in der mystischen Überhöhung des Dargestellten zum überirdischen Kampf von Gut gegen Böse gipfelt. Die innerhalb dieses dualistischen Weltbilds von der Gestalt des Turamichele verkörperte Macht über Leben und Tod gehört zu den kulturellen Zeichen des Faschismus, wie die bedingungslose Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt. Das Tötungsritual entstammt einem seit Jahrtausenden fortgeschriebenen mystisch-religiösen Bedeutungsgewebe, das die sich Stadt Augsburg seit einem knappen Jahrtausend zu eigen gemacht hat und bis auf den heutigen Tag als eine Art Kindergeburtstag zelebriert.

Kulthandlungen beinhalten meist die Ablehnung von Widerspruch 

Der kollektive Turamichele-Wahn auf dem Rathausplatz, wo Hunderte Kinder die Lanzenstiche ihres mörderischen Modellcharakters zählen, erinnert an das Prinzip von Gefolgschaft und Führer. Der italienische Historiker und Faschismusforscher Emilio Gentile weist darauf hin, das faschistische, beziehungsweise faschistoide Bewegungen kulturstiftend wirken, indem sie aus Mythen, Riten und Symbolen eine irrationale Ersatzreligion formen. 

Laut Umberto Eco verfestigen tradierte Handlungen dieser Art, die Ablehnung der wissenschaftlichen Widerspruchskultur und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Intellekt. „Im Kult um das Augsburger Turamichele sind somit die Muster des Ur-Faschismus zu erkennen“, so sieht das Kulturkritiker Bernhard Schiller, der mit seiner langjährigen DAZ-Reihe „Zum Teufel mit dem Turamichele“ Tausende DAZ-Leser begeisterte, aber auch Kopfschütteln und Ablehnung erntete.

Nach zwei Tagen hat der Erzengel 108 Mal auf den Teufelsdrachen eingestochen und das Böse besiegt

"Wie von Geisterhand?" Foto: Stadt Augsburg

„Wie von Zauberhand?“ Foto: Stadt Augsburg

Die Augsburger Stadtwerke, die sich um den mittelalterlichen Kult kümmern, sehen das natürlich anders: „Der Namenstag des heiligen Michael, der 29. September, ist in Augsburg seit 494 Jahren ein ganz besonderer Tag. So lange schon wird das Fest des Turamichele gefeiert. Es ist das älteste und größte Kinderfest im Raum Augsburg, wenn nicht eines der ältesten in Deutschland: Von 10 bis 18 Uhr schauen am Samstag, 28. September und am Sonntag, 29. September dem Michaels-Tag zu jeder vollen Stunde hunderte Kinder auf dem Rathausplatz gebannt hoch zum Perlachturm, wenn sich wie von Zauberhand ein Fenster öffnet und der Heilige Michael den Teufelsdrachen bezwingt. Wie von Zauberhand? Nicht ganz. Denn hinter dem Schauspiel am Turmfenster verbergen sich zwei Stadtwerke-Mitarbeiter: Sie öffnen den Vorhang, bringen die Figuren in Position und erwecken mit dem Drehen an einer Kurbel die Figuren zum Leben: Mit einem Lanzenstich des heiligen Michael pro Glockenschlag. Nach zwei Tagen hat der Erzengel dann 108 Mal auf den Teufelsdrachen eingestochen und das Böse besiegt.“

 



AEV verliert gegen Straubing

Die Augsburger Panther haben auch das dritte Heimspiel der DEL-Saison 2019-20 verloren. Gegen die Straubing Tigers zeigte der AEV zwar Moral, unterlag am Ende aber mit 4:5. Die Treffer für die Panther erzielten Sahir Gill (15.), Daniel Schmölz (29., 53.) und Adam Payerl (37.). Für Straubing waren Travis Turnbull (3.), Jeremy Williams (15.), T.J. Mulock (20.), Benedikt Kohl (22.) und Kael Mouillierat (48.) erfolgreich.

DEL 2019/20 — 5. Spieltag: Augsburger Panther vs. Straubing Tigers — Fredrik Eriksson und Adam Payerl — © Siegfried Kerpf

AEV-Trainer Tray Tuomie musste dabei weiter auf Drew LeBlanc verzichten. Zudem schenkte er Markus Keller, der sein Saisondebüt feierte, das Vertrauen zwischen den Pfosten. Doch Keller musste früh hinter sich greifen, als Turnbull ganz genau zielte und den Puck aus spitzem Winkel genau zwischen die Schulter des AEV-Goalies und die Latte zimmerte (3.). Straubing war zu Beginn besser und legte im Powerplay schließlich nach. Nach schönem Querpass von Stefan Loibl traf Williams per Direktabnahme unhaltbar zum 0:2 (15.). Doch die Panther schlugen zurück und kamen nur 22 Sekunden später zum Anschlusstreffer.

Gill verkürzt – Mulock antwortet

Matt Fraser legte zurück und Gill traf sehenswert genau in den Knick (15.). Gill war es wenig später auch, der im ersten Powerplay der Panther die Chance auf den Ausgleich hatte, aber an Jeff Zatkoff scheiterte (16.). Besser machte es Mulock auf der Gegenseite, der kurz vor der ersten Pause zum 1:3 abstaubte, nachdem Keller zuvor noch stark parieren konnte (20.). Und es kam noch schlimmer, denn Straubing gelang auch im zweiten Drittel ein frühes Tor. Keller hatte beim Handgelenksschuss von Kohl keine Sicht und die Scheibe schlug im linken oberen Eck ein (23.).

Panther mit Moral

Doch die Panther zeigten Moral und machten das Spiel wieder spannend. Erst stocherte Schmölz den Puck irgendwie an Zatkoff vorbei zum 2:3 (29.) und in Überzahl fiel dann sogar der dritte Treffer der Hausherren. Torschütze war Payerl, im Nachschuss (37.). Weitere Treffer hätten im Mitteldrittel fallen können, aber die Torumrandung und beide Goalies hatten etwas dagegen.

Im dritten Abschnitt konnten die Fans jedoch wieder jubeln und zunächst waren die Gäste dran. Einmal mehr mit einem Mann weniger kassierte der AEV ein Gegentor. Bei angezeigter Strafe bugsierte Mouillierat den Puck am Ende über die Linie (48.).

Schmölz zweiter Treffer reicht nicht

Doch die Panther gaben sich weiter nicht geschlagen und verkürzten erneut. Schmölz fälschte einen Pass von Payerl stark ab und bezwang Sebastian Vogl, der mittlerweile für Zatkoff im Spiel war (53.). Die Panther drängten anschließend bis zum Schluss vehement auf den Ausgleich, aber die Tigers brachten den Dreier letztlich über die Zeit. Für den AEV geht es nun am Sonntag um 16:30 Uhr bei Wolfsburg Grizzlys weiter.