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Kommunalwahl 2020

Kommentar zu Pro Augsburg: Schneller Aufstieg, langsamer Niedergang

Anmerkungen zur Liste von Pro Augsburg

Von Siegfried Zagler

Der Niedergang der Wählergruppierung Pro Augsburg lässt sich mit einem kurzen Blick auf die aktuelle Stadtratskandidatenliste erkennen. Der ehemals knapp 200 Mitglieder starke Verein konnte nur noch 30 Personen dazu bringen, auf der PA-Liste zu kandidieren. * Daraus entsteht in der Wahlpraxis ein Nachteil gegenüber den Parteien und Listen der Gruppierungen, die 60 Kandidaten anführen. Durch die komplexe Wahlmöglichkeiten würden, auf diesen Listen mehr Fehler (ungültige Stimmabgaben) entstehen, als auf normalen 60-er Listen, wie der frühere Wahlamtleiter Klaus Sulzberger im Jahre 2008 der DAZ erklärte.

Es gibt nur noch drei ursprünglich gewählte PA-Stadträte im aktuellen Stadtrat. Peter Grab, Beate Schabert-Zeidler und Rudolf Holzapfel blieben nach der Kommunalwahl 2014 übrig – von einer einst schillernden Liste, die 2008 mit sechs Sitzen in den Stadtrat einzog. Diese Sitzanzahl wurde somit bei der Kommunalwahl 2014 halbiert. Nachdem Peter Grab wegen einer öffentlich gewordenen Sexaffäre innerhalb von PA Akzeptanzprobleme bekam und offen angegriffen wurde, verließ er die Gruppierung und erfand eine neue Liste. Zu den beiden übrig gebliebenen Stadträten Holzapfel und Schabert-Zeidler stießen im Lauf der Stadtratsperiode Thomas Lis (vorher AfD) und Claudia Eberle (vorher CSM) dazu, weshalb PA aktuell mit einer vier-köpfigen Fraktion dem Stadtrat angehört.

Die nun vorgestellte halbe Liste ist weder mit der Liste von 2008 noch mit von der Liste  2014 zu vergleichen. Für die aktuellen Stadträte gibt es keine prominenten Mitstreiter wie einst Seinsch, Englet, Harzmann oder Reisch. – Über Bernd Beigl (Platz 8) und Andreas Schlachta (7) lässt sich nichts Schlechtes sagen, außer eben der Tatsache, dass sie sich mit ihrem Selbstvermarktungseifer einen größeren Bekannheitsgrad erarbeitet haben – und auf ihren Listenplätzen dennoch chancenlos sind. Andreas Schlachta könnte somit einen speziellen Rekord aufstellen, und dabei zu einer tragischen Figur werden. Er bewirbt sich nämlich zum dritten Mal für den Augsburger Stadtrat. Zuerst kandidierte Schlachta erfolglos für die SPD, 2014 erfolglos für die CSU und nun versucht er 2020 über die PA-Liste ein Mandat zu erhalten. Seine Chancen stehen demnach gut, als erster Augsburger Bürger in die politische Geschichte der Stadt einzugehen, der sich dreimal erfolglos auf drei verschiedenen Listen um den Einzug in den Stadtrat beworben hat.

Eine attraktive Liste sieht anders aus. Vielleicht erhält PA im März 2020 von der Bürgerschaft einen Sitz zugesprochen, vielleicht zwei. Jeder Sitz zusätzlich wäre eine Sensation.


*Der Text wurde an dieser Stelle nachträglich verändert: Die ursprüngliche Fassung enthielt die Formulierung, dass durch „das Auszählverfahren ein Nachteil gegenüber 60-Personen-Listen resultiert“. Claudia Eberle, die früher selbst beim Auszählen dabei war, bestritt das. Deshalb fragte die DAZ im Bürgerbüro nach und musste feststellen, dass die Aussage so nicht haltbar ist.

Die Erzählung des Fehlers geht so:  Klaus Sulzberger, der verstorbene ehemalige Chef des Bürgerbüros, sah darin in der Wahlpraxis einen Nachteil, da bei diesen Listen öfters falsch (ungültig) gewählt werde, als bei vollständigen Listen, wie der damals Linke Stadtrat Alexander Süssmair vom ehemaligen Bürgerbürochef Sulzberger erfuhr. Die Linken traten 2008 ebenfalls mit einer reduzierten Liste an. Und Sulzberger erzählte das Gleiche DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler, der sich daran – im Gegensatz zu Süssmair – nicht mehr ganz zutreffend erinnerte.



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