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KOMMENTAR

Kommentar: Es ist an der Zeit, dass sich die politische Grundhaltung der Augsburger Bürgerschaft im Stadtrat widerspiegelt

Anmerkungen zur SPD-Liste

Von Siegfried Zagler

Die Augsburger SPD hat am gestrigen Samstag ihre Stadtratsliste erstellt, die bis auf eine Ausnahme derjenigen Liste gleicht, die die DAZ am Vorabend dieser Wahl zugespielt bekam. Die Antwort auf die Frage, ob man diese Liste als ein kluges Wahlkampf-Konstrukt bezeichnen darf, kann man – von ein paar Einschränkungen abgesehen – mit „Ja“ beantworten.

Die inoffizielle Liste, die auf einer Position verändert wurde

Auf Platz 18 trat Silke Högg gegen die gesetzte Stadträtin Gabriele Thoma an und Thoma hatte gegen die langjährige Juso-Vorsitzende keine Chance, weshalb Thoma ganz zurück zog und somit ihre politische Laufbahn ausklingen lässt. Die Frage, ob die SPD mit dieser Liste bei der Augsburger Bürgerschaft punkten kann, lässt sich schwer beantworten, da ohnehin vieles davon abhängt, ob und wie die Personen auf der Liste Wahlkampf betreiben. Dass die Liste ein systemisches Konstrukt mit Raffinesse ist, steht außer Frage. Warum jedoch Anna Rasehorn von der SPD-Führung auf Platz 2 gesetzt wurde, erschließt sich der DAZ nicht. Böse Zungen unterstellen hier eine SPD-berüchtigte Vetterles-Wirtschaft, da Rasehorns Vater mit der SPD-Vorsitzenden verheiratet ist. Die ehemalige Juso-Vorsitzende Anna Rasehorn ist seit dieser Stadtratsperiode Stadträtin, ohne dass das aufgefallen wäre. Rasehorn könnte nun immerhin ihre Qualitäten im Wahlkampf zeigen. Margarete Heinrich auf Platz 4 ist ebenfalls schwerlich positiv zu kommentieren, schließlich hat sie bei der Landtagswahl als Listenkandidatin selbst in Haunstetten verloren, obwohl sie dort viele Jahre den SPD-Ortsverein führte. Heinrich hatte 2014 als Wahlkampfleiterin versagt und zusammen mit dem damaligen OB-Kandidaten Stefan Kiefer das schlechteste Augsburger Ergebnis der lokalen SPD-Geschichte eingefahren.

Der alte SPD-Grundsatz, dass Wahlverlierer nichts werden dürfen, wurde von dem damaligen Führungstrio Bahr/Kiefer/Heinrich ins Gegenteil verkehrt: Bahr trat nicht zurück, wurde wieder als Bundestagskandidatin nominiert, Kiefer wurde Bürgermeister und Sozialreferent und Heinrich zur Fraktionschefin gewählt. Diese Fehler bleiben Fehler, die sich nun wieder auf der Liste abbilden. Lässt man das aber wegen der Zeitdistanz als Marginale stehen und lässt auch die Frage offen, warum das Haunstetter SPD-Urgestein Harald Eckert auf der Liste fehlt, steht die Grundannahme im Raum, dass sich Menschen ändern und an ihren Fehlern wachsen.

Darf man bei der SPD-Liste von einem raffinierten Wahl-Konstrukt sprechen? Ja! Und zwar deshalb, weil sie Aufbruch signalisiert und zugleich die Altvorderen mitschieben lässt. Starten die Neuen mit viel Verve und Engagement in den Stadtteil-Wahlkampf, finden Tausende Hausbesuche statt und setzt die SPD neben ihren Kernkompetenzen ein alles andere überragendes Thema, dann könnte sie sich möglicherweise aus dem gegenwärtigen Tief herausarbeiten. Die beiden Schlüsselfiguren dieser Liste sind Dirk Wurm und Gerhard Ecker (Platz 15). Ecker ist amtierender Oberbürgermeister von Lindau und weiß auch aus seiner Regenbogenzeit, wie SPD-Wahlkampf in Augsburg geht. Interessant und von Bedeutung wird auch die Rolle von Christian Moravcik sein. Setzt die SPD Moravciks haushaltspolitischen Positionen groß auf die Agenda, dann wäre die SPD möglicherweise in der Lage, eine Welle zu generieren, die über die politische Stadt hinweg fegt, als wäre die SPD eine Oppositionspartei.

Und genau darauf könnte es ankommen: Die SPD muss ihren potientiellen Wähler nun vermitteln, was in den vergangenen Jahren alles falsch gemacht wurde, weil sie in dem aktuellen Regierungsbündnis stets von der jeweiligen Gribl-Mehrheit gedeckelt wurde. Von den Bundes- und Landtagswahlen wissen wir, dass viele enttäuschte SPD-Wähler AfD wählen, weil sie dort ihr Protest-Stimme am besten aufgehoben sehen, da die AfD politisch im Abseits steht – und somit das C-Lager mitschwächt. Eine starke (also eine linke) SPD würde in Augsburg die AfD kleinhalten und wieder dafür sorgen, dass sich die politische Grundhaltung der Augsburger Gesellschaft im Stadtrat widerspiegelt. Der aktuelle Stadtrat zeichnet durch Auflösungen von Fraktionen und zahlreichen Parteiaustritten und Parteiübertritten in den vergangenen Jahren ein verzerrtes Bild der Stadtratswahl von 2014. Ein Skandal, an dem das aktuelle Regieungsbündnis ein großes Stück Verantwortung mitträgt.

„Sie sind alle hochmotiviert und wollen einen engagierten Wahlkampf führen, damit der SPD-Kandidat Dirk Wurm Oberbürgermeister wird. Einer für alle, alle für einen“ sei das Motto von Wurm und den 60 Kandidaten.“  So wird SPD-Fraktionschef Florian Freund in der SPD-Pressemitteilung zur Listenaufstellung zitiert. Und Dirk Wurm selbst fügt hinzu, dass der Vorwahlkampf gezeigt habe, dass man mit den SPD-Themen mehrheitsfähig sei. „Wir wollen eine lebendige Stadt, in der niemand Angst haben muss, dass er sich sein Augsburg morgen nicht mehr leisten kann, weil die Wohnung zu teuer wird oder der Job wegbricht. Wir wollen eine offene, eine nachhaltige, eine sichere und soziale Stadt!“, so Wurm.

Hut ab! Nun muss uns die gute alte SPD nur noch erklären, wie sie das machen will.

 

Die offizielle Stadtratswahlliste der Augsburger SPD:

1 Dirk Wurm
2 Anna Rasehorn
3 Dr. Florian Freund
4 Margarete Heinrich
5 Gregor Lang
6 Sieglinde Wisniewski
7 Benjamin Adam
8 Jutta Fiener
9 Tim Kattner
10 Tatjana Dörfler
11 Christian Moravcik
12 Birgit Ritter
13 Dr. Stefan Kiefer
14 Angelika Lonnemann
15 Dr. Gerhard Ecker
16 Olivia Haußmann
17 Cenk Anadolu
18 Silke Högg
19 Ibrahim Yarasir
20 Lara Hammer
21 Vincent Bentele
22 Barbara Löll
23 William Martin
24 Angela Steinecker
25 Daniel Manzeneder
26 Sandra Willadt
27 Klaus Kirchner
28 Dr. Birgit Geppert
29 Manuel Sontheimer
30 Ulrike Bahr
31 Patrick Probst
32 Christine Mayer
33 Vladyslav Klymov
34 Katrin Höh
35 Philipp Ressel
36 Marijana Bicvic
37 Elias Puhle
38 Nicole Seiler
39 Willi Leichtle
40 Ramona Ziegler
41 Romolo Subrizi
42 Anna Grau
43 Paul Kesselring
44 Ingrid Schaletzky
45 Jens Böttner
46 Susanne Sorgenfrei
47 Philipp Miller
48 Céline Douce
49 Peter Hammer
50 Petra Fischer
51 Peter Fink
52 Christoph Smija
53 Kenan Inan
54 Christoph Wachinger
55 Hasan Gezer
56 Frank Löw
57 Volkmar Thumser
58 Husam Alqawasma
59 Manuel Rodriguez
60 Eckard Rasehorn


FCA punktet in Freiburg

Am 5. Bundesligaspieltag erkämpfte sich der FCA beim Tabellendritten und Angstgegner SC Freiburg seinen ersten Auswärtspunkt. Die Breisgauer gingen im mit 23800 Zuschauern ausverkauften Schwarzwald-Stadion in der 24. Minute in Führung, die ausgerechnet der Ex-Freiburger Florian Niederlechner mit seinem bereits dritten Saisontor zum 1:1 Endstand ausglich (38.).

Von Udo Legner

Gegenüber dem Heimerfolg gegen die Frankfurter Eintracht nahm FCA-Trainer Martin Schmidt zwei Änderungen vor: Lichtsteiner (für Framberger) kehrte nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück und Hahn erhielt den Vorzug vor Marco Richter. 

Freiburg im Höhenrausch

Von Beginn an stand der FCA unter Druck: Beflügelt von ihrer jüngsten Erfolgsserie, – drei Siege in den ersten vier Partien – machten die Streich-Schützlinge mächtig Dampf und schnürten den FCA in der eigenen Hälfte ein. In der 4. Minute war FCA-Keeper Koubek das erste Mal gefordert, als Petersen nach einer Flanke von rechts frei zum Kopfball kam. Es dauerte bis zur 9. Minute bis der FCA das erste Lebenszeichen setzte. Hahn nutzte eine Nachlässigkeit der Freiburger Defensive im eigenen Strafraum aus, eroberte den Ball und legte auf Niederlechner ab, dessen Direktschuss nur knapp über das von Schwolow gehütete Tor zischte. Fast im Gegenzug der nächste Aufreger: Nach einem rüden Foul an Vargas zeigte der Unparteiische dem Freiburger Kapitän Mike Franz die gelbe Karte (12.). Dem SC Freiburg gelang es in dieser Phase, das Spiel in die Breite zu verlagern und über die Außenbahnen Druck aufzubauen. Beim FCA dagegen fehlte bei es bei den wenigen Entlastungsangriffen an Präzision und Kaltschnäuzigkeit. 

In der 24. Minute die verdiente Führung für die Freiburger. Nach großem Gewimmel im Breisgauer Strafraum, schien die Situation bereits bereinigt, als der Ball Höler vor die Füße fiel, der gedankenschnell mit seinem platzierten Flachschuss ins kurze Eck Keeper Koubek keine Chance ließ.

Rückstand als Weckruf für den FCA

Wer befürchtet hatte, dass der Freiburger Führungstreffer den Schmidt-Schützlingen den Schneid abkaufen würde, sah sich bald eines Besseren belehrt. Nach einer halben Stunde Spielzeit gewann das Offensivspiel des FCA an Sicherheit. Dreh und Angelpunkt der Augsburger Offensive: Florian Niederlechner. Das verletzungsbedingte Ausscheiden des Freiburger Kapitäns (35.) – Mike Frantz machte den Platz frei für Vincenzo Grifo, dessen Comeback vom Freiburger Publikum von großem Beifall begleitet wurde –  brachte den Freiburger Angriffsturbo erst einmal zum Stoppen.  

Wenig später große Aufregung im Freiburger Strafraum: Nach Balleroberung in der eigenen Hälfte wurde Vargas nach starkem Sololauf kurz vor Scholows Kasten von Haberer gestoppt und kam dabei zu Fall. Trotz wütender Proteste der FCA-Spieler versagte der Unparteiische den Augsburgern den Strafstoß. Doch der Frust der Augsburger darüber dauerte nur eine Minute und die Art und Weise ihrer Frustbewältigung war eine Augenweide: Nach einer Traumkombination des Trios Finnbogason, Moravek und Niederlechner erzielte der Ex-Freiburger mit einem platzierten Schuss ins Eck den 1:1 Ausgleich für den FCA (38.). In der dreiminütigen Nachspielzeit wurde es noch einmal brenzlig vor dem Augsburger Tor. Eine Flanke von Nicolas Höfler nach Freistoß für die Freiburger wurde vom Torschützen Lucas Höler nur knapp verpasst.

Fazit zur Halbzeit: Verkehrte Fußballwelt – der SC Freiburg, der die Bundesliga-Statistik in der Rubrik Chancenverwertung bislang anführte, muss sich trotz zahlreicher Torchancen mit einem 1:1 Halbzeitstand gegen den FCA begnügen.

So packend und abwechslungsreich die erste Hälfte dieser Partie im Schwarzwald-Stadion verlief, so unspektakulär dümpelte das Spiel bis zur Schlussphase dahin. Daran änderten auf Augsburger Seite auch die Einwechslungen wenig (Reese Oxford für Jan Moravek (46.) und Marco Richter für Andre Hahn (73.). Es dauerte bis zur 69. Minute bis der SC Freiburg gegen die gut gestaffelte Augsburger Defensive durch Petersen zu seinem ersten Abschluss kam. Kurz vor Ende der Partie wurden die beiden Torschützen und bislang auffälligsten Spieler ausgewechselt. Für Höler kam Waldschmidt und für Florian Niederlechner Michael Gregoritsch ins Spiel.

Doppeltes Pfostenglück für den FCA

In der 86. Minute profitierten die Breisgauer von einem Fehlpass des ansonsten starken Oxford (88 Prozent gewonnene Zweikämpfe) vor dem eigenem Strafraum. Haberers Hereingabe erreichte den freistehenden Höfler, dessen Schuss vom linken Außenpfosten ins Toraus ging. Zwei Minuten später hielt die Glücksgöttin Fortuna erneut zum FCA: Nach einer Flanke des Ex-Augsburgers Jonathan Schmid klatsche der Kopfball von Petersen an den Innenpfosten. Nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ überstand der FCA auch die letzte große Torgelegenheit der Freiburger, die kurioserweise der Augsburger Neuzugang Uduokhai hatte. Dessen Kopfball-Eigentor konnte mit einer starken Reaktion von Keeper Koubek gerade noch verhindert werden.

So blieb es bei dem glücklichen 1:1 Unentschieden für den FCA, der sich mit diesem Remis mit nunmehr fünf Punkten nach fünf Partien zwischenzeitlich auf den 11. Tabellenplatz verbesserte. Im nächsten Heimspiel gegen Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) geht es für den  FCA darum, die mannschaftliche Geschlossenheit erneut unter Beweis zu stellen und an die bisherige Heimstärke anzuknüpfen.

FCA: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Uduokhai, Max – Khedira, Moravek – Hahn, Vargas – Finnbogason, Niederlechner.

Einwechslungen:

46. Minute Reese Oxford (für Jan Moravek)

70. Minute Marco Richter (für Andre Hahn)

80. Minute Michael Gregoritsch (für Florian Niederlechner)