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MEINUNG

Kommentar: Die Augsburger Schulen mit 300 Millionen Euro sanieren zu wollen ist kein Plan, sondern ein Irrtum.

Warum die Beschwichtigungsversuche der CSU nicht greifen

Kommentar von Siegfried Zagler

Drei-Auen-Schule in Oberhausen © DAZ-Archiv

Man habe sich mit den 300 Millionen viel zu schnell zufrieden gegeben und wisse jetzt nicht, wie das Problem zu stemmen sei, so Claudia Eberle, Fraktionsvorsitzende von Pro Augsburg, in der berühmten Bildungsausschusssitzung im Juni, in der Bildungsreferent Hermann Köhler per Beschlussvorlage von einer Generalsanierung Abstand nehmen wollte. Dieser inhaltlich ehrliche Vorstoß Köhlers verfolgte das Ziel, die Priorisierung „zuerst der Brandschutz, dann der Rest“ beizubehalten und wohl auch das Ziel, darauf hinzuweisen, dass das im Sommer 2016 geschnürte (und von der CSU und der Stadtregierung gefeierte) „Bildungspaket“ wieder zu öffnen ist, um es neu zu schnüren, da die Mittel nicht hinreichen, um das Programm planungstechnisch sauber durchzuführen. Die CSU-Fraktion platzte in diese Sitzung mit einem politischen Positionspapier, das jedoch nicht abgestimmt wurde. Darin war wolkig die Rede von einem „Stufenplan“. Die Bündnisparteien reagierten zurückhaltend und beantragten „Beratungsbedarf“. – In diesem Status scheint die Stadtregierung zu verharren.

Bis heute gibt es keine belastbare Gesamtkostenschätzung hinsichtlich der notwendigen Fördergelder. Es gibt keinen zusammenhängenden Sanierungsplan, keinen Zeitplan sowie keine funktionierende Kommunkation mit den betroffenen Schulfamilien und natürlich gibt es keinen Stufenplan, sondern einen Businessplan über sieben Millionen Euro, der bis 2030 (!) die Augsburger Schulen digital auf den neuesten Stand bringen soll. Warum das so lang dauert? Weil für eine zeitlich angemessene Handlung das Geld fehlt. Und selbstverständlich fehlen dafür die Fachlehrer, was man ebenfalls aus dem Verwaltungsbericht entnehmen kann, der morgen im Bildungsausschuss vorliegt.

Wer Kinder hat – oder vom Fach ist, weiß, dass in einem der reichsten Länder der Welt (Bayern) ein Bildungsnotstand herrscht, wie man ihn nur in Schwellenländern vermutet. Viel zu große Klassen, zu wenig Lehrer und dazu kommt noch der Umstand, dass die Lehrerausbildung kaum noch den Standards genügt. Die Schulgebäude sind marode und teilweise herrschen unzumutbare Bedingungen auf den Toiletten sowie in den Klassen- und Aufenthaltsräumen. Kurz gesagt: Es ist eine Schande und niemand will dafür verantwortlich sein. Dabei haben wir in Bayern mit der CSU eine Art Staatspartei, die seit mehr als einem halben Jahrhundert die Regierung stellt. Man traut sich die Banalität kaum schreiben, muss es aber in diesem Zusammenhang tun: Das Schulwesen unterliegt den Bundesländern!

In der aktuellen Pressemitteilung der CSU übt sich der Augsburger CSU-Fraktionschef Bernd Kränzle darin, was er ohnehin am besten kann: beschwichtigen. Bildungsreferent Köhler habe das größte Sanierungspaket der Nachkriegsgeschichte angepackt. Die Diskussion um die Schulsanierungen in Augsburg habe komplexe und weit in die Vergangenheit reichende Gründe. Sie sei nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Stadt – ungeachtet anderer statistischer Prognosen – erheblich gewachsen sei und weiter wachse, sondern auch historisch bedingt: Jahrzehntelang sei bei der Bestandspflege und Sanierungsplanung nicht ausreichend in die Zukunft gedacht worden, so Kränzle, der dabei nicht erwähnt, dass eben „seine“ CSU in Augsburg seit 1990 nur zwischen 2002 und 2008 nicht die Stadtregierung stellte. Anders gesagt: In den vergangenen drei Jahrzehnten war die CSU in Augsburg 24 Jahre beinahe mit der Stadtregierung identisch. In Bayern ist die CSU seit 60 Jahren an der Macht. Somit steht die CSU in der Hauptverantwortung für das bildungspolitische und baupolitische Desaster.

Dies habe sich, so Kränzle, seit Antritt der Stadtregierung unter OB Gribl und mit Bildungsreferent Hermann Köhler, der das größte Maßnahmenpaket der Augsburger Nachkriegsgeschichte angepackt habe, maßgeblich verändert: Seit 2008 seien insgesamt 384 Millionen in die Augsburger Schullandschaft investiert worden. Das gesamtheitlich angelegte Schulsanierungsprogramm bringe erfolgreich grundhafte bauliche und pädagogische Verbesserungen für die Schulen. Bis zu welchem Zeitpunkt das geschehen soll, steht nicht dabei.

Insgesamt wurden laut Angaben der Stadt Augsburg alleine im Zeitraum von 2015 bis 2020 in die Sanierung der Augsburger Schulen rund 176 Millionen Euro aus dem Vermögenshaushalt der Stadt Augsburg investiert sowie Mittel bereitgestellt. „Ohne extrem hohe Brandschutzvorgaben wäre viel mehr möglich“, so Kränzle. Die Sanierungsmaßnahmen werden mit einem klaren Plan und einer nachvollziehbaren Priorisierung vollzogen. „Wann was wie saniert wird, ist im Rahmen der im Stadtrat beschlossenen Schulsanierungspakete festgeschrieben und wird nur durch ungeplante Maßnahmen gestört“, so der Fraktionsvorsitzende Bernd Kränzle. „Ich kann allen Schulleitern und Schulen nur sagen: Keine Panik, die Stadtregierung hat einen Plan“.

Die „Stadtregierung“, wie Kränzle die CSU nun nennt, hat in der Tat einen Plan. Der Plan sieht so aus: Derjenige, der am lautesten schreit, wird der Mund mit schnellen Geldern gestopft. Dem Peutinger Gymnasium, dessen Schulleiter die Stadtregierung scharf angriff, werden Nachtragsmittel für den „Mozartturm“ zur Verfügung gestellt. Der Mozartturm ist eine Ausweichstätte, die erst saniert werden muss: „Die CSU-Fraktion freut sich über die heutige schriftliche Mitteilung der CSU-Finanzreferentin Eva Weber an das Peutinger Gymnasium, dass für die Planungen „Mozartturm“ die notwendigen Planungsmittel in Höhe von 440.000 Euro im Nachtragshaushalt 2019 – vorbehaltlich der entsprechenden Beschlussfassung des Stadtrats und der Haushaltsgenehmigung durch die Regierung von Schwaben – zur Verfügung gestellt werden“, schreibt Bernd Kränzle.

Bis jetzt sind 300 Millionen Euro für die Sanierung der Augsburger Schulen vorgesehen. Vermutlich wäre das Zweifache dieses Betrages nicht genug, immer wieder hört man über den „Flurfunk“ der Verwaltung, dass man gar mit einer Milliarde Gesamtkosten zu rechnen habe. Mit Beschwichtigungsstrategien lässt sich dieses Finanzierungsloch nicht auflösen. Die Schulfamilien fühlen sich zurecht veräppelt, weil ihnen etwas vorgemacht wurde und wird, was mit 300 Millionen Euro nicht zu leisten ist.

„Natürlich ist genug nie genug, wenn es um die Zukunft der Bildung unserer Kinder geht“, so Kränzle in seinem Schreiben, „aber wir sollten trotz anstehendem Wahlkampf weiter ein vernünftiges Miteinander pflegen.“

Ein „vernünftiges Miteinander“ wäre möglich, wenn man als Stadtregierung in der Lage wäre, eine Ansage zu machen, die sich der Wahrheit annähert. Die Bitte nach Vernunft kann nur ernstgenommen werden, wenn der Bittsteller einen Plan hat, der vernünftig scheint. Die Augsburger Schulen mit 300 Millionen Euro sanieren zu wollen, hat mit Vernunft nichts zu tun. Dahinter steht kein Plan, sondern ein Irrtum.



Weitere Auszeichnung für das Augsburger Friedensfest

Der Bayerische Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, beabsichtigt, dem Augsburger Friedensfest den Heimatpreis Bayern für besondere Verdienste um Heimat, Kultur und Brauchtum zu verleihen.

Die Auszeichnung wird im Rahmen der Veranstaltung „Heimat Bayern“ am Dienstag, 08. Oktober 2019 um 18:00 Uhr in der Allerheiligenhofkirche der Residenz München persönlich überreicht. Kulturreferent Thomas Weitzel wird die Auszeichnung entgegennehmen.Nach dem Eintrag ins Landesverzeichnis und ins Bundesverzeichnis Immaterielles Kulturerbe der UNESCO im Jahr 2018 ist dies eine weitere Auszeichnung für das Augsburger Friedensfest.



Theaterpremiere am Tag der deutschen Einheit: Born in the GDR

Am 3. Oktober zeigt das Sensemble Theater BORN IN THE GDR. Ein Schauspiel mit Daniela Nering, Wini Gropper, Dörte Trauzeddel und Fred Brunner. Regie führt Dagmar Franz-Abbott.

„Wir leben in Deutschland und manchmal haben wir sie fast vergessen – die Mauer, die sich einst durch unser Land zog. 2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal – Zeit sich zu erinnern! Am besten mit Musik – wir hören ein Lied und dann ist alles plötzlich wieder da: graue Häuserfronten, Anstehen für Bananen, der Geruch von Westpaketen, Pioniernachmittage, die Verhaftung von Bekannten, Urlaub an der Ostsee, der Geschmack von Pfefferminzdrops.“ So der Ankündigungstext vom Sensemble Theater. Anhand von ausgewählter Ostmusik, von Wolf Biermann bis zu den Phudys, unternimmt das Stück eine Zeitreise durch ein Land, das 1990 von der Landkarte verschwand, das unser Denken und Tun aber immer noch beeinflusst. „Wir kramen in persönlichen und fremden Erinnerungen, machen alte Kisten auf – finden Alltag und Politik, Solidarität, Improvisation, Verrat, Leidenschaft, Humor und viel Musik.“

 

 



Ist die Kultur des Lesens in der Krise?

Am 4. Oktober 2019 findet in der Neuen Stadtbücherei ab 19.00 Uhr  eine Veranstaltung statt, die „Die Zukunft des Lesens im Zeitalter der Digitalisierung“ thematisiert.

Bernd Sibler

Das Lesen von Texten gilt als selbstverständliche Kulturtechnik. Noch nie umgaben uns so viele Texte wie heute. Doch immer stärker beschäftigt uns die Frage, ob das Lesen in einer Krise steckt. Und falls Ja: Sind die modernen Medien dafür verantwortlich? Der Einfluss der Digitalisierung in die Schulen, die Forschung, ins Bibliothekswesen und in die Printmedien. Hat das Lesen noch Zukunft? Darüber diskutieren anläßlich des Jubiläums 10 Jahre Neue Stadtbücherei: Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Daniel Wirsching, Medienredakteur der Augsburger Allgemeinen, Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius am Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, Peter Kosak, Leiter des Schulwerks der Diözese Augsburg. Die Moderation übernimmt Dr. Ulrike Schaupp, Akademische Rätin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Veranstaltung wird von der Buchhandlung am Obstmarkt organisiert. Der Eintritt ist frei.

 



SPORT

AEV gewinnt in Wolfsburg

Die Augsburger Panther haben endlich den ersten Dreier der DEL-Saison 2019/20 eingefahren. Bei den Wolfsburg Grizzlys siegte der AEV mit 3:2. Die Treffer für die Panther erzielten Daniel Schmölz (4.), David Stieler (14.) und Simon Sezemsky (29.). Für Wolfsburg waren Garrett Festerling (5.) und Ryan Button (39.)

Mit Olivier Roy im Kasten gelang dem AEV in Wolfsburg der erste Dreier der Saison Foto: DAZ-Archiv © Siegfried Kerpf

Tray Tuomie veränderte sein Team dabei im Vergleich zur Niederlage gegen Straubing nur zwischen den Pfosten, wo Olivier Roy wieder für Markus Keller ins Team rückte. Und Augsburgs Goalie hatte in der Anfangsphase gleich Grund zur Freude, denn der AEV ging früh in Führung:
Schmölz fälschte einen Schuss von Scott Valentine unhaltbar ab und erzielte bereits sein drittes Tor an diesem Wochenende (4.). Wolfsburg schlug allerdings postwendend zurück: Nur 50 Sekunden später zielte Festerling ganz genau und markierte aus spitzem Winkel den Ausgleich (5.).

Stieler bringt AEV erneut in Führung

Anschließend begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe und Roy und sein Gegenüber Chet Pickard konnten sich hin und wieder auszeichnen. Ein Tor fiel allerdings erst in der 14. Minute wieder, als Stieler mit einem platzierten Handgelenksschuss die zweite Führung der Panther besorgte. Und die Panther hatten in Unterzahl sogar die große Chance auf einen weiteren Treffer, aber Jaroslav Hafenrichter scheiterte bei seinem Alleingang an Pickard (17.), so dass es mit dem 1:2 in die erste Pause ging.

Im zweiten Durchgang legten die Panther jedoch nach. Nach ausgeglichenen ersten Minuten zog der AEV in Überzahl schließlich auf zwei Tore davon. Bei vier gegen drei lief die Scheibe gut und Sezemsky erzielte mit einem satten Schuss den dritten Treffer der Panther (29.).

Partie bleibt spannend

Dabei hätte es nicht bleiben müssen, denn der AEV hatte nach einem bösen Hit von Jeff Likens gegen Adam Payerl, der eine Spieldauerdiszipinarstrafe nach sich zog, in Überzahl weitere gute Möglichkeiten, aber das 1:4 wollte nicht fallen. Und dies rächte sich kurz vor dem Ende, als Button sich stark über die linke Seite durchsetzte und auch Roy zum Anschlusstreffer bezwang (39.).

Und im dritten Spielabschnitt drückten die Wolfsburger auf den Ausgleich, hatten aber Pech, als Gerrit Fauser nur die Latte traf (50.).

Panther bringen Sieg über die Zeit

Sonst ließen die Panther allerdings kaum etwas zu. Die Defensive stand sicher und Roy hielt die Schüsse, die durchkamen, sodass der AEV den Sieg über die Runden brachte. Es war der erste Dreier der laufenden Saison und bereits am Mittwoch können die Panther nachlegen, wenn der ERC Ingolstadt seine Visitenkarte im Curt-Frenzel-Stadion abgibt.

 



LOKALPOLITIK

Kommunalwahl: Markus Bayerbach tritt als OB-Kandidat der AfD zurück und geht auch nicht auf die Liste

Der Kreisverband der Augsburger AfD befindet sich seit vielen Jahren im unsichtbaren Raum, obwohl er mit zirka 170 Mitgliedern wuchern könnte. Am kommenden Sonntag, den 6. Oktober, wird die AfD-Liste erstellt.

Markus Bayerbach

Die Augsburger AfD wurde 2014 mit vier Sitzen in den Stadtrat gewählt ( Alexander Bolkhart/ThomasLis/Marc Zander/Markus Bayerbach). Bolkhart ließ sich bald vom Listennachrücker Thorsten Kunze ersetzen. Lis wanderte sehr früh zu Pro Augsburg ab, Zander und Kunze zur CSU. Übrig blieb von der AfD-Fraktion allein Markus Bayerbach, der 2018 über die schwäbische Landesliste in den Bayerischen Landtag einzog. Die AfD war bisher in Augsburg eine One-man-show namens Bayerbach.

Damit ist nun Schluss. Bayerbach wurde kürzlich zwar vom Kreisverband einstimmig zum OB-Kandidaten nominiert, wird aber nicht antreten und sich auch nicht auf die Augsburger AfD-Liste stellen lassen, wie die DAZ über den „Flurfunk“ aus dem Landtag erfuhr.

Der 56-jährige Markus Bayerbach bestätigte dies auf Anfrage. Als Gründe führte er ins Feld, dass er mit der zu erwartenden Zusammenstellung der Liste nicht einverstanden sei. Die vorderen Listenplätze würden überwiegend von Mitgliedern der AfD-Jugendorganisation (JA) stehen. „Einige von Ihnen überschreiten bei mir die rote Linie“, so Bayerbach. Der Augsburger AfD-Kreisverband könnte somit nach Bayerbachs Abgang einen weiteren großen Schritt nach rechts machen.

In allen Bundes-Umfragen lag die AfD bisher über 10 Prozent. In Bayern zogen sie 2018 mit knapp 11 Prozent in den Landtag ein. Bei der vergangenen Bundestagswahl hatte die AfD in Augsburg mit 13 Prozent das beste Ergebnis in einer westdeutschen Großstadt über 250.000 Einwohner erzielt. Eine Kommunalwahl ist zwar überwiegend eine Persönlichkeitswahl und obwohl die AfD-Liste nicht viel hermacht, muss damit gerechnet werden, dass nach der Bayerischen Kommunalwahl vier bis sechs AfD-Leute in den Augsburger Stadtrat einziehen. 

Wer am Sonntag Markus Bayerbach als OB-Kandidaten ablöst, konnte die DAZ nicht in Erfahrung bringen. Favorit ist der Inninger Markus Striedl. 



Interview mit Volker Ullrich: „Die Karlstraße wird auf Dauer nicht so bleiben können“

Augsburgs CSU-Chef Volker Ullrich im Gespräch Siegfried Zagler

Dr. Volker Ullrich ist ein CSU-Politiker der ersten Kategorie. Er hat in der Bundestagsfraktion der CSU ein hohes Ansehen, einen guten Draht zur Bundeskanzlerin und hält von allen Bundestagsabgeordneten die meisten Reden. Ullrich organisiert in seinem Wahlkreis zahlreiche wie interessante und gut besuchte Podiumsdiskussionen, pflegt eine liberale Weltsicht und ist dennoch ein CSU-Mann wie er im Buche steht. DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler und Volker Ullrich pflegen ein respektvolles Miteinander, was man auch zum Beispiel daran erkennen kann, dass man ein Interview vereinbart, es ohne Netz und doppelten Boden durchführt und man es veröffentlichen kann, ohne dass ein PR-Berater oder ein Parteisekretär noch einen Blick darauf wirft. „Die Volkspartei CSU muss sich in einer wandelnden Gesellschaft ändern und den Mut zur Erneuerung haben. Die CSU in Augsburg hat diese Kraft“, so Ullrich im DAZ-Interview.

Dr. Volker Ullrich – Foto: Helena Weidner

DAZ: Herr Ullrich, Sie sind seit Kurzem Vorsitzender des CSU-Bezirksverbands Augsburg. Sie sind Bundestagsabgeordneter und werden im Oktober gerade mal 44 Jahre alt. Eva Weber, die vorgesehene CSU-Nachfolgerin für das Augsburger OB-Amt ist zwei Jahre jünger als Sie. Leo Dietz nicht wesentlich älter. Was bedeutet der Führungswechsel für die Augsburger CSU, wenn die neue Spitze dergestalt jung ist? Was werden Sie weiter so machen, wie es bisher gemacht wurde, was werden Sie anders machen?

Ullrich: Unsere Gesellschaft ändert sich. Wir sehen das täglich mit Blick auf die Nachrichten und erleben es selbst. Auf diese Veränderungen brauchen wir starke politische Antworten. Ich glaube nach wie vor an die integrative Kraft der Volkspartei, die Menschen und Haltungen zusammenführt. Die Volkspartei CSU muss sich in einer wandelnden Gesellschaft ändern und den Mut zur Erneuerung haben. Die CSU in Augsburg hat diese Kraft. Wir gehen neue Wege und erhalten Bewährtes. Schauen Sie auf unsere Stadtratsliste. Hier haben wir eine wirklich gute Mischung aus erfahrenen Kandidaten und jungen Talenten. Wir brauchen sie in der CSU alle.

DAZ: Oliver Heim und Gerhard Schmid aus Inningen offenbar nicht. Sind die Inninger CSU-Leute zu nahe bei der AfD? Warum wurden sie nicht auf der CSU-Liste berücksichtigt?

Eine Zusammenarbeit oder Kooperation mit der AfD ist nicht vorstellbar

Ullrich: Der Ortsvorsitzende der CSU-Inningen ist bei der Aufstellungsversammlung der CSU-Augsburg insgesamt vier Mal für einen Platz auf der Stadtratsliste angetreten und konnte keine Mehrheit erzielen. Das gilt es demokratisch zu akzeptieren. Für die CSU ist dennoch nicht hinnehmbar, dass er jetzt auf der Stadtratsliste der WSA kandidiert. Er wird sich entscheiden müssen. CSU-Ortsvorsitzender und Kandidat bei der WSA sind unvereinbar. Im Übrigen gilt für CSU in Inningen wie für die gesamte CSU: Wir grenzen uns klar und deutlich in Inhalt, Haltung und Sprache von der AfD ab. Eine Zusammenarbeit oder Kooperation mit der AfD ist nicht vorstellbar.

DAZ: Die Haushaltslage der Stadt Augsburg ist im Vergleich zu anderen bayerischen Großstädten angespannt. Die Schulsanierungen wie die Theatersanierung sind ins Stocken geraten. Wie wollen Sie damit umgehen? Wie wollen Sie zum Beispiel die Theatersanierungskosten dem Bürger vor der Wahl vermitteln, wenn die Gelder für die Schulsanierung nicht vorhanden sind?

Ullrich: Wir sollten nicht den Fehler machen, einzelne politische Projekte in der Finanzierung gegeneinander auszuspielen. Wer das versucht, verzettelt sich …

Die Sanierung der Schulen und deren Ausstattung hat eine ganz hohe Priorität

DAZ: … Wenn nicht genug Geld für beides da ist, muss man doch priorisieren. Die CSU und ihre Finanzreferentin Weber tun gerade so, als sei noch alles im Lot. Ist es aber nicht. Und langsam bekommt dies der Wähler auch mit.

Ullrich: Wir brauchen beides. Die Sanierung der Schulen und deren Ausstattung hat eine ganz hohe Priorität. Deswegen haben wir eine Änderung des Grundgesetzes vorgenommen, damit der Bund in Abkehr der bisherigen Kompetenzverteilung selbst Kommunen bei der Finanzierung der Schulen unterstützen darf.

DAZ: Herr Ullrich, mit Verlaub, in München sind 6 Milliarden Euro für die Schulsanierungen beschlossen und bereitgestellt worden. In Augsburg hat man sich mit 300 Millionen Euro zufrieden gegeben. Das ist aktuell der Stand. München hat nicht die 20-fache Last zu tragen, sondern dort hat man wohl genauer Grundlagen ermittelt. Breche ich die Münchner Zahlen auf Augsburg herunter, brauchen wir für die Schulsanierungen in unserer Stadt wohl eine Milliarde Euro. Sollen die fehlenden 700 Millionen vom Bund kommen?

Ich weiß aber auch, dass es nicht bei den 300 Millionen Euro bleiben wird

Ullrich: Die 300 Millionen stellen in Augsburg bereits einen großen Kraftakt dar. Noch nie zuvor  ist soviel Geld für die Schulsanierung aufgewendet worden. Das darf man nicht kleinreden. Ich weiß aber auch, dass es nicht bei den 300 Millionen Euro bleiben wird. Das wird der nächste Stadtrat zu entscheiden haben. Dabei hilft uns in Augsburg auch die Grundgesetzänderung. Im Übrigen gilt im Hinblick auf die Theatersanierung die Verpflichtung, auf die Einhaltung des Kostenrahmens zu achten.

DAZ: Wie können Sie den DAZ-Lesern erklären, dass ein erfolgloser parteiloser Kulturreferent wie Thomas Weitzel von der CSU unterstützt und wohl weiterhin als Referent gewollt wird, indem man ihn auf Listenplatz 9 setzt?

Ullrich: Einspruch! Die von Ihnen vorgenommene Beschreibung von Herrn Weitzel ist weder fair noch sachgerecht. Ich widerspreche hier ausdrücklich. Thomas Weitzel ist ein guter und erfolgreicher Kulturreferent. In seiner bisherigen Amtszeit ist die Umwandlung zum Staatstheater geglückt, Welterbe Wasser war erfolgreich, der Kulturpark West konnte auf das Gaswerk-Areal umziehen, die Archäologie hat ein neues Depot und eine bessere Einbindung der freien Kunst- und Kulturszene ist auf dem Weg. Das haben übrigens die Delegierten der CSU ganz genauso gesehen, indem diese Herrn Weitzel mit einem sehr überzeugenden Ergebnis auf Platz 9 unserer Stadtratsliste gewählt haben.

DAZ: Das Aufgezählte hat wenig mit der Person des Kulturreferenten zu tun. Ich lasse das aber mal so stehen und werde Ihrer Einschätzung an anderer Stelle widersprechen. – Die Differenzierung der Städte erfolgt über Kultur, nicht über geschickte Verkehrsführung: Können Sie dem zustimmen?

Ullrich: Die Differenzierung der Städte erfolgt über mehrere Faktoren. Gewiss ist die Kultur ein bedeutender Faktor. Aber eben nicht der einzige. Wenn Sie auf die lebenswertesten Städte der Welt sehen, dann ist es die Mischung aus starker Wirtschaftskraft und hoher Lebensqualität, die zählt. Das Thema Mobilität spielt hier übrigens eine ganz zentrale Rolle. Städte, die im Stau und Verkehr ersticken, haben keine Zukunft. Wir brauchen ein neues Denken und einen klugen Mobilitätsmix aus ÖPNV, Radverkehr und mobilisierten Individualverkehr. Da sind wir doch in Augsburg auf einem wirklich guten Weg.

DAZ: Auch das sehe ich anders, wenn man bedenkt, dass jeden Tag 20.000 Autos über die „Stadtautobahn Karlstraße“ brausen. Eine Stadtautobahn zwischen Rathaus und Dom. Wo gibt es das sonst noch? Zu wenige Parkplätze für Autos, zu wenige für Fahrräder. Die Tarifreform der Stadtwerke ist krachend gegen die Wand gefahren. Die gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitswerte der Atemluft werden oft nicht eingehalten. Die Linie 6 endet auf dem Feld. Die Linie 5 ist in der Planfeststellung stecken geblieben – ebenso die Zielsetzungen zur Fahrradstadt 2020. In Augsburg ist man von einer zeitgemäßen Mobilität soweit entfernt wie vom Mond. Nicht umsonst will die OB-Kandidatin der CSU ein „Mobilitätsreferat“ gründen.

Vielleicht geht eine Straßenbahnlinie durch die Karlstraße

Ullrich: Die Karlstraße wird auf Dauer nicht so bleiben können. Wie eine tiefe Schneise teilt diese Straße die Altstadt. Wir haben hier in der Tat zuviel Verkehr und mit die höchsten Schadstoffbelastungen in Augsburg. Wir müssen uns gemeinsam mit den Bürgern überlegen, wie wir hier neue Konzepte entwickeln können.

DAZ: Zusammen mit den Bürgern?! Das klingt gut. Aber ich hätte jetzt gern einen Vorschlag von Ihnen!

Ullrich: Vielleicht geht eine Straßenbahnlinie durch die Karlstraße und oder mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Insgesamt brauchen wir in Augsburg einen modernen Mobilitätsmix. Schneller und günstiger Nahverkehr, breite und sichere Radwege, Platz für Fußgänger und natürlich auch Raum für den Individualverkehr. Wir sollten Verkehrsträger ergänzen und vernetzen und sie nicht gegeneinander ausspielen. Genau wegen dieser Herausforderugen möchte Eva Weber als Oberbürgermeisterin ein Mobilitätsreferat einrichten. Ich halte das für sehr klug.

DAZ: Lassen Sie uns das Thema wechseln. Wenn man den Medien-Hype um die Weltkulturerbe-Ernennung, um die Friedensstadt-Debatte verfolgt und seit Jahrzehnten die Kulturpolitik in Augsburg vernachlässigt, dann muss man von Versäumnissen sprechen, von verlorener Zeit, die man nun aufholen müsste. Sehen Sie das auch so?

Die Auszeichnung zum Welterbe ist eine echte Chance

Ullrich: Nein, das sehe ich nicht so. Das Gegenteil ist der Fall. Ich sehe die Ernennung zum Welterbe nicht als Hype, sondern als echte Auszeichnung für Augsburg, über die wir uns freuen dürfen und sie ist eine echte Chance. Die Kulturszene in Augsburg ist lebendig, vielfältig und inspirierend. Jetzt gilt es, das fortzuentwickeln.

DAZ: Nach der Auszeichnung kam der Hype. Der Impuls, die Idee kam übrigens von einer Privatperson, nicht von der Kulturpolitik, die eher skeptisch war und diesbezüglich nur langsam in die Gänge kam. Sie sagen es ja selbst: „fortentwickeln“. Welche Kulturpolitik würde die Stadt weiterbringen? Welche Ziele sollten priorisiert werden?

Ullrich: Die große Voraussetzung für Kultur ist Freiheit. Deswegen brauchen Künstler kreative Freiräume einerseits und andererseits die Ermutigung, sich streitig mit den großen Fragen unserer Zeit zu beschäftigen. Daneben kann die Kulturpolitik in Augsburg nicht von unserem großen historischen Erbe getrennt werden. Das weiter zu pflegen und modern zu bewahren, bleibt eine große Aufgabe.

DAZ: Womit wir bei den Römern wären. Ein Erbe, das viele Jahrzehnte in der Dominikanerkirche vor sich hindämmerte und nun richtig brach liegt. Sie wollen mir jetzt doch nicht einreden, dass dieses große historische Erbe von der städtischen Kulturpolitik nicht vernachlässigt wurde.

Ullrich: Die städtische Kulturpolitik kann doch nicht alles auf einmal erledigen. Wie wir den Umgang mit unserem großen römischen Erbe zeitgemäß aufbereiten, wird eine der künftigen Fragen der städtischen Kulturpolitik sein.

DAZ: Herr Ullrich, vielen Dank für das Gespräch. ———– Fragen: Siegfried Zagler



FCA gegen Leverkusen: ohne Feuer, ohne Leidenschaft

Der FC Augsburg verliert vor 27.113 Zuschauern in der heimischen WWK-Arena gegen Bayer 04 Leverkusen mit 0:3. Die Tore erzielten Florian Niederlechner (Eigentor/33.), Kevin Volland (76.) und Kai Haverts, der den Ball nach einer Bayer-Traumkombination freistehend zum Endstand einnetzte (84.).

Nach dem 1:1-Unentschieden in Freiburg veränderte FCA-Trainer Martin Schmidt seine Startelf auf zwei Positionen: Im Mittelfeld begann überraschenderweise erstmals in dieser Saison Reece Oxford als defensive Sechs, auf der linken Außenbahn stand Iago nach seiner Verletzungspause nicht weniger überraschend in der Startelf. Jan Morávek und André Hahn nahmen auf der Bank Platz. Beide Debütanten zeigten eine gute Partie, soviel vorweg.

Der FCA begann mit hohem Pressing, störten also früh den Spielaufbau der Werkself, die phasenweise über 80 Prozent Ballbesitz hatte, aber gegen eine gut gestaffelte Augsburger Abwehr kein Durchkommen fand. Da der FCA nach Balleroberung mit dem Ball wenig anzufangen wusste, sahen die Zuschauer ein nett anzusehendes Leverkusener Passspiel, das meist am FCA-Strafraum sein Ende fand. Doch mit fortlaufender Spieldauer fanden die Bayer-Spieler mehr Zeit und Raum für ihre Kombinationen, da die Augsburger immer weniger Zugriff auf das Spiel fanden. Es gab kaum noch Zweikämpfe, weil die Augsburger zu weit von ihren Gegenspielern weg waren, um diese zu führen. Bayer-Angriffe wirkten ab der 25. Minute gefährlich und die logische Konsequenz war der Niederlechner-Kopfball ins eigene Tor (34.).

Nach der Pause das gleiche Bild: Es spielte nur eine Mannschaft und den Augsburgern konnte man nach vorne bestenfalls ein „Bemühen“ attestieren. Leverkusen hätte längst höher führen müssen, so rauschte ein abgefälschter Schuss von Kevin Volland ans Außennetz (51.). Und weiter ging es im Muster: Eine Bayer-Welle nach der anderen rollte auf das FCA-Tor zu, doch die beste Chance hatte Julian Schieber, der im Augsburger Sturmzentrum für den enttäuschenden Finnbogason eingewechselt wurde.

Schieber konnte eine Unsicherheit der Bayer-Abwehr nutzen und aus sechzehn Metern einen Volleyschuss abgeben, doch Bayer-Torwart Lukas Hradecky konnte den Ball über den Kasten lenken (72.). Die einzige Augsburger Torchance in der gesamten Partie! Wenig später war das Spiel entschieden: Einen langen Ball hob Volland über den schlecht stehenden Koubek mühelos zum 2:0 in die Augsburger Maschen (76.). Anschließend war es im Stadion so still, dass man die Krähen auf der Dachkante kreischen hörte. In der Schlussphase zeigte Bayer seine ganze Klasse mit einer schnellen Kombination über mehrere Stationen, die schließlich Kai Havertz frei vor Koubek  zum 3:0 Endstand verwertete (84.).

Als Fazit ist festzuhalten, dass der FCA gegen Bayer lange Zeit hervorragend verteidigte, ohne jedoch nach vorne einen Hauch Gefährlichkeit zu entwickeln. Es fehlte diesbezüglich nicht nur an Genauigkeit, sondern auch an Ideen und System. Auffallend auch, dass man kein Feuer in der Mannschaft spürte. Jeder erledigte einen ordentlichen Job, mehr aber auch nicht. Aggressivität und Leidenschaft sind Attribute, die zum Augsburger Fußball gehören sollten, wie der Lech und der Perlachturm. Es gab kein großes Aufbäumen, keinen Funkenschlag. Noch nie war die Geräuschkulisse im Stadion auf dem Lechfeld schwächer als beim gestrigen Spiel gegen Leverkusen. Die Emotionen der Fans passten sich dem Auftritt der Mannschaft an. Eine Mannschaft, die versuchte mitzuhalten und im Lauf der Partie hilflos hinnahm, dass Bayer das bessere Team ist. Auf diese Weise zu verlieren ist grausam, ist Fußball ohne Spirit und ohne Ereignishaftigkeit. Früher gab es in der Sportberichterstattung die Floskel, dass „die Zuschauer ihr Kommen nicht bereuen mussten“. Dieser Satz hätte in diesem Fall selbst für die mitgereisten Bayer-Fans keine Gültigkeit. Selbst in Paderborn und Ostberlin hängen aktuell die Trauben höher als in Augsburg. (Siefried Zagler)

Am kommenden Sonntag, 6. Oktober, (13.30 Uhr) ist der FCA bei Borussia Mönchengladbach zu Gast. Danach kommt der FC Bayern nach Augsburg.

FCA: Tomáš Koubek; – Stephan Lichtsteiner; Tin Jedvaj; Felix Uduokhai; Philipp Max; – Rani Khedira; Ruben Vargas; Amaral Borduchi Iago; Reece Oxford; – Florian Niederlechner; Alfred Finnbogason;

Eingewechselt: Sergio Córdova (87.); Jan Morávek (80.); Julian Schieber (67.); –

Ausgewechselt: Philipp Max (80.); Florian Niederlechner (87.); Alfred Finnbogason (67.); –

Auswechselbank: André Hahn; Andreas Luthe; Daniel Baier; Michael Gregoritsch; Fredrik Jensen; Raphael Framberger.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern642019:61314
2RB LeipzigRB Leipzig641114:6813
3FC Schalke 04Schalke 04641113:6713
4Bor. MönchengladbachM'gladbach641110:5513
5Bayer LeverkusenLeverkusen641111:7413
6VfL WolfsburgWolfsburg63309:4512
7Borussia DortmundDortmund632117:9811
8SC FreiburgSC Freiburg531111:4710
9Eintracht FrankfurtFrankfurt63129:8110
10Werder BremenSV Werder621310:14-47
111899 HoffenheimHoffenheim61234:10-65
12FC AugsburgAugsburg61237:14-75
13Fortuna DüsseldorfDüsseldorf51137:9-24
141. FC Union BerlinUnion Berlin61146:12-64
15Hertha BSCHertha BSC51135:11-64
161. FC Köln1.FC Köln51044:11-73
171. FSV Mainz 05Mainz 0561055:16-113
18SC Paderborn 07Paderborn60158:17-91


Das Turamichele ist ein Sinnbild des Urfaschismus

Wenn mit Beginn des Herbsts Blutrausch und Kaufrausch auf dem Augsburger Rathausplatz Hochzeit feiern, dann ist das Turamichele zurück. 

Ein Tötungsritual als Kindergeburtstag: Das Augsburger Turamichele-Fest – Bildnachweis: Stadt Augsburg

Falls es eines Bildes bedürfte, um die Ideologie des Faschismus auf den Punkt zu bringen – das Augsburger Turamichele wäre dafür ideal: Ein glanzvoller, männlich-jugendlicher Charakter dominiert einen dunklen, bestialischen Untermenschen und metzelt diesen ohne mit der Wimper zu zucken ab. 

Das ist Rassismus, der in der mystischen Überhöhung des Dargestellten zum überirdischen Kampf von Gut gegen Böse gipfelt. Die innerhalb dieses dualistischen Weltbilds von der Gestalt des Turamichele verkörperte Macht über Leben und Tod gehört zu den kulturellen Zeichen des Faschismus, wie die bedingungslose Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt. Das Tötungsritual entstammt einem seit Jahrtausenden fortgeschriebenen mystisch-religiösen Bedeutungsgewebe, das die sich Stadt Augsburg seit einem knappen Jahrtausend zu eigen gemacht hat und bis auf den heutigen Tag als eine Art Kindergeburtstag zelebriert.

Kulthandlungen beinhalten meist die Ablehnung von Widerspruch 

Der kollektive Turamichele-Wahn auf dem Rathausplatz, wo Hunderte Kinder die Lanzenstiche ihres mörderischen Modellcharakters zählen, erinnert an das Prinzip von Gefolgschaft und Führer. Der italienische Historiker und Faschismusforscher Emilio Gentile weist darauf hin, das faschistische, beziehungsweise faschistoide Bewegungen kulturstiftend wirken, indem sie aus Mythen, Riten und Symbolen eine irrationale Ersatzreligion formen. 

Laut Umberto Eco verfestigen tradierte Handlungen dieser Art, die Ablehnung der wissenschaftlichen Widerspruchskultur und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Intellekt. „Im Kult um das Augsburger Turamichele sind somit die Muster des Ur-Faschismus zu erkennen“, so sieht das Kulturkritiker Bernhard Schiller, der mit seiner langjährigen DAZ-Reihe „Zum Teufel mit dem Turamichele“ Tausende DAZ-Leser begeisterte, aber auch Kopfschütteln und Ablehnung erntete.

Nach zwei Tagen hat der Erzengel 108 Mal auf den Teufelsdrachen eingestochen und das Böse besiegt

"Wie von Geisterhand?" Foto: Stadt Augsburg

„Wie von Zauberhand?“ Foto: Stadt Augsburg

Die Augsburger Stadtwerke, die sich um den mittelalterlichen Kult kümmern, sehen das natürlich anders: „Der Namenstag des heiligen Michael, der 29. September, ist in Augsburg seit 494 Jahren ein ganz besonderer Tag. So lange schon wird das Fest des Turamichele gefeiert. Es ist das älteste und größte Kinderfest im Raum Augsburg, wenn nicht eines der ältesten in Deutschland: Von 10 bis 18 Uhr schauen am Samstag, 28. September und am Sonntag, 29. September dem Michaels-Tag zu jeder vollen Stunde hunderte Kinder auf dem Rathausplatz gebannt hoch zum Perlachturm, wenn sich wie von Zauberhand ein Fenster öffnet und der Heilige Michael den Teufelsdrachen bezwingt. Wie von Zauberhand? Nicht ganz. Denn hinter dem Schauspiel am Turmfenster verbergen sich zwei Stadtwerke-Mitarbeiter: Sie öffnen den Vorhang, bringen die Figuren in Position und erwecken mit dem Drehen an einer Kurbel die Figuren zum Leben: Mit einem Lanzenstich des heiligen Michael pro Glockenschlag. Nach zwei Tagen hat der Erzengel dann 108 Mal auf den Teufelsdrachen eingestochen und das Böse besiegt.“

 



AEV verliert gegen Straubing

Die Augsburger Panther haben auch das dritte Heimspiel der DEL-Saison 2019-20 verloren. Gegen die Straubing Tigers zeigte der AEV zwar Moral, unterlag am Ende aber mit 4:5. Die Treffer für die Panther erzielten Sahir Gill (15.), Daniel Schmölz (29., 53.) und Adam Payerl (37.). Für Straubing waren Travis Turnbull (3.), Jeremy Williams (15.), T.J. Mulock (20.), Benedikt Kohl (22.) und Kael Mouillierat (48.) erfolgreich.

DEL 2019/20 — 5. Spieltag: Augsburger Panther vs. Straubing Tigers — Fredrik Eriksson und Adam Payerl — © Siegfried Kerpf

AEV-Trainer Tray Tuomie musste dabei weiter auf Drew LeBlanc verzichten. Zudem schenkte er Markus Keller, der sein Saisondebüt feierte, das Vertrauen zwischen den Pfosten. Doch Keller musste früh hinter sich greifen, als Turnbull ganz genau zielte und den Puck aus spitzem Winkel genau zwischen die Schulter des AEV-Goalies und die Latte zimmerte (3.). Straubing war zu Beginn besser und legte im Powerplay schließlich nach. Nach schönem Querpass von Stefan Loibl traf Williams per Direktabnahme unhaltbar zum 0:2 (15.). Doch die Panther schlugen zurück und kamen nur 22 Sekunden später zum Anschlusstreffer.

Gill verkürzt – Mulock antwortet

Matt Fraser legte zurück und Gill traf sehenswert genau in den Knick (15.). Gill war es wenig später auch, der im ersten Powerplay der Panther die Chance auf den Ausgleich hatte, aber an Jeff Zatkoff scheiterte (16.). Besser machte es Mulock auf der Gegenseite, der kurz vor der ersten Pause zum 1:3 abstaubte, nachdem Keller zuvor noch stark parieren konnte (20.). Und es kam noch schlimmer, denn Straubing gelang auch im zweiten Drittel ein frühes Tor. Keller hatte beim Handgelenksschuss von Kohl keine Sicht und die Scheibe schlug im linken oberen Eck ein (23.).

Panther mit Moral

Doch die Panther zeigten Moral und machten das Spiel wieder spannend. Erst stocherte Schmölz den Puck irgendwie an Zatkoff vorbei zum 2:3 (29.) und in Überzahl fiel dann sogar der dritte Treffer der Hausherren. Torschütze war Payerl, im Nachschuss (37.). Weitere Treffer hätten im Mitteldrittel fallen können, aber die Torumrandung und beide Goalies hatten etwas dagegen.

Im dritten Abschnitt konnten die Fans jedoch wieder jubeln und zunächst waren die Gäste dran. Einmal mehr mit einem Mann weniger kassierte der AEV ein Gegentor. Bei angezeigter Strafe bugsierte Mouillierat den Puck am Ende über die Linie (48.).

Schmölz zweiter Treffer reicht nicht

Doch die Panther gaben sich weiter nicht geschlagen und verkürzten erneut. Schmölz fälschte einen Pass von Payerl stark ab und bezwang Sebastian Vogl, der mittlerweile für Zatkoff im Spiel war (53.). Die Panther drängten anschließend bis zum Schluss vehement auf den Ausgleich, aber die Tigers brachten den Dreier letztlich über die Zeit. Für den AEV geht es nun am Sonntag um 16:30 Uhr bei Wolfsburg Grizzlys weiter.