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Kommentar: FCA im Stile einer Söldnertruppe

Der FC Augsburg spielt wie eine bunt zusammen gestellte Kreisauswahl blutleer vor sich hin. Die neu zusammengestellte Mannschaft ist eindeutig zu schwach für die Bundesliga!

Kommentar von Siegfried Zagler

FCA Präsident Claus Hofmann und Sportmanager Stefan Reuter stehen bereits nach dem zweiten Pflichtspiel zusammen mit Trainer Martin Schmidt in der Kritik. Nicht wegen der Ergebnisse, schließlich kann man in Dortmund schon mal etwas höher verlieren oder gegen einen unterklassigen Verein im Pokal ausscheiden. Beides ist dem FC Bayern und anderen großen Klubs auch schon passiert.

Schlimm sind also nicht die Ergebnisse, sondern die Art und Weise der Niederlagen. In beiden Spielen hat der FCA hochverdient verloren. In beiden Spielen sind die Augsburger blutleer und zusammenhangslos aufgetreten, so dass sich der Eindruck aufdrängt, die Mannschaft hat keinen Spirit, keine Kampfkraft und keine innere Struktur. Die Innenverteidigung hat keinen Leader und wirkt so stabil wie ein aufgerissenes Kopfkissen. Von Außenverteidigung zu sprechen, wäre ein Euphemismus: Wer verteidigte eigentlich auf den Außenpositionen? Festzuhalten ist aber auch, dass mit Gouweeleuw, lago und Framberger starke Defensivkräfte verletzungsbedingt fehlten.

Unabhängig davon wirkt Michael Gregoritsch wie einst Thomas Berthold, womit gesagt sein soll, dass er keinen Meter mehr als nötig zu laufen scheint. Welche Position Gregoritsch gegen Dortmund einnahm, konnte man nicht erkennen. Warum er überhaupt in der Stammelf spielt, lässt sich ebenfalls kaum erschließen.

Im Großen und Ganzen lässt sich über die Offensive jedenfalls kaum etwas Gutes sagen. Ein schnelles Umschaltspiel funktioniert nur, wenn man aggressiv presst und hin und wieder auch einen Ball erobert, was kaum der Fall war. Die Augsburger liefen wie ein Trainingspartner meist neben den Dortmundern her. Im Spielaufbau von hinten heraus dürfte der FCA wohl die schlechteste Mannschaft der Bundesliga sein – auch wenn mit Vargas, Richter, Niederlechner spielstarke Stürmer im Kader stehen. Beim FCA fehlt die Genauigkeit nach vorne. Selten sieht man einen Pass in die Schnittstellen der Abwehr, einen präzisen Seitenwechsel oder gar einen genauen langen Ball in die Spitze. Die häufigen wie schnellen/leichten Ballverluste im Mittelfeld sind Kopfsache – und somit auch Trainersache. Marco Richter verlor zum Beispiel einen Ball weit in der eigenen Hälfe, weil er seinen Gegenspieler tunneln wollte!

Der FCA ist in der Ballsicherheit zu schwach, um ein Spiel über das spielerische Moment zu gestalten und andererseits dennoch technisch zu stark, um durchgehend im Kampfmodus zu marschieren. Die Balance fehlt in dieser Hinsicht ebenso wie der Wille und das Herz, ein Spiel mit Macht gewinnen zu wollen. Der FCA spielte nun zum zweiten Mal ohne Spirit vor sich hin wie eine bunt zusammen gewürfelte Söldnertruppe. Kann man über eine Mannschaft ein schlechteres Urteil fällen?

Als einzige Erklärung der FCA-Führung für die Baum-Freistellung in der vergangenen Saison wurden die arg schwankenden Leistungen genannt. Mehr Leistungskonstanz sollte mit Martin Schmidt nach Augsburg kommen. Saisonübergreifend hat der FCA mit Trainer Schmidt aus den letzten fünf Bundesligaspielen einen Punkt geholt, stets grottenschlecht gespielt und 5:21 Tore kassiert. Das Ziel scheint erreicht, die Leistungen sind konstant schlecht. Sollte noch ein Spiel dieser Art folgen, dürfte selbst im beschaulichen Augsburg die Luft brennen.



FCA in Dortmund: Wie eine Jugendmannschaft

Der FC Augsburg verliert sein Auftaktspiel in seiner neunten Bundesligasaison gegen Borussia Dortmund im Signal-Iduna-Park vor 80.000 Zuschauern mit 1:5. Aus Augsburger Sicht darf man nur mit dem Resultat zufrieden sein. Das Ergebnis spiegelt nämlich kaum den Spielverlauf wider. Mit fünf Gegentoren kam der FCA glimpflich davon.

FCA-Trainer Martin Schmidt wechselte im Vergleich zur Pokalpleite in Verl zweimal aus: Für Rieder und Richter spielten Khedira und Vargas. Vargas ist einer von sechs Neuzugängen, die es beim Bundesligastart in die Anfangsformation geschafft haben. Die Rede ist von Koubek, Pedersen, Suchy, Gruezo und Niederlechner.

Florian Niederlechner war es schließlich, der aus kurzer Distanz nach einer schönen Kombination über rechts (Ruben Vargas, Carlos Gruezo und Mads Pedersen) freistehend den Führungstreffer für den FCA erzielte  – nach 35 Sekunden!. 120 Sekunden später war die Augsburger Führung Geschichte: Tomáš Koubek konnte einen Querpass von Jadon Sancho nur halbherzig mit dem Fuß abwehren, vor die Füße von Paco Alcácer, der zum 1:1 abstauben konnte (3.).

Anschließend hielt der FCA ein paar Minuten das Spiel auf Augenhöhe, doch nach und nach spielte nur noch Dortmund, während der FCA im Stile einer Handballmannschaft mit zwei vor dem Strafraum sehr tief stehenden Viererketten verteidigte. Seine Klasse zeigte FCA-Keeper Koubek in der 10. Minute, als er einen Schuss aus 18 Metern von Julian Weigl aus dem Kreuzeck fischte. Die Augsburger Abwehr hatte auf den Außenbahnen kaum Zugriff, und so kam es, dass die Borussia fast mit jedem Angriff in den Augsburger Strafraum eindrang, abschließen konnte und durch  Marco Reus (25.) und Axel Witsel (27.) zu hochkarätigen Chanchen kam. Zudem drückte Mats Hummels einen Eckball aus aussichtsreicher Position mit dem Kopf am FCA-Tor vorbei.

Dass es zur Halbzeit 1:1 Unentschieden stand, hatte der FCA nur Koubek und der Dortmunder Abschlusschwäche zu verdanken. 13:2 Torschüsse, so die Statistik sprechen eine klare Sprache.

Schneller Tod nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel war die Borussia noch spielbestimmender und kontrollierte das Spiel wie in einem Trainingsspiel gegen die eigene Jugend. Der FCA kam nie richtig in die Zweikämpfe und lief den Dortmundern meist hinterher. Nach vorne ging gar nichts. Und bereits in der 51. Minute war das Spiel vorentschieden: Bei einem Querpass von der linken Seite konnten weder Koubek noch Pedersen klären, so dass Sancho zur Führung der Gastgeber einschießen konnte. Wie bereits beim ersten Dortmunder Treffer sah FCA-Keeper Koubek dabei nicht gut aus. Wenige Minuten später erhöhte Marco Reus auf 3:1 (57.). Auch hier patzte Koubek, der bei drei der fünf Gegentreffer schlecht aussah – und dennoch der beste Augsburger Spieler war. Mit seinem zweiten Treffer des Tages gelang Alcácer gar der Treffer zum 4:1 (59.).

Nach drei Gegentreffern innerhalb von zehn Minunten waren die Brechtstädter im Schockmodus und versuchten nur noch das Schlimmste zu verhindern. Der FCA kam in der 61. Minute durch Vargas Schuss aus spitzem Winkel zu seiner zweiten Torchance. Den Schlusspunkt einer aus Augsburger Sicht trostlosen Partie setzte schließlich Julian Brandt, indem er einen langen Ball von Witsel direkt zum 5:1-Endstand für Dortmund versenkte. Die Augsburger Abwehr zeigt sich von Anfang bis zum Schluss als nicht bundesligatauglich und FCA-Trainer Martin Schmidt sprach erneut davon, dass man noch viel Arbeit vor sich habe: „Nach der Führung haben wir umgehend das 1:1 kassiert, da war die Euphorie gleich wieder weg. Dennoch waren wir im Spiel und gehen mit 1:1 in die Pause. Nach dem Wechsel war die Körperlichkeit etwas weg, wir haben viele Bälle zu schnell verloren und haben so keine Entlastung mehr bekommen. Wir haben es nicht geschafft, das Tempo des Gegners auf den Außenbahnen zu verteidigen, wobei man auch sagen muss, dass es einige klassische BVB-Tore waren, bei denen man die Qualität des BVB gesehen hat. Dortmund hat letztlich verdient gewonnen und wir haben gesehen, dass wir viel Arbeit vor uns haben. Union Berlin wird jetzt unsere nächste Prüfung.“

Am kommenden Samstag, 24. August, (15.30 Uhr) kommt der Aufsteiger 1. FC Union Berlin nach Augsburg, eine defensiv starke Mannschaft. Sollte wieder ein dergestalt blutleerer und eigenschaftsloser Auftritt wie gegen Verl und Dortmund folgen, ist bereits nach dem zweiten Spieltag mit dem Schlimmsten zu rechnen.

FCA: Tomáš Koubek; – Mads Pedersen; Marek Suchý; Rani Khedira; Georg Teigl; – Daniel Baier; Michael Gregoritsch; Ruben Vargas; Carlos Gruezo; André Hahn; – Florian Niederlechner.

Eingewechselt: Marco Richter (60.); Fredrik Jensen (83.); Reece Oxford (77.); –

Ausgewechselt: Michael Gregoritsch (77.); Ruben Vargas (83.); André Hahn (60.); –

Auswechselbank: Andreas Luthe (TW); Jozo Stanić; Tim Rieder; Stefano Russo;

Tore (aus Sicht des FCA):

1:0 Florian Niederlechner (1.)
1:1 Paco Alcácer (3.)
1:2 Jadon Sancho (51.)
1:3 Marco Reus (57.)
1:4 Paco Alcácer (59.)
1:5 Julian Brandt (82.)