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Friedensfest im Bann der Flüchtlingsfrage

Im Jahre 1833 gehörten 99,6 Prozent der Augsburger Bevölkerung den beiden großen christlichen Konfessionen an, 1985 waren es noch 85 Prozent, heute liegt der Anteil der Katholiken und Protestanten bei zirka 55 Prozent. Tendenz: rasend fallend. 

Kommentar von Siegfried Zagler

© DAZ

Man darf also davon ausgehen, dass der Anlass des Augsburger Friedensfestes, nämlich der historische Friedensschluss zwischen Katholiken und Protestanten ohnehin in Kürze eine Angelegenheit einer Minderheit darstellt, weshalb die Stadt mit ihrem Rahmenprogramm über das kirchliche Konfessionsklimbim notwendigerweise hinausdenkt. Das Beharren auf eine in der Kirchengeschichte eingelagerte Friedensdefinition würde bedeuten, dass man den Augsburger Konfessionsfrieden nicht weiterdenken, nicht fortführen möchte.

Wenn es einen Gedanken gibt, der den Augsburger Konfessionsfrieden in eine erweiterte Konzeption eines gesamtgesellschaftlichen Auftrags führen könnte, dann könnte dieser selbstverständlich an die Flüchtlingsfrage gekoppelt sein. In einer globalisierten Welt gibt es keine lokalen Grenzen, keine Feier ohne Weltverbundenheit und keine Stadtpolitik, die sich nur auf einen historischen Kern kaprizieren darf.

Helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, ist Christenpflicht. Diese Pflicht hat sich als politische Haltung in unserem Grundgesetz verankert. Asylsuchende sind keine Bittsteller, sondern Menschen, die ihre Rechte wahrnehmen, da sie in ihren Heimatländern in ihrer Integrität gefährdet sind.

Deshalb liegt die CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Eva Weber falsch, wenn sie die Geflüchteten-Aktivisten als Störer der Rathaus-Feierlichkeiten betrachtet. Das Augsburger Friedensfest ist mit seinem Konfessionsgedöns und seinen Sonntagsreden am 8. August zwar am „historischen Friedensfest“ näher dran als die Akteure, die Augsburg zu einer „sicheren Hafenstadt“ machen wollen, doch auf das Protokoll und political correctness sollte man pfeifen, wenn es um Solidarität beim Helfen geht.

Die Stadt muss sich also bewegen, muss sich zur Seenotrettung bekennen. Wenn sie es nicht tut, dann bleibt das Augsburger Friedensfest eine Farce.



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