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FCA zwei Wochen vor Bundesligastart: Schlechte Abwehr, keinen Torwart

Die Lage des FC Augsburg ist bedrohlich, aber nicht hoffnungslos, denn das Transferfenster ist noch einen Monat offen.

Von Siegfried Zagler

Marco Richter: Ein FCA-Talent auf dem Weg zu einem Top-Spieler © DAZ

Marco Richter: Ein FCA-Talent auf dem Weg zu einem Top-Spieler © DAZ

Dem FCA eine Woche vor dem Pflichtspielstart (DFB-Pokal gegen Verl) ein Zeugnis auszustellen, ist nicht möglich. Die Qualität der Mannschaft wird sich erst im harten Ligabetrieb zeigen. Ohne tief blicken zu müssen, lässt sich allerdings nach dem letzten Testspiel gegen den italienischen Erstligisten FC Bologna vor 12.151 Zuschauern in der WWK-Arena festhalten, dass die Abwehr ohne Martin Hinteregger (Abgang)  und Jeffrey Gouweleeuw (verletzt) sowie ohne einen guten Torhüter nicht bundesligatauglich ist. 

Bisher hat man sich im Vergleich zur vergangenen Saison nur im Sturm verbessert, was aber in erster Linie daran liegt, dass Marco Richter einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Mit Niederlechner und einem fitten Schieber ist das Angiffszentrum stärker geworden. Dafür zeigt Andre Hahn seit langer Zeit mit jedem Spiel, dass er seit seiner schweren Verletzung kaum noch eine Verstärkung für den FCA ist. 

Jede Bundesligamannschaft lässt sich eben als solche daran erkennen, dass sie zwei erstklassige Torhüter hat, der FCA hat keinen Torhüter mit Bundesligaformat. Dieses Problem ist seit einer kleinen Ewigkeit bekannt, doch bisher hat man nur mit einer Winternot-Verpflichtung darauf reagiert. Die “Winterleihe” Kobel ist nach Stuttgart abgewandert – und man muss befürchten, dass der FCA wie letztes Jahr mit Giefer und Luthe in die Saison startet.

Das Gleiche gilt für die Innenverteidigung: Gouweleeuw, wenn er denn verletzungsfrei ist, braucht einen starken Partner, sonst verliert er an Sicherheit. Weder Danso noch Oxford haben in der vergangenen Saison bundesligataugliche Leistungen gezeigt. Rieder und Suchy sind unbeschriebene Blätter. Auf sie zu bauen ist zu riskant. Khedira ist als defensiver Sechser zu wertvoll, also steht nach Hintereggers Abgang die Erkenntnis im Raum, dass mindestens noch ein Topmann für die Innenverteidigung her muss.

Auch die Außenpositionen sind nach Jonathan Schmids Abgang nicht verstärkt worden. Teigl ist schnell – weitere positive Eigenschaften sind nicht erkennbar. Pedersen ist als Linksverteidiger beweglicher als Max, der wohl den FCA verlassen wird, aber in der Defensive nicht besser als Stafylidis, der in der kommenden Saison in Hoffenheim spielt. Die rechte Seite wartet auf Framberger, falls dieser nach seiner Verletzungsserie wieder an seine Klasse herankommen sollte. Was der schwer verletzte Neuzugang lago kann, wird man wohl erst feststellen können, wenn die Vorrunde gespielt ist.

Im Mittelfeld war gegen Bologna zu sehen, dass Daniel Baier als klassischer Zehner das Spiel machen kann, auch mit Tempo. Augsburgs Marathon-Mann ist immer noch agil, ballsicher und laufstark. Eine großes Versprechen auf die Zukunft lieferte der Nachwuchsmann Stefano Russo ab. Russo wurde für Baier eingewechselt, war sofort im Spiel und zeigte eine feine Technik, Durchsetzungsvermögen und Zug nach vorne.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der FCA mit Gruezo, Gregoritsch und eben Baier im Zusammenspiel mit den beiden Spitzen Richter und Niederlechner mit viel Technik immer wieder Dampf nach vorne durch die Mitte machen konnte. Ein deutlicher Fortschritt zur Vorsaison. Das Spiel gegen Bologna konnten die Augsburger jedenfalls lange offen halten. Erst in den letzten 20 Minuten, als die Augsburger Aktivposten ausgewechselt wurden, gewann der italienische Erstligist Oberwasser und entschied ein insgesamt ansehnliches Spiel zu seinen Gunsten mit 2:3.

Unabhängig davon gilt die Prognose, dass den Augsburgern von Beginn an die Zweite Liga winkt, falls die Schwächen in der Abwehr nicht behoben werden.