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Champions Hockey League: AEV gewinnt in Belfast in Overtime

Nach einem heiß umkämpften und hochdramatischen Spiel gewinnt der Augsburger Eislaufverein auch seine zweite Auswärtspartie in der Champions Hockey League und holt in Belfast in der Overtime zwei Punkte.

Der AEV und seine Fans feiern in Belfast den zweiten Sieg im zweiten CHL-Auswärtsspiel © Siegfried Kerpf

Nach einer kampfbetonten Partie mit zahlreichen unnötigen Strafzeiten für die Augsburger besiegten die Augsburger Panther die Belfaster Giants mit 3:2 durch den entscheidenden Treffer von Matt Fraser in Overtime, nachdem sich die beiden Teams leistungsgerecht in der regulären Spielzeit mit 2:2 getrennt hatten.

Fraser trifft früh

Anders als in Lulea gehörte die Anfangsphase dieses Mal den Panthern. Das Team von Tray Tuomie übernahm sofort die Spielkontrolle, erarbeitete sich einige gute Chancen und belohnte sich mit der verdienten Führung.

Nach einem schönen Angriff konnte Belfasts Goalie Shane Owen gegen David Stieler noch parieren, aber Fraser stand goldrichtig und staubte zum 0:1 ab (7.). Anschließend nahm der AEV gefühlt den Fuß vom Gas und die Hausherren kamen so besser ins Spiel.

Nachdem zunächst einmal der Pfosten für Markus Keller rettete, war Augsburgs Goalie in der 18. Minute machtlos. In Unterzahl konnten die Panther nicht klären und Smotherman zog trocken ab und besorgte den Ausgleich.

Belfast dreht das Spiel – Sternheimer antwortet

Im zweiten Drittel schenkten sich beide Teams nichts, ein Treffer gelang aber nur den Hausherren: Nach einem Konter brachte Wronka die Giants mit einem platzierten und unhaltbaren Handgelenksschuss erstmals in Führung (33.).

Im dritten Abschnitt schlug der AEV jedoch schnell zurück. Nach Vorarbeit von Sahir Gill war Augsburgs auffälligster Angreifer zur Stelle. Eigengewächs Sternheimer sorgte mit seinem zweiten Profitor dafür, dass das Spiel von vorne begann (44.).

Und die Pantner wollten mehr, aber der erneute Führungstreffer wollte nicht fallen. Bangen war dagegen auf der anderen Seite angesagt: Erst traf Bobby Farnham zum zweiten Mal an diesem Abend den Pfosten des Augsburger Gehäuses und konnte 62 Sekunden vor Ende schließlich doch jubeln.

Fraser vollendet tolle Kombination

Doch der vermeintliche Siegtreffer wurde zurecht aberkannt, da Farnhams Schlänger deutlich zu hoch war (58.).

So ging es in die Overtime und dort entschied der AEV das Spiel rasch für sich. Nach einer überragenden Kombination über Simon Sezemsky und den agilen Gill schoss Fraser mit seinem zweiten Treffer die Panther zum Sieg und sorgte dafür, dass die etwa 1000 AEV-Fans jubeln konnten (61.).

 



Champions Hockey League: AEV gewinnt in Lulea nach Penaltyschießen

Nach einem begeisternden und hochdramatischen Spiel gewinnt der Augsburger Eislaufverein seine erste Auswärtspartie in der Champions Hockey League und holt in Schweden nach Penaltyschießen zwei Punkte.

Sterni im siebten Himmel: Marco Sternheimer, der viel Eiszeit bekam und großartig spielte © Siegfried Kerpf

Nach einer Powerplayphase der Schweden, die die ersten zehn Minuten gefühlt ununterbrochen in Überzahl spielten, passte Callahan auf Jaroslav Hafenrichter, der gedankenschnell vollendete (9).

Lulea, das bis dahin überlegen agierte, zeigte sich nicht geschockt und erzielte postwendend den Ausgleich, nachdem die Augsburger in der Vorwärtsbewegung leichtfertig die Scheibe verloren (12.). So ging es auch ins zweite Drittel: Ein glücklicher Zwischenstand für den AEV.

Die Augsburger kamen im zweiten Drittel von Minute zu Minute besser in die Partie, kassierten aber nach ihrer ersten starken Druckphase das 1:2 durch Karl Fabricius, der einen kurzen Alleingang mit einem trockenen Schlenzer ins Kreuzeck der Schlägerseite unhaltbar für den überragenden Roy abschloss (31). Die Panther schien das nicht zu kratzen, sie spielten weiterhin mit hohem Körpereinsatz und und großer Laufbereitschaft großartiges Eishockey und knüpften dort an, wo sie vergangene Saison aufgehört hatten. Angetrieben von den 300 mitgereisten Augsburger Fans zeigten sie sich sogar in der Endphase des letzten Drittels als das bessere Team, sodass der Ausgleich von Matt Fraser zum 2:2 hochverdient war (54.).

Wenige Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit kassierte Lulea noch eine Zweiminutenstrafe, doch der AEV konnte in den ersten beiden Minuten der Overtime das 4:3-Überzahlspiel trotz bester Chancen nicht zu seinen Gunsten entscheiden. Das Gleiche bei den Schweden, die die letzten beiden Minuten in Überzahl spielten. Im Penaltyschießen entschied Simon Sezemsky als zehnter Schütze eine erstklassige Eishockeypartie für den AEV, dessen Fans und Spieler 85 Kilometer vom Polarkreis entfernt eine heiße Party feierten.



Felix Uduokhai wechselt auf Leihbasis zum FC Augsburg

Der FC Augsburg hat einen weiteren Transfer vollzogen: Auf Leihbasis wechselt U21-Nationalspieler Felix Uduokhai vom VfL Wolfsburg zum FCA. Die Leihe läuft bis zum 30. Juni 2020, der FC Augsburg hat sich eine Kaufoption für den 21-Jährigen gesichert. Über die Ablösemodalitäten haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

„Es freut uns sehr, dass sich mit Felix Uduokhai ein weiterer deutscher Junioren-Nationalspieler für den FC Augsburg entschieden hat, da wir von seinen Qualitäten absolut überzeugt sind. Der Wechsel zeigt, dass sich junge, entwicklungsfähige Spieler mit unserem Weg identifizieren“, sagt Geschäftsführer Sport Stefan Reuter.

„Ich bin froh, dass es mit der Ausleihe geklappt hat und der FCA mir die Möglichkeit bietet, hier den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen in Augsburg bin ich davon überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung ist und ich der Mannschaft helfen kann, ihre Ziele zu erreichen“, sagt Neuzugang Felix Uduokhai.

Der 21-jährige Abwehrspieler absolvierte bisher 31 Spiele in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg sowie 21 Spiele in der 2. Bundesliga für den TSV 1860 München. Gemeinsam mit FCA-Profi Marco Richter wurde er im vergangenen Sommer Vize-Europameister mit der deutschen U21-Auswahl.



AEV in Champions Hockey League: Das Abenteuer beginnt

Der Panthertross machte sich gestern per Charterflug auf den Weg ins nordschwedische Luleå, wo am heutigen Donnerstag, 29. August um 18.00 Uhr das erste CHL-Spiel in der langen Geschichte des AEV auf dem Plan steht.

Foto © sport-in-augsburg.de

Soll noch jemand sagen, die DEL-Punktrunde mit 52 Spielen sei nur Vorgeplänkel und erst mit den Play-offs beginne die Eishockeysaison. Als Dritter beendeten die Augsburger Panther die Hauptrunde mit 86 Punkten, gefolgt von Ingolstadt und Köln, die ebenfalls 86 Punkte zu verbuchten, aber eben knapp das schlechtere Torverhältnis hatten. Und so kam es, dass der Augsburger Traditionsverein mit dem besten Hauptrundenabschluss seiner Geschichte mit der Qualifikation zur Champions Hockey League belohnt wurde.

Mit Luleå Hockey treffen die Panther in der Coop Norbotten Arena (Fassungsvermögen 6.150) auf ein echtes Schwergewicht des europäischen Eishockeys, doch wähnt sich das Team von Trainer Tray Tuomie nicht chancenlos. „Luleå ist zweifelsohne eine der besten schwedischen Mannschaften der letzten Jahre. Nicht umsonst beendeten sie die vergangene Hauptrunde auf Platz zwei und unterlagen erst im Playoff-Halbfinale der SHL dem späteren Meister und amtierenden CHL-Sieger Frölunda. Sie verfügen über ein hochtalentiertes Team, doch wir wollen sie ärgern und sind überzeugt, dass wir dort bestehen werden“, so Tuomie über den ersten Gegner in Gruppe C.

Begleitet von knapp 300 Fans dürfen sich die Panther wieder auf großartigen Support aus den eigenen Reihen freuen. Die Partie wird live bei Sport1 übertragen, Sendebeginn ist um 17.55 Uhr. Das Rückspiel im CFS ist bereits am 6. September und beginnt um 19 Uhr.

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Am Samstag, 31. August sind die Augsburger Panther dann um 20.30 Uhr deutscher Zeit beim nordirischen Vertreter Belfast Giants der SSE Arena (Fassungsvermögen 7.500) zu Gast. Auch hier erwartet Tuomie eine umkämpfte Partie: „Belfast spielt ein sehr nordamerikanisch geprägtes Hockey und wird ein sehr unangenehmer Gegner. Ähnlich wie bei uns herrscht im Umfeld der Giants große Vorfreude auf diesen Wettbewerb. Auch sie nehmen erstmalig an der CHL teil und werden in jedem Spiel hart um Punkte kämpfen. Wir freuen uns auf ein Eishockeyfest.“

Zu dieser Partie dürfte die Unterstützung dann noch einmal stimmgewaltiger als in Schweden werden. Mehrfach wurde das Ticketkontingent für die Gästefans seitens des Gastgebers erweitert. Auch diese Partie kann live verfolgt werden. Sport1 bietet ab 20.25 Uhr einen Webstream an. Sportmanager Duanne Moeser über die Herausforderungen in der Champions Hockey League für die Augsburger Panther: „Unser Team hat sich die Chance, in der CHL gegen die besten Teams Europas zu spielen, mit harter und disziplinierter Arbeit in der letzten DEL-Saison mehr als verdient. Wir sind voller Vorfreude auf diese neue und großartige Erfahrung und starten mit dem Ziel, die Gruppenphase zu überstehen und uns für das Achtelfinale zu qualifizieren.“ Das Rückspiel gegen Belfast findet am 8. September bereits um 17 Uhr im CFS statt.

Die beiden letzten Gruppenspiele gegen Liberec finden erst im Oktober statt, nämlich am 8. im CSF und am 16. in Liberec. Die ersten beiden Mannschaften der Gruppe erreichen das Achtelfinale.



Interview mit Eva Weber: „Augen-zu-und-durch würde es mit mir als Oberbürgermeisterin nicht geben“

Eva Weber – Foto © Martin Augsburger

Eva Weber hat bei der kommenden Kommunalwahl als OB-Kandidatin eine klare Favoritenstellung inne. Das liegt daran, dass sie Kandidatin der CSU ist und daran, dass die 42-Jährige längst als Bürgermeisterin sowie als Finanz- und Wirtschaftsreferentin die Geschicke der Stadt mitlenkt und in allen lokalpolitischen Themen „drin ist“, wie der Volksmund so schön sagt. Sie wurde vom noch amtierenden Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl systematisch aufgebaut und die CSU liegt ihr zu Füßen. Bessere Zugangsvoraussetzungen einer Kandidatin, eines Kandidaten für das OB-Amt gab es selten. 

Ob das der Wähler auch so sieht? Das könnte u.a. davon abhängen, wie sich Frau Weber zur Theatersanierung positioniert – oder davon, wie es mit den maroden Augsburger Schulen weitergeht. Während man in der nahgelegenen Bayerischen Landeshauptstadt München bei den Schulsanierungen nach einer mangelhaften Grundlagenermittlung relativ schnell von 3,5 Milliarden Euro auf 6 Milliarden aufgestockt hat, ist in Augsburg das Schulsanierungsprojekt weniger zügig unterwegs, weil  die finanziellen Voraussetzungen in Augsburg eben andere sind als  in München. Für die Augsburger Schulsanierungen wurde zwar ein zweites Schulsonderprogramm aufgelegt, das aber natürlich nicht reichen wird. 

Niemand weiß das besser als die Augsburger Finanz- und Wirtschaftsreferentin Eva Weber, die im großen DAZ-Interview das große Investitionsdilemma der Stadt beschreibt. Auf der einen Seite muss man sich bei der Theatersanierung an den Kostendeckel halten, weil der Stadtrat das so beschlossen hat, auf der anderen Seite will man keinen teueren Murks aus Sparsamkeit. 

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DAZ: Frau Weber, Sie haben im Rahmen des Friedensprogramms auf einem Podium sehr differenziert über Freiheit gesprochen. Die Freiheit der Kunst bedeute die Freiheit des Einzelnen und selbstverständlich auch des Andersdenkenden. Welche Kunst, welche Musik, welches Theater welche Literatur hat Sie diesbezüglich in Ihrer Entwicklung beeinflusst?

Weber: Ach wissen sie, ich will mir jetzt nicht zwanghaft eine intellektuelle Fassade verpassen, die so nicht existiert. Das wäre nicht ehrlich. Sehen Sie, ich komme im Grunde aus einem einfachen Elternhaus. Das klingt vielleicht etwas seltsam, wo mein Vater doch Abgeordneter war. Aber er kommt vom Bauernhof und hat genau wie meine Mutter nur acht Jahre Volksschule hinter sich… 

DAZ: ….Ihr Vater, Alfons Zeller war Bankkaufmann, hat sich in Abend- und Wochenendvorlesungen der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Kempten ein Diplom als Betriebswirt (VWA) erarbeitet bevor er Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium wurde.

Weber: Stimmt. Und er ist für mich ein Vorbild in Sachen Fleiß und Beharrlichkeit. Aber ich bin eben nicht in einem Akademiker-Haushalt großgeworden, wo auf intellektuelle Weise über die Facetten der Kunst debattiert worden wäre. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht, meine Eltern haben sich immer für alles interessiert. Deswegen sind sie mit uns Kindern in die Oper gegangen und in Konzerte, sie haben uns in Ausstellungen mitgenommen und in jede Kirche geschleppt, die auf dem Weg lag. So wurde uns Kindern ein normaler Umgang mit Kunst und Kultur mitgegeben.

DAZ: Welche Erlebnisse, welche Erfahrungen haben Sie geprägt? 

Weber: Geprägt hat mich der tägliche Umgang mit Politik und politischen Themen. Natürlich wurde ich konservativ erzogen. Genau so natürlich habe ich oft vieles anders gesehen als meine Eltern. Das hat sich bis heute übrigens nicht geändert. Wir haben viel und kontrovers diskutiert. Rückblickend habe ich auf diese Weise gelernt, respektvoll mit anderen Meinungen und Sichtweisen umzugehen, auch wenn ich sie nicht teile.

DAZ: Sie haben immerhin auf der bereits angesprochenen Podiumsdiskussion Ihrem Konkurrenten Bruno Marcon zugestimmt, der sagte, dass sich nämlich eine Gesellschaft zuvorderst um die bestmögliche Entwicklung ihrer Individuen zu kümmern habe. Meine konkrete Frage dazu: Was kann die Kommunalpolitik dazu beitragen?

Weber: Also mein Eindruck ist vielmehr: die Bürger wollen, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet und dann als Politiker seinen Job anständig macht. Mit Herrn Marcon trennt mich mehr als uns verbindet, gleichwohl ich grundlegend zugestimmt habe. Aber ich teile zum Beispiel überhaupt nicht seine Vermutungen, wie die institutionalisierte, direkte Demokratie zu einer umfassenden Verbesserung der Lebensumstände des Individuums beitragen kann.

DAZ: Auch nicht auf kommunaler Ebene?

Weber: Natürlich kann die Kommunalpolitik zur bestmöglichen Entwicklung der Individuen viel beitragen. Die Anspruchshaltung, dass Politik das ganze Leben regelt und in alle Lebensbereiche hinein regiert, teile ich nicht.

DAZ: Der Mensch braucht für seine Entfaltung Kultur. Kulturpolitik ist nicht unbedingt Kompetenzfeld der CSU. Was würden Sie als Oberbürgermeisterin in diesem Zusammenhang besser machen?

Weber: Da halte ich vehement dagegen. Ich denke, die CSU hat tiefe und gute Spuren in der Kulturpolitik der Stadt hinterlassen. Oder halten Sie die Errungenschaft eines Staatstheaters, eines Staatsarchivs, einer neuen Stadtarchäologie und das kommende Leopold-Mozart-Zentrum in der Grottenau für Zeichen mangelnden Interesses oder Kompetenz? Ich nicht.

DAZ: Noch ein Wort zur Sozialpolitik der CSU?!

Weber: Sozialpolitik ist und war immer schon ein Kernthema der CSU. Mich treibt vor allem die eigentlich ganz alte Frage um: Wie schaffen wir es, dass es der folgenden Generation besser geht als uns? Wie können wir vor allem Kinder aus sozial schwächeren und aus migrantischen und geflüchteten Familien so unterstützen, dass sie ihr Leben selbst und vor allem selbstbestimmt in die Hand nehmen können? Dass Kinder und Jugendliche alle Chancen haben, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich in ihren Träumen ausmalen? Dass wir diejenigen unterstützen, die alleine nicht zurecht kommen? Und, ganz wichtig: Den Mittelstand nicht vergessen. Er ist das Rückenmark unserer Gesellschaft. 

DAZ: Die richtigen Fragen, wie fallen die Antworten aus?

Weber: … Der Schlüssel heißt Bildung und soziale Integration. Das fängt in den Kindergärten und Schulen an, muss aber natürlich auch für die Erwachsenen gelten, Stichwort lebenslanges Lernen. Dafür möchte ich gerne ein umfassende Infrastruktur für Bildungsberatung etablieren, die mit dem Büro in der Kresslesmühle ihren ersten Anfang genommen hat.

DAZ: Bildung beginnt mit Hardware, womit wir bei der Schulsanierung wären. Können Sie bezüglich der ins Stocken geratenen Schulsanierung ein Wahlversprechen abgeben?

© DAZ

„Die Schulsanierungen und auch Schulneubauten werden den Augsburger Stadtrat noch viele Legislaturperioden beschäftigen“ © DAZ

Weber: Lieber Herr Zagler, ich weiß, dass sie regelmäßiger Empfänger und interessierter Leser der städtischen Pressemitteilungen sind. Deswegen gehe ich stark davon aus, dass Sie diese Frage mit Absicht so provokant formuliert haben. Sie bezieht sich nur leider auf einen falschen Kern. Fakt ist nämlich: Noch nie wurde in einer Dekade so viel in die Augsburger Schulen investiert wie die letzten 10 Jahre. Wir müssen viele Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten – aus welchen Gründen sie auch immer entstanden sind, das ist keine Vorhaltung an frühere Stadtregierungen – nachholen. Und auch in diesem Jahr wurden aus dem laufenden Haushalt zu den bereits beschlossenen Maßnahmen nochmals 12 Millionen Euro für die Schulen bereit gestellt.

DAZ: 12 Millionen Euro sind in diesem Zusammenhang nicht wirklich durchschlagend. Wie soll es künftig weitergehen?

Weber: Was die Zukunft betrifft: Die hat bereits begonnen. FOS/BOS, St.-Anna-Grundschule, Werner-Egk-Grundschule und Löweneck Grund- und Mittelschule sind Teil eines bereits verankerten zweiten Schul-Sonderprogramms. Die aktuelle Stadtregierung ist also ganz falscher Adressat für irgendwelche Versäumnisdebatten. Die Schulsanierungen und auch Schulneubauten werden den Augsburger Stadtrat noch viele Legislaturperioden beschäftigen – und wenn man vermeintlich fertig ist, muss man vorne wieder anfangen.

DAZ: Das Staatstheater in Augsburg hat die Aufgabe auf hohem Niveau zu unterhalten, hat natürlich auch einen intellektuellen Diskurs zuführen und soll den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Was fehlt nach Ihrer Auffassung noch in dieser Auflistung?

Weber: Weder der Intendant noch sonst jemand am Theater braucht eine belehrende Politik, die inhaltlich vorgibt was zu tun ist. Das erinnert mich an die AfD und ihren ausschließenden Kulturbegriff. Wichtig ist mir, dass die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung umgesetzt werden. Sonst hätten wir sie nicht durchführen brauchen. Aber eines ist doch klar: Niemand will in Augsburg darauf verzichten, dass wir Brecht und Mozart spielen können. Dazu benötigt das Theater gewisse Voraussetzungen, da beißt die Maus keinen Faden ab. 

DAZ: Einverstanden. Aber natürlich muss man sich diese Voraussetzungen auch leisten können. Ich weiß um die Brisanz der nächsten Frage, aber sie muss kommen, denn die Sanierung des Großen Hauses, wie die Neubauten belasten den Haushalt der Stadt: Die „Methode Augen-zu-und-durch“ kann sich Augsburg nicht leisten. 187 Millionen sind gesetzt. Der Augsburger Anteil wird über eine bereits erfolgte Kreditaufnahme bis 2039 finanziert und …

Weber: … Ich bin strikt dagegen, heute irgendwelche Zahlen in den Raum zu stellen, die durch umfangreiche Planungen durch Fachleute jetzt im Moment ermittelt werden. Für mich steht aber fest: Wir brauchen ein funktionierendes Theater, für die Crew, für die Besucher, vor allem aber für die Umsetzung der Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung.

DAZ:  Gibt es kein Worst-Case-Szenario, falls die Kosten durch die Decke gehen sollten? Ab welcher Mehrkosten-Entwicklung würden Sie als Finanzreferentin aus dem Sanierungsprojektaussteigen wollen? Bei welchem Betrag wäre das Ende der Fahnenstange erreicht? Wie wäre damit umzugehen, wenn sich die tatsächlichen Kosten des Projekts zum Beispiel verdoppeln würden?

Weber: Ich lasse mich nicht zu Spekulationen hinreißen. Das wird auch denen nicht gerecht, die jeden Tag um dieses Projekt ringen. Dass es räumlich funktioniert. Dass es baulich funktioniert. Dass die Kosten im Fokus bleiben. Und noch ein Wort zur Finanzierung: Der Kredit ist seriös aufgestellt unter Ausnutzung der historisch niedrigen Zinsen und mit derzeit knapp 4 Millionen Euro pro Jahr für den städtischen Haushalt auch so schulterbar, dass andere Projekte nicht drangegeben werden müssen. Was wir übrigens derzeit schon beweisen: Denn die vielen dringend notwendigen Millionen für die Schulen oder das Fitmachen des Eiskanals für die Kanu WM 2022 wären ansonsten nicht möglich. Und die Liste der Projekte ließe sich fortsetzen. Aber die Kosten dürfen eben nicht durch die Decke gehen. Und ich scheue mich nicht, im Fall des Falles die richtigen Fragen zu stellen und Entscheidungen zu treffen.

DAZ: Welche Fragen und Entscheidungen ?

Theatersanierung: „Oder müssen wir nochmal grundständig die Konzeption von Bauteil 2 angehen, gegebenenfalls mit einem anderen Architekten?“ © DAZ

Weber: Zum Beispiel die Fragen: Können wir das Projekt jetzt so umsetzen? In welchen Realisierungsabschnitten können wir es verwirklichen? Oder müssen wir nochmal grundständig die Konzeption von Bauteil 2 angehen, gegebenenfalls mit einem anderen Architekten? 

DAZ: Das überrascht mich jetzt. Was halten Sie vom bisherigen Verlauf der inhaltlichen Planungen und dem Verlauf der Kostenschätzungen bezüglich Bauteil zwei?

Weber: Kultur- und Bauverwaltung haben sauber gearbeitet. Es ist ihnen nichts vorzuwerfen. Sollten die nun folgenden tiefergehenden Planungen dazu führen, dass die Kosten den vom Stadtrat festgelegten Kostendeckel von knapp 187 Millionen Euro zuzüglich Baupreissteigerungen überschreiten, müssen wir, wie gesagt, neu entscheiden. Der Architekt ist hier der erste Ansprechpartner.

DAZ: Das klingt nach einem Moratorium bei Kostenüberschreitung.

Weber: Moratorium klingt nach Nichtstun. Das wird es bei mir nicht geben. Die Kultur- und die Bauverwaltung werden jetzt mit den Fachleuten aus dem Stadtrat, Stefan Quarg und Volker Schafitel die verschiedenen Möglichkeiten nochmal durchleuchten und diskutieren. Noch ist kein Stein neu gebaut und noch kein Cent beim Neuen Haus ausgegeben. Wir bleiben hellwach und reagieren, wenn notwendig, schnell.

„Augen-zu-und-durch würde es mit mir als Oberbürgermeisterin nicht geben“

DAZ: Frau Weber, die letzte Frage malt eine Wolke an die Wand, die dunkler kaum sein kann: Was würden Sie tun, wenn die erste dramatische Kostenmehrung bezüglich Bauteil eins käme? Der Puffer von 25 Millionen Euro, der dafür vorgesehen war, ist fast aufgebraucht.

Weber: Nochmals: keine Spekulationen. Derzeit liegen wir bei den vorgesehenen Kosten. Ich handle immer auf der Basis von Fakten, nicht von Mutmaßungen. 

DAZ: Das ist eher eine im Konjunktiv formulierte Befürchtung. Ein marginaler Unterschied, okay. Unabhängig davon wäre es schön, wenn Sie zum Schluss noch etwas zur Theatersanierung sagten, woran man Sie messen könnte, würden Sie am 2. Mai 2020 das Amt als  Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg antreten – als erste Frau in der Geschichte der Stadt.

Weber: Der Stadtrat hat zur Theatersanierung einen Grundsatzbeschluss gefasst, der an einen Kostendeckel gebunden ist. Daran haben wir uns zu halten, daran hat sich der Architekt zu halten. Augen-zu-und-durch ist nicht meine Politik und würde es auch mit mir als Oberbürgermeisterin nicht geben.

DAZ: Frau Weber, vielen Dank für das Gespräch. ———————– Fragen: Siegfried Zagler



GESUNDHEIT

Keine Keime, kein Mikroplastik, keine Blaualgen: Augsburger Trinkwasser in gewohnt guter Qualität

Aktuelle Entwicklungen rund um Augsburg führen bei den Stadtwerken Augsburg (swa) zu erhöhter Nachfrage besorgter Bürger. So muss das Wasser in Gersthofen abgekocht werden, Blaualgen im Mandicho-See haben zum Tot von Hunden geführt und Mikroplastik im Trinkwasser wird gerade öffentlich diskutiert.

Augsburger Wasserspeicher — Bildnachweis: DAZ-Archiv

Die swa können in jeder Hinsicht Entwarnung geben: „Von alledem ist das Augsburger Trinkwasser nicht betroffen“, sagt der Chef der swa-Wasserversorgung, Dr. Franz Otillinger. Das Abkochgebot gilt ausschließlich im Leitungsnetz Gersthofens, in dem eine erhöhte Konzentration von Keimen in einer Probe nachgewiesen wurde. Ebenfalls keine Auswirkungen auf das Trinkwasser der swa haben die Blaualgen im Mandicho-See, an denen Hunde gestorben sind. Die Blaualgen bzw. Cyanobakterien wurden im See auf Schwemmgut nachgewiesen. Dass diese ins Grundwasser des Stadtwalds Augsburg und damit ins Augsburger Trinkwasser gelangen ist auszuschließen.

Ganz allgemein in der Diskussion ist aktuell Mikroplastik im Trinkwasser. Was bereits frühere Untersuchungen gezeigt haben, wurde ganz aktuell erneut durch eine aufwändige Untersuchung des DVGW-Technologiezentrums Wasser in Karlsruhe bestätigt: Im Augsburger Trinkwasser ist kein Mikroplastik nachweisbar. Das Trinkwasser der swa ist naturbelassenes Grundwasser, das durch das Versickern durch Bodenschichten gefiltert wird. Probleme mit Mikroplastik oder Medikamentenrückständen gibt es eher dort, wo das Trinkwasser aus Oberflächenwasser oder Seen gewonnen wird.

Die Qualität des Augsburger Trinkwassers kontrollieren und sichern die swa mit einer Vielzahl an Wasserproben, die die Mitarbeiter täglich an Brunnen, in den Wasserwerken, im Trinkwasserverteilungsnetz und bei Kunden entnehmen. Zusätzlich überwachen eine Reihe von Laboren mit digital-elektronischen Systemen die Trinkwasserqualität rund um die Uhr.

Das Trinkwasser der Stadtwerke Augsburg ist ein naturbelassenes Lebensmittel, das einen ausgewogenen Mix an Mineralstoffen enthält. Es ist frei von Schadstoffen wie Schwermetallen oder Hormonen und ist nitratarm.



FCA verpasst Befreiungsschlag gegen Aufsteiger Union Berlin

Der FC Augsburg steht weiter unter Druck. Auch gegen den Aufsteiger Union Berlin reichte es beim Heimspielauftakt in der mit 27.703 Zuschauern nicht ausverkauften WWK-Arena nur zu einem enttäuschenden 1:1 Unentschieden. 

Von Udo Legner

Alfred Finnbogason: „Sein Einsatz kam zu spät“, so FCA-Experte Udo Legner — Foto: © Siegfried Kerpf,

Beim FCA standen die nach dem 1:5-Debakel in Dortmund  neu verpflichteten Abwehrspieler Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj umgehend in der Startelf. Zusammen mit Rani Khedira komplettierte der zuletzt verletzte Philipp Max die Augsburger Defensive.

Auch wenn beim FCA der Einsatz stimmte, taten sich die Augsburger gegen die gut gestaffelte Defensive von Union Berlin in der Anfangsphase schwer. Insbesondere das Offensivspiel der Augsburger war trostlos und ohne erkennbares Konzept. Immer wieder rannten sich die Schwaben fest, so dass es bis zur ersten Halbchance von Florian Niederlechner geschlagene 26 Minuten dauerte.

Reisende soll man nicht aufhalten

Mit zunehmender Spieldauer wurde klar, dass Trainer Martin Schmidt mit der Aufstellung der abwanderungswilligen Michael Gregoritsch und Philipp Max alles andere als ein glückliches Händchen hatte. Während am österreichischen Nationalspieler das Spiel völlig vorbeilief, war auch der einst so erfolgreiche Vorbereiter Philipp Max nur ein Schatten früherer Tage und fiel lediglich durch seine vielen Fehlpässe und unpräzise getretenen Eckbälle auf. Mit zunehmender Spieldauer zeigten die Eisernen gute Ansätze im Angriff und drängten – angetrieben von ihren stimmgewaltigen Fans – in der Schlussphase der ersten Halbzeit auf das Führungstor. Ingvartsens Schuss aus spitzem Winkel konnte von  Lichtsteiner (41. Min.) gerade noch geblockt werden. Beim Volley von Robert Andrich  aus dem Rückraum stand Rani Khedira im Weg (44. Min.).

Fazit zur Halbzeit: Trotz verbesserter individueller Qualität im Vergleich zum Pokaldebakel gegen den Viertligisten Verl und der 1:5 Klatsche in Dortmund blieb beim FCA viel zu vieles Stückwerk. Folge der fehlenden Harmonie und der Schwäche in der Offensive: Gegen den Tabellenletzten waren hochkarätige Torchancen Fehlanzeige!

Mit mehr Schwung und Biss startete der FCA in die zweite Halbzeit. Doch die erste Chance gehörte den Gästen aus Berlin: Auf dem rechten Flügel gab Becker Philipp Max das Nachsehen, doch die Hereingabe des Niederländers konnte Neuzugang Jedvaj gerade noch vor dem anstürmenden Anthony Utah abwehren (48. Min.). Wenige Minuten später ein brillanter Spielzug der Augsburger, wie man ihn gar nicht mehr erwartet hatte. Florian Niederlechner setzte sich auf dem rechten Flügel gegen Schlotterbeck durch und der Schweizer Vargas vollendete unhaltbar für Union-Keeper Gikiewicz zur 1:0 Führung für den FCA (59. Min.). In der Folge versäumte es der FCA die Führung auszubauen. Die größte Chance hierzu vergab Niederlechner (72. Min.). Auf der Gegenseite profitierten die Eisernen vom glücklichen Händchen ihres Trainers Urs Fischer. Die in der 71. Minute eingewechselten Sebastian Andersson und Sebastian Polter sollten für die Köpenicker die Wende bringen. 

Kurz nach seiner Einwechslung hätte Polter bereits per Kopfball den Ausgleichstreffer markieren können, doch FCA-Keeper Koubek konnte gerade noch parieren (73. Min.). In der Augsburger Hintermannschaft begann nun das  das große Zittern, das in der 80. Minute sein unglückliches Ende fand. 

Dummes Gegentor

Nach einem katastrophalen Patzer von Jedvaj im Aufbauspiel war die Bahn frei für Polter, dessen Zuspiel Joker Andersen mühelos zum keineswegs unverdienten Ausgleichstreffer für Union Berlin einschob (80. Min.). Beim FCA flammte noch einmal Hoffnung auf, als Schlotterbeck nach grobem Foulspiel an Niederlechner die rote Karte sah. Doch trotz Überzahl reichte es für den FCA auch mit dem (zu spät!) eingewechselten Finnbogason (88. Min.) nicht mehr zum Siegtreffer.

Durch den ersten Punktgewinn klettert der FCA vorerst auf den 13. Tabellenplatz, den es beim nächsten Auswärtsspiel in Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr) zu halten gilt.

FCA: Koubek – Lichtsteiner, Jedvaj, Khedira, Max – Gruezo, Baier – Hahn, Gregoritsch,Vargas – Niederlechner

Einwechslungen:

68. Minute Richter (für Vargas)

74. Minute Oxford (für Gruezo)

88. Minute Finnbogason (für Niederlechner)



Kaderplanung verkehrt: Nach 71 Gegentoren in der Vorsaison ist die FCA-Abwehr in dieser Saison noch nicht stärker geworden

Beim FC Augsburg hat man in der Abwehr nachgerüstet – besser spät als gar nicht. Unabhängig davon, ob die letzten drei Neuverpflichtungen nun einschlagen oder nicht, zeigen diese Vorgänge auf, dass die sportliche Leitung die Kaderplanung für diese Saison zu leichtfertig gestaltet hat.

Von Siegfried Zagler

Torhüter Koubek wurde kurz vor dem Pokalspiel in Verl verpflichtet. Warum so spät, wo man doch um die Probleme auf dieser Position über eine komplette Saison hinweg vor Augen geführt bekam? Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Sachverhalt, dass Koubek dort weitermachte, wo Giefer und Luthe aufhörten, nämlich beim Fehlermachen. 

Ob Koubek Marwin Hitz das Wasser reichen kann, darf bezweifelt werden. Wenn man davon ausgeht, dass die kolportierten sieben Millionen Euro Ablöse für Koubek stimmen und noch sein Gehalt dazurechnet, dann hätte man mit diesen Mitteln Hitz leicht halten können, plus einen hochtalentierten jungen Keeper verpflichten können. 

Von Abstimmungsproblemen zwischen Torhüter Tomas Koubek und der Augsburger Abwehr zu sprechen, wäre eine falsche Detailanalyse, denn bei einer dergestalt schwachen Defensive sind die Qualitätsmängel im Allgemeinen zu groß, um sich aktuell Gedanken darüber machen zu müssen. Mit der FCA-Abwehr hätte jeder Torhüter Probleme. Die Abwehrspieler Lichtsteiner und Jedvaj wurden am vergangenen Montag deshalb verpflichtet. Seit Dienstag trainieren sie zusammen mit der Mannschaft. Beide sollen gegen Union Berlin am morgigen Samstag spielen – mit Suchy und Khedira eine Viererkette bilden. Lichtsteiner (35) war zuletzt vereinslos, ihm fehlt Spielpraxis.

Lichtsteiner und Jedvaj sind notwendige Verpflichtungen, ob sie die Löcher der FCA-Abwehr auf die Schnelle schließen können, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn das gegen die schwache Union-Offensive gelingen sollte. Dieser Sieg sollte ohnehin eine Augsburger Pflichtaufgabe sein. Anders gesagt: Alles andere als ein Sieg bringt FCA-Trainer Schmidt in große Not. Allerdings ist auch festzuhalten, dass man derzeit gegen den FC Augsburg leicht gewinnen kann.

Eine nicht eingespielte FCA-Abwehr zum Bundesligastart ist ein redseliger wie glaubhafter Kronzeuge dafür, dass in der sportlichen Planung Fehler gemacht wurden. Mit 71 Gegentoren präsentierte sich der FCA letzte Saison als Schießbude. Die Konsequenz davon: Die FCA-Abwehr ist eher schwächer geworden. Die Defensiv-Performance der letzten drei Spiele (Bologna, Verl, Dortmund) war niederschmetternd.

In letzter Sekunde scheint die Einsicht, dass es kadertechnisch nicht reichen könnte, zum Ratgeber geworden zu sein. Die FCA-Führung reagierte mit Schnellschüssen. Bis die Neuen ins Gefüge passen, das Zusammenspiel funktioniert, die Chemie, die Hierarchie wieder stimmt, wird noch viel Wasser den Lech hinunter fließen. Eine gute Kaderplanung sieht anders aus.



Die andere Friedensstadt: Osnabrück

Das Augsburger Hohe Friedensfest hat seinen Ursprung im Westfälischen Frieden, der im Jahr 1648 in den westfälischen Städten Münster und Osnabrück geschlossen wurde und den Dreißigjährigen Krieg offiziell beendete. Verkündet wurde der Frieden vom Osnabrücker Rathaus aus. Heute bezeichnet sich die Stadt Osnabrück als „Friedensstadt“, die im Andenken an das historische Datum jedes Jahr einen „Friedenstag“ feiert und ein „Fest der Kulturen“. Alle zwei Jahre verleiht die Stadt Osnabrück einen Friedenspreis. In diesem Jahr auch an die Organisation „Sea-Watch e.V.“, die im Mittelmeer Menschen rettet.

Von Bernhard Schiller

 

Türklinke am Osnabrücker Rathaus — Bildnachweis: Stadt Osnabrück/Janin Arntzen

Am 29. November 2019 verleiht die Stadt Osnabrück den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis an den kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong’o, dessen Schriften von den bis heute fortbestehenden Folgen der Kolonisierung Afrikas handeln. Den Sonderpreis des Osnabrücker Friedenspreises erhält zugleich die Organisation „Sea-Watch e.V.“ Damit will die Stadt Osnabrück das „zivile Engagement zur Seenotrettung von Flüchtenden“ ehren und „das Eintreten für legale Flucht- bzw. Einreisewege“ sowie „Forderung nach einer Rettung in Seenot geratener Flüchtender durch die zuständigen europäischen Institutionen“ würdigen. 

Im August 2018 schloss sich die Stadt Osnabrück mit großer Ratsmehrheit der Initiative „Seebrücke“ an, indem sie sich unter anderem bereit erklärte, aus Seenot gerettete Menschen „direkt aufzunehmen und unterzubringen“. Vor wenigen Wochen antwortete der Osnabrücker Oberbürgermeister, Wolfgang Griesert (CDU), dann auf einen offenen Brief der Seebrücke, indem er zusicherte, eine Flüchtlingsfamilie vom Rettungsschiff Sea-Watch 3 aufzunehmen, sofern ihm die Bundesregierung dabei entgegenkomme. 

Er sei „davon überzeugt“, so Griesert in seinem Brief an die Seebrücke, „dass drängende humanitäre Probleme in der Regel nicht sofort juristisch zu lösen sind“. Ein Friedensvertrag, zwei Friedensstädte, zwei unterschiedliche Sichtweisen. Die Differenz zwischen Osnabrück und Augsburg bezüglich des Umgangs mit dem aktuellen Phänomen der Seenotrettung ist frappierend. Grund genug für eine DAZ-Recherche in der Friedensstadt Osnabrück. Der Osnabrücker Stadtsprecher Dr. Sven Jürgensen hat Bernhard Schiller von der Haltung seiner Kommune in den Spannungsfeldern zwischen Symbol- und Realpolitik, Recht und Moral, Vergangenheit und Gegenwart erzählt. 

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DAZ: Herr Dr. Jürgensen, die Stadt Osnabrück wird in diesem Jahr den Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an den Verein „Sea-Watch e.V.“ verleihen. Ist das nicht eine mutige Entscheidung?

Dr. Sven Jürgensen: Sie ist insofern mutig, als sie in eine aktuelle Debatte eingreift, Stellung bezieht und dadurch die humane Komponente der Seenotrettung betont.

DAZ: Gegen die Aktivisten auf den Schiffen vor Nordafrika wird häufig der Vorwurf erhoben, sie würden die illegalen Machenschaften der Schlepper unterstützen. Machen Städte, die sich an der Initiative „Seebrücke“ beteiligen, nun mit den Schleppern gemeinsame Sache?

Dr. Sven Jürgensen: Die Städte, die sich engagieren und die Ehrenamtlichen unterstützen, möchten, dass die Menschen in Not nicht vergessen werden. Sie wollen den Flüchtlingen helfen und sie wollen, dass Europa eine Lösung anbietet.

DAZ: Wir haben erfahren, wie Ihre Stadt mit den Anliegen der „Seebrücke“ umgegangen ist. Manche Forderungen der „Seebrücke“ sind rechtlich strittig. Haben Sie gar keine Bedenken, wenn Sie Osnabrück zur „Sicheren Hafenstadt“ erklären?

Dr. Sven Jürgensen: Solche Entscheidungen findet man nie bedenkenlos. Der Rat hat intensiv die Pro- und Contra-Argumente abgewogen und sich dann entschlossen, dass sich die Friedensstadt Osnabrück zur sicheren Hafenstadt erklärt. Die Entscheidung des Rates bewegt sich im rechtlichen Rahmen, eine mögliche Aufnahme wird über das Land beziehungsweise den Bund reguliert.

DAZ: Ist das nicht Symbolpolitik? Vereint diese Proklamation die Stadtgesellschaft oder teilt sie eher? Welche konkrete politische Wirkungskraft haben Kommunen in diesem Zusammenhang überhaupt?

Dr. Sven Jürgensen: Es geht natürlich zunächst um ein Symbol, immerhin ein starkes Symbol, das mit dem Angebot verbunden ist, Menschen retten zu wollen. Wir wissen, dass wir nicht alle retten können, aber deswegen dürfen wir doch nicht ausweichen.Ist es etwa eine Option, keinen zu retten, weil wir nicht alle retten können? Wir dürfen uns mit der Situation, in der nach wie vor Menschen ertrinken, nicht abfinden und zur Tagesordnung übergehen. Außerdem haben Kommunen wie die Stadt Osnabrück bereits sehr vielen Menschen eine neue Heimat geboten und werden es weiterhin auch tun.

DAZ: Müssen die Probleme nicht auf ganz anderer Ebene gelöst werden?

Dr. Sven Jürgensen: Ja sicher, das fordern wir ja auch. Deswegen hatte der Rat der Friedensstadt schon im April 2015 nach einer Katastrophe im Mittelmeer, bei der nach damaligen Schätzungen bis zu 1000 Menschen ertrunken sind, einen Brief an den Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Stephan Weil geschrieben, um seine Bestürzung über die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer auszudrücken. In dem von 51 Ratsmitgliedern unterschriebene Brief heißt es:

„Wir wollen nicht glauben, dass unsere europäischen Institutionen zumindest das Leben dieser Menschen nicht hätten retten können. Wir wollen nicht akzeptieren, dass wir Europäer keine Alternative zu diesem fahrlässigen Tod haben, den wir durch unser Verhalten billigend akzeptieren. – Wir Europäer sind nicht nur Stolz darauf, dass die Europäische Union 2012 mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden ist, sondern sehen darin auch eine Verpflichtung zum Handeln. Wir sind stolz auf die uns verbindenden Werte der Humanität und Freiheit. Dafür stehen wir ein. Auf diese Werte beziehen wir uns, wenn wir, wie zahlreiche andere Städte auch, Flüchtlinge aufnehmen, sie zunächst versorgen, um sie so schnell wie möglich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe[…]“

Kommunen können nicht auf ganzheitliche Lösungen warten, wenn Menschen vor Ort auftauchen und nach Hilfe verlangen. Kommunen können sehr schwer die Augen verschließen und sagen, sie seien nicht zuständig, auch wenn sie in der Tat abhängig sind von politischen Lösungen auf Bundes- und EU-Ebene.

DAZ: In Osnabrück wurde der Westfälische Friede geschlossen, weshalb Ihre Stadt die Erinnerung daran als Auftrag für die Gegenwart begreift. Resultiert Ihr kompromissbereites Handeln gegenüber den verschiedenen Interessengruppen in der Flüchtlingsthematik aus dieser Erinnerung?

Dr. Sven Jürgensen: Mit dem Westfälischen Frieden ist sicherlich der Auftrag verbunden, auf den anderen zuzugehen, ihm zuzuhören, seine Position zu verstehen, um dann um das bessere Argument friedlich zu ringen. Bürgerschaftliches Engagement hat in der Friedensstadt Osnabrück einen hohen Stellenwert und eine stabile Tradition insbesondere übrigens auch bei kontroversen Fragen und Herausforderungen. Dieses gesellschaftliche Klima müssen wir bei allen Auseinandersetzungen unbedingt schützen.  

DAZ: Es existieren ganz unterschiedliche Annahmen über die Bedeutung des Westfälischen Friedens. Zum Beispiel sehen Politikwissenschaftler darin den Beginn des modernen souveränen Nationalstaates. Historiker wenden dagegen ein, dass dies nicht die Intention des Friedenskongresses von 1648 war. Welche Bedeutung nimmt die „historische Wahrheit“ des Westfälischen Friedens für die Agenda der „Friedensstadt Osnabrück“ heute ein?

Dr. Sven Jürgensen: Was auch immer die Intention gewesen sein mag, die „List der Vernunft“ (Hegel) besteht doch darin, dass die Folgen weiter reichten als die Intention der beteiligten Mächte, die von der Einsicht ausgingen, dass der Krieg für keine Seite zu gewinnen war. Der pragmatische und zugleich hoffnungsvolle Geist der Verträge von 1648 bekundet sich etwa im Artikel I des Friedensvertrages, in dem festgehalten ist, dass „aufrichtige Freundschaft herrschen solle[…], auf dass jeder Teil Nutzen, Ehre und Vorteil des anderen fördere und dass […] treue Nachbarschaft, wahrer Friede und echte Freundschaft neu erwachsen und erblühen möge.“ Was da gefordert wird, ist doch unglaublich und beispielhaft: Diejenigen, die sich in den langen Jahren des Krieges den Tod an den Hals wünschten und auf grausamste Weise entgegengeschleuderten, sollten nun nicht nur auf das eigene Wohlergehen bedacht sein, sollten nicht mehr nur friedlich neben den früheren Feinden leben, sondern sollten sich sogar auch noch für deren Wohlergehen einsetzen, auf dass echter Friede und Freundschaft erblühte! Dass Todfeinde sich auf eine solche Formulierung einigen konnten, grenzt doch an ein Wunder! Denn das forderte viel, das forderte von allen alles, nämlich die vollständige Um- und Abkehr von allem, was in den vorausgegangenen 30 Jahren gegolten hat. Das ist wahrer Mut!

DAZ: Entwidmen Sie nicht den historischen Kern der „Friedensstadt Osnabrück“, wenn Sie sich bereit erklären, aus dem Mittelmeer gerettete Migranten aufzunehmen? 

Dr. Sven Jürgensen: Entwidmen ist ein merkwürdiges Wort, das an dieser Stelle nicht zutrifft. Meines Erachtens kommt es darauf an, sich auf die Gegenwart des Historischen zu besinnen, um nicht halt- und kopflos durch die Welt zu rennen. Insofern widmen wir uns doch dem „historischen Kern“, wenn wir den Westfälischen Frieden als Auftrag verstehen und daraus auch unser gegenwärtiges Handeln ableiten. Man muss doch die Geschichte kennen, um die Gegenwart zu verstehen. Denn Frieden ist ein Postulat, das für alle Menschen gilt – unabhängig davon, wo sie oder ihre Eltern geboren sind. Also auch für Flüchtlinge! Der in Osnabrück geborene Schriftsteller Erich Maria Remarque, der mit seinem Anti-Kriegsroman „Im Westen nichts Neues“ weltberühmt wurde, war auch ein Flüchtling und hat in vielen Texten genauso wie Hannah Arendt in ihrem englischsprachigen Essay „we refugees“ von 1943 genau diesen Kern herausgearbeitet: wie es ist, alles zu verlieren, insbesondere die Sprache, aber auch sogar die Mimik.

DAZ: Haben Sie schon über eine Kooperation zwischen den beiden Friedensstädten Osnabrück und Augsburg nachgedacht?

Dr. Sven Jürgensen: Das ist eine schöne Idee, über deren konkrete Ausgestaltung wir nachdenken sollten. Wenn etwa ein Augsburger Delegation uns zum Steckenpferdreiten besuchen würde, mit dem alle Osnabrücker Grundschüler an die Verkündigung des Westfälischen Friedens am 25. Oktober 1648 erinnern, könnte ein Gegenbesuch in der Friedensstadt Augsburg zu Ihrem Friedensfest erfolgen.

DAZ: Herr Jürgensen, vielen Dank für das Gespräch. ————– Fragen: Bernhard Schiller



GESELLSCHAFT

Der Fall Förster – Eine große Prüfung für alle

Nach der Haft beginnt für Sexualstraftäter die eigentliche Strafe durch den bürgerlichen Tod. Wenn sie versuchen, wieder ein normales Leben zu führen, könne das nur schwer gelingen. Die Haft schütze vor der gesellschaftlichen Ächtung, die die wahre Strafe sei. Mit der Entlassung aus der Haft beginne demnach diese Strafe, so die Legende, die nicht zwangsläufig wahr sein muss.

Von Siegfried Zagler

Dr. Linus Förster © DAZ

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Linus Förster hat seine Strafe verbüßt und befindet sich seit Anfang dieser Woche wieder „in der Freiheit“, wie von der Augsburger Allgemeinen zu erfahren war. Linus Förster wurde vor zwei Jahren und acht Monaten zu drei Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. Richter Lenart Hoesch sprach damals Förster des schweren sexuellen Missbrauchs schlafender und wehrloser Frauen, des Besitzes von Kinderpornos, der Körperverletzung und der versuchten Nötigung für schuldig. 

Als Staatsanwältin Martina Neuhierl am ersten Prozesstag die Anklageschrift verlas, kam sie nicht umhin, die aufgezeichneten Vorgänge auf Försters Dateien zu beschreiben: schwerste Formen der Kinderpornografie, die Förster penibel sortiert und abgespeichert hatte. Knapp 40 Minuten musste man sich anhören, auf welche Weise unter-14-jährige Kinder sexuell missbraucht wurden. Es handelte sich nach Aussagen des bestellten IT-Gutachters nicht um private Aufnahmen, sondern um professionell angefertigte Aufnahmen, die von diversen Plattformen herunter geladen wurden.

Neben dem Geständnis, dem Täter-Opfer-Ausgleich (Förster bezahlte 30.000 Euro an die Opfer) und seinem angeschlagenen psychischen Zustand hat das Gericht auch in seinem Urteil berücksichtigt, dass Förster seine berufliche Reputation verloren habe und gesellschaftlich „erledigt“ sei. Das Gericht vermittelte damals den Eindruck, dass es den größten Teil der Strafe der Gesellschaft überlässt.

Ganz so, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Alfred Döblin den Straftäter Franz Biberkopf sagen lässt, nachdem er aus der Strafanstalt Moabit entlassen wurde: „Die Strafe beginnt.“ Romanheld Biberkopf verbüßte eine 4-jährige Haftstrafe, weil er seine Freundin erschlagen hatte, doch er sollte sich täuschen: Der aufregende Fortgang seines Lebens in Berlin wurde kaum durch gesellschaftliche Ächtung oder einer inneren Buße geprägt. 

Die Strafe, die Linus Förster wegen seiner Verbrechen zu verbüßen hatte, begann mit der Haft und endete mit der Haft. Ob diese Strafe durch gesellschaftliche Ächtung verlängert wird, muss man der Gesellschaft überlassen – und natürlich Förster, der eine zweite Chance nicht „verdient hat“, wie die Augsburger Allgemeine schrieb, sondern selbstverständlich erhält. Unser Rechtssystem, unsere Kulturen, unsere Religionen und unser Denken gehen nämlich davon aus, dass sich Menschen ändern können – auch wenn man mittels Erfahrung zu oft zu anderen Schlüssen kommt. 

Wie Dr. Linus Förster sein Leben nach der Haft gestaltet und gestalten kann, hängt also von ihm ab und von uns, falls er tatsächlich weiterhin in Augsburg leben sollte. Verzeihen müssen ihm die Opfer, nicht wir, nicht die Gesellschaft. Wir müssen mit Menschen wie Förster leben, indem wir ihn im bürgerlichen Sinn leben lassen. Ihm also den Respekt und die Achtung entgegenbringen, die auf der Annahme beruht, dass Strafe und Reue aus ihm einen anderen Menschen gemacht haben. Seine Familie, seine Freunde, seine Bekannten und hoffentlich bald seine neuen Kollegen verfassen nun das weitere Leben von Herrn Förster mit. Das ist eine große Prüfung für alle.