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Theater zeigt sich mit Publikumszuspruch zufrieden

Das Augsburger Staatstheater verbuchte in der vergangenen Spielzeit 187.000 Besucher bei 662 Vorstellungen. Die Theaterleitung zeigt sich zufrieden: Trotz schwerer Bedingungen habe man erneut eine hervorragende Besucherzahl erreicht.

Nach dem Ende der Spielzeit 2018/19 verzeichnet das Staatstheater Augsburg einen vorläufigen Besucherstand von 187.700 bei 662 Vorstellungen. (In der Spielzeit 17/18 waren es 196.677 in 804 Veranstaltungen.) Durch den Umzug ins Gaswerk und dem damit verbundenen viermonatigen Ausfall der Brechtbühne als Spielstätte waren in dieser Saison deutlich weniger Veranstaltungen möglich als in der Spielzeit 2017/18. Die neue Brechtbühne im Gaswerk stand erst ab 12. Januar 2019 zur Verfügung und die Ausweichspielstätte in Kühlergebäude hatte ein deutlich verringertes Platzangebot.

“Ich freue mich sehr über das Ergebnis dieser Saison. Wir haben wieder, trotz erneut schwerer Bedingungen und Widrigkeiten durch den Umzug der Werkstätten und der Brechtbühne mitten in der Spielzeit, eine hervorragende Besucherzahl erreichen können”, so wird Staatsintendant André Bücker in einer Pressemitteilung des Theaters zitiert

Publikumsliebling im Musiktheater waren in dieser Spielzeit Mozarts »Zauberflöte« mit einer Auslastung von 89,5 % und Donizettis Komische Oper »Don Pasquale« mit einer Auslastung von 84.5 %. Spitzenreiter im Schauspiel sind der »Tatort Augsburg« mit einer Auslastung von 100%, gefolgt von Georg Kaisers »Gas« mit einer Auslastung von 98,2 %, Brechts »Baal« mit einer Auslastung von 97,7 % und das Familienstück »Mio, mein Mio« mit einer Auslastung von 82,9 %. Das Ballett Augsburg war in der Saison 2018/19 mit einer Gesamtauslastung von 94,3 % ganz vorne: Publikumsschlager sind die Ballettabende »Missing Link« mit einer Auslastung von 98,2 % und »Vier Jahreszeiten« mit einer Auslastung von 94,7 %. – Die Sparte Konzert verzeichnete eine Gesamtauslastung von 88 %. Publikumsschlager ist das Neujahrskonzert mit einer Auslastung von 96,5 %.

Als diesjährige Freilichtbühnenproduktion zeigte das Staatstheater Augsburg Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar«. 34.354 Besucher*innen kamen zu den 20 Vorstellungen (zwei Vorstellungen mussten aufgrund schlechten Wetters abgesagt werden) auf die Freilichtbühne am Roten Tor. Somit ist »Jesus Christ Superstar« mit einer Gesamtauslastung von 82,9 % die viertbeste Freilichtbühnen-Produktion der letzten elf Jahre.



OB-Wahl: Frederik Hintermayr ist OB-Kandidat der Linken

Auf ihrer Versammlung im Augsburger Zeughaus haben die Mitglieder der Augsburger Linken Frederik Hintermayr mit über 90 Prozent der Stimmen zu ihrem OB-Kandidaten gewählt. 

Frederik Hintermayr

Auf der gleichen Versammlungen verabschiedeten die Linken ihr Wahlprogramm zur kommenden Kommunalwahl. „Ich freue mich über das eindeutige Votum der Partei. Nachdem wir heute Mittag unser Wahlprogramm beschlossen haben, kann der Wahlkampf beginnen. Augsburg ist die ärmste Stadt Bayerns. Ich werde mich nicht damit abfinden, dass hier RentnerInnen im Müll nach Pfandflaschen suchen müssen, dass Kinder ohne Frühstück die Schulbank drücken, dass es kaum noch bezahlbare Wohnungen gibt und dass Bus- und Straßenbahn jährlich teurer werden. Die Koalition aus CSU, SPD und Grünen ist nicht in der Lage, die Probleme unserer Stadt zu lösen. Im Gegenteil, die Lage hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft. Es braucht einen Politikwechsel. Unser Augsburg muss sozial werden. Dazu braucht es eine starke Linke im Rathaus“, so der 27-jährige Frederik Hintermayr, der zusammen mit Christine Wilholm bei den Linken als Doppelspitze bei den Wählern punkten will.



Kommentar zur Theatersanierung: Im Labyrinth der fortlaufenden Kosten

Die Theaterplanung windet sich von einer Verlegenheit in die andere, doch möglicherweise gibt es eine Planung, die begeistert und den Theaterstandort weiterbringt

Kommentar von Siegfried Zagler

I Der Relevanzschwund

Während sich die großen philharmonischen Orchester und Bühnen wie in Berlin, München, Stuttgart, Madrid, Paris, Wien, Mailand und Frankfurt als qualitiativ hochkarätige Kultureinrichtungen im Bewusstsein der europäischen Gesellschaften verfestigt haben – und somit (wie der Vatikan für die Katholiken) im Status des Unverzichtbaren schweben, befinden sich die bundesdeutschen Theatersysteme unterhalb dieser unangreifbaren Kategorien in einem langwierigen Prozess der Hinterfragung. Dafür sind zwei Gründe anzuführen: Erstens leiden die Kommunen immer stärker an chronischen Finanzproblemen und zweitens befindet sich die Theaterkunst bezüglich ihrer gesamtgesellschaftlichen Relevanz im Sinkflug.

Auf der einen Seite muss sie in Augsburg zum Beispiel die kulinarischen Bedürfnisse des Abonnentenpublikums und der (in dieser Hinsicht) anspruchsvollen Umlandbevölkerung bedienen. Auf der anderen Seite soll sie zum Zusammenhalt der Stadtgesellschaften beitragen und bei der Integration des Fremden mithelfen. Doch damit nicht genug: Selbstverständlich sollte sie auch die kritische Reflexion der real existierenden Gesellschaft betreiben – und dabei ästhetisch anspruchsvolle Geschichten erzählen. Die Theater sollten für die Arbeiterklasse den Ausgang aus ihrer unverschuldeten Unmündigkeit finden und für die Klein- und Bildungsbürger die „weltfremden“ Versprechungen der Religionen ersetzen. Dabei sind sie – wen wundert’s? – in Bausch und Bogen gescheitert.

Die deutschen Regietheatersysteme sind mit ihren kulinarischen Konzepten und mit ihren selbstformulierten Aufklärungsansprüchen aber nicht nur an der eigenen Selbsterhöhung gescheitert, sondern schlicht am “Lauf der Zeit”, da die staatlichen Bildungsanstalten, damit sind die Schulen und die Universitäten gemeint, längst keine Brücken mehr zu den Theatern bauen. Die Qualitätsbehauptungen sind Selbstreferenzen der Theaterszene. Der Glaube des kleinstädtischen Publikums an diese Qualitätsformulierungen im Zusammenspiel mit den lokalen Feuilletons sind eine Art Nibelungenschwur gegen die Kraft der Gegenwart geworden. Eine Gegenwart, die sich längst nicht mehr an den ästhetischen Entwicklungen und an den Geschichten auf den Theaterbühnen reibt.

II Die Umplanung von der Umplanung

Abriss Brechtbühne: Mit der ehemaligen Brechtbühne, den Bühnen im Martinipark und im Gaswerk würde die Stadt mit dem neuen Schauspielhaus an der Volkhartstraße das 4. Schauspielhaus in einem Zeitrahmen von zirka 10 Jahren bauen – Foto: DAZ

Wenn man Theater in Soft- und Hardware unterteilt, dann ist der laufende Betrieb mit seiner Verwaltung, seinen Musikern, Handwerkern, Schauspielern, Tänzern usw. die Software. Personalkosten sind Software-Kosten, die Häuser und Bühnen mit ihren Unterhalts- und Sanierungskosten die Hardware. Augsburg ist kürzlich zum Staatstheater “ernannt” worden. Eine kostspielige Ehre, weil dadurch der Betriebskostenanteil der Stadt in absehbarer Zeit so deutlich steigt wie der Selbstbestimmunganteil bezüglich der künstlerischen Ausrichtung sinkt.

Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Das Thema der vergangenen Woche war und bleibt ein Hardware-Thema, nämlich die unerwarteten Mehrkosten von Bauteil II (Schauspielhaus, Werkstätten, Lager, Verwaltung), das unterm Strich 20 Millionen Euro teurer werden soll, besser: sollte, denn die Planung, die diese Mehrkosten aufrief, gilt nicht mehr. Sie soll nun von dem beauftragten Planer erneut gravierend verändert werden. Die Rede ist von Walter Achatz, der seit Beginn des Jahrhundertprojekts Vorentwurfsplanungen liefert, die aus Kostengründen immer wieder umgeplant werden mussten.

Die erste Planung rief eine Kostenschätzung von 235 Millionen Euro auf. Das war zu Beginn 2015. “Das können wir nicht stemmen”, sagte OB Kurt Gribl damals. Die Summe müsse deutlich unter 200 Millionen liegen, erst dann wolle man Fördermittel beantragen. Damals regte sich nicht nur Widerstand aus der Bürgerschaft, sondern auch der Stadtrat war wegen städtebaulicher Bedenken in Aufruhr. Es wurde vorgeschlagen, umgeplant vorgeschlagen, umgeplant. Der ausgelagerte gläserne Orchesterprobensaal an der Volkhartstraße (immerhin das einzig erkennbare ästhetische Merkmal der Planung) verschwand, tauchte wieder auf, verschwand wieder usw. Die Verwaltung sollte zwischendurch in dem ehemaligen Postgebäude an der Grottenau verortet werden. Dann folgte ein Vorentwurf, der unter 190 Millionen lag, es gab einen Grundsatzbeschluss für Bauteil I und II sowie einen Projektbeschluss für das Große Haus (Bauteil I) und einen Kostendeckel für das Gesamtprojekt.

III Ist das noch eine Planung, die man sich für das Staatstheater Augsburg wünscht?

Am vergangenen Donnerstag erklärte Walter Achatz dem Augsburger Stadtrat, wie die Mehrkosten von 20 Millionen Euro zustande kamen. Achatz überstand die kritischen Anmerkungen von Baureferent Merkle, OB Gribl und einigen Stadträten mit ein paar Kratzern, aber ohne Beulen. Die SPD verschickte während der Stadtratssitzung eine PM, in der sie betont, dass die SPD an dem 2016 beschlossenen Kostendeckel von 187 Millionen Euro festhalten werde. Würde man dieses Statement ernstnehmen, müsste die SPD ab sofort gegen jeden Beschluss zur Theatersanierung stimmen, denn “187 Millionen Euro für die Theatersanierung” sind eine Kostenschätzung, die von anderen Projekten dieser Größenordnung abgeleitet wurde. Eine Prognose also, aber keine Kostenplanung. Die solle nun vorangetrieben werden und es ist damit zu rechnen, dass die neue Planung zu Bauteil II die von Fachplanern kalkulierten Kosten von 92 Millionen wieder an die ursprünglich geschätzten 72 Millionen Euro heranführt. Die “Granatenmeldungen” bezüglich der Kostenmehrung sind ohnehin von Bauteil I zu erwarten (Sanierung Großes Haus). Dafür gab es einen 25-Millionen-Puffer für unvorhersehbare Kosten, der jedoch fast schon verbraucht ist.

Die 2016 vorgestellte Planung wurde damals von der Theaterleitung und den Architeken als “Notwendigkeit” bezeichnet. Es handle sich nicht um eine Luxusplanung, sondern um eine normale Planung, die den Anforderungen eines funktionierenden Theaterbetriebs gerecht werde. Diese Planung ist nun aber Geschichte: Ein Untergeschoss wird eingespart (Lagerplatz) und das Schauspielhaus soll nun dorthin, wo ursprünglich der Orchesterprobensaal stehen sollte. Wie ein Theater mit 400 Plätzen auf diesen kleinen Platz gebaut werden kann, fragt sich der Laie. Die Planung sagt, dass das gehe, wenn man das Foyer einspare. Das neue Schauspielhaus soll mit dem Foyer des Großen Hauses verbunden werden.

Was bedeutet das neue Schauspielhaus an der Volkhartstraße städtebaulich? Ist das noch eine Planung, die man sich für das Staatstheater Augsburg wünscht? Ist es nicht so, dass eine Planung, die sich der Kostenverminderung absolut unterwirft, nur noch vor sich hinmurkst? Das sind relevante Fragen, die Stadtrat Volker Schafitel (FW) am Donnerstag dazu veranlassten, ein Moratorium zu fordern. Damit ist ein Stopp der gesamten Planung gemeint, schließlich stolpere man von einer Umplanung zur anderen. Man muss befürchten, dass am Ende etwas gebaut wird, das a) der Funktionalität des Theaters nicht gerecht wird und b) trotzdem teuer ist.

Martina Wild (Grüne) plädierte im Stadtrat sehr verhalten dafür, dass man die gesamte Planung nochmal überdenken könnte, indem man die beiden aktuellen Interimsspielstätten einbezieht. Was würde das für Bauteil II bedeuten, wenn man sich vor Augen führt, dass man im Gaswerk und im Martinipark bereits zwei funktionierende Schauspielhäuser hat, die vom Theaterpublikum als großartige Häuser wahrgenommen werden? Eine gute Frage, die man auch anders formulieren könnte: Warum sollte man an der Volkhartstraße ein drittes Schauspielhaus bauen, wo man doch bereits zwei hat?

 IV Wer ist politisch verantwortlich?

“Prospektpolitik”: Solide Prospekte nach vagen Kostenprognosen Bildnachweis: DAZ

Eine andere offene Frage ist die Frage der politischen Verantwortung. OB Kurt Gribl befindet sich als OB im Vorruhestand, im Mai 2020 ist er als Oberbürgermeister Geschichte. Für das Projekt Theatersanierung müssen andere Verantwortung übernehmen. Beim Bauskandal Curt-Frenzel-Stadion konnte die Politik den Schaden (die Mehrkosten) auf die Architekten abwälzen, konnte man die Mehrkosten schönrechnen und die mutmaßlich politisch Verantwortlichen konnten sich halbwegs aus der Affäre ziehen. Bei der Theatersanierung geht es um ganz andere Summen. Es handelt sich um ein Projekt mit einer Größenordnung, die die städtische Finanzsituation prägt. Bei einem Projekt dieser Kategorie muss es definierte politische Verantwortung geben – und es wäre womöglich klug, einen Planungswettbewerb, einen Ideenwettbewerb  auszuschreiben. Ob es für das Bauteil II nicht eine Planung geben könnte, die begeistert und den Theaterstandort deutlich weiterbringt als die aktuelle Planung, wissen wir so lange nicht, solange man nicht davon Abstand nimmt, um den Geist für neue Ideen freizumachen.

Auch die Frage, die am stärksten brennt, wird von der politischen Stadt ignoriert: Welche Projekte und welche gesamtstädtischen Fortentwicklungsprozesse werden durch die Kosten der Theatersanierung verzögert beziehungsbeweise blockiert? Bei der ins Stocken geratenen Schulsanierung “haben wir uns mit dem geschnürten Paket mit 300 Millionen zu sehr zufrieden gegeben und haben uns dabei in die Tasche gelogen”, sagte Stadträtin Claudia Eberle (Pro Augsburg) kürzlich im Bildungsausschuss, als Referent Hermann Köhler die geplanten Schulsanierung wegen Geldmangel aussetzen wollte.

V Schluss mit der Prospektpolitik

Wo fehlen die Mittel der Theatersanierung, wo brennen die dadurch evozierten Finanzdefizite am schmerzvollsten? Bei der städtischen Museenlandschaft (Stichwort: Römer, Stichwort H2), bei der dringend notwendigen Schulsanierung oder der Fertigstellung des Königplatzumbaus? Die Augsburger Straßen sind in einem katastrophalen Zustand. Der Weltkulturerbetitel erfordert den Bau eines Informationszentrums. Ist Politik noch vermittelbar, wenn sie Defizite verwaltet und wichtige Projekte auf den St. Nimmerleinstag verschiebt, aber ein Theater saniert und dafür 200 Millionen Euro ausgibt?

Die Stadt Augsburg muss sich von ihren Prospektvorstellungen verabschieden und seriöse Politik machen. Sie muss belastbare Zahlen liefern und eine politisch begründete Projekt-Priorisierung abliefern, die den Bürgern dieser Stadt vor Augen führt, wohin die Reise gehen soll. Der erste Schritt dazu ist noch nicht gemacht, nämlich eine solide Grundlagenermittlung. Das gilt für die Schulen wie für das Theater. Erst wenn die Bürger wissen, was genau zu tun ist und wie hoch die Kosten dafür sind, sind sie in der Lage dazu eine Meinung zu entwickeln.

Bei der Schulsanierung haben wir bereits ein unausgesprochenes Moratorium, bei der Theatersanierung wäre es das Gebot der Stunde.

 



U-23-Spieler für die Panther: Mayenschein kommt nach Augsburg

Die Augsburger Panther haben mit Jakob Mayenschein einen weiteren U23-Spieler für die Saison 2019-20 in ihrem Kader. Der 22-jährige Angreifer wechselt auf Leihbasis vom Ligakonkurrenten EHC Red Bull München nach Augsburg.

Mayenschein stammt aus dem Nachwuchs des EV Landshut und steht seit der Saison 2016-17 in der Organisation der Red Bulls unter Vertrag. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler absolvierte für München bereits 58 Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (zwei Tore und acht Assists) sowie 17 Partien in der Champions Hockey League (zwei Tore). Viel Eiszeit und Verantwortung bekam der 181 cm große und 83 kg schwere Linksschütze speziell in den Spielzeiten 2016-17 und 2017-18 beim Münchner Kooperationspartner SC Riessersee in der DEL 2. Insgesamt bestritt Mayenschein in drei Jahren für den SCR 58 Spiele in der DEL2 (14 Tore und 14 Assists) und Oberliga (acht Tore und neun Assists). Jakob Mayenschein nahm in dieser Woche auch am Sommercamp des „Top Team Peking“ der deutschen Nationalmannschaft teil. Diese Auswahl des DEB ist eine Perspektivmannschaft, die mit Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022 jungen deutschen Spielern Spielpraxis und Wettkampferfahrung im internationalen Eishockey bringen soll.

Panthercoach Tray Tuomie: „Wir bekommen mit Jakob Mayenschein einen hochtalentierten deutschen Stürmer für unser Team. Jakob kennt sowohl die DEL wie auch die CHL aus seiner Zeit in München und wird keine lange Eingewöhnungszeit benötigen. Wir sind froh, dass wir mit seiner Verpflichtung unsere Offensive sowohl qualitativ als auch quantitativ aufwerten können. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm.“



Vanitas Contemporary: Neue Ausstellung im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst

Vom 23. Juli 2019 bis 19. Januar 2020 findet im im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst eine bemerkenswerte Ausstellung statt 

Gloria Friedmann: L’envoyé spécial, 1995/2019. Mixed- Media-Installation. Bildnachweis: © Gloria Friedmann

Vanitas, die Vergänglichkeit all unserer Bemühungen und letztlich allen Seins, ist von jeher ein zentrales Thema der Kunst. Dies spiegelt sich auch und gerade in einer Vielzahl künstlerischer Reflexionen der Gegenwart. Anhand herausragender Beispiele internationaler zeitgenössischer Kunst und Fotografie zeigt die Ausstellung ein Panoptikum der bewussten und unbewussten Präsenz des Themas – von Szenarien gesellschaftlicher Dekadenz über werbeästhetische Darstellungen bis hin zu abstrakten Bild-Metamorphosen als Vanitas-Symbole unserer Zeit.

Zu sehen sind Arbeiten von: Benjamin Appel, Jürgen Brodwolf, Gloria Friedmann, Lois Hechenblaikner, Jaakko Heikkilä, Christofer Kochs, Herlinde Koelbl, Stefan Moses, Trevor Paglen, Stephan Reusse, Jean Noel Schramm und Norbert Tadeusz.

 

 



Heute: Zweite Kaiserliche Nacht im Maximilianmuseum

Am heutigen Samstag, den  27. Juli, finden von 18.30 bis 23 Uhr im Rahmen der  Maximilian-Ausstellung Konzerte, Lesungen, und Tanzaufführungen statt.

Am 27. Juli erstrahlt das Maximilianmuseum im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kaiserliche Nächte“ zum zweiten Mal in majestätischem Rot. Die Abendveranstaltung ist ein Highlight des Programms zur Sonderausstellung „Maximilian I. (1459– 1519). Kaiser. Ritter. Bürger zu Augsburg“.

Die “Kaiserliche Nacht” beginnt ab 18.30 Uhr, das Programm startet um 19 Uhr und umfasst folgende Events: Tanzaufführung, Augsburger Geschlechtertanz e.V., Innenhof, Konzert, Forum Alte Musik Augsburg e.V. (FAMA), Michael Eberth, Clavicytherium, Iris Lichtinger, Renaissanceflöten, Stefan Steinemann, Altus, Festsaal Lesung „Unterwegs“, Jovita Dermota, Festsaal Konzert, Forum Alte Musik Augsburg e.V. (FAMA), Michael Ebert, Clavicytherium, Iris Lichtinger, Renaissanceflöten, Stefan Steinemann, Altus, Festsaal (19 bis 21 Uhr).

21.30 Uhr Lesung „Unterwegs“, Jovita Dermota, Festsaal
22 Uhr Tanzaufführung, Augsburger Geschlechtertanz e.V.,

Zudem ist während des ganzen Abends der Verein Brettener Artillerie 1504 e.V. zu Gast und stellt Lichtballen und Feuerkugeln her, die früher als Geschütze verwendet wurden. Ebenso ist ein Feldscher, ein militärischer Wundarzt, vor Ort, der Einblick in die medizinische Ausrüstung gibt, mit der verletzte Soldaten zu Zeiten Maximilians behandelt wurden.

Ermäßigter Eintritt

Der reguläre Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 9 Euro. Alle Gäste, die in majestätischem Rot gekleidet sind, erhalten einen ermäßigten Eintritt für 3 Euro. Die nächste und dritte Kaiserliche Nacht wird am Samstag, 31. August stattfinden.



Der tibetische Kulturraum im Spiegel seiner Kunst: Neue Ausstellung im Schaezlerpalais

Schmuck und Kultfiguren aus dem tibetischen Großreich, Exponate aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. bis Mitte des 20. Jahrhunderts und die Zusatzausstellung „Land der hohen Pässe“ im Café des Schaezlerpalais, rätselhafte archäologische Streufunde, Schmuck und prachtvoll verzierte Gebrauchsgegenstände sowie mittelalterliche Kultfiguren aus dem tibetischen Kulturkreis stehen im Zentrum der neuen Ausstellung im Schaezlerpalais. Die Ausstellung wurde am 20. Juli eröffnet und ist bis zum 20. November zu sehen. (Di–So 10–17 Uhr).

 

Amulettbehälter (ga’u) mit Kultfigur, Gold, Silber und vergoldetes Silber, Tibet und Nepal, 18./19. Jahrhundert Bildnachweis: © Janos Stekovics 

Die Exponate skizzieren die Kulturen des einstigen tibetischen Großreichs – eines geografisch riesigen Raumes in Zentralasien. Auch die zeitlichen Dimensionen, in welchen die Objekte angefertigt wurden, sind beeindruckend: Sie reichen vom 1. Jahrtausend v. Chr., über das Mittelalter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Eines jedoch verbindet diese völlig unterschiedlichen Artefakte: Sie alle wurden auf die eine oder andere Weise von der tibetischen Kultur geprägt und sind eng mit den magischen Aspekten der tibetischen Religion verbunden. Durch sie erschließt sich die beeindruckende Geisteswelt eines Kulturkreises, der sich dank ungezählter Einflüsse aus Zentralasien, Indien, dem iranischen Raum und China zu einer der faszinierendsten Kulturen der Menschheitsgeschichte entwickelte. Die Ausstellung wurde im April 2018 im Schloss Wernigerode gezeigt und kommt nun im Rahmen einer Kooperation ins Schaezlerpalais. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog zum Preis von 24,80 Euro im Verlag Janos Stekovics erschienen.

Amulettbehälter, Gold, Türkise, Silber, 19. Jh. – © Janos Stekovics

„Das Land der hohen Pässe“ im Café des Schaezlerpalais

Parallel zur Präsentation im zweiten Stock werden im Café und Liebertzimmer des Schaezlerpalais bis zum 20. Oktober unter dem Titel „Land der hohen Pässe“ historische Fotografien gezeigt, die Chantal Bialais-Weihreter auf den gemeinsamen Reisen nach Tibet mit Hans Weihreter, dem Kurator der Hauptausstellung, anfertigte. Der Eintritt ins Café ist frei.

 



Gänsehaut trotz heißen Wetters: Das Christian Stock Trio mit James Carter beim Jazzsommer

 Vierter Konzertabend des Jazzsommers 2019: Bei tropischer Hitze war mit dem Christian Stock Trio der Saxophon-Superstar James Carter am Set. Ein Konzert mit leichten Mängeln, die durch ein großes Maß an Virtuosität aufgewogen wurden.

Von Frank Heindl

Christian Stock Trio und James Carter Fotomontage: Herbert Heim+mtfoto.de

Gerade mal 24 Jahre alt war James Carter, als er 1993 sein Debutalbum aufnahm: „JC on the Set“ hieß das ganz unbescheiden und war nach nahezu einhelliger Kritikermeinung nicht nur ein bravouröser Einstand, sondern setzte auch gleich Maßstäbe an Virtuosität, Ausdrucksstärke und an einer erstaunlich reifen Verarbeitung der Jazztradition.

Einen Superstar wie Carter in den Botanischen Garten zu bringen, war sicherlich nicht einfach. Mit ihm in – so ist anzunehmen – aller Kürze ein langes Programm einzuproben, dürfte ebenfalls für alle Beteiligten eine Herausforderung gewesen sein: Immerhin spielte das Quartett am Mittwoch zwei mehr als einstündige Sets. Und so hakte es dann an manchen Stellen ein wenig. Schon beim ersten Stück, einer von Pianist Martin Schrack geschriebenem Funk-Nummer, hatte Carter anfänglich Orientierungsprobleme, kämpfte ein paar Takte lang mit unsicherem Timing, bevor sich sein Tenorhorn rockig-rotzig im Geschehen orientiert hatte.

Doch solche Startprobleme waren spätestens beim zweiten Stück vergessen – einem von Drummer Walter Bittner geschriebenen Walzer, den Carter schon aus dem Hintergrund mit einem kurzen Verweis auf John Coltranes ¾-Hit „My favorite things“ einleitete –  und dann mit dem ungemein kraftvoll eingesetzten Sopransaxophon zu einem unbegleiteten Intro ansetzte, das nicht wenigen im Publikum trotz des heißen Wetters freudige Gänsehaut beschert haben dürfte.

Das Saxophon knarzt und schnarrt und singt

Hier schon zeigte Carter seine besondere Begabung, mehr Sound als üblich aus dem Saxophon hervorzuzaubern: Er holt durch Überblasen und Hineinsingen unglaubliche Sounds aus seinem Instrument, lässt es dreistimmig singen, lässt es schnarren und kratzen, aber auch trompetenhoch – und -klar jubilieren. Und gleich im selben Stück dann auch noch ein dezenter Hinweis auf Carters nicht eben klein geratenes Selbstbewusstsein, indem er im Ausklang noch einmal John Coltrane zitiert – jenen revolutionären Tenor- und Sopransaxophonisten, der, so mag es Carter erscheinen, nicht ganz zufällig die gleichen Initialen trug wie der Star des Abends.

Anlässlich von „restless legs“, einem Stück aus der Feder von Trio-Leader und Bassist Christian Stock,  ließ Carter dann gleich anschließend zirkulargeatmete Endloslinien hören, deren einfallsreiche Virtuosität wohl unüberbietbar ist – ein Wahrnehmungsorgan allein reichte da nicht mehr aus, man musste Carter schon auch sehen, um glauben zu können, was man da hörte.

Fesselnde Dialoge mit den Kollegen

Geschenkt, dass Carter bei der abschließenden, etwas vertrackten Break-Serie wieder zeitversetzt nachhinkte und teilweise sogar ganz aussetzte – verdienter, brausender Applaus war ihm auch weiterhin sicher. Vogelgezwitscher aus dem Tenorsax, das in lautes Rumoren ausrastet, Perkussionseffekte durch rhythmisches Geklapper mit den Klappen und gleichzeitigem Quälen des Mundstücks durch Zubeißen und -schnappen – das sind bei Carter keine Showelemente (obwohl er auch ein Showman ist), sondern sinnvoll und musikalisch eingesetzte Soundeffekte – in Kirk Rolands „Steppin‘ into Beauty“ allemal am richtigen Ort. Aber auch gut platziert, wenn er tierische Geräusch aus dem Botanischen Garten oder gar lautes Niesen im Publikum als Inspirations- und Imitationsquellen nutzt und sich sein Instrument mehrmals und geradezu unflätig räuspert.

Hervorzuheben sind auch mehrere lange Call-and-Response-Techtelmechtel zwischen Martin Schracks Klavier und dem Saxophon – Carter weiß sogar auf  heftig-brachiale Cluster vom Flügel die treffenden Antworten (auf schnelle Läufe natürlich sowieso), und auf ähnlich fesselnde Weise setzt er sich mit Walter Bittners Schlagzeug-Einfällen dialogisch auseinandersetzen.  Das ist hohe Kunst schon in der Wahrnehmung der Kollegen und erst recht in der unmittelbaren Umsetzung aufs eigene Instrument.

Nebenbei ist Carter außerdem eine wahre Zitat-Maschine: Nicht nur, dass er Coleman Hawkins‘ Jahrhundertaufnahme des Klassikers „Body and Soul“ so kongenial interpretiert, dass dabei wie von selbst die Stimmung eines Nachtclubs der 40er-Jahre entsteht, nicht nur dass er berühmte Vorgänger wie Lester Young auferstehen lässt; nicht nur dass Jobims „Girl from Ipanema“ mannigfaltig und variationsreich immer wieder neu aufscheint; in seiner eigenen Komposition  „JC on the Set“ – dargeboten als letztes Stück vor der Zugabe – zitiert er auch ein paar Noten aus der „Rhapsody in Blue“ – was er auch schon auf seinem Debutalbum getan hat. Wir erleben James Carter, wie er James Carter zitiert, der George Gershwin zitiert. Wie gesagt: Über mangelndes Selbstbewusstsein kann JC nicht klagen – aber sein Können, verbunden mit seinem tiefen Traditionsverständnis rechtfertigen das allemal.

 



Eilmeldung zur Theatersanierung: Mehrkosten von 20 Millionen Euro

Wie auf der gestrigen Sitzung der Lenkungsgruppe bekannt wurde, erhöhen sich die Kosten für die Neubauten um zirka 20 Millionen Euro.

Diese Planung steht nun im Feuer und ist wohl nicht mehr haltbar © DAZ

Ursachen dafür seien laut Architekt Walter Achatz der Brandschutz die Baukostensteigerung und ein hoher Grundwasserspiegel. Da das Schauspielhaus zwischen Verwaltung Lagerhallen, Werkstätten und Malsaal gebaut werden soll, würden für alle Bereiche die Brandschutzauflagen für Versammlungsstätten gelten. Zu diesen Mehrkosten gesellt sich eine Baukosten-Verdoppelung. Ursprünglich hatte Achatz die Baukostensteigerung mit 6,5 Prozent angegeben. Diese Schätzung ließe sich aber nicht halten, aktuell stehen 12,5 Prozent Baukostensteigerung zu Buche.

Einen Puffer für Unwägbarkeiten gibt es bei den Neubauten nicht, weil sich diese eben genau berechnen ließen, wie es von dem Münchner Planungsbüro hieß.



Jazzsommer: Traumwandlerisch, filigran, poetisch

Drei Konzerte in einer phänomenalen Jazzsommer-Woche

Von Frank Heindl

Die zweite Woche des Augsburger Jazzsommers schloss auch das Doppelkonzert am Freitag ein. Und so konnte die Reihe im Botanischen Garten nach dem herausragenden Start eine Woche zuvor (https://www.daz-augsburg.de/jazzsommer-auftakt-gaensehautfeeling-pathos-grosse-kunst) gleich dreimal das Niveau halten.

Bildnachweis: Stadt Augsburg

Am Mittwoch war es der Gitarrist Wolfgang Muthspiel, der mit seinem Quintett die Jazzfans begeisterte. An diesem Abend ging es um Farben und Schattierungen, um das Dahintreiben, Schwimmen und Fließen in Klangbächen und Bildströmen. Zu erkennen war das schon im zweiten Stück, als im Solo-Teil nur schwer zu erkennen war, welcher von den fünf Musikern nun gerade „dran“ war. Keiner legte richtig los, alle fünf aber bewegten sich in einem musikalischen Hin und Her, einem steten Auf und Ab, einer Abfolge von hohen Wellen und tiefen Wellentälern, einem Strömen und Ineinanderfließen.

Das Muthspiel Quintet – traumwandlerisch und organisch

Ein hoch anspruchsvolles Spiel wurde da gespielt, in dem sich fünf souveräne Musiker permanent gegenseitig Bälle zuspielten. Der international auch als Solist hoch angesehene Österreicher Muthspiel brachte in seinem Quintett  den Trompeter Matthieu Michel und den Pianisten Colin Vallon mit. Dazu kamen zwei Musiker aus den USA: Joe Sanders am Bass und Jeff Ballard an den Drums. Vallon gelingt am Flügel – beispielsweise – das Kunststück, in der rechten Hand nach Minimal Music zu klingen und gleichzeitig in der linken mit einem hochkomplexen Ostinato zu begleiten. Michels Trompete stach vor allem in einem Stück des ersten Sets heraus, das an den rock- und funkorientierten Miles Davis der 80er-Jahre erinnerte – allerdings ganz ohne dessen Elektronikpower. Ein Stück war das, in dem Ballard sich zu intensivem, kraftvollem Schlagzeugspiel bekennen durfte, das ihm am meisten zu liegen scheint. Sanders am Bass singt mit seinem Bass, umtanzt ihn und die Band mit weiten Linien. Und schließlich ist da noch Muthspiel, der sein Quintett mit Präzision und gleichzeitig größter harmonischer Offenheit durch ein Stilgemisch führt, in dem auch einmal Salsaklänge ihren Platz finden, in dem aus fugenhaft verflochtenen Themen und Einsprengseln immer wieder und oft ganz unerwartet ein schwingendes, bebendes, fragiles Ganzes entsteht, ein traumwandlerisches Gleiten und Treiben zur organischen Einheit.

Das Harrycane Orchestra – mächtige Klangtürme und filigrane Rhythmik

Ganz anders und doch ähnlich das Harrycane Orchestra am Freitag. Statt großer strukturellen Offenheit wie bei Muthspiel standen hier einfachere Songstrukturen im Vordergrund – und teilweise mächtige, ausdrucksstarke Klangtürme, deren Grundlage hinterm Schlagzeug Bandleader Harry Alt mit sonsoren Bordun-Tönen vom indischen Harmonium legte. Zusammen mit dem Klavier (David Kremer) schuf das einen dunklen, massiven Hintergrund für Tarkan Yesil. Der zeigte nicht nur hinreißende, allerfiligranste Rhythmusgestaltung an seinen Perkussionsinstrumenten, sondern auch zauberhaften orientalischen Gesang, mit dessen Hilfe einige der Stücke ihre fesselnd-meditative Komponente erhielten. Kay Fischer legte sozusagen eine Brücke zwischen arabischem Melodiespektrum und westlichem Jazz – an der Klarinette mit orientalischen Farben, am Saxophon mit selten exaltiertem, aber doch experimentierfreudigem Jazzspiel. Zum farbigen Klang gehörten auch die Saiteninstrumente von Joe Aykut (er spielte oud und cümbüc), und Giuseppe Puzzo, der körperlich sein Instrument umtanzt, musikalisch die Songs mit wunderbar gesetzten Basslinien umgarnt und einspinnt. Im Herbst gibt es das Programm dieses Abends auf CD, dann zusätzlich unterstützt durch Mitglieder der Augsburger Philharmoniker – man darf sich darauf und auf ein Dezember-Konzert in der neuen Brechtbühne freuen.

Das Brandqvist Trio – klar, poetisch, schön

Als zweite Band stand am Freitagabend das Trio des schwedischen Schlagzeugers Emil Brandqvist auf der Bühne – eine weitere vom Drummer geleitete Formation. Dass das Konzert fantastisch war, ist das eine. Man muss aber an dieser Stelle auch dem Augsburger Publikum ein großes Kompliment machen. Denn es konnte zunächst keineswegs als ausgemacht gelten, dass die Nordländer (neben Brandqvist der Schwede Max Thornberg am Bass und der Finne Tuomas Turunen am Flügel) das Publikum mitreißen würden.

Denn das Programm war, so klischeehaft sich das lesen mag, „typisch nordisch“ im kammermusikartig klaren Zusammenspiel wie in den Themen, die sich nicht zufällig unter anderem an nordischen Landschaften orientierten – klare, kalte Gebirgsbäche kamen einem da in den Sinn und man konnte beim Zuhören fast deren ruhiges Dahinströmen und -plätschern vernehmen – ohne dass die Musik im mindesten geplätschert hätte. Ein Musiker im Publikum meint gar, einen „Bruch im Raum-Zeit-Kontinuum“ verspürt zu haben, so weltabgewandt versunken, so fernab des Gewohnten schien ihm die Musik des Trios. Auch das Naturerlebnis der wunderbar warmen Sommernacht im Botanischen Garten mag zu dieser Empfindung beigetragen haben.

Trotz des himmelweiten Unterschieds zum soundsatten, rhythmisch-mitreißenden Harrycane-Orchester zuvor brauchte das Publikum maximal eineinhalb Stücke, um auch Brandqvists Trio mit begeistertem Applaus zu belohnen, um sich über deren hochdynamisches Spiel (und vor allem die sehr leisen Stellen) zu freuen, um sich beispielsweise an einem scheinbaren Fadeout in immer weniger, immer leiseren Tönen zu begeistern, dass dann doch kein Ausblenden war, sondern in ein vom gestrichenen Bass angeführtes neues Furioso mündete. Zu schweigen von schwer durchschaubaren Polyrhythmen, von perkussiv geprägten Zwischenteilen – perkussiv an allen drei Instrumenten! – von kaskadisch aneinandergereihten Klavier-Arpeggien, von – noch einmal und damit zum dritten Mal in dieser Jazzwoche – stets melodieorientierten Themen und Improvisationen, die man allesamt auch einfach als „poetisch“ und – noch schlichter, als „schön“ bezeichnen durfte.