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LOKALPOLITIK

Zwölf Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl: Wer wird Königin oder König der Gemeindeordnung?

Acht Monate vor der Kommunalwahl am 15. März 2020 formieren sich langsam die Parteien und bisher drei Listen. Bei der Aufstellung der OB-Kandidaten ist das Feld beinahe komplett bestellt. Da in Augsburg, nach Kurt Gribls Rückzug, kein amtierender Oberbürgermeister ins Rennen geht, geht der Stab der Favoritenbürde an seine CSU-Nachfolgerin über. Bei den Freien Wählern setzte sich gestern Abend auf der Nominierungsaufstellung Peter Hummel haushoch gegen Jens Wunderwald durch.

Von Siegfried Zagler

Der Augsburger Stadtrat: 60 Sitze und ein Oberbürgermeister – Foto: Stadt Augsburg

Die haushohe Favoriten Eva Weber (CSU) steht bereits seit geraumer Zeit im Ring. Sie wurde als Quereinsteigerin konsequent von Gribl und Co. als Nachfolgerin aufgebaut. Ihr folgt Dirk Wurm, den die SPD im Juli nominiert, doch das sollte Formsache sein. Oberbürgermeister sind die „Könige der Gemeindeordnung“, eine Art „Kommunale Verfassung“, die den direkt gewählten Bürgermeistern beim Regieren große Spielräume zugesteht. 

Geht man das politische Ranking nach Favoritenstellung von oben nach unten durch, folgt Martina Wild (Grüne), die noch ein parteiinternes Wahlverfahren zu überstehen hat, aber wohl kaum zu schlagen ist. Danach dürfte von den aktuellen Umfragewerten her Markus Bayerbach folgen, der für die AfD als OB-Kandidat ins Rennen geht.

Dann folgen die „üblichen Verdächtigen“ der Parteien und Gruppierungen, die erwartungsgemäß weniger Wähler anziehen werden als die Kandidaten der Bundesparteien. Der unberechenbarste Kandidat ist Bruno Marcon, der als OB-Kandidat für die Liste „Augsburg in Bürgerhand“ antritt. Es ist durchaus möglich, dass diese Liste bei der Bürgerschaft ankommt und Marcon ein Coup gelingen könnte. 

Dann folgt mit Lars Vollmar der FDP-Kandidat, der nach seiner Nominierung gleich eine Breitseite gegen Eva Weber abfeuerte – und ihr eine schlechte Finanz- und Wirtschaftspolitik attestierte. Die FDP hat ihre Liste bereits in trockenen Tüchern. Kreisvorsitzende Katrin Michaelis steht auf Platz zwei, gefolgt von Maximilian Funke-Kaiser. Seit Peppers Zeiten, also gefühlt seit 100 Jahren, hat die FDP in jeder Stadtratsperiode nur einen Sitz erhalten.

Auch die Bürgervereinigung Pro Augsburg hat ihre Kandidatin gefunden: Stadträtin Claudia Eberle soll als Oberbürgermeisterkandidatin ins Rennen gehen. Offiziell nominiert wird die IT-Expertin bei einer Mitgliederversammlung am 23. Juli, doch auch hier sollte Eberles Nominierung lediglich Formsache sein. Neben Fraktionschefin Claudia Eberle werden die PA-Stadträte Beate Schabert-Zeidler, Thomas Lis und Rudolf Holzapfel wieder antreten.

Für die Liste der WSA (Wir sind Augsburg) wird Anna Tabak ins Rennen gehen. Tabak ist zusammen mit Eberle, Wild und Weber die vierte Frau im Boot der Kandidaten. Das ist eine rekordverdächtige Quote. Die WSA-Gruppierung hat im aktuellen Stadtrat mit Peter Grab einen prominenten Bürgermeister a.D. sitzen.

Bei der Polit-WG, die derzeit mit Oliver Nowak einen Stadtrat stellt, wird erst im Oktober nominiert. Man könne sich auch vorstellen, dieses Mal einen OB-Kandidaten aufzustellen, so Nowak auf Anfrage. Wer das sein könnte? „Völlig offen“, so Nowak. Das Gegenteil gilt für Christian Pettinger, der für die ÖDP antreten wird.

Bei den Linken gilt Frederik Hintermair als OB-Kandidat gesetzt. Die Linken besetzten ursprünglich zwei Sitze in dieser Stadtratsperiode, doch auf der Strecke verloren sie Alexander Süßmair, der wegen parteiinternen Querelen bei den Linken austrat.

Bei den Freien Wählern wurde gestern Abend der Journalist Peter Hummel nominiert. Von allen Kandidaten hatte er bisher als einziger einen Gegner, nämlich Dr. Jens Wunderwald, der erst kürzlich (Januar) bei den Freien Wählern eintrat und ein Fiasko erlebte. Von 19 Wahlberechtigten erhielt Wunderwald nur eine Stimme. Geht man davon aus, dass sich Wunderwald selbst gewählt hat und es eine Enthaltung (ungültige Stimme) gab, dann liegt trotz Gegenkandidat Hummel prozentual nahe bei 100 Prozent Zustimmung. Wunderwald, der sich politisch seit geraumer Zeit auf Facebook positioniert, war Volker Schafitels Vorschlag. Nach diesem Ergebnis steht Wunderwald auch für einen Listenplatz nicht mehr zur Verfügung.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass die kleinen Parteien und Gruppierungen in Augsburg nicht selten in Koalitionen mit der CSU oder der SPD am großen Rad mitdrehen durften. Sie alle haben Wahlprogramme, die unterscheidbar sind. Und es macht im Wahlkampf Sinn, einen OB-Kandidaten aufzustellen, da man die Kommunalwahl als Persönlichkeitswahl zu verstehen hat. Zehn Kandidaten, doch nur eine Frage ist in Sachen OB-Wahl ernsthaft zu stellen: Wer geht mit Eva Weber in die Stichwahl? Wild, Wurm oder gar Marcon?



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