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Umbenennung Egk-Schule: Grüne gehen auf Hermann Köhler los

Die Stadtratsfraktion der Augsburger Grünen unterstützt die Umbenennung der Werner-Egk-Grundschule in Oberhausen und stellt sich hinter die Entscheidungen der Kommission für Erinnerungskultur und der Schulfamilie. Und sie verurteilt das Vorgehen des Bildungsreferenten Hermann Köhler scharf: „Der Bildungsreferent hat vollkommen versagt.“

Wie die DAZ berichtete, gibt es im Stadtrat für die Umbenennung der Werner-Egk-Schule keine Mehrheit. Die CSU-Fraktion und die Fraktion Pro Augsburg sowie einige Stadträte der SPD und OB Kurt Gribl werden wohl dagegen stimmen. Seit mehr als zwei Jahren ist das Thema auf der politischen Agenda und seit April 2018 steht die Empfehlung der Kommission für Erinnerungskultur in Stein gemeißelt: Egk sei ein Opportunist und Nutznießer der nationalsozialistischen Herrschaft gewesen, der nach 1945 nicht zur kritischen Selbstreflexion bereit gewesen sei. „Werner Egk ist in den Augen der Kommission menschlich kein Vorbild und kein geeigneter Namenspatron für eine Schule.“

Im Dezember 2018, also acht Monate nach diesem Statement, ehrte Oberbürgermeister Kurt Gribl die Kommission für ihr ehrenamtliches Engagement und für ihre herausragende Arbeit bei einem Empfang im Rathaus. Die Kommission für Erinnerungskultur wurde von OB Gribl und dem Ältenstenrat explizit dafür beauftragt, den Fall Egk sachlich zu bewerten und eine Empfehlung abzugeben. Vorsitzender der Kommission ist der parteilose Kulturreferent Thomas Weitzel. Aus Sicht der Grünen Fraktion verlässt die Stadt Augsburg ihre von der Parteipolitik losgelösten Tugenden, wenn sie der Empfehlung der Kommission Erinnerungskultur nicht folge.

„Sollten die CSU-Fraktion, der Oberbürgermeister und der Bildungsreferent bei der nun öffentlich kommunizierten Ablehnung der Umbenennung bleiben, brüskieren sie die Kommission Erinnerungskultur.“ Die Kommission hatte zudem angeregt, eine Beteiligung im Stadtteil stattfinden zu lassen. Diese Empfehlung wurde nicht umgesetzt.

Das geißelt nun die Grüne Stadtratsfraktion: „Hier hat der Bildungsreferent aus unserer Sicht vollkommen versagt. Darüber hinaus lässt er nun auch die Schulfamilie, die sich mit der Umbenennung auseinandergesetzt hat und sich zu dem Thema positioniert hat, im Regen stehen. Schockiert sind wir zudem von den Ausführungen des Bildungsreferenten in der Beschlussvorlage. Das Entnazifizierungsverfahren ohne historische Erläuterung und kritische Wertung als Argumente für eine Beibehaltung des Namens darzustellen, ist fachlich katastrophal und spricht gegen eine fundierte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Die Augsburger CSU sollte das katastrophale Agieren ihres Bildungsreferenten nicht noch weiter verschlimmern, indem sie die Umbenennung ablehnt. Stattdessen sollte sie am Mittwoch nächster Woche für die Umbenennung stimmen und sich eindeutig zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit bekennen.“

So das gemeinsame Statement der Grünen Stadträtinnen Martina Wild und Verena von Mutius. Wild ist Fraktionsvorsitzende und von Mutius Mitglied der Kommission.

 

 

 

 



FOS: Ausschussgemeinschaft und Pro Augsburg fordern Neubau

Die Frage, ob ein Abriss und ein anschließender Neubau nicht die bessere Lösung wäre, als eine Endlossanierung steht bezüglich der Schulgebäude weiterhin im politischen Raum

Ein Fass ohne Boden: Sanierungsfall Schulzentrum am Alten Postweg © DAZ

Am kommenden Mittwoch befasst sich der Stadtrat zum wiederholten Mal mit dem Schulzentrum am Alten Postweg: Die Gebäude der FOS, BOS und RWS waren in den zurückliegenden Jahren mehrfach Gegenstand von Stadtratssitzungen, nachdem immer wieder bauliche Mängel und Brandschutzdefizite zutage getreten waren, die beseitigt werden mussten: Neben undichten Dächern trat immer wieder Schimmelbefall auf und bei Sanierungsarbeiten stellte man dann auch noch Asbest in der Wandverkleidung fest. ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger hierzu: „Man hatte das Gefühl, mit jedem Versuch, einen Mangel zu beseitigen, stellten sich neue zusätzliche Probleme ein.Viele Millionen Steuergelder wurden bereits in die Gebäude investiert unter anderem in ein Notdach, das verhindern sollte, dass es in die Klassenräume reinregnet. Aber dennoch gibt es nach wie vor undichte Stellen.“

Es sei demnach nicht überraschend, dass die Schulfamilie bei der Stadt auf Abhilfe in Form eines Neubaus drängte. Die Bauverwaltung plädierte dann aber in der Stadtratssitzung im vergangenen November für eine Kernsanierung des Gebäudes. Dies sei der wirtschaftlichere Weg, wie Baureferent Merkle vorrechnete. Auf wenig Verständnis stieß er damals bei der Ausschussgemeinschaft (Freie Wähler, Die Linke, ÖDP, Polit-WG, Stadtrat Süßmair) und Pro Augsburg: Sie monierten in der Stadtratssitzung, dass eine Kernsanierung den teuren Bau eines Interims-Containerdorfes für den laufenden Schulbetrieb erfordere. Im Gegensatz dazu könne ein Neubau auf der Fläche des heutigen Parkplatzes diese Funktion übernehmen, so argumentierte Stadtrat Pettinger bereits in der November-Sitzung. Die bestehenden maroden Bauten könnten dann nach und nach durch weitere Neubauten ersetzt werden. Im Übrigen könne mit der Sanierungsvariante lediglich 90 Prozent des benötigten Raumbedarfes verwirklicht werden.

Baureferent Merkle behauptete in der damaligen Sitzung, dass der bestehende Bebauungsplan für einen Neubau geändert werden müsse, was  im zeitlichen Ablauf mindestens 1,5 zusätzliche Jahre bedeuten würde.

Wie von Stadtrat Nowak (Polit-WG) im Sitzungsverlauf recherchiert, gibt es auf dem Schulgelände gar keinen Bebauungsplan. Diese Tatsache konnte er jedoch erst am Ende der Sitzung bekannt geben, so dass die Entscheidung zur Sanierung vorher bereits mehrheitlich gefallen war. Deshalb stellten die Ausschussgemeinschaft Freie Wähler, Die Linke, ÖDP, Polit-WG, Stadtrat Süßmair und Pro Augsburg bereits Anfang Dezember 2018 den Antrag an OB Dr. Gribl, den Beschluss über Sanierung bzw. Neubau nochmals im Stadtrat zu behandeln und sich für einen Neubau zu entscheiden. Am kommenden Mittwoch soll nun über den Antrag vom Stadtrat entschieden werden.

 



Der beste Weg zum Mond

Am 28. Mai lädt das Akademische Auslandsamt zu einem Scientific Talk mit dem New Yorker Mathematiker, Astrophysiker und Maler Dr. Edward Belbruno (Princeton University) ins Sparkassen-Planetarium Augsburg

Kein Witz: Es soll eine Tiefenergie-Transitbahn von der Erde zum Mond existieren © DAZ-Archiv

Welche Rolle hat die Malerei dabei gespielt, als er vor 33 Jahren den gewissermaßen besten Weg von der Erde zum Mond herausfand? Der Mathematiker, Astrophysiker und Maler Dr. Edward Belbruno, der diesen Weg vor 33 Jahren gefunden hat, seither als einer der bedeutendsten Denker der Raumfahrt gilt und derzeit als Forschungspreisträger der Humboldt-Stiftung am Institut für Mathematik der Universität Augsburg forscht, wird dies am 28. Mai im Planetarium Augsburg bei einem Scientific Talk erzählen.

Der Ruf des NASA-Beraters Dr. Edward Belbruno, einer der wichtigsten Denker der Raumfahrt zu sein, geht auf die von ihm gewonnene Einsicht zurück, dass sich die Chaos-Theorie gewinnbringend in der Raumfahrt anwenden lässt. 1986 fand er die erste realistische Tiefenergie-Transitbahn von der Erde zum Mond, eine ballistische Bahn also, auf der sich mit möglichst wenig Treibstoff eine maximale Reichweite erzielen lässt. Entgegen der verbreiteten Skepsis, dass sich diese Bahn in der Praxis fliegen lassen würde, zeigte die spektakuläre erste japanische Mission zum Mond im Jahr 1991, dass Belbruno mit seiner „fuzzy boundary theory“ recht hatte. Seither hat diese Theorie viele Anwendungen bei Fragestellungen gefunden, die von der Entstehung des Mondes bis zur Entstehung des Lebens auf der Erde reichen. Und neue Forschungsresultate zeigen, dass sich Belbrunos Theorie auch als bedeutungsvoll für künftige Marsmissionen erweisen könnte.

Bestandteile ein und desselben kreativen Prozesses

Der Mathematiker Ed Belbruno ist zugleich renommierter Maler. Werke von ihm, die als „chaotic discoveries“ oder „creative expressions“ charakterisiert werden, wurden u. a. in New York, aber auch z. B. in China gezeigt. Für ihn seien Kunst und Mathematik Bestandteile ein und desselben kreativen Prozesses. Gleichwohl verbleibt ein gewisses Stutzen, wenn Belbruno behauptet, dass es die Malerei gewesen sei, die ihn auf seinem Weg zur „fuzzy boundary theory“ inspiriert habe. Wie dies denn nun konkreter zu verstehen ist, wird er beim Scientific Talk am 28. Mai erläutern – im Planetarium Augsburg, das seine Ausführungen visuell begleiten wird.

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Painting the Way to the Moon: The Art of Chaos – Scientific Talk mit Dr. Edward Belbruno

  • Dienstag, 28. Mai 2019, 19.30 Uhr
  • Sparkassen-Planetarium Augsburg, Ludwigstraße 14, 86152 Augsburg
  • Der Eintritt ist frei, die Platzzahl allerdings auf 70 begrenzt.
  • Vortrag und Präsentation werden von Prof. Dr. Urs Frauenfelder, Belbrunos Augsburger Gastgeber, simultan ins Deutsche übersetzt.


Bund Naturschutz in Bayern fordert Stopp des Glyphosateinsatzes in Augburg

Der Bund Naturschutz fordert den sofortigen Stopp von Glyphosat-Einsatz in Augsburg 

Bildnachweis: Christine Kamm

Kein Verständnis zeigen Augsburgs Naturschützer für die Ausbringung von Glyphosat auf den Trassen von Bahn und Lokalbahn. Die Lokalbahn hatte in den vergangenen in Augsburgs Naherholungsgebieten und Schutzgebieten großzügig Glyphosat auf ihren Bahntrassen ausgebracht. Dabei gebe es umweltverträgliche gangbare Alternativen, den unerwünschten Bewuchs der Bahntrassen zu beenden, wie die BN-Vorsitzende Kamm in einer Stellungnahme erklärt.

„Der Einsatz von glyphosathaltigen Pestiziden auf unseren Naherholungsgebieten muss sofort gestoppt werden“, fordert Augsburgs BN-Vorsitzende Christine Kamm. Sie verweist darauf, dass in den USA mehr als 760  Klagen gegen das glyphosathaltige Mittel im Raum stehen. Da eine Kanzerogenität von Glyphosat nicht ausgeschlossen werden könne, müsse das Vorsorgeprinzip gelten und die Bevölkerung vor den Gefahren des Stoffs geschützt werden.

In ihrem Bericht zur Neubewertung von Glyphosat legt auch die bayerische Staatsregierung dar, dass sie ein Ende der Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat so schnell wie möglich anstrebe. Auch auf europäischer Ebene wird ein Ende der Zulassung von Glyphosat angestrebt, zuletzt wurden diese Bemühungen durch den ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Schmid in Brüssel torpediert.

„Die Träger der Lokalbahn, darunter die Augsburger Stadtwerke dürfen nicht auf ein Verbot des Wirkstoffs Glyphosat auf Bundes- oder europäischer Ebene warten, sondern müssen umgehend und vollständig die Anwendung dieses Pestizids beenden. Neben der gesundheitlichen Gefahren für die Menschen schädigt Glyphosat auch unsere Insekten,“ so Kamm.