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Finanzen

Kostenexplosion bei Mozarthaus

Die Geburtsstätte von Leopold Mozart, Vater und Mentor von Wolfgang Amadeus, wird in Augsburg derzeit umgestaltet. Die Kosten der Baumaßnahme sind explodiert und werden sich nicht auf 546.000 Euro belaufen, wie es in der ursprünglichen Beschlussvorlage heißt, sondern haben die Summe von 900.000 Euro bereits überschritten.

Bereits Anfang 2018 wurde die Renovierung des Gebäudes in der Frauentorstraße vom städtischen Kulturausschuss bewilligt. „Sowohl aus Kontakt für Rückfragen museumsfachlicher Sicht als auch im Sinne einer nachhaltigen Verwendung ist die Neugestaltung der Dauerausstellung einer zeitlich begrenzten Sonderschau vorzuziehen“, so Kulturreferent Thomas Weitzel damals im Ausschuss.

Das Mozarthaus wurde bereits 2005 anlässlich des damaligen Jubiläums saniert. Heute entspricht die damalige museale Präsentation nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand. So würde die Person Leopold Mozart nicht zur Genüge fokussiert werden. Dies bestätigte auch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern. Seiner eigentlichen Aufgabe, der Vermittlung und Darstellung des Komponisten und Musikpädagogen, könne das Museum nicht ausreichend nachkommen. „Das Haus soll künftig dazu einladen, einen der bedeutendsten Söhne der Stadt kennenzulernen. Gleichzeitig soll bei der Neugestaltung ein Augenmerk auf interaktive Ansätze und die Musikvermittlung gelegt werden, damit auch für jüngere Zielgruppen ein ansprechendes Museumserlebnis garantiert ist“, so Weitzels Begründung, als es Anfang 2018 darum ging, die geplanten Mittel in Höhe von 546.000 Euro politisch zu rechtfertigen.

Diese Summe ist heute allerdings noch weniger zutreffend als das museale Konzept von 2005. Nach Informationen der DAZ haben sich die Kosten (Stand April 2019) beinahe verdoppelt: Man sei inzwischen bei deutlich über 900.000 Euro angekommen, hieß es. Die Zahlen wurden vom Kulturreferat, das die Sanierung steuert und sich politisch verantwortlich zeichnet, gegenüber der DAZ noch nicht bestätigt. Unklar ist auch bisher, ob die Fluchttreppe, die aus feuerschutzrechtlichen Gründen nachträglich eingebaut werden muss, bereits in der neuen Kalkulation enthalten ist.



Höhmannhaus: Stadt veröffentlicht Testament von Ruth Höhmann

Die Stadt hat die Nichtöffentlichkeit des Testaments von Ruth Höhmann aufgehoben. Als Anlass wird eine unkorrekte Formulierung im Wikipedia-Eintrag zur Erblasserin angegeben. Die Stadt will mit diesem Hinweis eine weitere Verbreitung des falschen Eintrags verhindern.

Höhmannhaus © DAZ

Der bizarre Streit um die vom Augsburger Rechnungsprüfungsamt als zu niedrig eingestuften Mieten des Höhmannhauses ist um eine Kapriole reicher: In der Sitzung vom 28. März 2019 hat der Augsburger Stadtrat beschlossen, die Nichtöffentlichkeit des Testaments von Ruth Höhmann aufzuheben. Das Schriftstück ist – soweit es nicht schützenswerte Daten enthält – im Internet unter www.augsburg.de/testament-hoehmann öffentlich einsehbar.

Anlass für diesen Schritt sei, so die Pressestelle der Stadt, dass der Wikipedia-Eintrag zu „Ruth Höhmann“ eine falsche Aussage enthalte. Diese betreffe Ruth Höhmanns Testament zum sogenannten „Höhmannhaus“. Im letzten Satz des zweiten Absatzes im Wikipedia-Eintrag heißt es zur Miete: „Diese soll jedoch weit unter ortsüblichem Niveau liegen, da sie lediglich den Erhaltungsaufwand abdecken und keinen Gewinnanteil enthalten darf.“

Wie das Wirtschafts- und Finanzreferat der Stadt Augsburg mitteilt, ist diese Aussage bezüglich des Testamentes falsch. Im Testament befindet sich bezüglich der Miethöhe folgende Regelung, die sich an den Nießbrauchsberechtigten richtet: „Sollte die Erbin das ihr von dem Nießbrauchsberechtigten gemachte Angebot zur Anmietung von solchen Räumen während der Dauer des Nießbrauchs zu angemessenen ortsüblichen Bedingungen nicht annehmen und innerhalb von drei Monaten seit schriftlicher Unterbreitung eines Angebotes zur Vermietung von Räumen durch den Nießbrauchsberechtigten an die Erbin mit dieser kein Mietvertrag zu ortsüblichen Bedingungen zustande kommen, so kann der Nießbrauchsberechtigte die zur Neuvermietung anstehenden Räume auch an andere Personen als die Erbin, zu ortsüblichen Konditionen vermieten.“

Der Stadt Augsburg als Erbin wurden somit keine direkte Vorgaben zur Miethöhe im Testament gemacht. Aus kommunalrechtlichen Vorgaben sowie aus dem Quervergleich zu den Vorgaben an den Nießbrauchsberechtigten ergebe sich, so die Auffassung der Stadt, dass von der Erblasserin gewollt wurde, dass ortsübliche Mieten verlangt werden sollen.

„Der Wikipedia-Eintrag sowie Medienberichte, die sich darauf stützen, sind daher in diesem Punkt falsch“, so der Schlusssatz der städtischen Pressemitteilung.



Furioser Walkürenritt in der Kongresshalle

Was für ein Osterabend! Der Augsburger Wagner-Sänger Gerhard Siegel lud renommierte Kollegen aus aller Welt zur Oster-Benefiz-Gala für die Theatersanierung ein

Von Halrun Reinholz

Sternstunde für Wagnerianer in der Kongresshalle: Gerhard Siegel, Domonkos Héja, Jennifer Holloway © Jan-Pieter Fuhr

Wagner in Augsburg geht gerade nicht so – zu viele Provisorien, zu schlechte technische Bedingungen. Aber das heißt nicht, dass beim Publikum kein Interesse vorhanden wäre. Zumindest hatte man diesen Eindruck in der Kongresshalle am Abend des Ostersamstag – da traf die Crème de la crème der Wagner-Interpreten zusammen, um mit einer konzertanten „Walküre“ die Theatersanierung in Augsburg zu unterstützen.

Eingefädelt hatte das Event der in Augsburg lebende Sänger Gerhard Siegel, dem die  Stadt und ihr Theater, wie er bekennt, „sehr am Herzen“ liegen. Er hat hier seine künstlerische Heimat, die ihn befähigt hat, einer der weltweit gefragtesten Darsteller für Wagner-Rollen wie Mime oder Siegmund zu werden.  Bei der letzten Wagner-Inszenierung in Augsburg war er als Tristan zu erleben. Durch sein gut geknüpftes Netzwerk gelang es ihm, Kolleginnen und Kollegen für diesen Konzertabend zu gewinnen, die aufgrund voller Terminkalender und weltweiter Engagements nur schwer unter einen Hut zu bringen sind. Deshalb wohl auch der ungewöhnliche Termin am Karsamstagabend – dem viele potenzielle Zuschauer wohl aus Gründen der Urlaubsplanung fernbleiben mussten.

Dennoch war die Kongresshalle gut gefüllt und auch weniger eingefleischte „Wagnerianer“ konnten sich der Faszination der hervorragenden Interpretation dieser faszinierenden Musik nicht entziehen. Gerhard Siegel überzeugte als Siegmund. Als Sieglinde hatte er Jennifer Holloway gewinnen können, die diese Partie gerade an der Staatsoper Hamburg singt. Eine vergleichsweise kleine Rolle hatte Kammersänger Walter Fink, bis 2014 Mitglied der Wiener Staatsoper, als Hunding, doch sein kraftvolles Stimmvolumen elektrisierte das Publikum merklich. Den Wotan gab der international präsente Däne Johan Reuter. Als Fricka stand ihm die amerikanische Mezzosopranistin Katharine Goeldner (die zusammen mit Gerhard Siegel die Idee der Benefiz-Gala gesponnen hatte) zur Seite. Auffällige Bühnen- und Stimmpräsenz kam von der Dänin  Irène Theorin, die weltweit die Brünnhilde gibt und auch an diesem Abend in dieser Rolle brillierte.

Domonkos Héja und die Augsburger Philharmoniker begleiteten den Wagner-Ausnahmezustand unaufgeregt und glanzvoll. Beim Walkürenritt am Anfang des dritten Aktes entwickelte sich ein fulminanter Dialog des Orchesters zu den acht singenden Walküren am Bühnenrand – eine beeindruckende Riege, in der mit Sally du Randt und Natalya Boeva auch zwei Kolleginnen aus dem Augsburger Ensemble standen. Die fünf Stunden Sitzfleisch waren eine lohnenswerte Herausforderung für den einmaligen Konzertabend zum Osterfest. Bleibt zu hoffen, dass sich auch der finanzielle Effekt für die Theatersanierung zeigt. Und dass solche Projekte Nachahmung finden – das Augsburger Publikum zeigt sich, wie man an den nicht enden wollenden frenetischen Ovationen gemerkt hat, dafür dankbar.



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