Wendejahre
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Kommentar: FCA-Trainerwechsel war richtig

Dass mit Martin Schmidt zum FCA zwei unverzichtbare Faktoren zurückgekehrt sind, die in der Vergangenheit wie abwesende Gottheiten zumeist vergebens beschworen wurden, ist in den beiden Partien nach dem Trainerwechsel deutlich zutage getreten. Die Rede ist von Kampfkraft und Spielfreude.

Kommentar von Siegfried Zagler

 

Ob der Trainerwechsel auf der Zielgeraden zum Saisonende eine richtige Entscheidung war, werde sich zeigen, orakelte vor zwei Wochen die DAZ. Es sei nämlich nicht damit zu rechnen, dass Martin Schmidt aus der Augsburger Truppe mehr herausholen könne als Manuel Baum, der die gesamte Saison darunter gelitten habe, dass er spektakuläre Qualitätseinbußen im Kader hinzunehmen hatte. Diese These hat Martin Schmidt eindrucksvoll widerlegt. Dass er dabei „Spielglück“ hatte, räumte der sympathische Schweizer anstandshalber ein.

Dass ein ausgezeichnet eingestellter und großartig aufspielender FCA zu Beginn der Vorrunde zu wenig Punkte holte, weil beide Torhüter keine bundesligataugliche Qualität hatten, war nicht Baum anzulasten, sondern dem Management. Dann mussten Caiuby und Hinteregger den Verein aus disziplinarischen Gründen verlassen. Für Martin Hinteregger wurde mit Reece Oxford ein junger Spieler verpflichtet, der nicht bundesligatauglich ist. Der Abgang von Caiuby sollte ebenfalls als Schwächung begriffen werden. Ein Jeffrey Gouweleeuw war lange verletzt und spielt nach seinem Comeback lange unter Form. Durchgehende Formschwäche auch bei Hahn. Mit dem verletzten Framberger fehlt dem FCA seit Monaten der einzige schnelle Außenverteidiger. Alfred Finnbogason ist als Zentrumsstürmer kaum zu ertragen. Koo ist außer Form, Gregoritsch nur noch ein Schatten seiner selbst und in der Mitte verteidigt mit Danso ein Spieler, der in der Bundesliga nichts verloren hat.

Und plötzlich kommen Gouweleeuw, Hahn und Gregoritsch in Form, Richter gar in Hochform, als hätte Martin Schmidt einen imaginären Schalter gefunden und umgelegt. Stafylidis zählt wieder zum Stammpersonal und die kämpferische Grundhaltung des Griechen strahlt bis zu den Tribühnen hoch. Dass Khedira als Sechser ein zu großes Loch ins verteidigende Mittelfeld riss, wollte Baum nicht sehen – Schmidt sah es wohl. Bei den Standards wurde Max entlastet: sinnvoll! Die gesamte Mannschaft spielte wieder gegen den Ball, bei Ballgewinn wurde sofort Angriff geblasen und im Aufbauspiel bewegte sich das Augsburger Mittelfeld wieder in die Breite, gab es ein Rollieren und somit Optionen auf einen Präzisionspass. Die Mannschaftsteile wirkten zusammen wie ein Uhrwerk. Der Abschluss wurde schnell und kreativ gesucht, als hätte es nie eine Krise gegeben. Mit großer und einer klar ersichtlichen Kampfkraft fand der FCA gegen Frankfurt und Stuttgart ins Spiel, das ihm plötzlich „leicht von der Hand ging“.

Dass der Mannschaft in dieser Phase der Saison noch eine Wende gelang und sie sechs unerwartete Punkte holte, darf man dem neuen Trainergespann anrechnen. Der Trainerwechsel war also richtig. Direkt kann der FCA nicht mehr absteigen und ein indirekter Abstieg über die Relegation ist nur noch sehr theoretisch möglich. Im hinteren Tabellendrittel ist der FCA das Team der Stunde. Seit gestern steht quasi fest, dass Augsburg seine 9. Bundesligasaison planen kann.

Es wäre viel zu tun! Verstärkung ist in der Innenverteidigung dringend nötig. Im Grunde fehlt in jedem Mannschaftsteil ein Stammspieler. Ein klasse Torhüter muss noch zum FCA kommen, ebenso eine bockstarke Sechs und für Finnbogason eine Neun, also ein Mittelstürmer, der den Ball stoppen kann und auch mal vier Spiele am Stück durchhält. Auf der rechten Seite fehlt als backup zu Framberger immer noch ein Verteidiger mit Speed.

In der neunten Saison beginnt die Leier vom Nichtabstieg endgültig zu langweilen. Einfach nicht absteigen wollen ist zu wenig. Beim FCA muss eine neue Stufe gezündet werden.

 

 



Augsburg vs. Stuttgart: Im Rausch der Sinne

Der FC Augsburg hat den Klassenerhalt vor Augen. Im Schlüsselspiel gegen Abstiegsmitkonkurrenten VfB Stuttgart brachte der FCA sein ganzes Potential auf den Platz und stieß die Schwaben mit einem 6:0-Kantersieg in den Abgrund. Die Tore der Augsburger erzielten Khedira (11.), Hahn (18.),  Max (29./58.) sowie Richter (53./68.). VfB-Trainer Markus Weinzierl wurde am heutigen Sonntag freigestellt. Bis zum Saisonende wird Stuttgart nun vom bisherigen U-19 Trainer Nico Willig trainiert.

Augsburgs Coach Martin Schmidt war nach dem Frankfurtspiel zu drei Änderungen gezwungen: Torhüter Kobel war nach seiner Gehirnerschütterung nicht rechtzeitig fit und wurde durch Luthe ersetzt. Danso und Max starteten außerdem anstelle von Koo (Grippe) und Finnbogason, den eine erneute Verletzung plagt.

Der FCA übernahm als Heimmannschaft von Beginn an das Kommando und unterband konsequent das VfB-Aufbauspiel. So kam es auch zum schnellen Führungstreffer. André Hahn brachte steil auf der rechten Seite Jonathan Schmid zum Laufen, der den Ball in den Rückraum schlenzte. Dort glänzte Rani Khedira mit einem Volleyschuss zum 1:0 (11.).

Hahn stellt auf 2:0 – Max erzielt nach 29 Minuten das 3:0

Mit der Führung im Rücken stellte sich der FCA etwas tiefer, ohne dass der VfB dadurch mehr vom Spiel gehabt hätte. Eine Ecke von Schmid landete im Strafraum schließlich bei Hahn, der das Leder seelenruhig annehmen konnte, um es kaum behindert mit einem harten Schuss im kurzen Eck zu versenken (18.). Der VfB erarbeitete sich anschließend mit zunehmender Spieldauer ein Übergewicht an Ballbesitz, die wichtigen Szenen entschied jedoch der FCA für sich: Nach Ballgewinn im Mittelfeld schaltete Augsburg schnell um, Richter passte mit optimalen Timing auf Max, der frei vor Zieler das 3:0 erzielte (29.). 

Das Spiel war entschieden, die Stuttgarter fügten sich in die Niederlage und kamen dennoch aufgrund diverser Nachlässigkeiten des FCA  zu Großchancen, was damit zu tun hatte, dass Defensiv-Experte Rani Kedhira verletzungsbedingt für Moravek weichen musste.

Halbzeit 2: FCA spielt weiter nach vorne: Richter und Max treffen

Gegen Stuttgart bärenstark: André Hahn

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich der FCA wieder aufmerksamer und hatte das Spiel erneut sicher im Griff. Richter scheiterte an Zieler (47.), auf der Gegenseite war Luthe gegen Anastasios Donis zur Stelle (50.). Wenig später die endgültige Entscheidung:  Bei einem FCA-Konter bekam der VfB den Ball nicht aus dem Strafraum. Die Kugel kam schließlich zu Richter, der sie kontrolliert volley aus der Luft nahm und im langen Eck zum 4:0 versenkte (53.). 

Doch damit war die Torlust der Brechtstädter erst geweckt. Bei einem Konter landete ein Hahn-Pass bei Max, der das Ergebnis auf 5:0 stellte (58.).

Trotz der deutlichen Führung versuchte der FCA weiter mit Tempo den Abschluss. Hahn (62.) und Max (67.) scheiterten jedoch an Zieler. Auf der Gegenseite kam auch der VfB zu Chancen: Ein Schuss von Daniel Didavi rauschte knapp am langen Pfosten vorbei (64.), kurz darauf scheiterten sowohl Nicolas Gonzalez als auch Mario Gomez am stark reagierenden Luthe (66.).

Doppelpack Nummer zwei: Richter bestraft Stuttgarts lasche Einstellung

In der 68. Minute war es schließlich der zweite Doppelpack an diesem Nachmittag, der das halbe Dutzend fix machte: Richter wurde zentral vor dem Tor nicht ernsthaft gestört und schoss aus 20 Metern hart ab – 6:0 (68.). In der Schlussphase verlor das Spiel an Rasse ein, Chancen gab es aber weiter auf beiden Seiten. Besonders für den Ehrentreffer des VfB: Donis verpasste zweimal nur knapp (81./85.), auf der Gegenseite scheiterte Moravek an Zieler (85.). Der FC Augsburg spielte gegen den VfB Fußball wie ein Verein, der nach Europa strebt: mit allen Sinnen und viel Verstand.

Mit dem höchsten Sieg seiner Bundesligageschichte, eben mit diesem 6:0 Sinnesrausch, hat sich der FCA von der „Bedrohung Relegationsplatz“ deutlich abgesetzt, während  der VfB nun damit rechnen muss, dass er vom Club noch überholt werden kann, worauf der Stuttgarter Direktabstieg folgen würde.

Am kommenden Freitag, 26. April, (20.30 Uhr) steht wieder eine Spitzenmannschaft auf dem Lechfeld. Dann ist Bayer 04 Leverkusen in der WWK Arena zu Gast.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern30224479:295070
2Borussia DortmundDortmund29206368:363266
3RB LeipzigRB Leipzig30187557:233461
4Eintracht FrankfurtFrankfurt29157757:342352
5Bor. MönchengladbachM'gladbach30156949:371251
61899 HoffenheimHoffenheim301311665:412450
7Bayer LeverkusenLeverkusen301531253:48548
8Werder BremenSV Werder301210852:421046
9VfL WolfsburgWolfsburg291361047:44345
10Fortuna DüsseldorfDüsseldorf301141540:59-1937
111. FSV Mainz 05Mainz 05301061437:51-1436
12Hertha BSCHertha BSC29981241:48-735
13SC FreiburgSC Freiburg297111139:50-1132
14FC AugsburgAugsburg30871546:55-931
15FC Schalke 04Schalke 0430761732:52-2027
16VfB StuttgartVfB Stuttgart30561927:67-4021
171. FC NürnbergNürnberg30391824:56-3218
18Hannover 96Hannover 9629352125:66-4114


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