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Dylan-Day in Augsburg

Historischer Dylan-Flyer

Nach dem Vorspiel – der VHS-Reihe mit Vorträgen, Konzert und dem Scorsese Film „No Direction Home“ im Mephisto Kino – endlich der Höhepunkt: Bob Dylans erstes Augsburg Konzert am morgigen Samstag, den 20. April um 20 Uhr in der Schwabenhalle. Und natürlich darf spekuliert werden, welche Songs zu hören sind – interessant auch die Frage, was Dylan nach dem Konzert macht.

Von Udo Legner

Auf seiner Frühjahrs-Europatournee begeisterte Bob Dylan das Publikum in Würzburg und Paris. In Wien wurde es dagegen von ihm „abgewatscht“ und angefaucht: „We can either play or pose. It’s your decision!“ Zu diesem Ausraster Dylans kam es, als das Publikum zum Missfallen des Meisters seine Zugabe, das unumstrittene Meisterwerk „Blowing in the Wind“, mit Handy Blitzlichtern zu verwehen wagte. Es stellt sich also die Frage, was man sich von seinem Augsburger Auftritt in der Schwabenhalle erwarten darf.

Don’t Think Twice, It’s All Right

Erfahrene Dylan Jünger wissen, dass Bob Dylan seine Auftritte stets pünktlich auf die Minute beginnt. Sie wissen auch, dass von dem Song- und Danceman kein noch so knappes „Hallo Augsburg“, noch eine sonstige Ansage an das Publikum zu erhoffen ist. Der Frankfurter Musikjournalist Peter Kemper erklärt Dylans Weigerung, sich den Konventionen des Musikmarkts anzupassen, mit einer Schlichtheit: „Dylan steht quer zu dieser Musikindustrie, wenn man so will, zu den Anforderungen des Popmarktes“.

Things Have Changed

Während in der prädigitalen Phase von Bob Dylans Neverending Tour, die seiner Gefolgschaft seit drei Jahrzehnten an die 100 Konzerttermine pro Jahr beschert, die Songs von Konzert zu Konzert wechseln konnten, ist Bob Dylans Setlist inzwischen wie in Stein gemeißelt. Sie kann auf der Homepage des Troubadours – www.bobdylan.com – abgerufen werden. So komfortabel das sein mag, so bedauerlich ist dies für ganze Heerscharen von (selbsternannten) Dylanologen, die wegen Dylans Hang zum Dekonstruieren und Verfremden seiner eigenen Klassiker – böse Zungen haben es gar als Verrat der Rocklegende an seinem eigenen Liedgut bezeichnet – ihren Spaß daran hatten, nach einem Dylan Konzert sämtliche feil gebotenen Songs zu ertüfteln. So verlässlich wie die Setlist ist, ist auch auf Dylans Begleitband Verlass, die dem 77 Jahre alten Troubadour sicheres Geleit gibt. Seit 1989 steht Bassist Tony Garnier treu an Dylans Seite. Zudem sorgen Gitarrist Charlie Sexon, Schlagzeuger George Recile und Donnie Herron (Steelgitarre, Mandoline, Geige) für musikalische Dichte und Qualität, wohingegen sich Bob Dylan neben dem Verfremden seiner Lieder auf das Klavier- und gelegentliches Mundharmonikaspiel beschränkt.

When I Paint My Masterpiece

Vor allem von den Songs der späten siebziger und frühen 80er Jahren, als Dylan sich dem evangelikanischen Glauben zuwandte und mit „Slow Train Coming“, „Saved“ und „Shot of Love“ drei vom Christentum inspirierte Platten mit Gospelelementen aufnahm, wird das Augsburger Publikum weitgehend verschont bleiben. Das Gleiche gilt für die Frank Sinatra Coverversionen, die sich auf dem 2015 erschienenem Album „Shadows in the Night“ befinden. Stattdessen gibt es einen abwechslungsreichen Mix mit den Songs seiner ersten Hochphase zu Beginn der 60er Jahre und eine beträchtliche Anzahl von Liedern von dem 2012 produzierten Album „Tempest“. Freuen dürfen sich die Konzertbesucher auf jeden Fall auf ein paar Songs, die der Kategorie Lieder für die Ewigkeit zuzurechnen sind: „Highway 61 Revisited“, „Like A Rolling Stone“ und „Make You Feel My Love“, ein Lied, das der ein oder die andere nur als Cover Version von Adele kennen mag.

„Don‘t follow leaders, watch the parking meters“

Wer darauf hofft, Bob Dylan in Augsburg außerhalb der Schwabenhalle „live and in person“ zu begegnen, muss wohl schon ein großer Optimist sein. Für gewöhnlich verschwindet Bob Dylan unmittelbar nach Konzertende in einem der drei Tourbusse, die ihn dann in irgendein Hotel in der Pampa bringen. Da aber nach Augsburg erst zwei Tage später Locarno auf dem Tourneeplan steht, könnte es durchaus sein, dass er sich inkognito – den Kopf versteckt unter einem Hoodie – die Altstadt zu Gemüte führt und sich am Ende seiner Augsburger Neverending Tour ins Brechthaus begibt. In seiner Autobiographie, den „Chronicles“, lässt er sich nämlich seitenlang und mit großer Begeisterung über die Bedeutung von Bert Brechts Songs – allen voran die „Seeräuber Jenny“ – für seinen Werdegang als Songwriter aus.



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