Wendejahre
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Lokalpolitik

Stadtrat verabschiedet Satzung zur Durchführung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden

Mehr Transparenz und bessere Beratung bei Bürgerbegehren erwartet sich die Grüne Stadtratsfraktion durch einen von ihr initiierten Antrag, der auch zu mehr Sicherheit bei der Fragestellung eines Bürgerbegehrens führen soll

Augsburger Stadtrat — Bildnachweis: Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Der Augsburger Stadtrat hat heute  eine Satzung zur Durchführung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden verabschiedet. Damit wird zukünftig ein einheitliches Verfahren gewährleistet. „Aufgrund eines Grünen Antrags wird mit der Einführung dieser Satzung ein großer Schritt bei der direkten Bürgerbeteiligung gemacht. Die neue Satzung sorgt für mehr Transparenz und für eine Informationspflicht von Seiten der Stadt“, so die Grüne Fraktionsvorsitzende Martina Wild. Die Anmeldung von Bürgerbegehren solle nun möglichst frühzeitig und im Rahmen eines Informationsgespräches zwischen Vertreter des Bürgerbegehrens Vertretern der Stadt erfolgen. Als Hilfestellung für die Initiatoren werde nun eine Unterschriften-Musterliste von der Stadt Augsburg bereitgehalten.

Mit der neuen Satzung soll vermieden werden, dass die Sammlung von Unterschriften unter einer unzulässigen Fragestellung nicht mehr stattfinden.

Die politische Motivation des Antrags ist auf eine Blamage der Stadt zurückzuführen. Der Stadtrat hatte im Sommer 2015 die Fragestellung des  Bürgerbegehrens zur Fusion für unzulässig erklärt. Eine Fehlentscheidung, die im Nachgang durch eine Klage der Bürger vom Verwaltungsgericht München kassiert wurde. In keiner anderen bayerischen Stadt wurden seit 1995 so viele Bürgerbegehren angestoßen und auch Bürgerentscheide abgehalten wie in Augsburg.



Stadtführung am Abend durch Augsburg: Wenn die Schatten länger werden

Ab Samstag, den 4. Mai am 20.00 Uhr, organisiert die Regio Augsburg Tourismus GmbH die abendliche Stadtführung „Wenn die Schatten länger werden“. Diese Abendführung findet turnusmäßig von Mai bis September jeweils samstags um 20.00 Uhr statt. 

Wenn es Nacht wird in Augsburg, fängt die Renaissancestadt an zu leuchten: das Rathaus und der Perlachturm, die drei Monumentalbrunnen, prachtvolle Sakralbauten wie der romantisch-gotische Dom oder die Basilika St. Ulrich und Afra am südlichen Ende der prachtvollen Kaisermeile – der Maximilianstraße, wo die Fuggerhäuser und weitere Stadtpaläste aus dem Zeitalter der Renaissance, des Barocks und des Rokokos stehen. Sie flanieren auf einem der schönsten Straßenzüge Deutschlands. 

Treffpunkt: Tourist-Information am Rathausplatz — Beginn: 20.00 Uhr — Dauer: 1,5 Stunden — Kosten: Erwachsene 10,- €, Ermäßigt 8,50 € (Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderung).

Nähere Informationen erteilt die Regio Augsburg Tourismus GmbH unter Telefon 0821/ 50207-0 oder im Internet unter www.augsburg-tourismus.de



»Mehr Drama, Baby!« – Die Theaterpädagogik-Show zum Mitspielen!

Unter dem Motto »Mehr Drama, Baby« findet am 3. Mai der fünfte bundesweite Tag der Theaterpädagogik statt.

Anlässlich dieses Aktionstages hat das Staatstheater Augsburg die erste Theaterpädagogik-Show zum Mitspielen für alle Theaterbegeisterten kreiert. Die Frage »Was tun eigentlich Theaterpädagog*innen, wenn sie Theaterpädagogik machen?« wird somit theaterpädagogisch beantwortet: spielerisch, aktiv, kreativ, künstlerisch, darstellerisch, erlebnisorientiert, mit viel Spaß und einem »Aha!«-Effekt zum Schluss. Vorbereitet sind Stationen, an denen die Mitwirkenden in kurzer Zeit in vielen Varianten »Theater machen«. Anschließend werden die erprob- ten Elemente in einer Show zusammengesetzt. Die Mitwirkenden sind gleichzeitig Publikum. Der Eintritt ist frei. Tag: 3.Mai 2019 — Zeit: 16:00 Uhr — Ort: Foyer martini-Park

Anmeldung erforderlich unter: theaterpaedagogik.theater@augsburg.de oder 0821 324-4548/4586



FCA: Timon Pauls ersetzt Stephan Schwarz

Als der FCA Cheftrainer Manuel Bau und Jens Lehmann freistellte, musste überraschenderweise auch der Leiter der Scoutingabteilung und Kaderplaner Stephan Schwarz seinen Hut nehmen.

Timon Pauls wird nun ab dem 2. Mai die Aufgaben des Chefscouts und des Kaderplaners übernehmen.  Pauls (26), der in München geboren wurde und die slowenische und die australische Staatsbürgerschaft besitzt, war beim FC Bayern München als Chefscout im Nachwuchsbereicch seit 2016 tätig.

„Wir freuen uns, dass wir mit Timon Pauls einen absoluten Fachmann im Bereich Scouting und Kaderplanung für uns gewinnen konnten. Wir sind uns sicher, dass er mit seinem Netzwerk und seiner Expertise perfekt zu uns und unserer Philosophie, verstärkt auf eigene Nachwuchsspieler und junge Talente zu setzen, passt“, so FCA Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter.



Künstler gestalten zehn Straßenklaviere

Klaviere, die im öffentlichen Raum stehen und alle Passanten zum Spielen, Zuhören und Verweilen einladen – das ist „Play Me, I’m Yours“. Jetzt wurden die Künstler ausgewählt, die zehn Klaviere in einzigartige Straßenklaviere verwandeln sollen.

Klaviergestaltung PMIY – Symbolbild, (c) Ruth Plössel

Das Kunst- und Kulturprojekt „Play Me, I’m Yours“ wird vom 6. bis 29. September 2019 zum 3. Mal in Augsburg stattfinden. Das Projekt geht auf eine Idee des englischen Künstlers Luke Jerram zurück, die seit 2008 um die Welt geht und von Paris bis Lima Menschen einlädt, auf den öffentlichen Klavieren zu spielen. 2017 wurde „Play Me, I’m Yours“ erstmalig in Augsburg initiiert und erfolgreich umgesetzt. Das Besondere an der Aktion: Alle Klaviere werden individuell von Augsburgern und Menschen aus der Region gestaltet, die sich mit ihren Ideen als Gestalter für jeweils ein Klavier bewerben konnten.

Am 29. April setzte sich die „Play Me, I’m Yours“-Jury zusammen, um aus allen Bewerbungen zehn Klaviergestalter auszuwählen. Für Eva Weber, Schirmherrin der Aktion, keine einfache Aufgabe: „Wenn man vor so vielen fantasievollen Bewerbungen von Schulklassen, sozialen Einrichtungen, Handwerkern, Studenten und kunstbegeisterten Menschen steht und eine Gestaltungsidee beeindruckender ist als die andere, dann möchte man am liebsten alle nehmen.“ Leider habe man aber nur zehn Klaviere, weswegen jene Gestaltungsideen ausgewählt wurden, die die Vielseitigkeit Augsburgs am stärksten widerspiegeln.

Die zehn Klaviere gehen an Amelie Bormann, Andrea Strehle, Anna Petermichl, Cornelia Elsässer, Diana Hillesheim & Veronika Rothe, Jeannette Rudics, die Fachakademie für Sozialpädgogik des Diako (mit Julia Runze, Ann-Sophie Schubert, Ricarda Echter, Özgü Keskin und Julia Igelspacher), Nina Strobl von der Kommunalen Jugendarbeit, das Projektbüro UNESCO-Weltkulturerbe und Simone & Max Gleich. Bis Ende Juli haben die Künster für ihre Umgestaltung Zeit.



Wenn der Meeresspiegel steigt

Das Café Tür an Tür präsentiert am heutigen Dienstag um 19 Uhr einen politischen Reisebericht von Claudia Roth über Konsequenzen unseres Handelns am anderen Ende der Welt und die konkrete Verantwortung, die daraus erwächst.

Für Millionen von Menschen weltweit ist die Klimakrise, sind auch klimabedingte Migration und Flucht längst keine theoretischen Phänomene mehr. Gerade für die Menschen auf Kiribati, Tuvalu oder Fidschi bedeutet die Erderwärmung bereits heute Überschwemmung, Unterspülung und steigender Meeresspiegel. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen droht 52 Inselstaaten der teilweise oder vollständige Verlust ihres Staatsgebiets. Die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Tropenstürme tun ein Übriges, um ein Leben in jenen Regionen absehbar zu erschweren.

Claudia Roth, Mitglied und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, reiste gemeinsam mit Dr. Frithjof Schmidt MdB und Prof. Matthias Zimmer MdB in die besonders von der Klimakrise betroffenen Länder Bangladesch, Kiribati und Fidschi. Die Abgeordneten sprachen mit Entscheidungsträger*innen, Betroffenen, Wissenschaftler*innen und der Zivilgesellschaft über die großen Herausforderungen. Sie machten sich ein Bild davon, wie schon heute Millionen von Menschen zu Vertriebenen werden, wie Orte und ganze Inselstaaten durch den ansteigenden Meeresspiegel bedroht sind – und vor welch enormen existenziellen, finanziellen und logistischen Herausforderungen die Menschen stehen.

Zeit: Dienstag, 30. April 2019, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei
Ort: Café Tür an Tür, Wertachstraße 29, 86153 Augsburg



Auschwitz als Steinbruch

Am kommenden Donnerstag findet in Augsburg ein Vortrag statt, der sich dem Geschichtsbild und der Reflexion der NS-Verbrechen widmet. „Bestimmt der Markt, was von den Verbrechen der Nazis in Erinnerung bleibt?“, so der beunruhigende Untertitel des Vortrags von Thomas Wilms.

Die Zeit der faschistischen Diktatur 1933 bis 1945 ist in den Massenmedien nach wie vor präsent. Unzählige Dokumentationen befassen sich mit dieser dunklen Epoche der deutsche Geschichte. Doch viele arbeiten sich personalisiert an einzelnen Figuren dieser Zeit ab: »Hitlers Helfer« und ähnliche Serien blenden oft aus, wie es zur Machtübernahme der Nazis kommen konnte und wer daran ein Interesse hatte. „Wie die Verbrechen des NS-Regimes vergegenwärtigt werden, ist zunehmend einem ökonomischen und ideologischen Markt überlassen“, meint dazu der Historiker Thomas Wilms. Aus dem Zusammenhang gerissene Bilder hätten bereits einen maßgeblichen Einfluss auf das Geschichtsbild, so seine These. Dabei sei dieser Prozess international und überlagere nationale geschichtspolitische Probleme.

Auf Einladung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) untersucht Wilms bei einer Veranstaltung am 2. Mai, was von den NS-Verbrechen bleibt, welche Aspekte der Erinnerungen von Zeitzeugen von Anfang an ignoriert wurden und welche Missverständnisse die Vorstellungen über Konzentrationslager bestimmen. Dazu zieht er literarische und philosophische Werke, Museen, Filme, Fernsehserien und Graphic Novels ein und untersucht, wie diese sich schönfärberisch oder aufklärerisch mit dem Zweiten Weltkrieg und den deutschen Massenverbrechen auseinandersetzen. Sein Streifzug durch die Geschichte beginnt in Italien und führt über Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien bis in die USA.

Was von den NS-Verbrechen bleibt/ Vortrag und Diskussion mit Thomas Wilms/Donnerstag, 2. Mai 2019, 19.30 Uhr Hans-Beimler-Zentrum, Manlichstrasse 3, Augsburg (Nähe Bahnhof Oberhausen)



MEINUNG

Kommentar: Warum die Werner-Egk-Schule umbenannt werden muss

Gegen die Umbenenung der Werner-Egk-Schule scheint sich politischer Widerstand zu formieren. Sollte das der Fall sein, muss Oberbürgermeister Kurt Gribl diesen Spuk schnellstmöglich beenden

Kommentar von Siegfried Zagler

Egk-Büste von Bernhard Bleeker in der Werner-Egk-Begegnungsstätte in Donauwörth © DAZ

Die Geschichte ist schnell erzählt: Dem pensionierten Lehrer Hans-Georg Kalbhenn fiel im Januar 2017 auf, dass die Werner-Egk-Grundschule in Oberhausen im Vergleich zu anderen Augsburger Schulen auf ihrer Homepage nur dürftig über den Namenspatron Werner Egk informierte und formulierte daraufhin die Bitte gegenüber der Schulleiterin Claudia Kirsch, dieses Defizit zu beheben.

„Es ging mir darum, dass die Seite angemessen sein Leben darstellt, dass eben alles erklärt wird und nichts verschwiegen wird.“ Kalbhenn fand es nicht angemessen, dass die Rolle des Komponisten in der Nazi-Zeit mit keinem Jota erwähnt wurde. Kalbhenn umschrieb gegenüber der DAZ die Reaktion der Schule als ein „schweigsames Fastnichts“. Er wollte sich nicht abspeisen lassen und schrieb das Kulturreferat, die Stadtratsfraktionen und Augsburgs OB Kurt Gribl an. Kalbhenns Anliegen wurde von einem Antrag Volker Schafitels (FW) auf die politische Ebene gehoben: „Der Ältestenrat soll mit sofortiger Wirkung die Änderung des Schulnamen „Werner-Egk-Schule“ beschließen und die Schule entsprechend umbenennen“, so Stadtrat Schafitel.

Das war am 14. Februar 2017. Oberbürgermeister Kurt Gribl machte sich im Ältestenrat dafür stark, dass sich die Kommission für Erinnerungskultur mit dem Thema zu befassen habe. Der Ältestenrat willigte ein. Die Kommission für Erinnerungskultur (Vorsitzender: Kulturreferent Thomas Weitzel) ließ sich mit der Recherche Zeit, nämlich über ein Jahr, war aber in ihrem Urteil einstimmig wie eindeutig: „Als Opportunist und Nutznießer der nationalsozialistischen Herrschaft, der nach 1945 nicht zur kritischen Selbstreflexion bereit war, ist Werner Egk in den Augen der Kommission menschlich kein Vorbild und kein geeigneter Namenspatron für eine Schule.“ Diese Empfehlung ging an das Bildungsreferat und an das Schuldirektorium der Werner-Egk-Schule. Die Schüler-Eltern und das Direktorium fanden in Übereinstimmung mit dem Bildungsreferat einen neuen Namen: „Grundschule Augsburg Oberhausen Mitte“.

Die Begründung der Kommission für Erinnerungskultur lehnte sich inhaltlich sehr eng an die Begründung der Spruchkammer an, die Egk 1947 als „nicht belastet“ einstufte, aber in der Urteilskommentierung wenig Zweifel aufkommen ließ, dass er mit dem Nationalsozialismus paktierte: „Als 1933 der nationalsozialistische Barbarismus die Herrschaft in Deutschland antrat, war es eine große Enttäuschung, daß die geistige Führerschicht anstatt Widerstand zu leisten, einer nach dem anderen mit dem Nationalsozialismus paktierte. Der Widerstand erlahmte dadurch immer mehr, die Klarsehenden vereinsamten und wurden machtlos. Es besteht zu allen Zeiten und für alle den Durchschnitt Überragenden die Verpflichtung, Vorbild zu sein. Jeder, der seine Leistung und seinen Namen dem Nationalsozialismus zur Verfügung stellte, hat damit eine Schuld auf sich geladen. Auch Egk kann dieser Vorwurf nicht erspart werden.“ (Spruchkammer München-Land Mü-La 146/46/3636 vom 17. Oktober 1947). 

Werner Egk wurde 1947 von der zuständigen Gerichtsbarkeit freigesprochen, bekam keine Strafe, kein Berufsverbot, aber er bekam eine Beurteilung, die ihm eine moralische Schuld zusprach, die im Jahre 1947 nicht geringer war als 1994 oder 2019. 

Im Auftrag der Alliierten hatten die Spruchkammern die Aufgabe, die Entnazifizierung mit rechtsstaatlichen Mitteln zu betreiben. Die Schuld der Beschuldigten musste nachgewiesen und festgestellt werden. Bei der Namensgebung von Schulen, Universitäten, Straßen und bedeutsamen Gebäuden sollte es umgekehrt sein: Diejenigen, die einen Namenspatron vorschlagen, sollen in der Lage sein, mit einer lückenlosen Vita die Eignung des Namenspatron zu begründen. 

Als Werner Egk 1994 vom Augsburger Stadtrat zum Namenspatron der Grundschule in Oberhausen ernannt wurde, wurde offenbar nicht lückenlos dargestellt und differenziert begründet. Dieser Fehler soll nun korrigiert werden. Die Kategorie des moralischen Handelns während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialsten ist Egk vom zuständigen Gericht abgesprochen worden. Das sollte bereits ausreichen, um ihn als Namenspatron einer Schule für ungeeignet zu halten. 

Die Empfehlung der städtischen Kommission führt keinen tieferen Grund an, als eben Opportunismus und Vorteilsnahme im Rahmen eines Verbrechersystems und eines gleichgeschalteten Kulturapparats. Egk komponierte für die Nazis, profitierte vom System, lebte das System und wollte nach dem Krieg ein „Antifaschist“ sein, wie er vor der Spruchkammer zu Protokoll gab. Eine wirklichkeitsferne Erinnerungsfiktion, die im Nachkriegsdeutschland epidemisch auftrat und das postfaschistische Klima der jungen Bundesrepublik prägen sollte. 

Einer der großen Künstler dieser Zeit, Rainer Werner Fassbinder, unternahm mit seinem Schaffen den Versuch auch diesen tiefen, dunklen Wald der Bonner Republik zu beleuchten. So lautete der programmatische Titel seiner Effie-Briest-Verfilmung: „Fontane Effi Briest oder: Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und trotzdem das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen“.

Es waren und sind demnach Mitläufer und Opportunisten, die auf unscheinbare Weise Unrechtssysteme ermöglichen und daran mitarbeiten, diese zu festigen und zu bestätigen. Die Empfehlung der Kommission, die Werner-Egk-Schule umzubenennen, ist deshalb richtig, ebenso die bisherige Vorgehensweise der Stadt. Doch nun scheint sich Widerstand zu formieren: Am 1. April hätte der Bildungsausschuss diese Empfehlung beschließen sollen, das letzte Wort hätte der Stadtrat gehabt. Doch soweit sollte es nicht kommen: CSU-Stadträtin Ingrid Fink wollte das Thema wegen Beratungsbedarf der CSU-Fraktion von der Agenda haben, der Bildungsausschuss akzeptierte.

Damit ist das Thema vertagt. Wie es weitergeht ist derzeit völlig offen. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) und Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) haben sich noch nicht öffentlich geäußert. 

Im Gegensatz zur Namensänderung in Friedberg, wo das Wernher-von Braun-Gymnasium umbenannt wurde – und dies zu schweren Verwerfungen und unerträglichen Relativierungen führte, die bundesweit wahrgenommen wurden, bis sich das Kultusministerium einschaltete, schien die Stadt Augsburg die „Causa Egk“ mit aushaltbaren Nebengeräuschen abzuwickeln. „Man sollte der CSU-Fraktion Zeit lassen, sich eine Meinung zu bilden“, sagte Kulturreferent und Kommissionsvorsitzender Thomas Weitzel ohne ironischen Unterton auf die DAZ-Frage, ob ihm die neue Entwicklung nicht Sorgen bereite.

Wenn man, wie Thomas Weitzel, keine politische Macht hat, braucht man Gelassenheit und Demut beim Scheitern. Den politischen Akteuren im Augsburger Stadtrat ist in diesem Zusammenhang jedoch die Analysefähigkeit von Weitzel zu wünschen, sodass sie die verheerende historische Dimension der Wirkungsmacht von Opportunisten wie Egk erkennen und dementsprechend entscheiden.



MEINUNG

Kommentar: Schmidt hat den FCA noch nicht besser gemacht

Die Tabellenstände von Vereinen wie Nürnberg, Stuttgart, Hannover, Düsseldorf, Hamburg, Bremen, Berlin, Köln, Schalke, Hoffenheim, Freiburg, Gladbach und Wolfsburg, aber auch von Leverkusen oder Frankfurt erzählen die immer gleiche Geschichte des Fußballs, dass es nämlich schnell nach unten wie nach oben gehen kann.

Von Siegfried Zagler

Außer Bayern und Dortmund (und wohl auch Leipzig) ist in der Fußballbundesliga niemand vor dem Abstiegsgespenst sicher. Der stets mögliche Abstieg in die zweite Liga ist längst durch den Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder zu einer existenzbedrohenden Angelegenheit geworden: Wer auch nur ein Jahr in der zweiten Liga kickt, kommt bestenfalls als finanziell „benachteiligter Aufsteiger“ zurück oder versinkt für lange Zeit in den Untiefen der Zweit- oder Drittklassigkeit. In Augsburg hat man seit Beginn der Bundesligazeit den Nichtabstieg zu einem Programm gemacht, und dabei die Legende von der FCA-Familie kreiert, die ihre finanziellen Defizite durch eine besondere Philosophie des Zusammenhalts ausgleichen könne. Ein Zusammenhalt, der sich von der Vorstandsschaft über die Fans auf den Platz übertragen haben soll: Eine von Beginn an taktisch motivierte Legende, eine Lüge, die nie einen Hauch Wirklichkeit in sich trug.

Erst mit Manuel Baum als Cheftrainer schien sich diese Legende nachträglich in die Wirklichkeit transportieren zu lassen. Baum war genau der passende Augsburger Trainer-Typus, das richtige Gesicht zur falschen Legende: ein Schullehrer, der die schwäbische Bescheidenheit und Gründlichkeit verkörpert – und dabei ordentliche Erfolge einfuhr. Seine Suspendierung erfolgte laut Reuter und Hofmann aus einem einzigen Argument heraus, nämlich wegen zu starken Leistungsschwankungen auf dem Platz, die Präsident Hofmann offenbar nicht mehr ertragen wollte. Reuter, so munkelt man unter den Augsburger Journalisten, hätte Baum niemals von sich aus in Frage gestellt.

Im Fußball werden fast alle Personalentscheidungen vom Tabellenstand abhängig gemacht. Hätte der FCA in der Hinrunde in Dortmund (verdient) gewonnen, wären in der ersten Phase der Hinrunde durch Torhüterpatzer nicht 6-8 Punkte verschenkt worden, wäre Baums Trainerleistung keine Sekunde hinterfragt worden. Ergebnisse sind der Maßstab für erfolgreiche Arbeit. Dass die Ergebnisse nicht stimmten, lag nicht an Baum, auch wenn man öfters den Eindruck hatte, dass Baum im taktischen Bereich zu viel von der Mannschaft wollte. Festzuhaltenn ist aber, dass weder Publikum noch Vorstand, weder Journalisten noch Spieler gerne einem Trainer zuhören, der regelmäßig über die Erfolgslosigkeit seiner Mannschaft sprechen muss. Ein Trainer ist schnell verbraucht, schnell demontiert. Baums Demontage begann mit der Verpflichtung von Jens Lehmann und endete mit dem Statement von Gouweleeuw.

Manchmal muss man alles, was gestern noch richtig war, über Bord werfen, um in großer Not einen Schub durch einen neuen Impuls zu erhalten. Das Wechsel-Manöver von Baum zu Schmidt wirkte, Krise hin, Leistungsschwankungen her, jedenfalls viel zu kurz gedacht und nervös am Tabellenstand orientiert. Wirkte aber auch nach den Mythen des Fußballgeschäfts verständlich: Wenn der Absturz in die zweite Liga droht, muss jeder Stein umgedreht werden. Dann folgten sechs Punkte, die man zunächst dem neuen Trainergespann zuschrieb. „Grausam für Baum, aber alles richtig gemacht“, so der Kanon unter den FCA-Beobachtern, schließlich habe man mit Martin Schmidt auch einen erfahrenen Bundesligatrainer verpflichtet.

Nun das: Den Leistungsabfall, wie gestern gegen Leverkusen, könnte man nach Lesart von Hofmann und Reuter auch Martin Schmidt anlasten, dem (wie Baum) eine Mannschaft zur Verfügung steht, die offenbar Tagesformschwankungen nicht abstellen kann – unabhängig davon, wer an der Seitenlinie coacht. Gegen Leverkusen hat mit Schmidt man nicht besser verloren als gegen Freiburg, Nürnberg oder Hoffenheim mit Baum. Auch unter Baum gab es großartige Spiele wie gegen Frankfurt, gab es Spiele wie gegen Stuttgart, gab es sechs Punkte in Folge. Noch hat Martin Schmidt den FCA keinen Deut besser gemacht. Das ist die bittere Erkenntnis nach dem Leverkusenspiel.

 

 



Bundesliga

FCA: Weiterhin leistungsschwankend

Der FC Augsburg hat im dritten Spiel unter Trainer Martin Schmidt nach einer schwachen Vorstellung deutlich verloren und war gegen Bayer 04 Leverkusen vor 26.404 Zuschauern auf dem Lechfeld trotz früher Führung ohne jede Chance und durfte sogar mit dem 1:4 noch zufrieden sein. Die Tore erzielten Kevin Danso für Augsburg (12.); Kevin Volland (15.), Kai Havertz (48.), Jonathan Tah (60.) und Julian Brandt (88.) für Leverkusen.

Nach dem Kantersieg gegen Stuttgart konnte FCA-Trainer Schmidt wieder auf Torwart Gregor Kobel zurückgreifen. Und der FCA startete nach seinem spektakulären „Schmidt-Zwischentrend“ selbstbewusst, stand hoch, presste intensiv. Baier riskierte einen Weitschuss, Leverkusens Lukas Hradecky lenkte mit Mühe das Spielgerät über den Querbalken (4.). Sechs Minuten später verwandelte Danso eine Schmid-Ecke mit Kopf zur frühen Augsburger Führung (12.). Danach war es mit einem Spiel auf Augenhöhe vorbei. Der FCA verlor seine Linie und kam gegen die handlungsschnellen Leverkusener kaum mehr in die Zweikämpfe. Die Werkself konnte mit einfachen Mittel zu oft Überzahlsituationen  schaffen, und der FCA fand nach vorne kaum noch statt.

Bereits drei Minuten nach der Augsburger Führung wurde Kevin Volland links im Strafraum freigespielt, und Volland knallte den Ball zum 1:1 unter die Latte (15.). Wenig später benötigte der FCA den Videobeweis. Weil Mitchell Weiser hauchdünn im Abseits gestanden hatte, nahm Schiedsrichter Frank Willenborg den Treffer von Lucas Alario (19.) nach Rücksprache mit dem Videoassistenten zurück. Bayer kontrollierte das Spiel nun mühelos und marschierte durch die zu statisch agierenden Augsburger Abwehrreihen wie durch Butter. Und der FCA hatte Glück, als Alario kurz vor dem Pausentee nur die Latte traf (45.+2).

Nach der Pause ging es munter im Sinne der Gäste weiter. Volland brachte den Ball vors Tor, wo Kai Havertz die Kugel mit viel Gefühl zum 2:1 ins lange Eck lenkte (48.). Bayer dominierte den FCA: Wie im Training spulte die Werkself ihr Programm runter. Zunächst zählte ein Eigentor von Danso aufgrund einer Abseitsstellung von Jonathan Tah nicht – der Leverkusener hatte den Österreicher irritiert (57.). Wenig später konnte Tah aber jubeln, nachdem der Nationalverteidiger zum 3:1 für die Werkself abstauben konnte (60.). Das Spiel war entschieden und der FCA konnte sich glücklich schätzen, dass Bayer nur noch verwalten wollte und lediglich in der 88. Minute mit einem tödlichen Konter durch Julian Brandt auf 1:4 erhöhte.

Damit wartet Augsburg auch im achten Bundesliga-Jahr weiter auf den ersten Sieg gegen Leverkusen. Am Sonntag, 5. Mai, (13.30 Uhr) ist der FCA beim FC Schalke 04 zu Gast.

FCA: Gregor Kobel; – Konstantinos Stafylidis; Jeffrey Gouweleeuw; Jonathan Schmid; Kevin Danso; – Rani Khedira; Daniel Baier; André Hahn; Philipp Max; Michael Gregoritsch; – Marco Richter;

Eingewechselt: Ja-Cheol Koo (60.); Julian Schieber (71.); Georg Teigl (81.); –

Ausgewechselt: Kevin Danso (60.); Philipp Max (81.); Marco Richter (71.);

Auswechselbank: Andreas Luthe (TW); Reece Oxford; Christoph Janker; Seong-Hoon Cheon;

Tore:

1:0 Kevin Danso (12.)
1:1 Kevin Volland (15.)
1:2 Kai Havertz (48.)
1:3 Jonathan Tah (60.)
1:4 Julian Brandt (88.)

 



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