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Theater

JFK als Oper am Staatstheater: Die dunkle Seite der Glitzerwelt und die Unabwendbarkeit des Schicksals

Eine deutsche Erstaufführung in Augsburg! Und der Komponist selbst anwesend! Die  2016 uraufgeführte Oper von David T. Little verspricht eine moderne musikalische Sicht auf ein historisches Ereignis: die Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963. Eine Oper im klassischen Sinn konnte man kaum erwarten, ebenso wenig ein politisches Drama, denn der Librettist Royce Vavrek hat nicht den politischen Fall an sich beleuchtet, sondern das Schicksalhafte am Leben des Protagonisten JFK, des jüngsten Präsidenten der US-Geschichte und seiner Familie, vor allem seiner mondänen Ehefrau Jackie.

Von Halrun Reinholz 

JFK: Oper von David T. Little im Staatstheater Augsburg © Jan-Pieter Fuhr

Eine psychologische Rekonstruktion des letzten Tages von John F. Kennedy in 31 „Momenten“ und einem Prolog. Die Momente sind nicht linear, Phantasien und Rückblenden bringen die Zeitschiene immer wieder aus dem Lot und den Zuschauern wird einiges an Vorstellungskraft abverlangt. Dennoch ist die opulent ausgestattete Oper in ihrem Inhalt gut zu erfassen und die Vorstellungskraft wird unterstützt von einem ausladenden Bühnenbild, das durch überzeugend eingesetzte Videosequenzen (Paul Zoller) Zeitkolorit erhält. 

Die Handlung  beginnt auch als Spiel im Spiel, oder vielmehr als inszenierter Film-Dreh: Am Set sitzen zwei (historische) Personen, Clara und Rathbone, die das Geschehen betrachten und als „Cutter“ den Film schneiden. Am Anfang steht das Attentat, die allen bekannten Filmszenen dazu. Danach setzen Rückblicke ein auf das Leben eines Mannes, der sexsüchtig und morphinabhängig war, der an Osteoporose litt und nur mit einem Stützkorsett und unter Schmerzen seinen Alltag meistern konnte. Die Kehrseite des strahlenden, Hoffnung bringenden jungen Präsidenten in einer Zeit des Kalten Krieges und der Kuba-Krise – der russische Bär tritt in der Oper ebenso auf wie Nikita Chruschtschow. 

Genug Stoff für ein Musical, sollte man meinen. Doch David T. Little entscheidet sich für eine tonale, fast spätromantisch anmutende musikalische Ausstattung, die in Augsburg mit großem Orchester, dem verstärkten Chor und Unterstützung durch die Domsingknaben unter Lancelot Fuhry umgesetzt wird.  

Unter den Sängern  sticht Kate Allen hervor, die als Jackie Kennedy den umfangreichsten und vielschichtigsten Part hat. Unterstützt wird sie durch die Figur ihres „gealterten Ichs“, der Jackie Onassis (Natalya Boeva), mit der sie auch musikalisch wunderbar dialogisiert. Alejandro Marco-Buhrmester als JFK verbringt die meiste Zeit im Bett oder in der Badewanne, hat aber auch dynamische Auftritte, wie bei der Rede in Fort Worth, die das unabwendbare Schicksal besonders tragisch erscheinen lassen. 

Regisseur Hovenbitzer gelingt zusammen mit der Bühnenbildnerin Natalia Orendain del Castillo ein Opulentes, aber dennoch nicht kitschiges Zeitbild zu entwerfen, das von den 60er Jahre-Kostümen (Bernhard Niechotz) unterstrichen wird.  

Das Publikum honorierte die Experimentierfreudigkeit des Staatstheaters mit großem Applaus, den sich auch der Komponist und der Librettist zum Schluss noch abholen konnten. Letzter Moment der Oper: „Das Schicksal ist besiegelt.“ Ein Erlebnis der besonderen Art.



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