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„Unendlicher Spaß“ ein Gastspiel zum Abschluss des Brechtfestivals

Da das Ende des Brechtfestivals diesmal auf das Faschingswochenende fiel, scheint es nur konsequent, dass Festivalleiter Patrick Wengenroth sich mit einem „Unendlichen Spaß“ aus der „Faschingshochburg“ Augsburg verabschiedet. 

Von Halrun Reinholz

„Unendlicher Spaß“: Devid Striesow, Ursina Lardi, André Jung (v.l.) © David Baltzer/Agentur Zenit

Doch es war wohl kaum seine Absicht, sich ins Faschingstreiben einzuklinken (es wäre sowieso nicht aufgefallen). Dennoch vertraute er auf die nachhallende Wirkung des Gastspiels von Thomas Lensing und seiner Truppe, denn damit endete, ohne weitere Fanfarenstöße, das Brechtfestival 2019 und damit auch die dreijährige „Spielzeit“ von Wengenroth.

Ein „unendlicher Spaß“ über vier Stunden? Das fragt man sich, noch mit dem Sitzfleisch-Erlebnis von „Europe City“ in den Knochen. Vorlage für das Bühnenspektakel ist ein 1500 Seiten dicker Roman aus dem Jahr 1996 von David Foster Wallace, der menschliche Interaktionen und Verhaltensweisen der gegenwärtigen (oder auch zukünftigen) Gesellschaft auf satirische Weise vorführt. Schon die Vorlage besteht aus ineinander verschachtelten Erzählzentren, die die „leistungsorientierte Erschöpfungsgesellschaft“, vor allem in ihrer nordamerikanischen Ausprägung, porträtieren. 

Der aus der Schweiz stammende freie Regisseur Thorsten Lensing  bringt „Scherben“ dieses Romans mit einer hochkarätigen Schauspieltruppe auf die Bühne, erstmals vor etwa einem Jahr in den Sophiensälen Berlins. Da ist einerseits die Familie Incadenza, deren Familienvater, Gründer einer Tennisakademie, sich mit einer Mikrowelle das Leben genommen hat und zum Schluss als „Geist“ wieder auftaucht. Die drei Söhne sind alle dem Leistungsdenken der US-Gesellschaft unterworfen: Orin als Footballstar, Hal als hochbegabter Tenniscrack, selbst der mehrfach behinderte Mario reussiert als erfolgreicher Filmemacher. Er allein ist es aber auch, der sich durch seine Behinderung dem Druck entziehen kann, während die anderen beiden mit verschiedenen Strategien versuchen, sich und ihre Traumata durchs Leben zu lavieren, Ansprüchen zu genügen und selbst die Traumatherapie als Prüfung zu begreifen, die man „bestehen“ muss. 

Parallel dazu spielt ein Handlungsstrang in einer Suchtklinik mit Entzugssprechstunde. Skurrile Typen schildern Auswüchse ihrer Medikamentenabhängigkeit, Alkohol-, Sex- oder Drogensucht. Das braucht Zeit und die vier Stunden sind nicht zu hoch gegriffen, denn die Dialoge kommen stringent und kurzweilig, bitter und scharf daher. Und witzig. „Unendlicher Spaß“ ist keine dröge Darstellung einer kaputten Gesellschaft. Der Finger wird in die Wunde gelegt, aber nicht mahnend erhoben. Es ist satirisch, aber dennoch keine Aneinanderreihung von Sketchen. 

Die Komik steht und fällt aber auch mit den Darstellern, die durchwegs erste Liga sind. Außer Heiko Pinkowski, der als ehemaliger Schmerzmittelabhängiger und Krimineller nun den „Entzugsbetreuer“ gibt und in der Handlung vielschichtig präsent ist, sind alle Rollen mehrfach besetzt und verlangen den Schauspielern ein Höchstmaß an Flexibilität und Bühnenpräsenz ab. Ursina Lardi ist als „Teenager“ Hal Incadenza ebenso überzeugend wie in diversen Frauenrollen (köstlich als Krankenschwester!). Jasna Fritzi Bauer brilliert als Drogensüchtige und als verschleierte Radiomoderatorin. André Jung ist der stille Behinderte Mario Incadenza, entzückt aber auch (sprachlich authentisch) als Schweizer beim Morgenkreis der Therapierunde. Sebastian Blomberg wird vor allem als Vogel in Erinnerung bleiben, der im Whirlpool von Orin Incadenza einen Herzinfarkt erleidet und bühnenwirksam verendet. Und Devid Striesow zeigt sich sowohl als Weiberheld Orin Incadenza, als auch als vielfach zwanghafter Suchtpatient.  Ein (fast) unendlicher Spaß, fürwahr, auch wenn das Lachen zuweilen planmäßig im Hals stecken blieb. 



Brecht bei den Raubtieren: Aus der Provinz in den Dschungel von Berlin

Mit seinen „Brecht-Lectures“, wie im Programm neudeutsch angekündigt, ist Brecht-Kenner Dr. Michael Friedrichs seit Jahren ein fester und verlässlicher Bestandteil des Brecht-Festivals. Im ausverkauften Kinosaal des Liliom sprach er über Brechts Reisen nach Berlin 1920 bis 1924

Von Halrun Reinholz

Dr. Michael Friedrichs © Christian Menkel

Sensationelles erwarten die Zuhörer nicht von Michael Friedrichs, dazu ist er in Augsburg zu bekannt. Aber die Zuhörerströme zu seinen Brecht-Veranstaltungen legen zuverlässig Zeugnis darüber ab, dass hier anspruchsvoller Hör- und Sehgenuss geboten wird. Michael Friedrichs hat viel Detailwissen zu Brecht und bringt dieses unaufgeregt, aber akribisch an sein Publikum. Passend zum Motto des Brechtfestivals nahm er sich das Verhältnis Brechts zur „Asphaltstadt“ vor. Brecht war nicht in ländlicher Umgebung aufgewachsen, Augsburg war zu seiner Zeit schon eine Industriestadt. Auch in München, wo er studiert hat, atmete der Dichter „Stadtluft“. 

Aber die wirkliche Metropole dieser Zeit war Berlin, und Brecht war zielstrebig genug um zu erkennen, dass er seine Zukunftspläne nur dort realisieren kann. Er war, man hat es nicht nur bei diesem Brechtfestival häufig gehört, ein „Lavierer“, jemand, der sehr genau weiß, wo seine Vorteile liegen und wie er sie nutzen kann. 1920 fährt er, wie Michael Friedrichs anhand von präsentierten Dokumenten veranschaulicht, zum ersten Mal nach Berlin. Hedda Kuhn, die er aus München kennt, stellt ihn wichtigen Leuten vor. In Berlin ist alles präsent, was Rang und Namen hat und Brecht wirft sich mit Ernst und Zielstrebigkeit ins künstlerische Getümmel. 

Eine gute Stadt, mit „Wasser und Späßen“ findet er vor, für deren Eroberung er aber „kräftezehrende Energie“ benötigt. Die Texte zur Illustration der Präsentation lässt Friedrichs wie immer von Schauspielern sprechen, diesmal liest Ute Fiedler. Auch aus den Briefen, die er aus Berlin an seine Freundin Paula Banholzer („Bi“) schreibt, die  zu der Zeit schwanger im Allgäu sitzt, weil der Vater die Schande nicht in der Stadt haben will. Für sie verharmlost er seine Aufenthalte in Berlin, lässt sie eintönig und fad und sich selber tugendhaft gelangweilt erscheinen. 

Tatsächlich aber nimmt er die Herausforderung der Großstadt auf wie ein Expeditionsreisender den Dschungel – nicht von ungefähr kommen die Vergleiche in seinen eigenen Notizen vor: „Der Morgen riecht immer nach Raubtier“. Zwischen Geldsorgen, gesundheitlichen Problemen  und dem Lavieren mit mehreren Frauen, die ihm alle aus verschiedenen Gründen wichtig sind, kämpft der tapfere junge Dichter sich durch den Großstadtdschungel. Michael Friedrichs hat die Gabe, die biographischen Details mit entlarvender, aber dennoch mit einfühlsamer Ironie zu schildern. 

Brecht, der Filou, der sich immer wieder arrangiert, ist letztlich doch liebenswert. Das wissen seine Fans (und die von Michael Friedrichs Präsentationen) und das wollen sie hören. Immer wieder mit Vergnügen.

 



Maximilianstraße wird für Radler komfortabel

Seit dem gestrigen Montag werden in der Maximilianstraße die Arbeiten am Komfortstreifen für den Radverkehr zwischen Moritzplatz und Ulrichsplatz fortgesetzt. Hierfür werden Teile der gepflasterten Fahrbahn durch geschnittene Pflastersteine ersetzt.

Baumaßnahme Radstreifen in der Maximilianstraße – Grafik: Stadt Augsburg

Die Arbeiten werden bis Jahresende andauern und abschnittweise unter Wegfall der dort befindlichen Parkplätze durchgeführt. Die Maßnahme ist in vier Bereiche unterteilt. Vorgesehen ist im ersten Schritt der Weiterbau in den Bereichen 1 und 4. Der nördliche Bauabschnitt im Bereich 1 beginnt am Gebäude Maximilianstraße 30 und reicht über die Einmündung des Apothekergäßchens bis an das Gebäude Maximilianstraße 38 heran. Die Zufahrt vom Apothekergäßchen in die Maximilianstraße ist während des Ausbaus nicht möglich.

Gleichzeitig starten die Arbeiten im Bereich 4. Dieser beginnt im Einmündungsbereich der Heilig-Grab-Gasse und reicht bis zur Mitte des Gebäudes Maximilianstraße 79. Während der Arbeiten im Einmündungsbereich der Heilig-Grab-Gasse wird diese zur Einbahnstraße in Richtung Maximilianstraße. Die Pflasterarbeiten werden danach in weiteren Bauabschnitten bis zum Beginn des Milchbergs geführt. Im Anschluss wird auf der Westseite der Bereich zwischen der Hallstraße und dem Ulrichsplatz (Bereich 2) sowie auf der Ostseite der Bereich zwischen Wintergasse und Herkulesbrunnen (Bereich 3) hergestellt. In der Bauzeit sind die Zugänge zu den Gebäuden bzw. Geschäften mit geringen Einschränkungen jederzeit möglich. Das Parken im Bereich der Baustelle ist während der Durchführung der Maßnahme nicht möglich. Die Baumaßnahme wird voraussichtlich Ende 2019 abgeschlossen sein.



„Wenn wir streiken, steht die Welt still!“

Das Frauen*streikkomitee Augsburg ruft am 8. März alle Frauen* und Queers im Raum Augsburg zur Beteiligung am globalen Frauen*streiktag auf.

„Wir werden die Arbeit für einen Tag niederlegen. Mit Arbeit meinen wir nicht nur die Arbeit, mit der wir unser Geld verdienen. Auch Kochen, Putzen, Kinder versorgen oder Eltern pflegen sind anstrengende Aufgaben. Das ganze Jahr über arbeiten Frauen* rund um die Uhr. Aber am 8. März gehen wir nicht zur Arbeit, sondern auf die Straße“, heißt es im Aufruf.

Samira Adamek vom Frauen*streikkomitee: „Viele Menschen in unserer Gesellschaft glauben, Gleichberechtigung sei schon erreicht. Aber Frauen* verdienen noch immer weniger Geld als Männer, leisten mehr unbezahlte Arbeit im Privaten und werden öfter Opfer von Gewalt. Mit dem 8. März wollen wir auf diese Themen aufmerksam machen. Wir fordern eine Wertschätzung unserer Arbeit in Form von gerechter Bezahlung. Wir fordern Entlastung durch gerechtere Aufteilung der Arbeit im Privaten. Wir fordern die konsequente Unterstützung Betroffener von Gewalt.“

So soll der Frauen*streiktag in Augsburg ablaufen: Es wird eine Kundgebung am Moritzplatz ab 14 Uhr stattfinden. Geplant ist ein Programm an Redebeiträgen, Musik und Performances. Um 15.30 Uhr startet dann der bunte und laute Demonstrationszug durch die Innenstadt. Abschließend versammeln sich alle nochmal bis 18 Uhr am Moritzplatz.

* Hinweis des Komitees: Das Sternchen soll verdeutlichen, dass es sich bei Geschlecht um ein Spektrum vielfältigster Geschlechtsidentitäten, Körperlichkeiten und Ausrucksweisen handelt. Wenn also von »Frauen*« die Rede ist, sind nicht nur cis-Frauen gemeint, also Frauen, bei denen Geschlechtsidentität und bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht übereinstimmen. Das Sternchen dient der Inklusion diverser Geschlechtsidentitäten, welche jedoch als »Frauen« behandelt werden.



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