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Brechtfestival

Baal zum Brechtfestival: „Was ist er eigentlich?“

Brechts Baal: Ein komplexes, schwer zu vermittelndes Stück, an dem der Dichter immer wieder „herumgedoktert“ hat. Das Staatstheater Augsburg bringt es nun beim Brechtfestival als Beitrag zum Thema „Städtebewohner“

Von Halrun Reinholz

Baal © Jan-Pieter Fuhr

Denn für den entfremdeten urbanen Menschen steht er auf jeden Fall. Er ist (Lebens-)Künstler und genau das ist der Ansatz von Mareike Mikat: Baal ist mit einer Band auf Tour, alle Begebenheiten lassen sich in diesem Rahmen unterbringen, die Exzesse, Morde und Demütigungen und die Rückblenden auf Ansätze eines „normalen“ Lebens. Und Baal ist bei Mareike Mikat eine Frau. Natalie Hünig verkörpert den skrupellosen Sexisten und Egomanen furios und überzeugend. Flankiert wird sie von fünf männlichen Schauspielkollegen (Gerald Fiedler, Andrej Kaminsky, Roman Pertl, Patrick Rupar und Daniel Schmidt), die alle anderen Männer- und Frauenrollen in durchaus abenteuerlichen Kostümen (Bernd Schneider) und viel Körpereinsatz bewältigen. Bei aller Virtuosität der Darsteller erschließt sich die Sinnhaftigkeit dieses Rollentausches nicht wirklich, doch er stört auch nicht. Vielleicht wird die Skrupellosigkeit Baals tatsächlich einprägsamer, wenn sie von einer Frau verübt wird und die Opfer Männer sind.

Im Zentrum der Bühne stehen Instrumente, die von den Darstellern auch bedient werden. „Baal“ gibt am Schlagzeug den Rhythmus vor und hat auch das Sagen im (stimmlich überzeugenden) Sologesang. Im Stil alternder Punks bringt die Band Adaptionen verschiedener Songs – von „Ton, Steine, Scherben“ bis Bioncé. Der Musiker Enik sorgte mit seinen  Arrangements für den stimmigen Mix. Der suizidale Kurt Cobain schwebte Mareike Mikat als gegenwärtiges Pendant des „Baal“ vor.  

Die Darsteller sind immer präsent, das Geschehen spielt sich außer im Zentrum auch auf einem Gerüst hinter der Bühne ab, teilweise hinter Folie, wo man wie in einem Baucontainer Betten wahrnimmt. Es ist viel Dynamik in der Aufführung, viel Kostümwechsel von Fatsuits bis zum Ganzkörperpenis für Natalie Hünig. Es wird gehurt, gemordet, Cabaret gemacht, der moralische Zeigefinger erhoben. Was allerdings ein bisschen fehlt, ist Brecht. Von seinem Text ist nicht viel zu erkennen, vor allem die flankierende Lyrik fiel dem Punk zum Opfer. Entsorgt, wie das „L“ der Neonschrift : „BAA“ steht da. Im Fazit trotzdem ein sehens- und hörenswerter Ansatz, auch wenn sich gegen Ende der über zwei Stunden dauernden Aufführung dann doch ein gewisser Überdruss breit macht. 



Theaterpredigt : Von Vätern und Söhnen

Amadeus – das Stück von Peter Shaffer hatte kürzlich im Staatstheater Premiere. Bei ihrer Theaterpredigt in der Moritzkirche erörterte die Mozartexpertin Prof. Dr. Silke Leopold Hintergründe der Vater-Sohn-Beziehung von Leopold und Wolfgang Mozart.

Amadeus © Jan-Pieter Fuhr

Die in der letzten Spielzeit von André Bücker eingeführte „Theaterpredigt“ wird von den Zuschauern gut angenommen. Zu jeder Premiere macht sich in einer der beiden Innenstadt-Kirchen an einem Sonntag ein „Prediger“ Gedanken zum Thema. Die Zusammenarbeit mit den Kirchen scheint hier durch und auch das Format der Predigt soll dem ggf. säkulär orientierten Theaterfan Denkanstöße geben, wie sie sonst eine gute Sonntagspredigt vermag. Silke Leopold, Professorin an der Universität Heidelberg, ist eine ausgewiesene Kennerin der Mozarts, noch in diesem (Jubiläums-) Jahr soll von ihr eine umfangreiche Leopold-Mozart-Biographie erscheinen. 

Und so liegt es nahe, dass sie sich auch mit dem Verhältnis von Vater und Sohn Mozart beschäftigt hat. „Väter und Söhne passen einfach nicht zusammen“, stellt sie als abgewandeltes Loriot-Zitat an den Anfang ihrer Ausführungen. Das Verhältnis von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart ist in der Rezeption mit vielen Ungewissheiten und Gerüchten behaftet. Nicht zuletzt durch Stücke wie Peter Shaffers Amadeus und dessen öffentlichkeitswirksame Verfilmung. Darin wird nicht nur die angebliche Rivalität von Mozart und Salieri thematisiert, sondern Leopold auch als traumatisierende Vaterfigur dargestellt. Die Giftmord-Geschichte des Rivalen wurde schon von Puschkin verwertet, bei Peter Shaffer ist sie nur noch das Hirngespinst des dementen Salieri in der Heilanstalt. Und auch die tiefenpsychologische Deutung der überdimensionalen Vaterfigur (bei Shaffer festgemacht an der Gestalt des Komtur in Don Giovanni) wird wohl der Realität nicht gerecht. Zur Illustration lesen Anatol Käbisch (Amadeus) und Thomas Prazak (Salieri) Szenen aus der Inszenierung. Und Theodore Ganger spielt eine frühe Klaviersonate von Mozart, die Salieri wie alle anderen Werke Mozarts als „Werke eines altklugen Bengels, der sich wichtig tat“ beurteilte.  

Einfühlsam und mit  Witz sortiert die Rednerin biographische Realitäten und Gerüchte zum Verhältnis der Mozarts. Zur Freude der Augsburger würdigt sie Leopold als liebevollen und sorgenvollen Vater seiner Kinder, als Lehrer und Tourmanager, der für die Zukunft der Kinder die eigene Karriere in den Hintergrund stellte. Dass dieser Vater sich für den begabten Sohn eine feste Stelle und ein sicheres Einkommen wünschte und die oft impulsiven und realitätsfernen Entscheidungen seines Sohnes nicht gutheißen konnte, liegt sicher an beiden Parteien. Der Generationenkonflikt machte sich auch bei den Mozarts heftig bemerkbar – und wird dennoch von Wolfgang Amadeus, wie die Expertin nachweist, durchaus differenziert thematisiert. Sowohl in der Oper Idomeneo, als auch in der Zauberflöte geht es um Eltern und Kinder.

Die Botschaft, die Mozart in beiden Fällen vermittelt, ist keine Abrechnung mit der älteren Generation, aber das eindeutige Bekenntnis zu den jungen Hoffnungsträgern der Zukunft. Idomeneo muss sich geschlagen geben (bleibt aber am Leben!), denn die bessere, friedvolle Welt kommt durch die junge Generation. Auch in der Zauberflöte ignoriert Pamina die hassgesteuerten Anweisungen ihrer Mutter und setzt auf die Kraft der Liebe, die die Welt besser werden lässt. Ein wichtiger Denkanstoß an diesem Sonntag in der Moritzkirche, den das Publikum dankbar mitnahm. —- Halrun Reinholz



Förderung von Lastenfahrrädern: Lokale Händler ins Spiel bringen

Aktuell erarbeitet das Augsburger Umweltreferat Richtlinien zur Förderung beim Kauf von Lastenfahrrädern. PRO AUGSBURG möchte erwirken, dass durch den geplanten Zuschuss auch innerstädtische Händler unterstützt werden und hat einen entsprechenden Prüfantrag gestellt.

Lastenfahrrad – Grafik: DAZ

Vorbild für PRO AUGSBURG ist Hannover: Das Förderprogramm der niedersächsischen Kommune greift explizit, wenn Lastenfahrräder bei örtlichen Fahrradhändlern erworben werden. Das Angebot habe schlussendlich sämtliche Erwartungen übertroffen, so PRO AUGSBURG in einer Pressemitteilung. Der Fördertopf sei bereits nach acht Wochen ausgeschöpft gewesen. Das Projekt wurde aufgrund dessen im Folgejahr fortgesetzt.

PRO AUGSBURG-Stadtrat Dr. Rudolf Holzapfel ist sich sicher, dass ein ähnlicher Zuschuss auch in Augsburg Anklang finden würde: „Auf’s Rad umzusteigen hat viele Vorteile: Keine anfallenden Benzinkosten, man hat immer einen freien Parkplatz und gesundheitsfördernd ist es auch noch. Wenn die Richtlinien zur Förderung beim Kauf von Lastenfahrrädern zudem lokale Händler unterstützen, haben alle etwas vom geplanten Zuschuss. Es wäre zielführend, die städtischen Fördermittel also nur zu gewähren, wenn die Lastenräder bei örtlichen Händlern gekauft würden.“

Die Regelung der Stadt Hannover ist unter Nr. 2.3 in ihrer Richtlinie einsehbar.



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