Wendejahre
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DEL

Panther ringen Straubing nieder

Die Augsburger Panther haben einen weiteren großen Schritt Richtung Playoff-Viertelfinale gemacht. Gegen die Straubing Tigers siegte der AEV trotz zweimaligem Rückstand noch mit 3:2 nach Verlängerung. Die Treffer für die Panther erzielten Matt White (35.), Simon Sezemsky (59.) und Drew LeBlanc (64.). Für Straubing waren Jeremy Williams (27.) und Marco Pfleger (42.) erfolgreich.

47. Spieltag – Augsburger Panther – Straubing Andrew LeBlanc © Siegfried Kerpf

Mike Stewart schickte das gleiche Team wie beim Sieg gegen Iserlohn ins Rennen und nach einer ausgeglichenen Anfangsphase übernahmen die Hausherren auch die Spielkontrolle. Eine 66-sekündige doppelte Überzahl konnte der AEV allerdings nicht nutzen. Doch auch danach waren die Panther das bessere Team. Am starken Jeff Zatkoff im Tor der Gäste fanden die Hausherren aber keinen Weg vorbei. Pech hatte Jaroslav Hafenrichter, als er nach feiner Einzelleistung nur die Latte traf (9.).

Straubing trifft – AEV antwortet

Im zweiten Drittel waren die Tigers besser im Spiel und schlugen eiskalt zu, als sie ihrerseits in doppelter Überzahlt agieren durften. Mike Connolly bediente Williams und der Topscorer der Gäste ließ sich nicht zweimal bitten (27.). Doch die Panther schlugen zurück und kamen – ebenfalls im Powerplay – zum Ausgleich. LeBlanc fand White im Slot und gegen dessen platzierten Handgelenksschuss war auch Zatkoff machtlos (35.).

Sezemsky kurz vor Ende zum 2:2

Im dritten Spielabschnitt erwischten die Gäste einen perfekten Start und gingen nach einem Konter erneut in Führung. Stefan Loibl bediente Pfleger, der nur noch den Schläger hinhalten musste und es stand 1:2 (42.). Doch der AEV zeigte wie schon am Freitag Moral und als Antoine Laganiere kurz vor dem Ende für vier Minuten in die Kühlbox musste, gelang der späte Ausgleich. Torschütze war Sezemsky mit einem Hammer von der blauen Linie (59.).

LeBlanc sichert Zusatzpunkt

In der Verlängerung holten sich die Hausherren dann auch noch den zweiten Punkt. Nach einem Abwehrfehler zog White freistehend ab und den Abpraller bugsierte LeBlanc über die Linie. Die Unparteiischen bemühten zwar den Videobeweis, weil das Tor mit dem Schlittschuh erzielt wurde, sahen aber keine Kickbewegung und gaben den Treffer (64.).

Durch den Erfolg baute der AEV den Vorsprung auf Platz sieben bei noch fünf Spielen auf sieben Punkte aus und verbesserte sich zudem auf Platz vier. Für die Panther geht es nun am Mittwoch bei den Wolfsburg Grizzlys weiter. Anschließend stehen noch Partien gegen Köln, Schwenningen, Mannheim und in Krefeld auf dem Programm.



Staatstheater

Gottes Liebling im Schauspiel: Peter Shaffers „Amadeus“ als Beitrag des Theaters zum Mozart-Jubiläumsjahr

Die Premiere des Schauspiels „Amadeus“ am gestrigen Samstag ist gelungen, die Inszenierung im Martinipark hat das Zeug zum „Publikumsrenner“, wie DAZ-Autorin Halrun Reinholz feststellt.

Anatol Käbisch als Mozart © Jan-Pieter Fuhr

Mit einem „Miau“ macht sich Wolfgang Amadeus Mozart bemerkbar, bevor er die Bühne über den Zuschauerraum mit spektakulärer Akrobatik betritt und bei den Herren mit den verstaubten Perücken Verwirrung und Entsetzen auslöst. Seine unkonventionelle Art stößt in den (immer noch) feudalen Strukturen am Hof Josephs II. auf Befremden, doch sein Genie wird auch von den Funktionsträgern (an)erkannt. Peter Shaffers Stück macht den Konflikt zwischen den alten und den neuen Strukturen, den Generationenkonflikt im Musikerleben, an der Person des Hofkomponisten Antonio Salieri als Gegenpart zum jungen Mozart fest. Unabhängig von der historisch nicht verbürgten Feindschaft der beiden bietet die Konstellation des (linien)treuen Staatsdieners Salieri gegenüber dem Freiberufler (und Freigeist) Mozart reichlich dramaturgisches Potenzial.

Regisseur David Ortmann ist klug genug, sich für die Inszenierung von Amadeus weitgehend von dem bekannten Milos-Forman-Film zu lösen. Als dramaturgischen Kniff bringt er „Frau Dr. Hermann“ ins Spiel, deren Funktion nicht ganz klar ist: Eine Journalistin, die die Erinnerungen Salieris dokumentiert und kommentiert? Oder eine Therapeutin, die Salieris Geständnisse kommentierend begleitet? Marlene Hoffmann spielt diese Rolle, wird aber auch immer wieder zu der energischen und lebenspraktischen Konstanze Mozart. Damit ist der Frauenpart dieser Inszenierung auch schon erschöpft. 

Für das feudale Hofschranzentum stehen die drei „Perückenmänner“ Graf Franz Orsini-Rosenberg, Direktor der Oper (Klaus Müller), Baron Gottfried van Swieten, Präfekt der Nationalbibliothek (Kai Windhövel) sowie Graf von Strack, Kaiserlicher Kammerherr und Förderer Mozarts (Sebastian Baumgart). Und natürlich der Herrscher selbst, Joseph II.,  (Sebastian Müller-Stahl mit „römischer“ Toga) ein eigentlich aufgeklärter Monarch, der sich schwer tut, seine eigenen Restriktionen zu überwinden. 

Die eigentliche Auseinandersetzung geschieht jedoch zwischen den Hauptakteuren Mozart (Anatol Käbisch) und Salieri (Thomas Pratzak). Der Intrigant Salieri erzählt aus seiner Perspektive, wie er den beruflichen Werdegang des jungen (und von ihm durchaus erkannten) Genies Mozart hintertrieben hat. Anatol Käbisch als hervorragend besetzter und feuerrot gekleideter „Amadeus“ bringt in jeder Hinsicht und mit filmreifem körperlichen Einsatz Bewegung in die Inszenierung. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, wo er sich (auch mal gemeinsam mit Salieri) die in seinem Kopf entstehende Komposition „ertanzt“. 

Doch Begleiterscheinungen wie Räderschlagen, Furzen und provokantes Benehmen sind nur Symptome einer Zeit im Umbruch. Das vermitteln die beiden Hauptakteure überzeugend und vom Publikum heftig umjubelt. Auch das Inszenierungsteam (Bühne: Jürgen Lier, Kostüme: Ursula Bergmann) näherte sich der Thematik behutsam und zeitadäquat. Salieri wird von „Frau Dr. Hermann“ und dem Hausmeister (Theodore Ganger, der am Cembalo danach zu Kapellmeister Bonno mutiert) in einer unglaublich verstaubten Kulisse als Relikt aus einer anderen Zeit entdeckt, daraus entwickelt sich sein paranoides Geständnis.  

Mozart, der heitere Alleskönner, dem die Musik nur so aus der Feder fließt, scheitert schließlich an allen Fronten wegen Mangel an Struktur, Geld, Krankheit und dem schlechten Gewissen seinem Vater gegenüber. Womit wir wieder bei Leopold wären, dessen 300. Geburtstag dem Theater Anlass für „Amadeus“ bot. Die Inszenierung im Martini-Park ist ein großer, vergnüglicher Theaterabend mit Potenzial zum Publikumsrenner. —- Halrun Reinholz



Sinfoniekonzert: Entführung ins Märchenreich

„Drum singt und springt, drum tanzt und singt, denn Kuchenheil uns allen winkt.“ Auch Erwachsene lassen sich gerne ins Fantasieland der Märchen entführen. Im vierten Sinfoniekonzert versprach GMD Domonkos Héja dem Publikum im zweimal gut besuchten Kongress-Saal genau das und wählte konsequent drei Werke aus, die zum Thema „Märchenhaft“ passen. 

Von Halrun Reinholz

Tillmann und Matthias Höfs mit Dirigent Domonkos Héja bei der Uraufführung von Wolfgang Kerscheks „Märchengestalten“  — Foto: © Jan-Pieter Fuhr

Zunächst vertrautes Terrain für die Zuhörer: Die Ouvertüre zu Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Anschließend jedoch Neuland, eine Uraufführung von Wolfgang Kerschek, die er dem Konzertthema anpasste, indem er „Märchengestalten“ musikalisch beschrieb: Meerjungfrauen, einen Dschinn, Riesen, Kobolde und Pegasus. Vorgegeben war ihm aber auch die Gattung des Werks, ein Doppelkonzert für den diesjährigen Artist in Residence der Augsburger Philharmoniker, den Trompeter Matthias Höfs, und dessen Sohn Tillmann (Horn). Die beiden kannte der Komponist bereits von gemeinsamen Projekten und privat, so dass er sehr sensibel auf deren solistische Fähigkeiten eingehen konnte. 

Die skeptische Voreingenommenheit, die man dieser Uraufführung als tonal geschulter Zuhörer eventuell entgegengebracht hatte, verflog schnell. Dem auch mit Jazz und Filmmusik vertrauten Komponisten gelang es, die Märchengestalten empathisch, witzig oder schauderhaft lebendig werden zu lassen, ohne ins Triviale abzugleiten. Im Vordergrund standen dabei die beiden hervorragenden Solisten, routiniert und aufeinander eingestimmt. Mit dem Hauptstück nach der Pause hat sich Domonkos Héja erklärtermaßen selbst ein Geschenk gemacht: „Der holzgeschnitzte Prinz“, ein „Tanzspiel“ von Béla Bartók, ist sicherlich eine Seltenheit in deutschen Konzertsälen. 

Héja hatte schon in der letzten Saison Musik seines Landsmannes im Konzertprogramm: „Der wunderbare Mandarin“. Diesmal, so versprach er, wird Bartóks Musik nicht nur interessant, sondern ausgesprochen schön sein. Hier wird tatsächlich ein Märchen erzählt, dem man über die Musik folgen kann. Gut, die eingeblendeten Texte waren sicher hilfreich. Dennoch folgte man gern der Begeisterung des Dirigenten, der die Handlung sichtbar miterlebte. 

Für die Umsetzung der drei „Märchen“ (vor allem bei der Musik von Bartók) reichte die Kapazität der Augsburger Philharmoniker nicht aus, Kolleg(inn)en von den Münchner Symphonikern (deren Chefdirigent Kevin Edusei einst am Theater Augsburg Kapellmeister war) kamen zur Verstärkung. Dass der Mut der Augsburger zu ungewöhnlichem Repertoire sich lohnt, wurde durch die Live-Übertragung des Konzerts im Radiosender Deutschlandfunk Kultur offenbar. Ein besonderer, märchenhafter Musikabend für Augsburg.



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