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Druckfrisch: Lyrik im Brechthaus

Im Augsburger Brechthaus Auf dem Rain wird am morgigen Sonntag Lyrik von Autoren gelesen: Druckfrisch Lyrik im Brechthaus 2019 10. Februar 2019 – ab 10:30

An die Nachgeborenen: Zum 121. Geburtstag Bertolt Brechts. Neuerscheinungen von drei Lyrikern aus Augsburg. Mit Knut Schaflinger (Die Unentbehrlichkeit der Farben), Max Sessner (Das Wasser von gestern), Siegfried Völlger (soviel Zeit hat niemand). Moderation: Kurt Idrizovic. Eintritt: 5 Euro. Eine Veranstaltung der Buchhandlung am Obstmarkt Augsburg.



Von Bauern und Bienen: Wie das Volksbegehren wirkt

Der Erfolg ist bereits jetzt groß und längst hart bei den politischen Entscheidern aufgeschlagen, obwohl  dem Volksbegehren Artenvielfalt aktuell noch rund 250.000 Unterschriften fehlen. Nur noch bis Mittwoch, den 13. Februar, können sich Wahlberechtige in den Rathäusern und Bürgerbüros per Votum für eine Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes einsetzen. Während Initiatoren und Unterstützer weiterhin versuchen, die Menschen zum Gang in die Eintragungsräume zu bewegen, toben die Gegner, die den Teufel eines sozialistischen Anschlags auf Privateigentum und bäuerliche Autonomie an die Wand malen. 

Kommentar von Bernhard Schiller

Wie man in Zeiten der Polarisierung Gräben zieht, zeigte der frisch gebackene bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern am 02. Februar als Redner beim Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Starnberg. Dort forderte er die Bauern auf, nicht zu unterzeichnen und sprach von einem „unterschwelligen Angriff auf die Landwirte“, von „eiskalter Enteignung“, die bei einem Erfolg des Volksbegehrens drohe. Vokabular für das in der Regel Mitglieder der AfD zuständig sind, die allerorts Verhältnisse wie in der DDR und okkulte Verschwörungen zuungunsten von Freiheit und Volk ausmachen. 

Aiwanger warnte davor, dass die Änderung des Naturschutzgesetzes, die das Volksbegehren anstrebt, allein von „den Großen“ finanziert werden könnte und deshalb das „Höfesterben“, also der Ruin der „Kleinen“ nur noch weiter vorangetrieben werde. Den Begriff von der „eiskalten Enteignung“ bedienten Aiwanger und seine Partei bereits im Jahr 2015, als sie gegen die von der bayerischen Staatsregierung geplanten Flutpolder bei Donauwörth angingen.

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, bläst in die gleiche Tuba wie sein Festredner Aiwanger. In einem offenen Brief an die Initiatoren des Volksbegehrens warnt er vor dem drohenden Wegfall der Förderungen bei freiwilligen Umweltmaßnahmen. Wie Aiwanger und seine Freien Wähler behauptet auch Heidl, das Volksbegehren würde einseitig der bayerischen Landwirtschaft Schuld am Artensterben geben und die „Bauern an den Pranger stellen“ bzw. „mit unsachlichen Vorwürfen öffentlich ins falsche Licht setzen“. Wörtlich sprechen Bauernverband und Freie Wähler vom „Bauern-Bashing“. 

Dass diese Behauptungen falsch sind, ist leicht nachweisbar. Ein Klick auf den Internetauftritt des Volksbegehrens genügt dafür. 

Gegner des Volksbegehrens haben in der vergangenen Woche trotzdem an zahlreichen Orten in Bayern Plakate des Volksbegehrens zerstört, gestohlen oder überklebt. Undemokratische Aktionen, die sonst gerne allein den Linken angelastet werden. Die bayerische AfD hat hier zwar keinen Dramatisierungsbedarf, beteiligt sich aber am Kampf gegen das Volksbegehren. Der Fraktions-Vize der AfD im Landtag, Ingo Hahn, sieht Maismonokulturen zur Energiegewinnung als Hauptursache für das Artensterben und macht deshalb deren „grüne Befürworter“ dafür verantwortlich. Tatsächlich verhält es sich so, dass der größte Teil des Maises als Futter in die Mägen von Schweinen und Rindern wandert. Der Rest findet seine Bestimmung in Nahrungsmitteln für Menschen und in Biogasanlagen, was wiederum BBV-Präsident und Volksbegehren-Gegner Heidl mit ökologischen Argumenten zum Schutz des Klimas verteidigt. 

Die Fronten sind verhärtet und zugleich gehörig durcheinandergeraten beim Kampf um Bauern und Bienen. In diesem Zusammenhang ist der jüngste Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Söder zu sehen, der eine „einvernehmliche Lösung“ durch einen „gemeinsamen Entwurf“ aus dem Hut zaubern will. Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber bezeichnet die „Intention des Volksbegehrens“ am Freitag sogar als „richtig“ und will einen runden Tisch mit Antragstellern, Verbänden und Landwirtschaft. Dass von Seiten der bayerischen Staatsregierung entgegen vorheriger Ankündigung nun schon vor Ablauf des Eintragungszeitraums derartige Töne zu hören sind, ist mit Sicherheit auf den unerwartet großen Erfolg des Volksbegehrens zurückzuführen. Damit den salomonischen Worten schließlich auch Taten folgen, ist es das erste Gebot der Stunde, das Volksbegehren zu einem erfolgreichen Abschluss mit mindestens einer Million Unterzeichnungen zu bringen.

Die Regierungskoalition wird wohl die Gesetzesinitiative des Volksbegehrens nicht annehmen. Stattdessen werden die bayerischen Bürgerinnen und Bürger in einem Volksentscheid zwischen dem Entwurf des Volksbegehrens und einem eigenen Gesetzesentwurf der Staatsregierung entscheiden können. 

Trotz aller Polemik und Panikmache seitens der Gegner: Es gibt nachvollziehbare Kritik an Forderungen des Volksbegehrens. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bestätigt Aiwangers Befürchtung gegenüber der DAZ teilweise. Sollten den Landwirten durch die Gesetzesänderung zukünftig Vorgaben gesetzlich vorgeschrieben oder bestimmte Nutzungen verboten werden, die bisher im Rahmen freiwilliger Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden, wäre das (zunächst) mit finanziellen Einbußen verbunden. Richtig ist auch, was BBV-Präsident Heidl betont: Die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern macht mittlerweile bei den Agrarumweltmaßnahmen mit. Freiwillig. 

Dass diese Maßnahmen angesichts des drastischen Artensterbens nicht ausreichen, liegt auf der Hand, sollte aber nicht davon abhalten, den Bäuerinnen und Bauern, die tagtäglich die Existenz aller Menschen sichern, auf Augenhöhe und dort zu begegnen, wo sie stehen. 

Der Gegenentwurf der Regierung sollte von den Wahlberechtigten also nüchtern und ohne ideologische Verhärtung geprüft werden. Sachlichkeit in der bevorstehenden Debatte ist das zweite Gebot der Stunde. 



Lettl-Ausstellung: Eine kulturpolitische Farce

Die aktuelle Lettl-Ausstellung im Schaezlerpalais kam durch eine Entscheidung des Stadtrates zustande – und erzählt die Geschichte, wie Kulturpolitik nicht sein darf – Im a3 Kultur erschien dazu bereits ein ausgezeichneter Kommentar, den die DAZ an dieser Stelle neu auflegt.

Von Bettina Kohlen

Seit dem 1. Februar ist im Schaezlerpalais eine Ausstellung mit 67 Werken des Augsburger Künstlers Wolfgang Lettl zu sehen, eine museale Einzelpräsentation, die sich über den gesamten zweiten Stock des Museums erstreckt. Der Augsburger Stadtrat hatte den Kunstsammlungen diese Schau zum 100. Geburtstag des Künstlers verordnet, angeschoben von einer Lobby, die schon lange auf ein spezielles Lettl-Museum hinarbeitet. Mit dieser Ausstellung haben die Förderer um Florian Lettl, Sohn des Künstlers und Nachlassverwalter, nun einen Fuß in der Tür.

Der 2008 gestorbene Künstler Wolfgang Lettl bediente sich in seiner Arbeit vornehmlich der Bildsprache des Surrealismus, der für ihn von großer Bedeutung war. Er griff bekannte Elemente auf, wie die Hüte von Magritte, und integrierte diese in seine eigenen Werke. Jenseits irgendwelcher Interpretation erweist sich Lettl als regionaler Epigone des Surrealismus. Seine Vorliebe für diese in den 1920er Jahren entstandene Kunstströmung macht Lettl aber noch nicht zu einem wichtigen Vertreter dieser Richtung, wie es der Förderverein behauptet – gegründet auf einem selbsternannten Expertentum, das eine neutrale kunsthistorische Fachkompetenz gar nicht in Betracht zieht.

Dass ein Sohn das künstlerische Werk seines Vaters sichert und protegiert, ist verständlich und geht völlig in Ordnung. Dass er Mitstreiter sucht und findet, die den Künstler Wolfgang Lettl schätzen und dem hinterlassenen Werk eine Plattform geben wollen, ist auch nachvollziehbar. Wenn aber eine Ausstellung in den Räumen der Kunstsammlungen stattfindet, mit öffentlichen Mitteln finanziert, sollte sie kunsthistorischen Kriterien genügen. Doch diese Schau fußt eben nicht auf einer wissenschaftlichen Einordnung, sondern ist das Resultat des politischen Willens der Stadt. Die fachliche Expertise der Mitarbeiter*innen der Kunstsammlungen war im Zuge der Planung und Durchführung gefragt, ihre grundlegende Kompetenz, deretwegen sie ja wohl von der Stadt beschäftigt werden, wurde ignoriert. Da eine museale Präsentation für den kunsthistorischen Rang eines Künstlers Bedeutung hat, wird so durch die Hintertür Lettls Relevanz gestärkt – eine fatale Situation, die das Ansinnen der Lettl-Lobby befördert, zugleich aber die wissenschaftliche Reputation der Kunstsammlungen beschädigt.

Die Stadt hat in ihrem Kulturetat für die Lettl-Ausstellung 30.000 Euro eingeräumt, davon fließen 10.000 Euro in die Produktion eines Katalogs (der Lettl auch noch den ersten wissenschaftlichen Aufsatz beschert). Dieses Geld hätte man besser den Kunstsammlungen für ihre eigentliche Arbeit zu Verfügung gestellt. Doch es wird wohl noch mehr Geld fließen, das die Lettl-Lobby weiter protegiert: Die Stadt hat zwar den Wunsch des Fördervereins, Wolfgang Lettl ein eigenes Museum einzurichten, immer abgelehnt, doch wird sie in einem Werbeprospekt des Vereins explizit als einer der Finanziers benannt. Die Eröffnung eines Museums wird da noch für 2019 angekündigt, und man schwadroniert vollmundig von »Stärkung des kreativen Umfeldes« und »Highlight für den gesamten süddeutschen Raum«. Der Träger dieser Dauerausstellung in der Zeuggasse 7 ist besagter Förderverein, die Kosten werden mit 75.000 Euro pro Jahr bei einer Vertragslaufzeit von 10 Jahren beziffert. Je ein Drittel tragen der Hauseigentümer (Familie Nill) und »private und institutionelle Sponsoren«. Für das letzte Drittel, also 250.000 Euro, wird im Werbeheft die Stadt Augsburg als Kostenträger genannt. Angesichts der bescheidenen Summen, die in die Kunstsammlungen fließen, wäre das recht viel. Die a3kultur-Redaktion hat bei Kulturreferent Thomas Weitzel nachgefragt, doch er weiß nichts von dem genannten Beitrag der Stadt zur Finanzierung des Lettl-Museums und findet das »surreal« … Der Unterstützerverein suggeriert in seinem Prospekt durch die lapidare Auflistung, die Stadt habe bereits eine konkrete Fördersumme zugesagt. Ob die Stadt grundsätzlich bereit ist, das Museumsprojekt zu unterstützen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

Keinesfalls geht es darum, jemandem die Freude an den Bildern von Wolfgang Lettl zu nehmen, es spricht auch nichts gegen eine Ausstellung des Werks von Wolfgang Lettl. Doch hier möchte eine kleine Lobby ohne eine fachkompetente Einschätzung die Relevanz eines Künstlers festlegen und der Stadtrat manifestiert und finanziert dies mit seiner Entscheidung für eine kommunal verortete Ausstellung. Mit einer solchen Haltung macht sich das gewählte Gremium zum Sprachrohr privater Interessen und instrumentalisiert die Kunstsammlungen der Stadt.



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