Wendejahre
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„Desintegration für alle!“ Neues Jahresprogramm des Jüdischen Museums

Unter dem Motto „Wie fremd darf man sein in Deutschland?“ will sich das Jüdische Museum Augsburg Schwaben (JMAS) in diesem Jahr mit unterschiedlichen Fremdheitserfahrungen von Juden und anderen Minderheiten befassen und diese aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die neue Museumsleitung Dr. Barbara Staudinger gab mit der Vorstellung des Jahresprogramms 2019 auch Einblick in ihre Konzeption sowie Ausblicke auf weitere Vorhaben.

Von Bernhard Schiller

Viel vorgenommen haben sich Barbara Staudinger und ihr Team. Zukünftig soll das Jüdische Museum Augsburg Schwaben als Ort der Vielfalt verstanden werden. Als ein „Minderheitenmuseum“, so Staudinger, das aus der jüdischen Geschichte in Schwaben heraus Bezüge zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Fragen herstellt. Fragen nach Integration und Ausgrenzung, Heimat und Kultur sollen aus der Perspektive der Minderheit diskutiert werden und damit soll gezeigt werden, dass Vielfalt weder Bedrohung noch Bereicherung, sondern schlicht Normalität sei. 

Diversität strebt Staudinger auch beim Erzählen von Geschichte an und bevorzugt Möglichkeiten der Interpretation anstelle der Vermittlung von Wahrheit. Deshalb kritisiert sie die gewöhnlichen, immer gleichen Konzeptionen musealer Auseinandersetzung mit dem Judentum. Da würde stets im Mittelalter begonnen, als den Juden angeblich nichts wichtiger gewesen sei, als die Teilnahme an der Mehrheitsgesellschaft. Dann würden stets Aufbruch und Gleichstellung im 19. Jahrhundert thematisiert – und diese gewohnheitsmäßig am Beispiel besonders erfolgreicher Juden aus Wirtschaft und Wissenschaft veranschaulicht. Doch, so Staudinger, es habe ja auch die armen Juden gegeben, die Integrationsunwilligen, die Gauner und falschen Messiasse. Von diesen sei bisher viel zu selten die Rede. Staudinger will das nun ändern und jüdische Geschichte verstanden wissen als vielfältige Geschichte, vor allem als eine Geschichte der Selbstbehauptung, die ein untrennbarer Teil der deutschen Geschichte sei. Deshalb will sie ihr Museum vor allem als diskursiven Ort gestalten. Auch auf das Risiko hin, damit vielleicht Erwartungen zu enttäuschen.

Das vorliegende Programm ist dazu bestens geeignet. Bereits vom 26. bis 28. März liefern die „Ersten Augsburger Desintegrationstage“ ein Highlight, das mit Lesung, Guerilla-Museumstour und Poetry-Slam nicht nur frische, sondern für Augsburger mit Brechtfestivalkonditionierung auch zugängliche Formate anbietet. Gemeinsam mit dem Berliner Autor Max Czollek, der in seinem Buch „Desintegriert Euch!“ die Unehrlichkeit des Integrationsdiskurses kritisiert und eine „jüdisch-muslimische Leitkultur“ fordert, werden die „Desintegrationstage“ neue Solidaritäten in der Integrationsdebatte erkunden. 

Veranstaltungsorte sind hier neben der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber das „Kulturhaus abraxas“ und das Szenelokal „Beim Weißen Lamm“.

Zahlreiche weitere Veranstaltungen gelten der Erinnerungsarbeit, von der „Bibliothek der verbrannten Bücher“, der Augsburger ErinnerungsWerkstatt über Workshops für Schulklassen mit dem Zeitzeugen Ernst Grube bis hin zu der bereits laufenden Kunstinstallation „1933“ der österreichisch-iranischen Künstlerin Ramesch Daha, die noch bis einschließlich 24. Februar im Jüdischen Museum zu sehen ist. Weiter finden jeweils Ausstellungen anlässlich der jüdischen Fest- und Feiertage statt, beginnend mit Purim und Pessach im März und April.

Die Kooperation mit der jüdischen Gemeinde, die das Stiftungsmuseum in ihrem Gotteshaus beherbergt, ist Barbara Staudinger ein besonderes Anliegen. Über die Idee, das Museum zukünftig als Diskussionsort auszubauen, habe man sich in der Gemeinde sehr gefreut. Durch künstlerische Interventionen und mit Hilfe der Dauerausstellung will Staudinger die Gemeinde stärker mit einbeziehen, ein partizipatives Projekt zur Frage des Verhältnisses von lebendiger Gemeinde und Museum sei geplant. Der Diskussionsprozess mit der Gemeinde werde außerdem durch ein wissenschaftliches Forschungsvorhaben zur „Sprache der Objekte“ (gemeint sind Ritualgegenstände) nicht nur zusätzlich am Leben gehalten – vielmehr erhofft sich Staudinger, dass die Diskussion mit den Forscherinnen der Braunschweiger Forschungsstelle Bet Tfila der Augsburger Gemeinde bei ihrer Selbstvergewisserung hilfreich sein könne.

Die bereits unter Staudingers Vorgängerin Benigna Schönhagen erfolgreiche Reihe „Lehrhaus“ ist auch weiterhin fester Bestandteil des Programms. Am 14. Februar wird Dr. Dirk Schuster vom Institut für Religionswissenschaft und Jüdische Studien der Universität Potsdam einen Vortrag halten zum Thema: „Die ‚entjudete‘ Bibel – oder wie Jesus zum ‚Arier‘ wurde.“ Auch die Reihe „Die europäische Dimension des Holocaust“ wird fortgesetzt.

 



Heute beginnt das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“

Am heutigen Donnerstag beginnt der Eintragungszeitraum für das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ Zwei Wochen lang, bis 13. Februar, können bayernweit alle Bürgerinnen und Bürger für eine Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes unterschreiben. In Augsburg liegen die Unterschriftenlisten im Rathaus und den vier Bürgerbüros aus. Zur Eintragung muss der Ausweis vorgelegt werden. Um die angestrebte Gesetzesänderung zu erreichen, sind 1 Million Unterschriften notwendig.

Von Bernhard Schiller

Selbst in geschützten Regionen Bayerns sind in den letzten Jahrzehnten viele Insektengruppen rapide zurückgegangen. Der Rückgang der Artenvielfalt hat mittlerweile derart dramatische Ausmaße angenommen, dass Wissenschaftler vor dem Zusammenbruch ganzer Ökosysteme warnen. Dabei geht es keineswegs um die allseits bekannte Honigbiene, sondern vor allem um die unzähligen Wildbienenarten, alle anderen Insekten, um Vögel, Fische und alles, was damit zusammenhängt bis hin zum Menschen. Neben der unverzichtbaren Funktion als Bestäuber vieler Pflanzen verwerten Insekten auch riesige Mengen organischen Materials und tragen so dazu bei, abgestorbene Pflanzen und Tierkadaver zu beseitigen, wie es in einer Stellungnahme des Max-Planck-Instituts für Ornithologie heißt. Außerdem sind Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiere, weshalb ihr Rückgang auch Grund für den starken Rückgang vieler Vogelarten ist. Um dieser besorgniserregenden Entwicklung entgegenzuwirken, sieht der Gesetzesentwurf unter anderem vor, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern gemäß den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Aktuell sind es 10 Prozent. Auch im bayerischen Staatswald soll in Zukunft die biologische Vielfalt erhalten werden. Eine besonders bedeutsame Chance böte auch der vorgesehene Biotopverbund durch zusammenhängende Lebensräume nicht nur für Insekten . Ein zusammenhängendes Biotop, das bis 2027 mindestens 13 Prozent des Offenlandes umfassen soll.

Das Volkbegehren wird getragen von der ÖDP Bayern, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), Bündnis 90/ Die Grünen Bayern, dem BUND Naturschutz in Bayern und wird von zahlreichen Partnern und Initiativen aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft unterstützt. Auch das Max-Planck-Institut für Ornithologie unterstützt das Volksbegehren, da die geforderten Gesetzesänderungen „das Artensterben im Freistaat aufhalten könnten“.  „Das Volksbegehren stellt keine übertriebenen Forderungen, sondern schlägt praktikable Maßnahmen vor. […] Das Volksbegehren sollte daher von jedem Bürger unterstützt werden“, so Peter Berthold, der ehemalige Direktor des Instituts. Der amtierende Direktor, Professor Martin Wikelski, findet einen eindringlichen Vergleich: „Früher nahmen Bergleute Kanarienvögel in die Kohleminen mit. Die Vögel sollten die Arbeiter vor tödlichen Gasen warnen. Heute sind Bienen unsere Kanarienvögel. Ihr massiver Bestandsrückgang zeigt: Hier läuft etwas total falsch.“

In den vergangenen Tagen wurden vereinzelt Gegenstimmen aus dem Allgäu und der Staatskanzlei laut. Die geplante Gesetzesänderung würde Kleinbauern gefährden, befürchtet etwa Ministerpräsident Söder. Kritik, die schon allein deshalb wenig nachvollziehbar scheint, da ausgerechnet die Interessenvertretung der Kleinbauern – der Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) – den Ausbau der Ökolandwirtschaft befürwortet, das als Möglichkeit sieht, dem „Höfesterben“ entgegenzuwirken und deshalb das Volksbegehren unterstützt.

Eintragungsorte in der Stadt Augsburg: 

Rathaus

Rathausplatz

Do 31.01. und Fr 01.02.2019        10:00 – 18:00

Mo 04.02. bis Sa 09.02.2019        10:00 – 18:00

Mo 11.02. bis Mi 13.02.2019        10:00 – 20:00

Bürgerbüro Stadtmitte

An der Blauen Kappe 18

86152 Augsburg

Eintragungsraum Nr. 2

Öffnungszeiten:

Mo, Di 8.00 – 15.00

Mi 7.00 – 15.00

Do 8.00 – 17.30

Fr 8.00 – 12.30

Bürgerbüro Haunstetten

Tattenbachstraße 15

86179 Augsburg

Eintragungsraum Nr. 3

Öffnungszeiten:

Mo, Di 8.00 – 15.00

Mi 7.00 – 15.00

Do 8.00 – 17.30

Fr 8.00 – 12.30

Bürgerbüro Lechhausen

Neuburger Str. 20

86167 Augsburg

Eintragungsraum Nr. 4

Öffnungszeiten:

Mo, Di 8.00 – 15.00

Mi 7.00 – 15.00

Do 8.00 – 17.30

Fr 8.00 – 12.30

Bürgerbüro Kriegshaber

Ulmer Str. 72

86156 Augsburg-Kriegshaber

Eintragungsraum Nr. 5

Öffnungszeiten:

Mo, Di 8.00 – 15.00

Mi 7.00 – 15.00

Do 8.00 – 17.30

Fr 8.00 – 12.30



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