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Augsburg bewirbt sich um das Label „StadtGrün naturnah“

Das bundesweite Projekt „StadtGrün naturnah“ honoriert kommunales Engagement zur Förderung der biologischen Vielfalt. Um dieses Label bewirbt sich nun die Stadt Augsburg und erwartet sich dadurch mehr Entwicklung öffentlicher Grünflächen zu artenreichen Wildblumenwiesen

Augsburger Schießplatzheide © Nicolas Liebig

Als eine von bundesweit 13 Kommunen nimmt die Stadt Augsburg am einjährigen Verfahren um die Auszeichnung mit dem Label „StadtGrün naturnah“ teil. Sie wurde dafür vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ ausgewählt. Auch die örtlichen Naturschutzverbände werden am Labeling-Verfahren beteiligt.

„Der Beschluss der Biodiversitätsstrategie jährt sich 2019 zum zehnten Mal. Dies ist ein Grund zum Feiern, aber auch ein Grund, einmal genauer hinzuschauen, wo die Stadt Augsburg beim Thema biologische Vielfalt steht. Einen besonders großen Beitrag leisten hier das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen, der Landschaftspflegeverband der Stadt und die Forstverwaltung. Ich bin sehr gespannt, wie externe Fachleute unsere Arbeit in Augsburg beurteilen“, so Umweltreferent Reiner Erben.

Bestandserhebung von Pflegepraktiken

Am Beginn des Verfahrens tragen die teilnehmenden Kommunen ihre Pflegepraktiken und bereits umgesetzten Maßnahmen für ein ökologisches Grünflächenmanagement in einer Bestandserhebung zusammen. Auf dieser Grundlage wird ein Maßnahmenplan mit geplanten Aktivitäten zur naturnahen Entwicklung der innerstädtischen Grünflächen entwickelt.
Kommunen, die sich um das Label „StadtGrün naturnah“ bewerben, werden vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ mit einer Vor-Ort-Beratung unterstützt. Auch Augsburg lässt in diesem Verfahren die Qualität der Grünflächenplanung und -pflege von externen Fachleuten überprüfen und bestätigen. Ebenso organsiert das Bündnis den Erfahrungsaustausch unter den Kommunen. Es stellt außerdem kostenlos Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung und moderiert Workshops zur Planung von Maßnahmen mit lokalen Akteuren.

Positive Wirkung von Grünflächen

„Menschen brauchen Natur in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Gesundheit und Zufriedenheit von Menschen höher ist, wenn sie näher an Grünflächen leben“, sagt Umweltreferent Reiner Erben und verweist darauf, dass die Stadt Augsburg ihre Grünflächen naturnah pflegt. „Rasenflächen werden hier seltener gemäht. Außerdem werden bienen- und insektenfreundliche Samenmischungen gesät. Davon profitieren auch Tiere und Pflanzen. Denn wo Flockenblumen, Margeriten oder Malven gedeihen, sind auch Wildbienen und Schmetterlinge nicht weit“, so Reiner Erben.

Am Endes des Jahres wird sich zeigen, ob Augsburg im Rahmen des Labels „StadtGrün naturnah“ für das kommunale Maßnahmenpaket zur Förderung der biologischen Vielfalt eine Auszeichnung in Bronze, Silber oder Gold erhält.

Bild: Ungemähte Flächen tragen auch im Winter wesentlich zum Erhalt der Artenvielfalt bei: Sie bieten Insekten eine Struktur zum Überwintern und Vögeln eine vielfältige Nahrungsquelle.
Bildnachweis: Nicolas Liebig/LPV Stadt Augsburg e.V.



Es brennt noch immer – brennt es schon wieder?

Die Schoa im Gedächtnis der Literatur im Spiegel heutiger Ausgrenzungspolitik: Eine Lesung und Diskussion mit Susanne Scholl (Wien) aus ihrem aktuellen Roman „Wachtraum“

Susanne Scholl Foto: privat

Noch bis zum 24. Februar 2019 ist die Kunstinstallation „1933“ von Ramesch Daha, Wien, im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben zu sehen. Sie setzt sich anhand der Umbenennung der amtlichen Buchstabiertafel und der Bücherverbrennungen jüdischer Autor*innen im Jahr der Machtübertragung an die NSDAP mit dem beginnenden Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Leben auseinander und verweist damit auch auf die gegenwärtige Gesellschaft und ihre Ausgrenzungspolitik gegenüber Minderheiten. Im Begleitprogramm zur Installation wird die Wiener Autorin Susanne Scholl am 16. Januar aus ihrem aktuellen Roman „Wachtraum“ (2017) lesen – ein persönliches Buch über starke Frauen und die Frage, wie man nach dem Überleben leben kann.

Die energische Fritzi ist das Herz der Familie. Sie ist als eine der wenigen Überlebenden ihrer Familie während der Schoa aus dem englischen Exil nach Wien zurückgekehrt und hat hier eine Familie gegründet. Ihrer Tochter Lea vererbt sie ihren Kampfgeist, aber auch das Trauma der Familie, das sie schließlich einholt. Dabei hat Lea ein vermeintlich sicheres Leben. Doch als 2015 zahllose Flüchtlinge kommen, um Schutz vor Krieg und Terror zu suchen, gerät ihr Leben aus den Fugen und die Vergangenheit scheint die Gegenwart einzuholen.

Die Literatin Susanne Scholl ist 1949 in Wien geboren. Ihre Eltern waren vor den Nationalsozialisten nach London geflohen, hatten sich im Exil kennengelernt und waren 1946 nach Wien zurückgekehrt. Susanne Scholl verarbeitet in ihren Romanen das Trauma ihrer Eltern und verbindet es mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement. Sie ist Mitgründerin der „Omas gegen rechts“, die sich gegen Hetze und Ausgrenzung in der Politik engagieren.

Ort: Jüdisches Museum, Standort Innenstadt, Halderstraße 6-8, Festsaal der Synagoge – Zeit: 16. Januar 18.30 Uhr – Eintritt: 5,00 / 3,00 Euro



Meritul Bucovinei für das Bukowina-Institut

Rumänischer Verdienstorden würdigt den erfolgreichen Beitrag des An-Instituts der Universität Augsburg zum wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Bayerisch-Schwaben und der historischen Region Bukowina

Über einen hohen rumänischen Verdienstorden freut sich die Augsburger Historikerin Prof. Dr. Maren Röger in ihrer Funktion als Geschäftsführerin des Bukowina-Instituts an der Universität Augsburg: Anlässlich seines Besuch am Instituts brachte der stellvertretende Präsident des Judeţ Suceava, des regionalen Parlaments im südlichen Teil der historischen Region Bukowina, gewissermaßen als Gastgeschenk die Medaille Meritul Bucovinei mit nach Augsburg.

Parlamentsvizepräsident Viorel Seredenciuc überreichte diesen „Bukowiner Verdienstorden“ für die erfolgreiche Arbeit, mit der das seit Frühjahr 2017 von der Neu- und Ost-/Südosteuropa-Historikerin Maren Röger geleitete An-Institut wie kaum eine andere der Integrations- und Nationalitätenforschung verpflichtete Einrichtung auf regionaler Ebene und damit denkbar konkret zum lebendigen Wissenschafts- und Kulturaustausch beitrage.

Erforschung und Wissensvermittlung

Im weiteren Kontext zurückgehend auf eine bereits 1955 vom Bezirk Schwaben übernommene symbolische Patenschaft für die Bukowina-Deutschen, widmet sich das Institut – seit seiner Errichtung im Jahr 1989 als Verein organisiert und seit 2003 als An-Institut der Universität Augsburg anerkannt – unter Beteiligung zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Augsburg der Erforschung der Kultur und der Geschichte der historischen Region Bukowina – eingebunden im weiteren Kontext von Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa-Studien und insbesondere auch mit dem Anspruch, Wissen über die heute teils Rumänien, teils der Ukraine zugehörige Region zu vermitteln.

Exemplarisch kann hier die aktuelle und noch bis zum 11. Januar am Institut gezeigte Ausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“ angeführt werden. Sie spürt der Rolle des Essens und des Trinkens im Kontext der Zwangsmigrationen aus den früheren deutschen Territorien und historischen deutschsprachigen Siedlungsgebieten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert nach. Sie skizziert die Ankunft der Flüchtlinge, Vertriebenen und Spätaussiedlerinnen und -aussiedler in der “Knappheit” der unmittelbaren Nachkriegsjahre und im “Überfluss” der Konsumgesellschaft nach 1991, gibt Einblick in die vielfältigen Küchentraditionen der einzelnen Regionen, aus denen sie kamen, und zeigt, wie neu- oder wiedergegründete Firmen und Produkte und Rezepte der Neuangekommenen das kulinarische Angebot vor Ort bereicherten.

Einzigartige Spezialbibliothek

Aktuelle Forschungsprojekte, die am Institut angesiedelt sind, befassen sich u. a. mit der visuellen Kultur, mit der Erfahrungsgeschichte oder mit dem deutsch-jüdischen literarischen Erbe und der Umweltgeschichte. Zu diesen und zahlreichen anderen Themen entstehen – teils auf der Grundlage der Spezialbibliothek, die mit über 15.000 Bänden als die größte Sammlung von Werken über die Bukowina im Westen gilt, und der hauseigenen Archivbestände des Instituts – kontinuierlich wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universität Augsburg.

Archiv-Eröffnung zum 30-jährigen Institutsjubiläum im Oktober 2019

Das Institutsarchiv, das zum 30-jährigen Institutsjubiläum im Oktober 2019 offiziell eröffnet werden wird, stieß bei Parlamentsvizepräsident Seredenciuc auf besonderes Interesse. Beeindruckt von der einzigartigen Sammlung, sagte er seine engagierte Unterstützung insbesondere beim Ausbau des dreidimensionalen Bestandes zu und versicherte, dass das Augsburger Bukowina-Institut sich darüber hinaus auch insgesamt einer fördernden Aufmerksamkeit der Region, der es sich widmet, sicher sein dürfe.

Für Maren Röger ist der „Meritul Bucovinei“ – auch – Anlass zum Stolz auf die mit ihm anerkannten bisherigen Leistungen des Instituts, in erster Linie aber, wie sie sagt, „Bestätigung dafür, dass wir mit unserer Forschungsausrichtung und auch mit unserer Dokumentations- und Öffentlichkeitsarbeit auf dem richtigen Weg sind.“



Malzeit
300 Millionen
Buergerbueros