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Grüne äußern sich zu Moravciks Wechsel

In einer gemeinsamen Erklärung haben der Parteivorstand und die Fraktion der Grünen den Wechsel des ehemaligen Grünen Stadtrats zur Fraktion der SPD kommentiert.

24 Stunden nach dem Bekanntwerden des Moravcik-Abschieds gibt es dazu eine Stellungnahme der Grünen: „Wir bedauern, dass unser langjähriges Mitglied Christian Moravcik aus der Fraktion und der Partei Bündnis 90/Die Grünen ausgetreten ist. Wir sind enttäuscht über die Form des Austrittes und irritiert darüber, dass er uns gerade in Zeiten des großen politischen Zuspruchs verlässt. Es entspricht nicht unserem demokratischen Verständnis, wenn ein mit grünen Stimmen gewählter Stadtrat die Fraktion wechselt. Der bundes- und landesweite Erfolg von uns Grünen beruht auf den gesellschaftsrelevanten Inhalten, die wir vertreten. Im Sinne unserer grünen Werte werden wir weiterhin eine offene Kommunikationskultur pflegen. Wir werden einen engagierten und starken Wahlkampf führen, mit dem Ziel, Augsburg menschlich, weltoffen, bürgernah, ökologisch und sozial zu gestalten. Dafür setzen wir uns ein und wollen in Augsburg bei der Kommunalwahl 2020 zweitstärkste politische Kraft werden.“

So die die Stellungnahme des Parteivorstands und des Fraktionsvorstands der Grünen zu dem personalpolitischen Paukenschlag innerhalb des Regierungsbündnisses.



Theaterbrunch 2.0

Noch keine Pläne für Sonntag? Der Staatsintendant André Bücker lädt am 9. Dezember zum zweiten Mal zum Theaterbrunch in den Martinipark ein!

Neben einem reichhaltigen Buffet darf sich das Publikum auf eine lockere Talkrunde mit Moderator André Bücker und Künstlern des Staatstheaters freuen. Mit Persönlichem und Anekdoten überraschen diesmal folgende Ensemble-Gäste: Carl Philipp Fromherz gibt Einblicke in seinen Theateralltag als Chordirektor und Kapellmeister. Schauspielerin Natalie Hünig begeisterte diese Spielzeit bereits in Produktionen wie dem Weihnachtsmärchen »Mio, mein Mio« oder Aischylos antiker Tragödie »Die Orestie«.

In intimer Runde gibt sie beim Theaterbrunch ein weiteres Talent preis – mit Kostprobe. Dritter Gast in der Talkrunde ist die Tänzerin Jiwon Kim Doede. Die gebürtige Koreanerin ist nicht nur Publikumsliebling des Ballett (Theaterpreis 2018 des Augsburg Journal), sondern verrät den Gästen, was es mit ihrer Liebe zur Malerei auf sich hat.

Datum: Sonntag, den 9.12.2018 11:00 | Ort: Foyer im Martinipark



Staatstheater: Zauberflöte – nicht nur bezaubernd schön

Eine Zauberflöte zu inszenieren, stellt angesichts der Bekanntheit dieser Oper jeden Regisseur vor eine Herausforderung. Und erst recht eine Regisseurin, wie aktuell im Staatstheater Augsburg. Andrea Schwalbach lässt die Puppen tanzen und holt die Oper mit Augenzwinkern zurück ins Volkstheater.

Zauberflöte im Martinipark © Jan-Pieter Fuhr

Die Frauen kommen im Libretto der Zauberflöte aus unserem heutigen Verständnis nicht gut weg: Eine hysterische Königin der Nacht, die nicht einsieht, dass ihr Kind bei dem weisen Sarastro besser aufgehoben ist als bei ihr. Eine Pamina, die sich dem Prinzen Tamino unreflektiert an den Hals wirft und ihm blind vertraut, drei sich angiftende Damen, die bei dem Prinzen mit ihren Reizen wetteifern – und dann noch Papagena, deren Sinn nach nichts anderem als häuslichem Kindersegen steht. Andrea Schwalbach macht dennoch nicht den Fehler, die Oper feministisch umzuschreiben, aber sie verleiht ihr eine weibliche Sichtweise. 

Die drei Damen, schon während der Ouvertüre auf der Bühne, sind viel aktiver als im Libretto vorgesehen. Sie dienen der Königin, weil sie wissen, dass diese nur noch eine Marionette Sarastros ist. Deshalb entwickeln sie Eigeninitiative und „stricken“ (trotz aller Divergenzen und Rivalitäten) an einem Plan, Pamina aus den Fängen Sarastros zurückzuholen. Tamino wird an einer Angel an Land gezogen, er ist Teil des Plans. 

Weiblich ist aber auch die Sicht auf Sarastro und seine Tempelherren, die ohne falschen Respekt als Macho-Club dargestellt werden. Sarastro zieht die Fäden und schaut sich das Geschehen wie ein „Big Brother“ auf den Puppenbühnen des „Teatro Sarastro“ an. Tamino, der sich ohne Zögern von den Damen und dem Bildnis Paminas (in diesem Fall kein Bildnis, sondern eine Art Kristallkugel) für die Mission einspannen lässt, wird Teil des Systems und lässt sich auf Aufgaben ein, deren Hintergründe er nicht kennt. Das ist auch im originalen Libretto so, wird aber durch die „Weisheit“ des Systems  erklärt, das sich am Ende nur den Wissenden erschließt. Andrea Schwalbach hinterfragt den weihevollen Club, indem sie Sarastro als Schausteller darstellt, umgeben von Komödianten (und übrigens auch Komödiantinnen), dadurch verliert nicht nur Sarastro, sondern auch der Prinz einiges von seinem Glanz. Er bleibt letztlich ein Opportunist, der sozialen Aufstieg und Pamina glücklich verbinden kann.

All das wird von der Regisseurin nicht mit einem aufdringlichen feministischen Zeigefinger demontiert, sondern mit spöttischem Augenzwinkern in der Tradition des Volkstheaters, dem Mozart sich bei der Komposition der Zauberflöte ja auch verpflichtet fühlte. Das Komödiantische beschränkt sich daher nicht nur auf die derbe Einfalt des Papageno und seiner Papagena, sondern zeigt sich auch in der vermeintlich besseren Gesellschaft Sarastros und der entmachteten Königin. 

Keine neue, aber durchaus eine frische Sichtweise, die vom Bühnenbild und den Kostümen von Anne Neuser kongenial unterstrichen wird. Auch mit den Dialogen geht die Regisseurin kreativ um: Einerseits kürzt sie sie radikal und reduziert damit die Spielzeit auf knapp drei Stunden, andererseits lässt sie die Sänger einzelne Passagen in ihren jeweiligen Muttersprachen sprechen.  

In der Pause war ein wenig Gemurmel zur Regie zu vernehmen, weshalb für die frenetische Zuschauerreaktion am Schluss wohl die musikalische Ausführung entscheidend war, die unter der Leitung von Lancelot Fuhry im ersten Teil fast zu temporeich daherkam: Taminos Bildnis-Arie hätte ein bisschen mehr Innehalten verdient. Doch im zweiten Teil hatte sich das eingespielt. Die Besetzung ist eine Parade des mittlerweile gut aufgestellten Staatstheater-Ensembles, wobei vor allem die weiblichen Darstellerinnen brillierten: die noch sehr junge Olena Sloia als Königin der Nacht, Jihyun Cecilia Lee als Pamina, die drei Damen Sally du Randt, Natalia Boeva und Kate Allen und nicht zuletzt Sandra Schütt als Papagena. Bei den Männern war Wiard Witholt als Papageno eine auch darstellerisch überzeugende Erscheinung. Imposant zeigten sich Guido Jentjens als Sarastro, ebenso wie Wiard Withold als Monostatos  und Roman Poboinyi als Tamino. Müßig zu erwähnen, dass die drei (Domsing-)Knaben (Premierenbesetzung Samuel Winckhler, Moritz Blank und Jack Crosby) von Reinhard Kammler stimmlich bestens präpariert waren und im übrigen auch die darstellerische Herausforderung als Marionetten an Fäden bravourös meisterten. —- Halrun Reinholz



Thomas Müller neuer Aufsichtsratsvorsitzender des FC Augsburg

Der Aufsichtsrat des FC Augsburg wählte Thomas Müller zum neuen Vorsitzenden

Anfang November hat der FC Augsburg durch den Tod von Peter Bircks einen langjährigen Funktionär verloren, der in den letzten drei Jahrzehnten in verschiedenen Ämtern für den FCA prägend war. So hatte Bircks bis zu seinem Tod auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA inne. Dieser Vorsitz musste nun nach dem Tod von Peter Bircks durch die Mitglieder des Aufsichtsrates neu gewählt werden. Der Aufsichtsrat um Gerhard Wiedemann, Thomas Müller, Walter Sianos und Johannes Hintersberger selbst wurde erst kürzlich auf der Mitgliederversammlung am 18. September 2018 für weitere drei Jahre durch die Vereinsmitglieder gewählt.

In einer turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung wählte das Kontrollgremium Thomas Müller nun einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Von 2006 bis 2015 war der 52-jährige Apotheker bereits als Aufsichtsrat in der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA tätig, in der die Profimannschaft und ein Großteil (U23 bis U17) der Jugendabteilung eingegliedert sind. Im gleichen Zeitraum war Walther Seinsch Vorstandvorsitzender des FC Augsburg. Müllers Stellvertreter ist weiterhin Gerhard Wiedemann, der auch schon unter dem Vorsitz von Peter Bircks als Stellvertreter fungierte.



Stadtrat: Bringt Moravcik die SPD zurück in die Spur?

Warum der Fraktionswechsel von Christian Moravcik interessant werden könnte

Kommentar von Siegfried Zagler

Ein Parteiaustritt eines angesehenen Politkers aus weltanschaulichen Gründen ist zu akzeptieren. Wenn sich Partei und Person im Lauf der Jahre auseinanderleben, dann ist es völlig in Ordnung, wenn ein gewählter Mandatsträger seine Partei verlässt und sein Mandat niederlegt, damit jemand aus der Liste dieser Partei nachrücken kann. Wechselt er aber die Partei und behält sein Mandat, dann ist das Wählerbetrug. Christian Moravcik ist von der Grünen Fraktion zur SPD-Fraktion gewechselt. Damit hat er alle Wähler veräppelt, die ihn 2014 auf der Grünen Liste gewählt haben. Wenn er gute Gründe für seinen Wechsel hat, dann sollte er sie seinen Wählern ausführlich erklären.

Wenn man von einer zukunftsfähigen Partei mit großen Zuwachsraten zu einer Partei wechselt, die im Sterben liegt, dann muss man gute Gründe haben – und die hat Christian Moravcik. Der Grüne Finanzexperte gilt als rigoroser Gegner der aktuellen Schuldenpolitik der Augsburger Stadtregierung. Wie er im großen DAZ-Interview vor einiger Zeit ausführte, sieht Moravcik die Finanzpolitik der Stadt Augsburg deshalb sehr kritisch, weil sie kommenden Generationen kaum noch politischen Handlungs- und Gestaltungsspielraum überlässt. Diese Position hat Moravcik als zentralen Punkt im Grünen Wahlprogramm 2014 ausgearbeitet. Doch kaum saßen die Grünen mit am Regierungstisch, fügten sie sich dem Schuldenprogramm der CSU/SPD. Noch nie hat sich die Stadt Augsburg stärker verschuldet und in politischer Übereinkunft mehr Personal eingestellt als in den vergangenen vier Jahren.

Die Grünen haben das nicht nur widerwillig mitgetragen, sondern durchaus auch forciert, indem sie bisher jedem Haushalt mit wohlwollenden Statements zugestimmt haben. Die Augsburger Grünen sind eine gesunde Partei mit einer lebendigen Mitgliederschaft, aber sie hat es zerrissen, als Oberbürgermeister Kurt Gribl die Fusion zwischen Erdgas-Schwaben und der Energiesparte der Stadtwerke anstrebte: Die Grüne Fraktion war mehrheitlich dafür, die Partei mehrheitlich dagegen. Moravcik war ein profilierter Fusionsgegner, der zusammen mit seiner (damaligen) Partei auch starke Anteile hatte, dass die Fusionsunternehmung an einem Bürgerentscheid scheiterte. Die damaligen Fronten gingen nicht zimperlich miteinander um, die Wunden sind längst vernarbt, aber nicht verheilt. Deshalb muss man aber nicht von den Grünen zur SPD wechseln.

Moravcik wurde von seiner Fraktion kaltgestellt. Nicht mehr als stellvertretender Fraktionsvorsitzender bestätigt und auch nicht wieder gewählt, als er sich kürzlich erneut um das Amt bemühte. Mit diesen Kränkungen kann und will er bei den Grünen nicht weitermachen. Das ist verständlich, doch da es ihn nun zu der „Walking-Dead-Fraktion“ namens SPD verschlagen hat, soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass Moravcik kein Linker ist, sondern auch zur FDP passen würde. Ihn interessiert mehr das aktuell Machbare als die Vision dahinter. Die SPD ist für den ehemaligen Grünen aber gerade deshalb kein Problem, weil die SPD nämlich eine Politik macht, die genauso gut die CSU oder die FDP und ja natürlich auch die Grünen machen könnten. Eine kleinteilige Politik ohne große Versprechungen und ohne gesellschaftspolitische Visionen, eine Politik, die im Grunde immer nur auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert, aber eben keine (mehr) anstrebt.

Den größten Schmerz, den die Augsburger Grünen auszuhalten haben, hat ihnen Moravcik nun zugefügt. Sein Fraktionswechsel halbiert möglicherweise den Einfluss der Grünen im politischen Tagesgeschäft. Moravcik hatte seinerzeit als Grüner seinen Sitz im Finanzausschuss mit medienwirksamem Tam-Tam niedergelegt – aus Protest gegen die Schuldenpolitik des Regierungsbündnisses. Nun kehrt Moravcik wieder in den Finanzausschuss zurück – mit einem anderen Parteibuch, doch ohne dass sich etwas an der desaströsen Finanzpolitik des Dreierbündnisses verändert hätte.

Daraus lassen sich zwei Dinge schlussfolgern: Entweder ist Moravciks narzzistische Kränkung dergestalt schmerzvoll, dass ihm seine politische Glaubwürdigkeit unwichtig geworden ist und er nur noch von seinen Verletzungen und Rachegefühlen geleitet wird, oder die SPD und Moravcik sind einen Deal eingegangen. Letzteres ist zwar unwahrscheinlich, aber immerhin möglich.

So müsste der Deal aussehen: Die SPD verlässt das Regierungsbündnis und entschuldigt sich bei ihren Wählern für ihr Postengeschacher und ihre nicht mehr sichtbare sozialdemokratische Handschrift in der Stadt Augsburg, distanziert sich von Sozialreferent Kiefer, studiert ihr Wahlprogramm von 2014 und führt ihren ehemaligen Wählern und Sympathisanten mit einer knallharten Oppositionspolitik in den kommenden 15 Monaten die Defizite der Stadtregierung vor Augen. Das ist – by the way – nicht besonders schwer.

Würde das geschehen, hätte Moravciks Fraktionswechsel nicht den Ludergeruch des Wählerbetrugs, sondern einen tieferen Sinn. Der Gestaltungsverlust der SPD in einer Stadt wie Augsburg ist ein dramatischer Vorgang, der der politischen Stadt großen Schaden zufügt. Nur eine diskursfähige Sozialdemokratie ist in der Lage, den politischen Verfall der Stadt Augsburg zu entschleunigen. Die Augsburger SPD müsste sich dafür in jeder Hinsicht radikal erneuern. Mit Christian Moravcik hat die SPD nun einen Mann in ihren Reihen, der dieser Notwendigkeit einen Schub verpassen könnte.

 



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