Wendejahre
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Platz für Neues: Vernetzungskongress

Am kommenden Wochenende findet im TIM ein „Vernetzungskongress“ statt

Gastbeitrag von Projektleiter Jürgen Kannler

Vor einem Jahr diskutierten wir in der a3kultur-Redaktion, wie wir den gegenwärtig in Augsburg laufenden Bürgerbeteiligungsprozess zur städtischen Museumslandschaft begleiten könnten. Nach Rücksprache mit Kulturarbeiter*innen des BBK, der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, des Kulturreferats, von Galerien und aus den freien Szenen war klar, dass wir eine Plattform anbieten wollten, die diesen Gruppen und Institutionen die Möglichkeit bietet, sich zu präsentieren, sich auszutauschen und zu vernetzten. Die Idee des art3kultursalons als Vernetzungskongress war geboren. Mit dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum tim wurde der ideale Ort für dieses Projekt gefunden. Denn eines ist klar: Kultur braucht erste Adressen.

Innerhalb weniger Monate klinkte sich eine Reihe wichtiger Kulturorte aus ganz Bayern in das Projekt ein. Heute können wir mehr als 70 Partner, Gäste und Förderer beim art3kultursalon begrüßen. 

Doch der Salon ist nicht nur ein Forum für Fachleute, sondern wendet sich an alle, die an unseren Themen Spaß und Interesse haben. Für sie planten Student*innen der Hochschulen in Augsburg und Darmstadt fantastische Präsentationsräume für die Sonderausstellungshalle im tim. Sie lieferten wertvolle im Impulse für diesen Kongress, bei dem sich zahlreiche Kulturorte und Institutionen dem Publikum mit eigenen Räumen präsentieren. Aus der zunächst avisierten Abendveranstaltung erwuchs schnell ein Termin über einen ganzen Tag. Letztendlich stehen für den art3kultursalon nun zwei Tages- und ein Nachtprogramm im Kalender. 

Der Grund für diese Entwicklung lag in der Menge von Inhalten und Themen, die wir – nicht zuletzt auf Anregung unserer Kulturpartner*innen – beim Salon behandeln wollen. Nach und nach entwickelten sich sieben Themenstränge, denen wir in Form von Impulsvorträgen, Debatten und Workshops nachspüren werden. Dafür konnten wir hoch spezialisierte Fachleute gewinnen, diese Panels zu kuratieren.

In unserem Programm finden sich Themen wie Digitalisierung im Museumsbereich, private Sammlungen und öffentlicher Zugang, das neue Kulturschutzgesetz oder Entwicklungen in der Kunst- und Kulturvermittlung. Wir untersuchen das Zusammenspiel von Kunst und Architektur, behandeln das Reizthema Kulturarbeit und Einkommen und fragen ganz praktisch nach Raum für Kunst in unserer Region.

Die Salonnacht bietet Kulturarbeiter*innen im Wechselspiel mit verschiedenen Performances ein Forum, dem Publikum im Rahmen eines Petscha-Kutscha-Vortrags von ihren Projekten, Ideen und Perspektiven zu berichten oder aber auch zu Revolution oder Konsumverweigerung aufzurufen. Dieses aus Japan stammende Kurzformat und gibt den Sprecher*innen maximal 6 Minuten 40 Sekunden Zeit, ihr Thema zu platzieren. Dabei sind Bildprojektionen explizit gefordert. Die Moderation übernimmt ein geübter Slammaster.

Ein Erfolg wird der art3kultursalon, wenn die Themen, die hier verhandelt werden, nicht verpuffen, sondern »Platz für Neues« schaffen. Dazu gehört jedoch zuallererst, Grenzen zu hinterfragen. Grenzen zwischen Regionen, Einstellungen oder Disziplinen sind kein unverrückbares Naturgesetz. Gegebenenfalls können wir sie ignorieren und bei Bedarf auch abtragen oder einreißen. Denn allzu oft stößt man an diese Grenzen, auch im Alltag. Und das ist hinderlich, besonders beim Denken. Denn Grenzen trennen mehr, als sie verbinden.

 



Führung: „Evakuiert in den Osten“ – Die Deportationen aus Augsburg und das Ende der zweiten jüdischen Gemeinde in der NS-Zeit

Stadtrundgang mit Monika Müller und Frank Schillinger, Jüdisches Kulturmuseum am Sonntag, den 18.11.2018 ab 15 Uhr

Vor 77 Jahren, im Herbst 1941, begannen die Deportationen der jüdischen Bevölkerung Augsburgs in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Der Stadtrundgang führt zu Erinnerungsorten der deutsch-jüdischen Geschichte in Augsburg während des Nationalsozialismus. Anhand ausgewählter Biographien verfolgter und ermordeter Jüdinnen und Juden aus Augsburg wird die Stadtgeschichte mit konkreten Menschen und Orten verbunden und damit das Ausmaß der Verbrechen des NS-Regimes exemplarisch sichtbar gemacht. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0821 – 51 36 58 oder Mail: office@jkmas.de. Die Teilnehmer treffen sich am Jüdischen Kulturmuseum. Die Teilnehmergebühr beträgt: 4 Euro (2 Euro ermäßigt).

 



„Mio, mein Mio“ im Theater: Das Gute siegt immer

Wie immer um diese Jahreszeit hatte das Kinderstück Premiere, das in den nächsten Monaten von Heerscharen von Kindern in zahlreichen Schülervorstellungen besucht werden kann. Der einschlägig erfahrene Regisseur Joachim von Burchard brachte den Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren „Mio, mein Mio“ auf die Bühne des Martiniparks.

Von Halrun Reinholz

Kai Windhövel, Marlene Hoffmann (v.l.) Foto: © Jan-Pieter Fuhr

Astrid Lindgren hat das Buch im Jahr 1954 geschrieben, als Kindheit noch geprägt war von autoritären Familienstrukturen und vielfach auch von freudlosem Pflichtbewusstsein. Typen wie Pippi Langstrumpf bürsten dieses Verständnis nach Strich und Faden auf, und auch „Mio, mein Mio“ ist ein märchenhaft verpacktes Bekenntnis zu Werten wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Mut und Verantwortungsbewusstsein – aber auch zu liebevoller Geborgenheit in der Familie. Mio ist das Fantasieprodukt des Waisenkindes Bosse, der eine liebende Bezugsperson vermisst. Deshalb erträumt er sich einen Vater, den König des Landes der Ferne. Der scheint nur auf ihn gewartet zu haben. Er schenkt ihm ein weißes Pferd, Miramis, damit er mit seinem einzigen Freund JumJum das ganze Land erkunden kann, bis zur Grenze zum „Land Außerhalb“, wo der böse Ritter Kato haust. Bei der Nennung von dessen Namen wiehert das Pferd bereits angstvoll. Auf ihrer Erkundungsreise lernen Mio und JumJum einige Personen kennen, die durch den Ritter Kato Brüder oder Töchter verloren haben. Und alle warten auf den Königssohn, der nach der Überlieferung den Ritter Kato besiegen soll. Mio ist kein Draufgänger, aber er überwindet seine Angst und seine Zweifel, weil er weiß, dass sein Vater ihn liebt und  ihm das zutraut. Eine elementare Botschaft der Pädagogik (bei Astrid Lindgren noch revolutionär), die ihre Aktualität nicht verliert und nicht oft genug ins Bewusstsein gerufen werden kann.  

Joachim von Burchard braucht nicht viel Schnickschnack, um diese Botschaft auf die Bühne zu bringen. Das Bühnenbild (Jeannine Simon) erinnert an die Puppenkiste: klassisch und witzig plakativ, einfühlsam ergänzt durch Videoaufnahmen, die besonders die Reise auf dem Rücken des Pferdes nachvollziehbar machen. Von Jeannine Simon stammen auch die fantasievollen Kostüme und Jan Exner sorgt für die Ergänzung mit Musik, die auch als dramaturgischer Faktor (die uralte Melodie auf der Flöte) eine Rolle spielt. Sechs Darsteller teilen sich die Rollen. Marlene Hoffmann und Daniel Schmidt als JumJum treffen auf Typen wie den zauberhaften König (Sebastian Müller-Stahl, der auch als ambivalenter Waffenschmied glänzt), auf Nonno, der ihnen die Flöten schenkt (Sebastian Baumgart, der ihnen später als Eno auch wichtige Tipps zum Umgang mit dem bösen Ritter geben wird). Sie treffen Helferinnen wie Nonnos Großmutter , Minonna und die Weberin, alle drei verkörpert von Natalie Hünig.

Und schließlich stehen sie Ritter Kato (Kai Windhövel) gegenüber, ein eher gelangweilter Diktator, der seine Ruhe braucht, um sich bei heißem Kakao und Keksen „böse Gedanken“ zu überlegen und nach trickreichem Kampf Mios fast erleichtert ist, sein „Herz aus Stein“ endlich los zu sein.  Seine Macht stützt sich auf dümmlich quatschende „Späher“, die allgegenwärtig sind und dennoch das Wichtigste nicht mitbekommen.

Bei der Zielgruppe im Martinipark kam die Botschaft an: gespannte Ruhe während der Vorstellung und frenetischer Schlussapplaus für die Darsteller. Das Gute siegt immer und das Märchenstück dürfte auch in diesem Jahr wieder etlichen Kindern die Freude am Theater vermitteln.



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