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FCA stellt gegen sich Club dumm an

Mit einem 2:2 Unentschieden trennten sich der FC Augsburg und der 1. FC Nürnberg vor 30660 Zuschauern am 10. Spieltag der Fußballbundesliga in der ausverkauften WWK Arena. Die Tore der Augsburger erzielten Finnbogason (11.) und Schmid (59.). Beim Club sorgten Fuchs (54.) und Wühl (88.) für den jeweiligen Ausgleich.

Was gegen Hannover 96 als noch Ahnung aufflackerte, verhärtete sich im Spiel gegen den Club zur bitteren Erkenntnis: Dem FCA fehlt es in Spielen gegen etwas schwächere Gegner an Konsequenz und Charakterstärke. Zwar beherrschten die Augsburger den Club in der ersten Halbzeit in jeder Hinsicht, aber mehr als die frühe 1:0-Führung durch Finnbogason sollte nicht herausspringen. Nach vorne spielten die Augsburger ihre zahlreichen Angriffe zu ungenau zu Ende, weshalb es dem FCA nicht gelang, seine technische wie physische Überlegenheit in einen adäquaten Spielstand umzumünzen. Mit dem 1:0 zur Pause war der hoffnungslos unterlegene Club gut bedient.

In der zweiten Halbzeit vermehrten sich beim FCA schwerwiegende Leichtsinnsfehler und schlampiges Defensivverhalten. Gepaart mit dem Unvermögen nach vorne für Gefahr und Entlastung zu sorgen, brachte Augsburg einen schwachen Club zurück ins Spiel, weshalb das Unentschieden nach zwei grundverschiedenen Halbzeiten in Ordnung geht. Ein Spielbericht von Udo Legner folgt.

 



Auf den Menschen kommt es an

„Der Lechner Edi schaut ins Paradies“ – Die jüngste Schauspielpremiere des Staatstheaters Augsburg im Gaswerk ist eine Satire über den Fortschritt und Erfindungsgeist des Menschen

Foto © Jan-Pieter Fuhr

Das Provisorium des Provisoriums kann man derzeit beim Theater Augsburg erleben, wenn die Vorstellung beim Gaswerk angekündigt ist. Da erinnert man sich sofort an die letzte Spielzeit im Martinipark, wo anfangs auch noch nicht alles rund lief. Heute kann man diese Location allerdings schon als eingeführte Spielstätte mit einer bestimmten Aufenthaltsqualität verbuchen. Doch beim Gaswerk steht das endgültige Ersatzquartier noch nicht zur Verfügung, deshalb wird das Stück „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“ im etwas nach Off-Theater anmutenden Kühlerhaus aufgeführt. Schwierige Verhältnisse für Regie und Bühnenbild, auch das Stück eher unbekannt. 

Jura Soyfer, dessen Eltern mit dem damals Achtjährigen vor den Bolschewisten aus Russland flohen, verbrachte seine Jugendjahre in Wien und eben da spielt auch sein Stück im Jahr 1936, der Zeit der Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. Edi (Thomas Prazak) ist seit sechs Jahren arbeitslos, weil eine Maschine ihn überflüssig gemacht hat – eine Maschine, die er vorher, solange sie nicht Ersatz, sondern Ergänzung für ihn war, betreut und gewartet hat. Das stellt sich heraus, als eben diese Maschine, „Pepi“ (Katharina Rehn) plötzlich auftaucht und mitteilt, dass sie ebenfalls als überflüssig abgebaut worden ist. Edi und seine Freundin Fritzi (Katja Sieder) willigen ein, mit Pepi auf Zeitreise in die Vergangenheit zu gehen, um die Ursachen der Arbeitslosigkeit zu verhindern – den Galvani, zum Beispiel, der die Elektrizität erfunden hat. Die Reise führt immer weiter zurück, denn eine Erfindung bedingt die andere. Letztlich müssen die drei erkennen, dass sie auch die Erschaffung des Menschen nicht verhindern können, durch sie wird der Fortschritt unweigerlich in Gang gesetzt. Ganz im Sinne der marxistischen Überzeugung von Jura Soyfert gilt die Aussage: „Auf den Menschen kommt es an“, der hat letztlich alles in seiner Hand. 

Ein bisschen fühlt man sich an den Zeitgeist bei Ödön von Horvath erinnert, wenn Fritzi und Edi über den Zustand der Welt sinnieren. Angesichts der skurrilen Handlung blitzt auch durch, dass Soyfert in Wien auch Kabarett gemacht bzw. Texte dafür geschrieben hat. Mit Thomas Prazak hat sich immerhin ein „native speaker“ für das in Wien angesiedelte Stück gefunden, aber bei den anderen mag der „Wiener Schmäh“ nicht so recht überzeugen. Was nicht schlimm wäre für die allgemein gültige Thematik, aber offenbar doch den Charme des Stückes ausmacht und von der Regie auch angestrebt wird. Ob es daran liegt oder einfach an dem etwas behäbigen Tempo, dass es dem Stück ein bisschen an Schwung fehlt, ist schwer zu sagen. 

Die junge Regisseurin Miriam Locher gibt sich (gemeinsam mit dem Bühnenbildner Vittorio Greco) sichtlich Mühe, die ungünstige Spielstätte abwechslungsreich zu nutzen und das komische Potenzial der Zeitreise auch durch Kostümwechsel zu betonen. An den Darstellern liegt es jedenfalls nicht, dass die Komik nicht ganz ausgeschöpft scheint: Herausragend Katharina Rehn als „eckig“ agierende „Maschine“ Pepi, aber auch Ute Fiedler und Gerald Fiedler überzeugen in ihren vielen Nebenrollen. Letzterer tritt auch mit der Gitarre in Erscheinung.

Das Stück repräsentiert gute Wiener Volkstheatertradition – durchzogen von mehr oder weniger schwungvollen musikalischen Einlagen (Musik: Stefan Leibold). Immerhin ist die Zeitreise nach 75 Minuten beendet, deshalb bleibt als Fazit bei allen Ungereimtheiten letztlich doch ein unterhaltsamer und kurzweiliger Theaterabend, den das Premierenpublikum mit deutlichem Applaus vor allem für die Darsteller honorierte.  — Halrun Reinholz



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