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Peter Bircks ist tot

Augsburg trauert um Peter Bircks

Wie der FCA heute Nachmittag bekannt gab, starb der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Augsburg Peter Bircks am frühen Freitagmorgen. Der 66-Jährige erlag seinen schweren Verletzungen in Folge eines Verkehrsunfalls in der vergangenen Woche. Beim Überqueren der Bahnhofsstraße in Gersthofen wurde Peter Bircks von einem Auto erfasst und schwer verletzt.

Bircks hat die Entwicklung des FC Augsburg wie kein Zweiter erlebt, mitgestaltet und geprägt. Er förderte den Zusammenhalt innerhalb und außerhalb des Vereins in verschiedenen Positionen. Als ehrenamtlicher Präsident übernahm er 1990 die Führung des damals verschuldeten FCA. Bircks gelang es, Walther Scheinsch zu einem Engagement am Lech zu überzeugen. Ohne Bircks wäre der Aufstieg des FCA nicht vorstellbar. Später war er als Ehrenrat und im Aufsichtsrat des Vereins engagiert, wobei ihm immer die Nachwuchsförderung wichtig war. Ab 2012 prägte er auch in der Geschäftsführung den Klub. 2014 wurde Bircks für seine Verdienste um den Fußball mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Zuletzt stand Peter Bircks dem Verein als Aufsichtsratsvorsitzender vor.

„Die FCA-Familie mit allen Verantwortlichen, Gremien, Mannschaft, Trainerteam und Mitarbeitern ist in Gedenken bei seiner Familie, den Verwandten und Freunden und wünscht ihnen viel Kraft in ihrer Trauer“, wie es in einer Mitteilung des FC Augsburg heißt. – Die Familie von Peter Bircks bittet die Privatsphäre zu respektieren und aktuell von einer persönlichen Kontaktaufnahme abzusehen.

 



FCA: Nürnberg ist krasser Außenseiter

Am morgigen Samstag bestreitet der FC Augsburg in der wohl ausverkauften WWK Arena (15.30 Uhr) ein Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Wer einen Euro auf einen FCA-Sieg setzt, erhält vom Sportwetten-Anbieter tipico 1,55 Euro bei einem FCA-Sieg. Wer auf einen Club-Sieg setzt, erhält 5,7 Euro. Ähnliche Werte erzielt der FC Bayern, wenn er zu Hause gegen Mainz oder Stuttgart spielt. Der 1. FC Nürnberg ist gegen den FCA krasser Außenseiter. Das ist eine Fußballwahrheit, die sich vor wenigen Jahren niemand vorstellen konnte.

Von Siegfried Zagler

Als der 1. FC Nürnberg im Mai 2014 in die Zweite Liga abstieg, belegte der FC Augsburg in seiner dritten Saison im Oberhaus zum ersten Mal einen einstelligen Tabellenplatz und hatte doppelt so viel Punkte wie der Direktabsteiger Nürnberg auf dem Konto (Platz 8 mit 52 Punkten). Beim Club war man damals überzeugt, dass es sich bei diesem Abstieg um eine weitere Negativ-Anekdote handelt, die man mit dem sofortigen Wiederaufstieg schnell zu den Akten legen wollte. Die Augsburger nahm man damals in der Frankenmetropole als ein niedliches wie schnell vorübergehendes Phänomen wahr. Es sollte anders kommen: Der Club kreiselte vier lange Jahre in der Zweiten Liga, der FCA erreichte in der darauffolgenden Saison einen Europa League-Platz und spielt nun die achte Saison in Folge in der Bundesliga. Ein Standing, das die Nürnberger, die zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörten, nur von 1985 bis 1994 hatten, als der Club ganze neun Spielzeiten ohne Abstieg überstand. Augsburg darf sich mit dem besten Kader aller Zeiten in dieser Saison zum ersten Mal von Beginn an Hoffnungen auf einen einstelligen Tabellenplatz mit Blick nach Europa machen, während der Aufsteiger Nürnberg als erster Aspirant für den Abstieg gehandelt wird.

Noch in der Saison 2009/10, als sich der FCA als Dritter der Zweiten Liga und der Club als Drittletzter der Bundesliga in der Relegation trafen, lagen Welten zwischen den beiden Klubs. Heute ist das wieder so, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Der FCA hat auch in der Breite einen bundesligatauglichen Kader, die Nürnberger wohl eher nicht. Und dennoch muss man festhalten, dass der 1. FC Nürnberg ein besonderer Verein ist: ein Schalke des Südens.

„Der Glubb is a Debb.“ Dieser Satz wird als Medikament verwendet, als Schmerzmittel. Er birgt die Gewissheit der Katastrophe, die sich die „Clubberer“ seit 1969 hart erarbeitet haben. Die Fankultur des Clubs hat eine selbstverständliche Note im Repertoire, die andernorts (nicht nur in Fußballstadien) bestenfalls in homöopathischen Dosen vorkommt: Ironie. Was damit zu tun haben könnte, dass sich die Nürnberger auf dem Spielfeld öfters dümmer anstellen als andere Mannschaften. 1999 “gelang” dem Club als Tabellenzwölfter am letzten Spieltag der Abstieg in Liga zwei.

Ein Augsburger Unikum und ein Bundesliga-Riese – wenn er in Form ist …Und er ist in Form: Caiuby © Siegfried Kerpf

Keiner steigt mit mehr Glanz ab als der Club. 1969 als amtierender Meister, 2008 als amtierender Pokalsieger. „Im Elend sind wir eben routiniert“, wie Ex-Manager Geenen konstatierte. „Rekordmeister“ war man, als Adi Dasslers Schraubstollen noch der letzte Schrei waren. Heute muss man sich am Valznerweiher mit dem zweifelhaften Ehrentitel „Rekordabsteiger“ herumplagen. Zuletzt war der 1. FC Nürnberg 1968 Meister. Das ist lange her, dennoch prägt der Abstieg der 68er Meistermannschaft in der darauf folgenden Saison bis auf den heutigen Tag das Image des Clubs.

Meistertrainer Max Merkel ließ damals Leistungsträger wie Franz Brungs, Karl-Heinz Ferschl oder Gustl Starek ziehen und trudelte mit einem neu formierten Team immer weiter in den Tabellenkeller. Als Merkel acht Spieltage vor Schluss den Laufpass bekam, war das Blatt nicht mehr zu wenden. Der „Debb“ war geboren und kickte von nun an als notorischer Verlierer von der Noris neun Jahre in der Zweiten Liga. Franz Brungs ist heute noch davon überzeugt, dass damals alle Voraussetzungen gegeben waren, um auf „Jahre hinaus in Deutschland die Nummer eins zu bleiben.“ Eine Rolle also, die man dem FC Bayern aus Blödheit überlassen hat. Acht Mal ist der Club in seiner Geschichte bisher aus der Bundesliga ab- und wieder aufgestiegen.

Zuletzt zeigte der Club auswärts im Pokal in Rostock gegen den Drittligisten ein schwaches Spiel mit zahlreichen individuellen Fehlern und kam erst im Elfmeterschießen weiter. Der FCA konnte im Pokal zu Hause Mainz 05 niederhalten – ebenfalls erst in der Verlängerung und mit Fortuna im Bunde, war aber immerhin einen Tick besser als Mainz. Jan Moraveks Verletzung aus dem Pokalfight erwies sich glücklicherweise „nur“ als Riss am Schienbein, weshalb er gegen den Club noch nicht dabei sein kann. Daniel Baier, der gegen Mainz wegen Belastungssteuerung fehlte, wird auflaufen, auch Jonathan Schmid wird für Framberger wieder in die Startelf rücken, während der zuletzt formstarke Khedira wegen muskulärer Probleme wohl passen muss.

Voraussichtliche Aufstellung des FCA: Luthe – Schmid, Gouweleeuw, Hinteregger, Max – D. Baier – Koo – M. Richter, Gregoritsch, Caiuby – Finnbogason



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