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Bayernwahl – Live aus dem Augsburger Rathaus: CSU landet bei 37,2 Prozent – SPD bei 9,7 Prozent

Die DAZ berichtet heute Abend live aus dem Augsburger Rathaus, wo sich die Augsburger Politprominenz einfindet, um gemeinsam die ersten Hochrechnungen in Augenschein zu nehmen.

17.40 Uhr: Die ersten Zahlen geistern durchs Rathaus. Bürgermeisterin Eva Weber ist bereits anwesend, die SPD wird derzeit von Stefan Quarg und Florian Freund vertreten und natürlich steht der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich im Oberen Rathausfletz und wartet mit angespannter Miene auf die ersten Zahlen. “Wird die CSU über 35 Prozent erhalten, die SPD die 10 Prozent nicht unterschreiten?” So lauten die bangen Fragezeichen, die derzeit im Rathaus kursieren.

Betroffene Gesichter- Bernd Kränzle, Volker Ullrich und Eva Weber © DAZ

Die ersten Hochrechnungen haben bereits bei den Parteien eingeschlagen und werden der DAZ weitergereicht. Die CSU steht bei 35,5 Prozent, die Grünen bei 18,5 Prozent, die SPD bei 10 Prozent, die Freien Wähler bei 11,5 Prozent, die FDP erwartet eine Zitterpartie (5 Prozent), während die Linken wohl knapp den Einzug in den Bayerischen Landtag verpassen werden (3,5 Prozent). Die AfD steht bei 11 Prozent.

18.05 Uhr: Betroffene Gesichter bei der CSU, Jubel bei den Grünen, die als große Gewinner der Wahl hervorgehen. Die CSU muss ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten verarbeiten und scheint an Markus Söder, der diesen Einbruch als amtierenender Ministerpräsident zuvorderst zu verantworten hat, festhalten zu wollen. “Markus Söder wird von der Fraktion als Ministerpräsident für den neuen Landtag vorgeschlagen werden”, so der Fraktionschef der CSU, Thomas Kreuzer. Entsetzt und ein wenig bleich kommentiert der Fraktionschef der Augsburger CSU-Rathausfraktion die ersten Hochrechnungen: “Ich bin betroffen und obwohl man damit rechnen musste, wollte ich es nicht glauben, da wir uns mit großem Fleiß und auch mit einer guten Politik dagegen gestemmt haben. Ich glaube nicht, dass der gegenwärtige Trend etwas mit einer schlechten CSU-Politik zu tun hat.”

Volker Ullrich © DAZ

Ziemlich angesäuert bewertet Volker Ullrich (MdB/CSU) die neue Situation im Landtag: “Das Ergebnis kann man nicht schönreden.” Festzustellen sei aber auch, dass man in Bayern ohne die CSU keine Regierung bilden kann. Aus seiner Sicht sind die Gründe für die schlechten Ergebnisse im “Gegeneinander innerhalb der Union, aber auch innerhalb der CSU und im Konfrontationskurs und in der verbalen Kraftmeierei” zu suchen. Für personelle Debatten sei es noch zu früh. “Man soll am Wahlabend nicht gleich über personelle Konsequenzen reden. Klar ist aber auch, die CSU wird eine Erneuerung brauchen in Inhalten, Stil und auch personell”, so Volker Ullrich, der für die Augsburger CSU im Bundestag sitzt.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Augsburger Rathaus-CSU, Leo Dietz, kommentierte das Ergebnis dagegen eher gelassen und pragmatisch: “Ein schlechtes Ergebnis für die CSU. Aber daraus resultiert ein klarer Wählerauftrag.”

Auf dem Sprung in den Landtag: Die beiden Grünen Stadträte Cemal Bozoglu und Stephanie Schuhknecht © DAZ

Großer Jubel bei den Grünen. Die neue Situation einer vierzigköpfigen Fraktion im Bayerischen Landtag fasste Cemal Bozoglu folgendermaßen zusammen: “Ein super Ergebnis für alle Grünen. Wir haben die Sitzzahl verdoppelt, auch die Grünen in Schwaben werden 5 bis 6 Sitze haben.”

Reiner Erben bewertet das Ergebnis der AfD mit nur 10 Prozent als überraschend niedrig. Der Rechtsruck der CSU sei fehlgeschlagen. Hingegen wurde die Mitte gestärkt, und “damit auch die grünen Themen Umwelt und Migration. Dass die SPD so verloren hat, ist schlecht” und bedeutet für die Grünen, dass sie sich zukünftig auch um Sozialpolitik kümmern müssen. Falls es zu schwarz-grünen Sondierungsgesprächen kommen sollte, wären die Augsburger gefragt, so Erben. “Ab jetzt ist Wahlkampf in der Augsburg-Politik. Die CSU zerlegt sich schon selbst – aktuell mit der Geschichte in Bergheim. Denn auch in der CSU-Fraktion gibt es Gegner zum Bergheimer Vorhaben.” Am morgigen Montag finde laut Erben eine Sitzung des Koalitionsausschusses bezüglich des aktuellen Themas Bergheim statt.

Ziehen sicher in den Landtag ein: Die beiden CSU-Direktkandidaten Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel (v.l.) © DAZ

Ersten Ergebnissen der Augsburger Stimmkreise zufolge ist klar, dass die CSU-Direktkandidaten Andreas Jäckel (Stimmkreis Augsburg Ost) mit aktuell 31,6 Prozent und Johannes Hintersberger CSU (Stimmkreis Augsburg-Stadt-West, Gersthofen, Neusäß) mit derzeit 31,3 Prozent listenunabhängig in den Landtag einziehen (Stand 19.49 Uhr).

Zu einer nahezu anekdotischen Besonderheit könnte es bei den Grünen in Augsburg kommen: Da die Satzung der Grünen ein Doppelmandat nicht zulässt, rückt für die Augsburger Stadträtin Stephanie Schuhknecht, deren Einzug in den Landtag ziemlich sicher feststeht, der ehemalige Kreisvorsitzende der Augsburger Grünen, Matthias Lorentzen in den Stadtrat nach. Wesentlich interessanter ist aber die mögliche Rückkehr von Eva Leipprand, die dem Augsburger Stadtrat bis 2014 angehörte und von 2002 bis 2008 als Augsburger Kulturbürgermeisterin Geschichte schrieb. Falls Cemal Bozoglu den Sprung in den Landtag schaffen sollte, was derzeit als wahrscheinlich gilt, könnte Eva Leipprand für Bozoglu nachrücken. Auf die Frage der DAZ, ob sie denn wollen würde, zeigte sich Leipprand kurz angebunden, aber nicht abgeneigt: “Darüber denke ich nach, wenn ich darüber nachdenken muss.”

Bei der SPD, die sich im freien Fall befindet und derzeit (20 Uhr) unter zehn Prozent liegt, herrscht blankes Entsetzen. “Man hat Lust auszuwandern”, kommentiert Stefan Quarg das SPD-Resultat. Harald Güller, der sich wohl im Landtag halten wird, zeigte sich dennoch gefasst: “Es ist traurig, aber wahr.”

In der politischen Gesamtsituation in Bayern wird sich trotz der dramatischen Stimmenverluste der CSU voraussichtlich wenig ändern, da die CSU mit den erzkonservativen Freien Wählern wohl eine Koalition bilden wird.

Andrea Huber, Johannes Meyer, Siegfried Zagler

 



DMG-Präsidentschaft und Kulturreferent: Weitzel sieht keinen Interessenskonflikt

Thomas Weitzel ist seit 2010 Präsident der Deutschen Mozart-Gesellschaft und seit 2014 Kulturreferent der Stadt Augsburg. Die Deutsche Mozart-Gesellschaft (DMG) residierte bis vor Kurzem im städtischen Mozarthaus für 3,07 Euro pro Quadratmeter. Die Gesellschaft selbst erhält jährlich 12.000 Euro Fördergelder aus dem Stadtsäckel.

Thomas Weitzel Foto: DAZ-Archiv

Darin sieht Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel keinen Interessenskonflikt oder gar eine Befangenheit zugunsten der Dachmarke Mozart, die Weitzel bereits zu seiner Zeit als Amtsleiter mithilfe des Mozartfestes entwickelte. “Was soll der Quatsch?”, so Weitzel zur DAZ, auf die Frage, ob er sich da nicht im Zentrum einer politischen Interessenskollision befinde. Das sei albern, einseitig und nervig und gehe dazu in die falsche Richtung, denn schließlich sei die DMG eine “Draufzahlgesellschaft”, so Weitzel, der am Telefon für seine Verhältnisse ein wenig die Contenance verlor.

Er habe seine Doppelfunktion als GMD und Kulturamtsleiter bereits von Bürgermeister Peter Grab absegnen lassen. Auch OB-Gribl sehe darin kein Thema, so Weitzel. Gegenüber der Sopress erklärte Weitzel, dass er sich nach dem DAZ-Artikel von Bürgermeisterin Eva Weber sogar nochmal bestätigen haben lasse, “dass alles seine Ordnung habe”. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl bestätigte auf Anfrage am heutigen Sonntag Weitzels Einlassungen partiell: “Es ist richtig, dass Herr Weitzel zu Beginn seiner Amtszeit angefragt hat, ob etwas gegen die Fortführung seiner Präsidentschaft spräche. Dagegen hatte auch ich keine Bedenken.”

Damit ist die Sache nicht erledigt. Stadtrat und Oppositionsführer Volker Schafitel (FW) kündigte an, dass auch bei dieser Angelegenheit Gründlichkeit angesagt ist: “Wir werden darauf drängen, dass diese Sachverhalte genauso gründlich bearbeitet werden, wie das bei der Causa Höhmannhaus der Fall war.”



Panther siegreich in Straubing – heute gegen Wolfsburg im CFS

Der AEV hat seine  Auswärtsserie mit dem vierten Sieg im fünften Spiel beendet. Bei den Straubing Tigers siegte der AEV vor allem dank eines starken Olivier Roy mit 4:2 und klettert in der Tabelle weiter nach oben. Die Treffer für die Panther erzielten Daniel Schmölz (6.), David Stieler (10.), Adam Payerl (55.) und Matt Fraser (60.). Für Straubing waren Stefan Loibl (41.) und Antoine Laganiere (42.) erfolgreich.

Mike Stewart, der weiter auf die Verletzten T.J. Trevelyan, Henry Haase und Kapitän Steffen Tölzer verzichten musste, veränderte sein Team nur zwischen den Pfosten. Und Roy konnte sich über zu wenig arbeit nicht beschweren, denn Straubing drückte von Beginn an. Die Panther-Defensive blockte aber viele Schüsse und Roy war ein sicherer Rückhalt und parierte die Schüsse, die durchkamen.

Deutlich effizienter präsentierten sich im ersten Drittel die Augsburger, die gleich zweimal ins Schwarze trafen. Genau fünf Minuten waren gespielt, als Schmölz die Panther mit dem vielleicht kuriosesten Tor im bisherigen Saisonverlauf in Führung schoss: Arvids Rekis brachte den Puck einfach zum Tor, Sebastian Vogl wehrte ab und Schmölz beförderte die Scheibe von hinter dem Tor an den Rücken des Straubinger Goalies und von trudelte sie ins Tor (6.). Schmölz war auch beim 0:2 beteiligt, denn die Augsburger Nummer 25 bereitete den Treffer von Stieler mit einem perfekten Pass vors Tor überragend vor. Stieler musste letztlich nur noch einschieben (10.).

Roy mit doppeltem Pfostenglück 

Mit dieser Führung ging es auch in den zweiten Durchgang, wo die Tigers weiterhin mehr vom Spiel hatten und nun auch im Pech waren. Innerhalb einer guten Minute traf zuerst Fredrik Eriksson (26.) den Pfosten und wenig später fälschte Loibl einen Schuss von Mike Connolly ebenfalls an die Torumrandung ab (27.). Tore bekamen die 3930 Zuschauer in diesem Drittel aber keine zu sehen. Dies änderte sich im Schlussabschnitt allerdings schnell, denn nach nicht einmal 40 Sekunden konnte Loibl per Abstauber für die Gastgeber verkürzen (41.). Wenige Sekunden vor diesem Tor traf Augsburgs Ullmann auf der anderen Seite nur den Pfosten (41.). Doch damit nicht genug, denn nur weitere 41 Sekunden nach dem 1:2 gelang den Tigers der Ausgleich. Erneut per Abstauber war Laganiere erfolgreich (42.). Die Unparteiischen bemühten hier zwar den Videobeweis, weil Roy behindert wurde, gaben den Treffer aber.

Dramatische Schlussphase

Das Spiel wogte nun hin und her und auch die Panther kamen nun wieder zu Torchancen. Etwa fünf Minuten vor dem Ende gelang dem AEV dann auch die erneute Führung, als Payerl aus dem Handgelenk abzog und Vogl im kurzen Eck erwischte (55.). Straubing drückte in der Schlussphase auf den abermaligen Ausgleich und traf durch Mitchell Heard Sekunden vor dem Ende sogar ein drittes Mal den Pfosten (60.), aber Fraser besorgte im Gegenzug nach toller Vorarbeit von Payerl mit seinem ersten Saisontor den Endstand (60.).

Heute kommen die Grizzlys Wolfsburg

Für die Panther geht es nach den fünf Auswärtsspielen am heutigen Sonntag wieder im Curt-Frenzel-Stadion um Punkte. Die Grizzlys Wolfsburg sind ab 19 Uhr in Augsburg zu Gast. Ein Dreier wäre längst fällig. In den bisherigen Heimspielen verloren die Panther einmal glatt (1:5/Mannheim) und zweimal in der Verlängerung – jeweils 1:2 gegen Berlin und Düsseldorf.