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Mozarthaus: In-sich-Geschäft zwischen Stadt und Mozart-Gesellschaft?

Die Höhmannhaus-Affäre scheint der Stadt auf die Füße zu fallen. Während sich das OB-Referat um die Abwicklung des Disziplinarverfahrens gegen den Leiter der Städtischen Kunstsammlungen bemüht – und während Kulturreferent Thomas Weitzel die Abgleichung des vermeintlichen Schadens abzuarbeiten hat, steht Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel plötzlich selbst im Zwielicht.

Von Siegfried Zagler

Kulturreferent Thomas Weitzel unter Druck © DAZ

Thomas Weitzel wurde im Mai 2014 vom Augsburger Stadtrat zum Augsburger Kulturreferenten gewählt. Seit 2010 ist er Präsident der Deutschen Mozart-Gesellschaft, die seit 1996 im Mozarthaus residiert. Besitzerin des Mozarthauses ist die Stadt Augsburg, die mit der Deutschen Mozart-Gesellschaft einen Mietvertrag unterhält. Der Mietzins beträgt nach Informationen der DAZ für 27 Quadratmeter 3,05 Euro pro Quadratmeter. Im städtischen Mietspiegel werden in dieser Lage für Wohn- und Büroräume dieser Größenordnung 9,72 Euro aufgerufen. Die Verwaltung des Mozarthauses obliegt dem Kulturreferat, dessen Chef Thomas Weitzel ist.

Thomas Weitzel hat sich nach seiner Wahl zum Kulturreferenten nicht um eine Auflösung des Mietverhältnisses zwischen der Stadt und der Deutschen Mozart-Gesellschaft bemüht. Eine Gesellschaft, der er immerhin vorsitzt. Auch hat er nach seiner Wahl zum Kulturreferenten nicht den Ausstieg aus der Leitung der Deutschen Mozart-Gesellschaft angestrebt, eine Gesellschaft, die von Geldern der öffentlichen Hand gefördert wird.

Brisante Verhältnisse, die von Thomas Weitzel wohl verdrängt wurden. Die Frage, ob ein Kulturreferent einer Kultureinrichtung vorsitzen darf, die von der öffentlichen Hand gefördert wird, wurde weder von Weitzel noch von der Stadt behandelt. – Die Frage dagegen, ob es sich bei diesem Mietverhältnis zwischen Stadt und Mozart-Gesellschaft um ein rechtswidriges In-sich-Geschäft handelt, werde derzeit von der Rechtsabteilung der Stadt geprüft, wie aus informierten Kreisen zu erfahren war. Der Mietvertrag zwischen Stadt/Mozarthaus und der Deutschen Mozart-Gesellschaft soll ohnehin gekündigt werden, da in der Mozarthaus-Neukonzeption die Räumlichkeiten nicht mehr vermietet werden sollen.

© DAZ

Weitzel steht in Sachen Mozarthaus aber nicht nur wegen des möglicherweise rechtswidrigen In-sich-Geschäfts in der Kritik. Die Sanierung des Mozarthauses werde von ihm zwar bevorzugt behandelt, wie es heißt, wurde aber für das Mozart-Jubiläumsjahr zu spät gestartet. 2019 jährt sich der 300. Geburtstag von Leopold Mozart, den die Stadt mit einem breit angelegten Veranstaltungsreigen begeht, aber mit einem geschlossenen Mozarthaus. Im Herbst 2019 soll das Mozarthaus rechtzeitig zu Leopold Mozarts Geburtstag (14. November) laut Stadt wieder geöffnet werden. Dass dieser Zeitplan nicht einzuhalten sei, wird in den Fluren der Verwaltung vermutet.

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Die Deutsche Mozart-Gesellschaft (DMG) wurde 1951 in Augsburg, der Geburtsstadt Leopold Mozarts, gegründet. Ihr gehören 13 regionale Mozartvereinigungen in ganz Deutschland sowie zahlreiche Einzelmitglieder in aller Welt an.

Die DMG widmet sich nach ihrer Satzung der praktischen und wissenschaftlichen Pflege des Werkes von Wolfgang Amadé Mozart, der Erforschung des Lebens und Schaffens des Meisters und seiner Familie und der Erhaltung und Förderung der Mozart-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere des Geburtshauses von Leopold Mozart in Augsburg. Vorstehend geschilderte Aktivitäten werden ermöglicht durch Mitgliedsbeiträge, durch eine Förderung der öffentlichen Hand und durch private Spender, Sponsoren und Mäzene. (Quelle: Deutsche Mozart-Gesellschaft)



Kunstsammlungen: Grabach geht

Zum Jahresende 2018 wird Dr. Tilo Grabach bei den Kunstsammlungen und Museen Augsburg ausscheiden

Dr. Tilo Grabach

Der seit Juli 2005 als wissenschaftlicher Assistent von Direktor Christof Trepesch sowie als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kunstsammlungen in Augsburg beschäftigte Kunsthistoriker Dr. Tilo Grabach verlässt Augsburg, um im Januar 2019 die Stelle des Sammlungsleiters für Kunst und Kunsthandwerk 19. bis 21. Jahrhundert im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg anzutreten.

Seit 2005 war Grabach der erste Pressesprecher, den die städtischen Kunstsammlungen beschäftigten. In diesem Zusammenhang war er dafür verantwortlich, die 2006 erfolgten Neu- und Wiedereröffnungen von Mozarthaus, Schaezlerppalais, H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast und Maximilianmuseum über die Grenzen Augsburgs hinaus öffentlichkeitswirksam zu begleiten.

Außerdem entwickelte er die Kooperation der Kunstsammlungen mit anderen städtischen Ämtern und  Kulturinstitutionen ebenso wie mit freien Trägern und nichtstädtischen Museen, aber auch mit der Regio-Augsburg Tourismus GmbH – zuletzt bei der Ausstellung „Wasser Kunst Augsburg“ und der Bewerbung Augsburgs um den Welterbetitel der UNESCO. Auf seine Initiative hin gab es verschiedene Konzertreihen und Veranstaltungsformate, die die Häuser der Kunstsammlungen einem breiten Publikum öffneten.

Neben seiner Tätigkeit als Pressesprecher war/ist er auch Veranstaltungsmanager. Grabach organisierte seit 2005 fast alle Ausstellungseröffnungen und war/ist als Kurator im Einsatz. Regelmäßig richtete er Ausstellungen im Schaezlerpalais und im Grafischen Kabinett ein, darunter 2009/2010 mit „Irdische Paradiese“ eine der erfolgreichsten Präsentationen der Kunstsammlungen. Andere Ausstellungen, die er kuratierte, waren „Hann Trier – Lob des Barock“, „Laura Ford“, „11Meter“, „Ein Kaufmann als Kunstfreund“, „Klaus Ensikat: Illustrationen zum Kinderbuch Martin Luthers Wittenberger Thesen“, „Simon Annand – The Half“ und auch zwei Präsentationen mit Aufnahmen des Augsburger Fotografen Daniel Biskup.

Verabschieden wird sich Tilo Grabach Ende Oktober mit der Ausstellung „Im Schatten der Medici“ (20.10.2018 bis 20.1.2019), in der erstmals in Europa eine bedeutende Amerikanische Privatsammlung an Florentiner Barockmalerei zu sehen sein wird. – Für das international renommierte Germanische Nationalmuseum in Nürnberg wird Grabach für die Sammlung Kunst und Kunsthandwerk des 19. bis 21. Jahrhundert zuständig sein und neben kulturhistorisch orientierten Ausstellungen auch die Neugestaltung der Dauerausstellung zum 19. Jahrhundert verantworten.

Dass Grabach die Entscheidung, die neue Herausforderung in Nürnberg anzunehmen, ziemlich leicht gemacht wurde, ist ein offenes Geheimnis, da er als interner Kritiker des Museumsentwicklungsplans gilt, der Ende November 2017 vom Kulturreferat angestoßen wurde. Grabachs Abgang ist auch als stiller Abgesang zur Augsburger Kulturpolitik der Ära Weitzel bezüglich der Museen zu verstehen.

Dringend notwendige Projekte wie ein Zentraldepot mit modernen Restaurierungswerkstätten, ein neues Römisches Museum oder auch die für eine zeitgemäße Museumsarbeit unabdingbare Schaffung von Stellen (auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit) liegen auf Eis, während weniger wichtige Projekte wie zum Beispiel die Neueinrichtung des Mozarthauses aus dem Konzept herausgelöst und priorisiert angegangen werden.

Grabachs Unzufriedenheit mit den derzeitigen Gegebenheiten, möglicherweise aber auch der die Museen zusätzlich belastende Höhmannhaus-Konflikt zwischen städtischer Verwaltung und dem leitenden Direktor der Kunstsammlungen und Museen, Cristof Trepesch, könnten für Grabachs Wechsel nach Nürnberg den letzten Ausschlag gegeben haben.