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Kulturpolitik

Mozarthaus geschlossen – Wiedereröffnung im Herbst 2019

Das Augsburger Mozarthaus in der Frauentorstraße ist seit dem 1. Oktober komplett geschlossen, da es umfassend saniert und neu gestaltet wird. Die Wiedereröffnung ist zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart im Herbst 2019 vorgesehen. Die Kosten der Maßnahme sind auf 564.000 Euro taxiert, davon werden 264.000 Euro über Drittmittel beglichen.

Mozarthaus nachts Foto: Regio Augsburg

Mit dem Geburtshaus von Leopold Mozart, dem Vater, Mentor und Manager des berühmtesten aller Mozarts, Wolfgang Amadeus, verfügt die Stadt Augsburg über ein starkes Kulturerbe. Das darin untergebrachte Museum soll nach einer umfassenden Neugestaltung für Bürger aus Augsburg und der Region sowie für Touristen aus aller Welt künftig ein zentraler Anlaufpunkt für Informationen über Leopold Mozart und sein Leben sein. Wolfgang Amadeus Mozarts Vater Leopold Mozart wurde am 14. November 1719 in Augsburg geboren. Seine Musikbeseeltheit und Erziehungshingabe ermöglichten die einzigartige Karriere seines Sohnes. Sein Leben und Wirken hält die Stadt Augsburg durch die Pflege des „Mozarthauses“ und der Musikschule „Leopold-Mozart-Zentrum“ (LMZ) in Ehren. Durch diverse Veranstaltungsreihen beansprucht die Stadt Augsburg die „Marke Mozart“ seit geraumer Zeit, doch 2019 kommts besonders dick: Der Violinwettbewerb Leopold Mozart findet vom 31. Mai bis zum 8. Juni 2019 statt, zuvor steht im Mai verteilt über mehrere Termine das Deutsche Mozartfest an. Mozart soll somit 2019 zu einer herausragenden Figur des städtischen Kultur-Marketing werden.

„Sowohl aus museumsfachlicher Sicht als auch im Sinne einer nachhaltigen Verwendung ist die Neugestaltung der Dauerausstellung einer zeitlich begrenzten Sonderschau vorzuziehen“, so der O-Ton des Augsburger Kulturreferenten Thomas Weitzel bezüglich der Neugestaltung des Mozarthauses. Das erst 2005 entwickelte aktuelle Museumskonzept scheint nicht mehr zeitgemäß: Nach Ansicht der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern gelingt aus heutiger Sicht die Vermittlung der Kernaussagen und die Darstellung der Person Leopold Mozarts nicht vollumfänglich. Daher bildet künftig sein Leben in all seinen Schattierungen die Grundlage der Themen, die im Museum vertieft werden sollen.

„Das Haus soll dazu einladen, einen der bedeutendsten Söhne der Stadt kennenzulernen. Gleichzeitig soll bei der Neugestaltung ein Augenmerk auf interaktive Ansätze und die Musikvermittlung gelegt werden, damit auch für jüngere Zielgruppen ein ansprechendes Museumserlebnis garantiert ist“, so Weitzel. Als Zielpublikum der Zukunft sind Familien, Jugendliche und Kinder ins Auge gefasst, sie sollen  aus Augsburg, dem Landkreis und Schwaben kommen. Angebote für Menschen mit Hör- und Sehbehinderung sowie geistiger Behinderung soll es geben. Eine durchgängige Barrierefreiheit kann allerdings nicht angeboten werden, weil wegen des Denkmalschutzes kein Aufzug eingebaut werden darf. Zirka 6.000 bis 7.000 Besucher wurden im Mozarthaus durchschnittlich pro Jahr gezählt. Es gibt also reichlich Luft nach oben.

Die Ausschreibung für die Neugestaltung gewann die Münchner Agentur unodue, die zuletzt unter anderem für die die Gestaltung des Herkomer-Museums in Landsberg verantwortlich zeichnete. Auf die Stadt Augsburg entfällt für die Neugestaltung der Ausstellung inklusive der Sanierung sämtlicher Räume des Hauses ein geplanter Betrag in Höhe von 300.000 Euro. Drittmittel in Höhe von 264.000 Euro werden von der Landesstelle für die nicht staatlichen Museen in Bayern sowie von bereits zugesagten Spendern und Sponsoren erwartet.



Schauspielpremiere: Die Orestie von Aischylos

Intensiv und kurzweilig zeigt die  Inszenierung von Wojtek Klemm am Augsburger Theater, dass ein Klassiker immer aktuell ist

Orestie von Aischylos im Staatstheater Augsburg: Der blutige Lauf der Geschichte – Foto: © Jan-Pieter Fuhr

Vor 2500 Jahren hat Aischylos den Mythos der Artriden und die Figur des Agamemnon als einen der Hauptprotagonisten des Trojanischen Krieges zum Anlass genommen, die Fragen um Schuld und Sühne, Recht und Gerechtigkeit auf die Bühne und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Trilogie ist ein grundlegendes Epos der Theatergeschichte, mächtig und umfangreich. Daraus ohne Substanzverlust einen kurzweiligen Theaterabend von knapp zwei Stunden zu kondensieren, ist ein gewagtes Unterfangen, dem sich der in Deutschland und Polen lebende Regisseur Wojtek Klemm in Augsburg unverkrampft und mit Lust gestellt hat.

Die zweigeteilte schräge Bühne (Katrin Kersten) wird von einer Wasserrinne geteilt, die die Darsteller dauernd überschreiten (müssen). Sie trennt und verbindet Welten – die Welt der Lebenden und der Toten beispielsweise. Denn es ist Krieg, über den das Volk klagt. Eine geraubte Frau ist die Ursache für all das Leid in den Familien der Trojaner und der Griechen gleichermaßen. Doch nun ist Troja gefallen und Agamemnon kehrt zurück, sehnlich erwartet von seiner Frau Klytaimnestra. Die hat nämlich noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen, denn er hat seinerzeit bei seiner Abreise leichtfertig die gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert, weil Artemis den Schiffen den Fahrtwind verweigert hatte. Nun ist der Tag der Vergeltung gekommen. Klytaimnestra ist längst mit Ägisth liiert, einem alten Feind der Familie und als Agamemnon auch noch mit Kassandra, der Tochter des besiegten Trojanerkönigs Priamos, im Schlepptau antanzt („Ich hab dir was  Schönes vom Kleinasiaten mitgebracht“), ist das Maß voll und das Entspannungsbad des Königs findet durch das Beil seiner Gattin ein jähes Ende. Der erste Eimer Blut wird sodann in die Rinne gekippt, weitere folgen getreu den Gesetzen der griechischen Tragödie.

Dass die Klassiker der Antike Grundmuster der menschlichen Verhaltensweisen zeigen, macht sie so zeitlos. Es „menschelt“ beim hehren königlichen, aber auch göttlichen Personal, dass sich die Balken biegen und Wojtek Klemm ist nicht der Erste, der diese allgemein verbindliche Folie herausarbeitet und verdichtet. Dem unkundigen Zuschauer mag es Mühe bereiten, die Zusammenhänge der mythologischen Geschichte zu erkennen, eine entsprechende Vorbereitung ist nicht verkehrt. Doch offensichtlich (Dramaturg Lutz Keßler betonte dies  auch in der Einführung), sind diese nur modellhaft. Die Inszenierung streicht alle Exkurse und fokussiert den Blick auf die Themenfelder: Krieg, Rache, Vergeltung, Gerechtigkeit und Recht. Zehn Darsteller(innen) übernehmen die Rollen der handelnden Personen. Sie sind aber auch gleichzeitig Chor, kommentieren das Geschehen in der Tradition der antiken Chöre.

Die wuchtige Bühnenpräsenz entsteht durch die Ensembleleistung, durch die Kraft der durchchoreografierten Spannung. Denn der Regisseur lässt sich bei seinen Inszenierungen von seiner Frau unterstützen, der  Bewegungsspezialistin Efrat Stempler. Das erspart dröge Monologe und macht die Aktion zu einem lustvollen, körperbetonten Spektakel, das durchaus an Comics erinnert. Fast zu sehr, könnte man meinen. Die Gratwanderung driftet zuweilen in den Slapstick-Bereich – zumal der Humor ein eher norddeutscher ( „Hallo Mama – trippel, trippel“ – Otto lässt grüßen) ist.

Dennoch bleibt die Handlung letztlich seriös,  anschaulich und nachvollziehbar. Das ist nicht zuletzt das Verdienst des diszipliniert und wandlungsfähig mit vollem Körpereinsatz agierenden Schauspielteams. Im Vordergrund zunächst Katharina Rehn als Klytaimnestra, Thomas Prazak als Agamemnon, Sebastian Baumgart als Orest, alle auch Teil des Chors und in ständiger Wechselwirkung. Zum Schluss kommen die Götter ins Spiel: Apollon (Gerald Fiedler) und Athene (mit apartem Pagenschnitt der 20er Jahre: Natalie Hünig). Sie müssen nun entscheiden, ob Orest Schuld auf sich geladen hat, weil er den Mord an seinem Vater durch die Ermordung der Mutter gerächt hat, die Erynnien fordern seine Bestrafung. Apollon entschuldet ihn, doch Athene nimmt die Menschen in die Verantwortung und überträgt ihnen die Rechtssprechung selber – freilich nicht, ohne sich noch ein Veto offen zu halten.

Der Rechtsstaat, der dadurch faktisch entsteht, ist ein Meilenstein des menschlichen Zusammenlebens, eine wunderbare Chance, aber auch eine Last, denn er kann missbraucht und instrumentalisiert werden. Für den in Polen sozialisierten Regisseur liegt der Bezug zur Gegenwart nahe. Er lässt Orest zum Schluss Viktor Orban zitieren, der die Staatsform der „illiberalen Demokratie“  kreiert hat, die „am besten fähig ist, eine Nation erfolgreich zu machen“, weil sie jenseits aller Ideologien den „nationalen Ansatz“ als Grundprinzip bestimmt.

 



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