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Klavier-Konzert mit Julia Rinderle im Herrenhaus Bannacker

Am Samstag, den 15. September, veranstaltet das Herrenhaus Bannacker einen Konzertabend mit der Pianistin Julia Rinderle

Julia Rinderle Foto: privat

Die geborene Memmingerin ist studierte Musikerin und hat am Klavier bereits einige Preise gewonnen, wie den Kulturförderpreis der Rupert-Gabler-Stiftung oder den 1. Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb „Lia Tortora“ in Italien. Nachdem sie in ihrer noch jungen Karriere unter anderem bereits in den USA, in Südafrika und Israel auftrat, ist sie am 15. September ab 19.00 Uhr nun auch in Augsburg zu sehen. In einem Klavier–Rezital wird sie mehrere Stücke aufführen: W.A. Mozart: Klaviersonate a-Moll, KV 310 F. Schubert: Drei Klavierstücke, D 946 arr. F. Liszt: „Ständchen“, „Auf dem Wasser zu singen“, „Der Wanderer“ F. Schubert: „Wanderer Fantasie“, D 760.

Karten gibt es zu 20 Euro an der Abendkasse im Herrenhaus Bannacker.



Integrationspolitik

Weitere 1,2 Millionen Euro für Integration

Die EU fördert die Integrationsarbeit der Stadt Augsburg mit einem neuen Finanzpaket. Jetzt soll nicht mehr nur die Stadtverwaltung, sondern die gesamte Stadt für den Umgang mit Minderheiten sensibilisiert werden. 1,2 Millionen Euro stehen in den kommenden beiden Jahren dafür zur Verfügung.

Von Stefanie Schoene

OB Gribl: „Auf dem Rathausplatz gab es die wildesten Demonstrationen von Erdogan-Fans“ Foto: © DAZ

An die Basis begeben sich die inzwischen 14 Mitarbeiter des Migrationsbüros mit dem neuen Paket allerdings nicht. Wie das Migrationsreferat bei der Vorstellung des neuen EU-Förderprogramms „Zusammen leben in Augsburg“ (Zusa) erklärte, wird der größte Teil der 1,2 Millionen Euro an vier Kooperationspartner verteilt: Die Beratungsfirma Innovision Concepts, die Wirtschaftsplattform A hoch 3 und Tür an Tür. A hoch 3 wird sich weiter um den Bedarf des Arbeitsmarktes an internationalen Fachkräften kümmern, Tür an Tür Deutschkurse und die Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund ausbauen, und Innovision Concepts wird seine interkulturellen Seminare auf Unternehmen und unabhängige Institutionen ausweiten. Als Überraschungspartner steigt mit dem Textil- und Industriemuseum (TIM) erstmals ein kulturelles Schwergewicht der Stadt ein.

Anders als beim Vorgängerprojekt „Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg“ (Waka), das mit 900.000 Euro ausgestattet war, fließt das Geld jetzt nicht mehr hauptsächlich in die Schulung der Stadtverwaltung. Auch Volkshochschule, Bürger, hauptamtliche Sozialarbeiter, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sowie unabhängige Kultur- und Bildungsorte sollen jetzt in den Genuss von interkulturellen Seminaren kommen.

Strukturiert müsse die Integration ablaufen, erklärt Reiner Erben (Grüne) bei der Vorstellung des neuen Förderpakets. „Sonst stehen wir am Ende da wie in Chemnitz, wo die Bevölkerung nicht mitgenommen worden ist und jetzt einiges aus dem Ruder lief“, so Erben.

Ihr eigenes Team sieht die Leiterin des Migrationsbüros, Margret Spohn, als Moderatoren. Die Integrationsarbeit selbst könne besser „Experten“ übertragen werden, sagte sie bei der Vorstellung von Zusa. Im Projektantrag enthalten sind unter anderem eine weitere Stelle für das Büro, zwei für Tür an Tür und eine Teilzeitstelle für das TIM.

Einwanderer bringen jedoch nicht nur Betreuungsbedarf, sondern in den Herkunftsländern geprägte gesellschaftliche Identitäten und Rollenbilder mit in die Stadt. Diese kollektiven Gedächtnisse können eine kulturelle Fundgrube sein, aber auch Grund für Konflikte. Das TIM wird sich dieses Spannungsfelds ab Oktober annehmen. Unter dem Titel „Augsburg 20140 – urbane Utopien einer vielfältigen Stadt“ wird das Museum – frei nach Joseph Beuys – seine Räume ab Oktober zu einem Ort der „Dauerkonferenz“ organisieren, erklärt Direktor Karl Borromäus Murr. 

Grandhotel © DAZ

Vereine von Einwanderern, Integrations- und Behindertenbeirat, die Wirtschaftsjunioren, autonome Einrichtungen wie Lawclinic, Grandhotel oder das Wohnzimmer im Schwabencenter werden ab Oktober in Workshops debattieren und bis April künstlerische Prozesse, Objekte und Vorführungen erarbeiten. Das Theater konnte Murr bereits für sein Museums-Experiment gewinnen. Am 6. Oktober findet die Kick-Off-Veranstaltung statt und ab April werden die 1000 Quadratmeter im ersten Stock des TIM für ein halbes Jahr zum Ausstellungsraum, gerahmt von Konferenzen und Konzerten. „Wir werden die kulturelle Vielfalt zeigen und sie in die Megatrends unserer Zeit wie zum Beispiel Digitalisierung und Individualisierung einbetten“, erläutert Murr.

Die Stadt erhielt bereits zwischen 2015 und 2018 für die „Willkommens- und Anerkennungskultur Augsburg“ (Waka) 900.000 Euro aus den Fördertöpfen der EU. Verwendet wurde diese Summe hauptsächlich für interkulturelle Seminare innerhalb der Stadtverwaltung. Das Augsburger Unternehmen Innovision Concepts schulte in diesem Zeitraum 650 städtische Mitarbeiter. Außerdem beauftragte das Migrationsbüro die Ausbildung von Laien-Dolmetschern bei der Volkshochschule. Der zentrale Dolmetscher-Pool hat inzwischen 50 Einträge.

Insgesamt konnte das Migrationsbüro so seit 2014 aus verschiedenen öffentlichen Fördertöpfen 3,9 Millionen Euro für die Integration einwerben. In diesem Zeitraum war Augsburg auch Schauplatz aufgeladener antikurdischer, antiisraelischer und anti-Gülen-Demonstrationen, die mit türkischen Fahnen auf dem Perlachturm sowie mit „Allahu Akbar“- und „Todesstrafe“-Sprechchören endeten. 

Oberbürgermeister Kurt Gribl nahm damals kein Blatt vor den Mund. Erst letzte Woche erinnerte er in einem Zeit-Online-Interview daran: „Auf dem Rathausplatz gab es die wildesten Demonstrationen von Erdogan-Fans, die den Platz besetzt hatten. Das war befremdlich und hat mir gezeigt, dass es so weit mit der Tragfähigkeit unserer Integrationserfolge nicht her ist.“

Folgen hat diese Analyse bisher nicht. Angebote zur politischen und kulturellen Bildung, mit denen die Stadt insbesondere diesen jahrzehntealten Verwerfungen in der türkeistämmigen, aber auch Konflikten in der russischstämmigen Community begegnen könnte, sind nicht geplant. Dabei stellen diese beiden Gruppen, von denen die meisten heute Deutsche sind, mit beinah 50.000 Bürgern ein Sechstel der Augsburger Stadtgesellschaft. – Die Millionen für die Integration sind ein Segen, müssen aber in Form politischer Bildung unbedingt auch die alteingesessenen Minderheiten erreichen.



Tag des Denkmals

Fünffingerlesturm: Treppe fertig, Turm geöffnet

Der Fünffingerlesturm ist am kommenden Sonntag für die Öffentlichkeit wieder zugänglich

Sebastian Berz vor dem neuen Turmeingang Foto: © DAZ

Am Tag des offenen Denkmals (Sonntag, den 9. September) kann der Fünffingerlesturm wieder von innen besichtigt werden. Die Treppe, die direkt in die zweite Ebene des Turms führt, ist fertiggestellt, der Eingang ist ins Mauerwerk gebrochen und muss nur noch mit einer Stahl-Schiebetür versehen werden. Aktuell wird der Turm vom Taubendreck gesäubert, damit die Besucher, die über die umstrittene Treppe ins Turminnere gelangen, nicht zu sehr vom Geruch der Vergänglichkeit belästigt werden.

Als im November 2016 der Architekt Sebastian Berz zum neuen Vorsitzenden der Altaugsburg-Gesellschaft gewählt wurde, stand die Vollendung der Treppe am Fünffingerlesturm politisch und inhaltlich weniger belastet auf der Agenda. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Anne Voit sieht Berz nämlich kein großes Problem darin, dass der Treppenlauf entlang des gewaltigen Sockels, der die frühere Stadtmauer symbolisieren soll, nun von der Ostseite in den Turm führt. „Die Außentreppe ist nicht als historische Wirklichkeit angelegt“, so Berz zur DAZ auf Anfrage. Somit liegt die Treppe außerhalb der stilisierten Stadtmauer, die ursprünglich die Stadt vor feindlichen Truppen schützen sollte.

Vor knapp zehn Jahren wurde der Sockel der Treppe errichtet. Das Gesamtwerk stand im Fokus der Kritik, da eine Bürgerinitiative den Turm in seiner rätselhaften Historizität bewahren wollte und deshalb ein Bürgerbegehren anzettelte. Und schließlich zirka 12.000 Unterschriften gegen die Treppe sammelte, obwohl bereits eine Baugenehmigung für die Treppe vorlag. Das Bürgerbegehren wurde vom Stadtrat als unzulässig abgewiesen, die Treppe war aber längst zum Politikum geworden, da die CSU, Pro Augsburg und einige Einzelstadträte sowie der damalige Oberbürgermeisterkandidat Kurt Gribl der Argumentation der Treppengegner folgten.

Nach der Kommunalwahl 2008 gab es für die Treppe keine Mehrheit mehr im Stadtrat – und die neue Stadtregierung wehrte sich tapfer gegen die Fertigstellung der Treppe, gab dann aber im Bauausschuss vor zirka einem Jahr nach und genehmigte den Änderungsantrag. Die hochfliegenden Nutzungsabsichten der Altaugsburg-Gesellschaft sind ohnehin passé: Im Innern des Treppensockels soll keine Toilette mehr installiert werden, es sollen zwar immer wieder mal kleine Einzelausstellungen stattfinden, aber im Grunde, so Berz, soll der Turm selbst das Museum sein – und Aufenthaltsort für seltene Spezies: In den Erkern sind Schlafquartiere für Fledermäuse vorgesehen.



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