Wendejahre
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Bürgerproteste am Herrenbach

Stadt startet Baumfällungen trotz Blockade und Widerstand

Angekündigt wurde auf der Informationsveranstaltung vom Vorabend in Don Bosco, dass ab heute Morgen 7.00 Uhr die geplanten 34 Bäume am Herrenbach gefällt werden sollen. Bereits um 6.30 Uhr waren etwa 50 Bürger vor Ort, um gegen die Maßnahme zu protestieren. Private Sicherheitskräfte und etwa fünfzehn Polizisten sollten für Ordnung sorgen.

Von Johannes Meyer

Als um kurz nach sieben Uhr die Arbeiter anrückten, waren es fünf schwere Maschinen, die eigentlich in das Kanalbett einfahren sollten. Geschafft hat es ein Fahrzeug. Umweltreferent Reiner Erben, der neben Richard Goerlich und einigen Behördenvertretern anwesend war, versuchte, die aufgebrachten Demonstranten zu beruhigen.

Unter Anweisung von Richard Goerlich an Sicherheitskräfte und Arbeiter startete jedoch parallel zur Demonstration um 8.14 Uhr bereits die Fällung des ersten Baumes. Einige Demonstranten marschierten durchs Wasser in Richtung der Fällmaschine. Sie wurden von Polizisten in Gummihosen aus dem Wasser geholt. Eine Aktivistin hat versucht, sich einem Polizisten mit Pfefferspray zur Wehr zu setzen.

Inzwischen haben die Arbeiter mit schwerem Gerät das erste geschnittene Baummaterial aus dem Wasser abtransportiert.

Foto: Blockade am Herrenbach gegen städtisches Fällkommando (c) DAZ



Bürgerkritik: Stadtregierung in Erklärungsnot

„Bitte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“

Das Kommunikationsdesaster der Stadtregierung in Sachen „Baumfällungen am Herrenbach“ setzte sich gestern Abend bei einer Informationsveranstaltung der Stadt fort  

Von aufgebrachten Bürgern mussten sich am Montagabend im Pfarrsaal von Don Bosco Vertreter der Stadtregierung harte Kritik gefallen lassen. Bürgermeister Stefan Kiefer, Baureferent Gerd Merkle, Umweltreferent Reiner Erben und Stadtsprecher Richard Goerlich hatten einen schweren Stand und wurden phasenweise verlacht und ausgebuht, während Wortmeldungen und Vorträge der Bürger mit Applaus versehen wurden. Zirka 200 Bewohner des Herrenbach-Viertels brachten ihren Unmut über die geplanten Massenrodungen am Herrenbach zum Ausdruck und riefen zum aktiven Widerstand gegen die Fällungen von 34 Bäumen auf, die heute um 7 Uhr am Morgen beginnen sollen.

Man dürfe das Kind nicht mit dem Bade ausschütten sagte Dr. Dieter Knoll und erhielt dafür großen Zuspruch der anwesenenden Herrenbacher Bürger, deren Kritik sich an der plötzlichen Eile entzündete, mit der 96 gesunde Bäume zwecks Hochwasserschutz gefällt werden sollen, nachdem man viele Jahre nichts gemacht habe. Dass es für die Stadt zwischen „Stehenlassen und Fällen nichts dazwischen gibt“, wie es eine Bürgerin formulierte, ist der Kern der inhaltlichen Kritik, die im überfüllten Pfarrsaal lautstark zur Sprache kam.

Baureferent Gerd Merkle hielt dagegen, dass es beim Hochwasserschutz um „Leib und Leben geht“, während Umweltreferent Reiner Erben auf seine Hilflosigkeit verwies: „Ich kann zu den Fachleuten nicht sagen, ihr habt keine Ahnung, die Bäume bleiben stehen!“

Sichtlich mitgenommen nahmen anwesende Stadträte der CSU und der Grünen zur Kenntnis, dass es den Fachreferenten nicht gelang, die teils sachlich, teils hämisch vorgetragenen Einwände der Bürger zu entkräften.

Foto: Pfarrsaal Don Bosco: Bürger nehmen sich ihre Vertreter zur Brust (c) DAZ



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