Wendejahre
Maximilian I.
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„Staatstheater Augsburg“: Eine politische Willenserklärung mit Folgen

Das Augsburger Theater soll ein Staatstheater werden, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am heutigen Mittwoch in seiner Regierungserklärung im Landtag verkündete.

Die Nachricht schlug in Augsburg wie eine Bombe ein. Andre Bücker, Intendant des Augsburger Stadttheaters, zeigte sich von dem politischen Versprechen überrascht, während OB Kurt Gribl auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz davon sprach, dass es sich um eine große Aussage handle, aber um keine überraschende. Schließlich sei es kein Geschenk des Freistaates, sondern eine kulturpolitische Nachjustierung bei der Metropolregion Augsburg, die sich nun auf Augenhöhe mit Nürnberg befinde. Auf Fragen der Journalisten gab sich Kurt Gribl kurz angebunden, da man momentan nicht viel mehr anzubieten habe als eben den Satz, dass es sich um eine große Aufwertung der Stadt und der Region handeln würde.

Für den Augsburger Kulturpolitiker und Landtagsabgeordneten Bernd Kränzle (CSU) ist der heutige Tag ein „historischer Tag für die Stadt Augsburg“, aber man müsse nun dafür sorgen, dass man seitens der Stadt so schnell wie möglich Verhandlungen bezüglich der Umwandlungsmöglichkeiten einleite. Nun steht die Botschaft „Grünes Licht für Verhandlungen“, so Kränzle.

Der Augsburger SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller sieht die Ankündigung von Ministerpräsident Söder, das Augsburger Theater in ein Staatstheater umzuwandeln ebenfalls positiv: „Die Entscheidung ist richtig, obwohl sie nur dem nahenden Wahlkampf und der Angst vor dem Verlust der Macht geschuldet ist.“ Güller schlägt vor, das Augsburger Theater in ein reines, vom Freistaat getragenes Staatstheater wie in München, oder eine Stiftung Staatstheater wie in Nürnberg umzuwandeln. Bei der Stiftungsvariante würde der Freistaat mindestens 50 Prozent der laufenden Betriebskosten übernehmen. Mit dem Nürnberger Modell würde die Stadt Augsburg pro Jahr um mindestens vier Millionen Euro einsparen. Die Münchner Staatstheaterlösung würde die Stadt sogar um bis zu 16 Millionen Euro pro Jahr entlasten, so Güller, der stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Landtag ist. Güller bestand darauf, im Nachtragshaushalt die Gelder vor der Landtagswahl verbindlich zu verankern.

Aktuell sieht es so aus, dass der Freistaat ein Drittel der Bezuschussung übernimmt. Zirka 27 Millionen Euro benötigt das Augsburger Stadttheater pro Jahr für den laufenden Betrieb. 16 Millionen davon übernimmt die Stadt, acht Millionen der Freistaat, den Rest generiert das Theater über Kartenverkäufe.

„Wir werden den Freistaat beim Wort nehmen“, sagte Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, aber „wie bei der Uni-Klinik ein Stück weit liefern müssen“.

Foto: Theater Augsburg (c) DAZ



Halle 116 wird nicht in Denkmalliste aufgenommen

Die Augsburger Halle 116 wird nicht als Denkmal in die Bayerische Denkmalliste nachgetragen. Dies gab heute das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bekannt.

Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


„Ein Denkmal ist – so definiert in Art. 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes – eine vom Menschen geschaffene Sache aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.“ So das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in seiner heutigen Presseerklärung.

Die Untersuchung der Halle habe ergeben, dass diese besondere Bedeutung nicht (mehr) vorhanden sei: Gestaltung und Konstruktion würden im bayernweiten Vergleich mit ähnlichen Bauten nicht herausstechen; an vielen Stellen sei die Halle durch Umbauten stark verändert worden.

Weiter führt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege aus, dass die Halle 116 eine Ausnahmestellung innehabe, weil sie von Ende April 1944 bis Ende April 1945 zur Unterbringung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern genutzt wurde. „Die Häftlinge waren offenbar in den Fahrzeugkompartimenten des Mittelteils untergebracht, dieser Teil der Halle scheint dafür durch mobile Drahtzäune weiter unterteilt worden zu sein. Dieses Kapitel in der Geschichte der Halle hat jedoch keinerlei heute noch baulich fassbare Spuren hinterlassen.“

Weiter heißt es im Text: „Die Halle ist kein Denkmal im Sinne von Artikel 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes, die Schaffung eines Erinnerungsortes scheint jedoch auch aus Sicht des BLfD sehr sinnvoll. Für die geplante Einrichtung des Erinnerungsortes durch die Stadt Augsburg hat die Entscheidung des BLfD, die Halle nicht in die Denkmalliste nachzutragen, keine Konsequenzen.“



Eilmeldung: Augsburger Stadttheater soll Staatstheater werden

Markus Söder hat heute in München im Rahmen seiner Regierungserklärung angekündigt, dass das Augsburger Stadttheater zu einem Staatstheater umgewandelt werden soll.

Das stets klamme Augsburger Stadttheater, dessen großes Haus aktuell einer 200 Millionen Euro-Sanierung entgegensieht, würde somit zum dritten bayerischen Staatstheater neben Nürnberg und München werden. Für die Stadt Augsburg, die zirka 15 Millionen pro Jahr für den laufenden Betrieb des Theaters aus Haushaltsmitteln finanziert, würde diese Entlastung eine andere Kulturpolitik ermöglichen. Söders Regierungserklärung ist sechs Monate vor der Landtagswahl mit zahlreichen Versprechungen gespickt.

Vor Kurzem stellten die Freien Wähler im Bayerischen Landtag den Antrag, das Augsburger Theater in ein Staatstheater zu transformieren. Der Antrag wurde von der Seehofer-CSU abgelehnt. Welche Auswirkungen diese Entscheidung auf die Finanzierung der Augsburger Theatersanierung hat, ist derzeit nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Bericht folgt.



300 Millionen
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