Wendejahre
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FCA: Danso fällt lange aus

Das Verletzungspech beim FCA reißt nicht ab

FCA-Trainer Manuel Baum muss in den kommenden Wochen auf Abwehrspieler Kevin Danso verzichten. Der 19-jährige Österreicher hat sich im Spiel gegen die TSG Hoffenheim einen Teilriss der vorderen Syndesmose im rechten Sprunggelenk zugezogen. Wie lange der Abwehrspieler ausfallen wird, hängt vom Heilungsverlauf ab. Die Verletzung wird konservativ behandelt. – „Die Niederlage gegen Hoffenheim bekommt durch diese Verletzung einen weiteren bitteren Beigeschmack. Wir sind aktuell leider sehr vom Verletzungspech verfolgt“, sagt Trainer Manuel Baum. „Wer Kevin Danso kennt, der weiß, dass er in den kommenden Wochen alles tun wird, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden.“


Brechtfestival: Maxim Gorki Theater überzeugt mit „Dickicht“

Brechts „Dickicht“ als Gastbeitrag des Berliner Maxim Gorki Theaters im Rahmen des Augsburger Brechtfestivals überzeugt und beeindruckt, weil die Spannung und Sprachgewalt des Stücks hervortritt

Von Dr. Helmut Gier

Lea Draeger, Taner Şahintürk in "Dickicht" auf der Brechtbühne (c) Ute Langkafel

Lea Draeger und Taner Şahintürk in Brechts "Dickicht" auf der Brechtbühne (c) Ute Langkafel


Bei allem thematischen Überbau und ideologischem Tiefgang stellt es immer noch die vornehmste und wirksamste Aufgabe eines Brechtfestivals dar, dem Publikum die Begegnung mit herausragenden Künstlern, Ensembles und Inszenierungen zu ermöglichen. Im Falle des Gastspiels mit Brechts frühem Stück „Im Dickicht der Städte“ am 3. März 2018 trifft dies sowohl auf das Berliner Maxim Gorki Theater zu, das 2014 und 2016 mit der Ernennung zum Theater des Jahres geehrt wurde, wie auch auf den Regisseur Sebastian Baumgarten, der schon 2013 mit einer Brecht-Inszenierung zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden war. Die Voraussetzungen für einen besonderen Brechttheaterabend in Augsburg waren also gegeben, schade nur, dass die Aufführung in die kleine Spielstätte der Brechtbühne verlegt wurde, so dass viele Interessenten daran nicht teilhaben konnten.

Gespannt durften die Zuschauer, die eine Karte ergattert hatten, darauf sein, wie der Regisseur an das seit jeher als schwierigstes Stück Brechts geltende Schauspiel über den „Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago“ – so der Untertitel – herangehen würde. Dem langjährigen Leiter des Berliner Ensembles Manfred Wekwerth zufolge konnte es bis heute niemand so recht erklären, auch er selbst nicht. Zuschauer vieler Aufführungen verließen die Theater demgemäß oft sehr beeindruckt aber doch etwas ratlos. Brecht hat es immerhin den Ruf eingebracht, mit ihm auch noch ein Vorläufer des absurden Theaters gewesen zu sein.

Dabei sind in das hundert Jahre alte Stück, das 1923 uraufgeführt wurde, zahlreiche Ingredienzien gemischt, die es zu einem der aktuellsten Werke des Dichters machen: Homoerotik, Rassismus, auch Altersrassismus, Vereinzelung des Individuums in der Anonymität der Großstadt, Zerfall der Familie, Raubtierkapitalismus, Käuflichkeit von Liebe und Gesinnungen. Brecht verwebt diese Themen und Motive mit einer oft lyrischen, hochexpressiven Sprache in einen undurchsichtigen, chaotisch wirkenden Handlungsablauf, in dem die Fäden leicht verloren gehen können. Zu dieser Verrätselung hat Brecht später selbst noch beigetragen, indem er vom „unerklärlichen Ringkampf zweier Menschen“ spricht, über dessen Beweggründe der Zuschauer sich nicht den Kopf zerbrechen solle.

Wie im Regietheater üblich, peppt Sebastian Baumgarten das Stück mit Fremdtexten auf, immerhin meist Texte von Brecht selbst aus anderen Werken, so gleich schon zu Beginn, als die (alle wie Marionettenspieler anonym schwarz gewandeten) Schauspieler aus Wohnblocks auf die Bühne strömen und die Aufführung mit Passagen aus dem „Lesebuch für Städtebewohner“ beginnen, und damit das Motiv der großen Stadt in den Mittelpunkt stellen. Dem Einsatz von Fremdtexten stehen zwangsläufig Kürzungen im Originaltext gegenüber, so ist zum Beispiel die Rolle der Mutter George Gargas ganz gestrichen. Das sozialkritisch dankbare Thema des Zerfalls der Familie tritt damit etwas zurück, die Konzentration richtet sich ganz auf den Kampf der beiden Hauptfiguren.

Das Stück selbst beginnt in dieser Inszenierung als Farbfilm ohne Ton auf einer großen Leinwand. Vor der eigentlichen Theaterauführung wurde das ganze Stück als Stummfilm eingespielt, die Schauspieler auf der Bühne sprechen die Texte mehr oder weniger synchron live, sind mit dieser Trennung von Bild und Ton somit ihre eigenen Synchronsprecher, was durch die einheitliche schwarze Gewandung noch unterstrichen wird.

Der Film wird freilich immer wieder unterbrochen, dann spielen die Schauspieler auf der Bühne weiter. Ohne Perücken, Schminke und Bühnenbild sowie in einheitlicher Kleidung erzeugt dieses Spiel einen starken Kontrast zur expressiven Darstellung im Film mit seinem Hyperrealismus. Erzeugt wird damit ein doppelter Verfremdungseffekt im Auseinandertreten von filmischer Handlung und überhöhter Sprache des Sprechtheaters sowie überdrehter Filmschauspielerei und dem Spiel auf der Bühne, das ohne äußere Mittel ganz auf Gestik und Sprache vertraut. Diese starken Kontraste legen durchaus den Blick auf die Strukturen des Stücks frei, wirken über die ganze Spieldauer von 135 Minuten aber etwas ermüdend. Die hervorragenden Schauspieler, die zwangsläufig gegen ihre filmischen Verdoppelungen etwas klein wirken und gegen sie anspielen müssen, meistern diese schwierige Situation mit Bravour.

Zweifel sind aber angebracht, ob Sebastian Baumgarten bei der Besetzung der Rollen immer eine glückliche Hand bewies. Dies gilt vor allem für die Hauptfigur, den Holzhändler Shlink, „ein Malaie“. Yellowfacing ist heute genauso verpönt wie Blackfacing, so dass von der im Stück immer wieder betonten „gelben Haut“, der Herkunft aus dem Fernen Osten, auf der Bühne wie im Film nichts zu sehen ist. Hinzu kommt, dass dieser „Malaie“, wie im Original ausdrücklich gesagt wird, 54 Jahre alt ist. Thomas Wodianka, der als gut aussehender jugendlicher Held durchgehen würde, soll damit einen nach den Maßstäben der Zeit eher etwas hässlichen und schon älteren Asiaten vorstellen. Das wäre in Baumgartens Inszenierung insofern wichtig, als der einzige unmittelbare Gegenwartsbezug das Einspielen eines Films mit den fremdenfeindlichen Übergriffen auf die von Vietnamesen bewohnten Häuser in Rostock-Lichtenhagen im Jahre 1992 in der vorletzten Szene mit der Flucht Shlinks vor der Lynchjustiz der einheimischen Bevölkerung darstellt. Das ist gerechtfertigt, da der junge Brecht in der Tat die Hetzkampagnen und Massaker der europäischstämmigen Bevölkerung in den USA thematisiert, die zum Immigration Act von 1917 führen, mit dem alle Asiaten von der Einwanderung ausgeschlossen wurden.

Brechts „Dickicht“ ist ein sperriges, verstörendes, spannungsreiches und sprachgewaltiges Stück von hoher Aktualität. Die Ensembleleistung des Maxim Gorki Theaters hat diese Merkmale auf eindrucksvolle Weise hervortreten lassen. Die Auseinandersetzung mit Brechts dramatischem Frühwerk erfolgte auf hohem Niveau, was auch nicht anders zu erwarten war, sehenswert war die Aufführung allemal.



Jubiläum: Stadtarchiv zeigt historische Dokumente der Puppenkiste

Zum Jubiläum der Augsburger Puppenkiste zeigt das Stadtarchiv historische Dokumente

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Walter Oehmichen, Gründer des Marionettentheaters (Eintrag in der Jagdscheinkartei, 30. April 1942)


Unter der Rubrik „Das historische Dokument“ zeigt das Stadtarchiv in der Vitrine im Lesesaal eine Auswahl von Objekten aus seinem Bestand, die mit der Augsburger Puppenkiste in Zusammenhang stehen. Darunter befindet sich auch der von Rose Oehmichen unterzeichnete „Gastspielvertrag“ mit den Städtischen Bühnen aus dem Jahr 1948.

Am 26. Februar 1948 öffnete sich der Deckel der Puppenkiste in den Räumen des Heilig-Geist-Spitals zum ersten Mal vor dem Augsburger Publikum. In einem Gastspielvertrag wurden Unterhalt und Nutzung der Räumlichkeiten, Personalangelegenheiten und die Verwaltung der Einnahmen geregelt. Hierfür musste auch die Genehmigung der amerikanischen Militärregierung eingeholt werden. Der im Stadtarchiv ausgestellte Spielplan für die Jahre 1948 bis 1953 beweist, dass Oehmichens Marionettentheater von Beginn an eine Fülle verschiedener Aufführungen für ein breites Publikum bot.

Daneben können Besucher verschiedene Programmhefte – etwa zum „Räuber Hotzenplotz“ – sowie den Eintrag Walter Oehmichens in die Jagdscheinkartei der Stadt bestaunen. Das Stadtarchiv befindet sich Zur Kammgarnspinnerei 11 in 86153 Augsburg.


Konzert: Roth spielt Bach auf der Stradivari

Linus Roth spielt am 10. März Werke von Johann Sebastian Bach zugunsten des Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart 2019

Linus Roth

Linus Roth


Linus Roth zeigt erneut Präsenz in Augsburg: Am Samstag, 10. März, widmet er sich im Goldenen Saal der Musik des großen Thomaskantors und spielt drei seiner Werke für Violine solo. Bachs Musik ist für Linus Roth „etwas Einzigartiges und auch heute noch extrem Zeitgemäßes. Bach hat die Solosonaten und Partiten 1718 bis 1720 komponiert. Der Goldene Saal ist ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert, meine Stradivari aus dem Jahr 1703 – mehr Inspiration kann man sich nicht wünschen.“ Rahmen, Instrument und Musik bilden eine Einheit, Roths makelloses und beseeltes Spiel wird das Konzert zum Erlebnis machen.

Dass der brillante Geiger so viel Präsenz in der Mozartstadt zeigt, hat auch mit seiner neuen Funktion in Augsburg zu tun: Linus Roth spielt das Konzert zugunsten des 10. Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart 2019, dessen neuer Künstlerischer Leiter er ist. Das Geigenfest wird vom 31. Mai bis 8. Juni 2019 stattfinden, im 300. Geburtsjahr seines Namensgebers Leopold Mozart.

Konzertdaten: Samstag, 10. März 2018 – ab 19 Uhr Begrüßung und Einführung I 19.30 Uhr Konzert im Goldenen Saal des Rathauses Augsburg – Eintritt 35 / 25 Euro, ermäßigt 17,50 / 12,50 Euro, Tickets unter www.mozartstadt.de
Programm: Johann Sebastian Bach (1685-1750): Sonaten für Violine solo g-Moll BWV 1001 und C-Dur BWV 1005, Partita für Violine solo E-Dur BWV 1006.


Panther verlieren zum Saisonabschluss gegen Mannheim nach Penaltyschießen

Die Augsburger Panther haben die Spielzeit 2017-18 mit einer Niederlage vor heimischer Kulisse abgeschlossen. Gegen die Adler Mannheim unterlag der AEV mit 3:4 nach Penaltyschießen. Die Treffer für die Panther erzielten T.J. Trevelyan (28.), Jordan Samuels-Thomas (38.) und Mark Cundari (40.). Für Mannheim waren Sinan Akdag (4.), Matthias Plachta (12.), Andrew Desjardins (51.) und Garrett Festerling (66.) erfolgreich.

Mannheim trifft früh

Neben Michael Davies und Arvids Rekis fehlte auch Scott Valentine gegen die Kurpfälzer. Für ihn rückte Samuels-Thomas wieder ins Team. Im Tor schenkte Mike Stewart erneut Olivier Roy das Vertrauen, aber dieser musste sich früh ein erstes Mal geschlagen geben.

Der aufgerückte Akdag traf per Handgelenksschuss (4.). Die Führung war verdient, denn die Gäste taten mehr für das Spiel und ließen die Panther nur selten zur Entfaltung kommen. Nach dem Gegentreffer gelang es den Hausherren jedoch besser, das aggressive Pressing der Mannheimer auszuhebeln und so kam der AEV auch zu Chancen. Aber Drew LeBlanc (6.) und Matt White (7.) scheiterten an Dennis Endras im Tor der Quadtratestädter. Zudem ließ Trevelyan die beste Chance ungenutzt, als er nach einem Versuch von Steffen Tölzer den Nachschuss aus kurzer Distanz neben das Tor setzte (10.).

Adler legen nach und treffen Latte und Pfosten

Effektiver präsentierten sich die Gäste, die durch einen platzierten Schuss von Plachta ins kurze Kreuzeck auf 0:2 stellten (12.) und diesen Spielstand anschließend dank einer disziplinierten und forschen Spielweise in die erste Pause mitnahmen.

Im zweiten Durchgang hatten die Adler dann zweimal die große Chance auf den dritten Treffer, aber zuerst nagelte Andrew Desjardins den Puck nur an die Querlatte (21.) und kurz darauf traf Chad Kolarik nur den Pfosten (22.). Die Panther blieben somit mit etwas Glück im Spiel und wurden dann stärker. Endras konnte zwar mehfach den Anschlusstreffer verhindern, aber in der 28. Minute war es soweit. Daniel Schmölz scheiterte noch, aber Trevelyan stand goldrichtig und staubte zum 1:2 ab.

Panther drehen das Spiel komplett

Es ging nun hin und her mit Chancen auf beiden Seiten, aber jubeln konnten im Mitteldrittel nur noch die Panther. In Unterzahl traf Samuels-Thomas mit einem verdeckten Schuss ins lange Eck (39.) und kurz vor der zweiten Sirene kippte das Spiel sogar komplett. Nach Zuspiel von Evan Trupp umkurvte Cundari einen Gegenspieler, wurde behindert, aber traf im Fallen sehenswert ganz genau in den Knick zur erstmaligen Führung der Gastgeber (40.). Im Schlussdrittel drängten die Adler allerdings auf den schnellen Ausgleich und kamen auch zu guten Chancen. Zuerst scheiterte Desjardins am starken Roy (48.), der kurz danach auch einen Alleingang von Marcus Kink entschärfte (49.).

Mannheim gleicht aus

Und auch gegen Kolarik blieb der Augsburger Goalie Sieger (50.), aber in Überzahl gelang den Gästen der dritte Treffer. Nach einem Schuss von Plachta stocherte Desjardins den Puck über die Linie (51.). Es sollte der letzte Treffer in der regulären Spielzeit bleiben, auch wenn es noch einige Gelegenheiten auf beiden Seiten gab. Die beste vergab LeBlanc in der Schlussminute, als er aus kurzer Distanz an Endras scheiterte (60.).

Auch in der Overtime fiel kein Treffer und so musste das Penaltyschießen über den Zusatzpunkt entscheiden. Dort ging der AEV durch Trevor Parkes in Führung, aber Kolarik gelang der Ausgleich und Festerling entschied letztlich das Spiel.



Brechtfestival Literatur: Liebhaber auf der Barrikade

Michael Friedrichs beleuchtet die biographischen Hintergründe des jungen Brecht. Brecht als Schüler und dann als Student in München – das war die Zeit 1917-1919, die Michael Friedrichs im hoffmannkeller in seinem biographischen Streifzug unter die Lupe nahm.

Von Halrun Reinholz

Dr. Michael Friedrichs im hoffmannkeller (c) DAZ

Dr. Michael Friedrichs im hoffmannkeller (c) DAZ


Das Festivalmotto: „Egoismus versus Solidarität“ legte er hier an Brecht selbst an, der in der ungestümen Jugendzeit, die von wichtigen weltpolitischen Ereignissen überschattet war, seine Umgebung kritisch und nicht selten altklug kommentierte, aber auch das ganz normale, vielleicht deutlich hormongesteuerte Leben eines jungen Mannes führte.

Perspektive des Liebhabers

Es gab mehrere Gesichtspunkte, unter denen Brecht in dieser Zeit zu beurteilen war. Einmal die Perspektive des Liebhabers. Brecht hatte in jungen Jahren, wie man weiß, mehrere – mehr oder weniger innige – Liebschaften. Paula Banholzer, die „Bi“, die schon bald seinen Sohn Frank gebären sollte, war eine von sechs, die Michael Friedrichs für diese Zeit dokumentiert sah. Die Beziehung scheiterte, wie wir wissen, nicht (nur) an Brechts Egoismus, sondern an der Haltung des strengen Vaters von Bi. Das war aber nicht der Gegenstand von Michael Friedrichs, er suchte vielmehr Hinweise auf das Unstete und die Freude am Experimentieren – und wurde bei Brecht problemlos fündig. Interessant der Hinweis auf Hedda Kuhn, eine Kommilitonin in München, mit der er aus Verehrung für Frank Wedekind offenbar vereinbart hatte, dass sie beide ihren jeweils ersten Sohn Frank nennen würden. Das hat der 1932 geborene Sohn Heddas Frank Wollheim erst lange nach dem Tod seiner Mutter erfahren.

Der politische Brecht

Ein anderer Blickwinkel war der des politischen Brecht, der sich als junger Mann vor dem Kriegsdienst  durchaus auch trickreich (durch die Fälschung der väterlichen Unterschrift) gedrückt hat. Sein Pazifismus wurde schon in der frühen Jugendzeit manifest – und das nicht nur aus Eigennnutz. Ungeachtet der Begeisterung vieler junger Altersgenossen für den Ersten Weltkrieg schrieb Brecht schon 1914 ein Gedicht, wo er bereits auf das Leiden der Mütter von Soldaten aller Länder hinwies. Dank eines Herzleidens, das ihm als willkommener Vorwand diente, durfte er seinen „Kriegsdienst“ in einem Augsburger Lazarett ableisten. Ein verständnisvoller jüdischer Arzt, Freund seines Vaters, war sein Vorgesetzter. Es ist nicht ohne Ironie der Geschichte, dass Brecht diesen Dienst größtenteils in einer Abteilung für Geschlechtskrankheiten ableistet und dieses Erlebnis in Poesie fasst: „Die Morgen über den Syphilisbaracken sind hell und leuchtend“. Die Verbindung von Endzeitstimmung und sexueller Ausschweifung ist ein Phänomen, das durchaus auch das Augsburg im Erfahrungsraum Brechts tangierte. Michael Friedrichs zeigte auch ein Bild, das die fünf letzten Schüler in Brechts Abiturklasse zeigte, alle anderen waren beim Kriegsdienst oder bereits gefallen.

Ein weiteres Augenmerk von Friedrichs war auf die Revolution von 1918 gerichtet, die Brecht aufmerksam, aber nicht wirklich aktiv verfolgte. Aus den Eindrücken davon sollte später das Stück „Trommeln in der Nacht“ entstehen, dessen Arbeitstitel, passend zur Befindlichkeit Brechts in dieser Zeit, „Der Liebhaber auf der Barrikade“ hieß.

Anhand der reichlich vorhandenen Dokumente über die Biographie Brechts versuchte Friedrichs vor dem Hintergrund der lokalen Zeitgeschichte ein Porträt des jungen Dichters zu erstellen. Behilflich war ihm der Schauspieler Anatol Käbisch, der die Gedichte und Zitate  vortrug, während Friedrichs den biographischen Background dazu lieferte. Das Format ist nicht neu, Michael Friedrichs steuerte auch schon bei anderen Brechtfestivals seinen kundigen Kommentar zum Festivalthema in dieser unterhaltsamen und informativen Form bei. In München heißt ein ähnliches Format „Suchers Leidenschaften“. Monate davor ist das Prinzregententheater dafür ausverkauft. Michael Friedrichs Brecht-Abend steht dem qualitativ nicht nach, aber er ist nicht Sucher und der Hoffmannkeller war trotz Festival keineswegs voll belegt. Wer jedoch da war, konnte den jungen Brecht in seinem ganzen menschlichen Kosmos hautnah und authentisch erleben.



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