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Schüler demonstrieren wegen Unterfinanzierung der Schulen

Aufgrund der schlechten Ausstattungen an Bayerischen Schulen und den skandalösen baulichen Zuständen der Augsburger Schulen findet am 9. März eine große Schüler-Demonstration statt.

Die Schüler Augsburgs sehen sich seitens der Stadt Augsburg deutlich zu schwach unterstützt, da die Stadt „ihre Prioritäten in Theatern, Straßen und neuen Kundenzentren legt anstatt in die Bildung der nächsten Generation“, wie es in einer Pressemitteilung einer nicht näher definierten Schülergruppe heißt. Stoffvermittlung werde „von verschiedensten Faktoren gestört, wie zum Beispiel Baumängel, welche körperliche und psychische Schäden hervorrufen können, fehlende Medien die die Lernfähigkeit der Schüler einschränken, veraltete Mittel wie Bücher – Geschichtsbücher die schon selber Geschichte geschrieben haben – in denen wichtige, moderne Informationen fehlen, also Faktoren, die durch Unterfinanzierung bedingt sind.“

Aus diesem Sachverhalt heraus wollen Augsburger Schüler „in Aktion treten“ und eine höhere Finanzierung der städtischen Schulen fordern. Am 9. März 2018 ist ab 15 Uhr eine Kundgebung geplant: „Wir treffen uns am Moritzplatz und marschieren entlang des Königsplatzes über Theater und Rathaus bis zurück zum Moritzplatz. Ziel dabei ist, die Unterfinanzierung der Augsburger Schulen zu bekämpfen und unsere Bildung verbessern.“ So die Veranstalter der Aktion in ihrem Schreiben.

Foto: Schüler-Demonstrationszug in der Grottenau (c) DAZ-Archiv



Wengenroth muss weg!

Warum Wengenroths Fall zum „Fall Weitzel“ wird

Kommentar von Siegfried Zagler

Bazon Brock beharre auf monolithischer Diskussionsverweigerung und es sei zu überlegen, ob das ein Problem von alten Menschen ist, per se. Wengenroths Angriff auf das Alter entblößt den künstlerischen Leiter des Augsburger Brechtfestivals als einen Schwätzer, der Vermutungen darüber anstellt, ob ältere Menschen noch wissen, wie Kommunikation stattzufinden habe – auch wenn „Bazon“ griechisch für „Schwätzer“ steht, ist das Geschwätz nicht bei Herrn Brock auszumachen, sondern bei Patrick Wengenroth, der nicht nur pauschal ältere Menschen diskriminiert, sondern auch im Besonderen einen geladenen Gast des Festivals verunglimpft, wenn er ihm „Wissens-Chauvinismus“ unterstellt. – Als würde das nicht reichen, geht Wengenroth noch einen Schritt weiter, indem er davon ausgeht, dass eben „Wissens-Chauvinismus“ bestimmten Leuten gefallen würde. Vermutlich meint Wengenroth damit Personen, die seine persönliche Demarkationslinie überschritten haben und alt sind.

Nach dem Interview mit dem Deutschlandfunk muss man über Patrick Wengenroth kein Wort mehr verlieren, zumal unter seiner Leitung das Brechtfestival von einem Festival, das es unter der Ägide Lang immerhin war, zu langweiligen Brecht-Tagen verwandelt wurde. Zwei bis drei Gastspiele, eine Produktion des Augsburger Stadttheaters und das übliche Gedöns der Augsburger Kulturschaffenden mit einer Reihe von Palaver-Veranstaltungen zusammenzukleben, ergibt noch kein Festival oder zumindest eine Brecht-Veranstaltungsreihe, die über die Stadtgrenzen hinaus Interesse wecken könnte.

Der eigentliche Skandal besteht also nicht in dem belanglosen und bedeutungslosen Geschwätz von Wengenroth, sondern darin, dass ein Witz von einem Festival von den verantwortlichen Kulturpolitikern der Stadt goutiert wird. Steuergelder werden dafür ausgegeben, dass man sich an Brecht auf niedrigem Niveau erprobt. Das ist nicht hinzunehmen und müsste sofort unterbunden werden. Mit Wengenroth geht nämlich nicht nur das Brechtfestival den Bach hinunter, sondern auch die Kulturstadt Augsburg.

Und schon ist Kulturreferent Thomas Weitzel im Fokus, der Wengenroth nach Augsburg geholt hat – und nun dafür zu sorgen hätte, dass er wieder verschwindet. Doch damit ist nicht zu rechnen. Thomas Weitzel wird vermutlich nichts unternehmen, nichts zurechtrücken oder Wengenroth in die Wüste schicken, denn Weitzel ist ein ängstlicher Kulturreferent, der als „Gutachter-Referent“ in die Stadtgeschichte eingehen wird und politisch bestenfalls als ewiges Greenhorn einzuordnen ist.

Weitzel hat das Desaster namens Wengenroth politisch zu verantworten. Sollte er Wengenroth schützen wollen, hätte Augsburg einen erstklassigen kulturpolitischen Skandal abzuarbeiten. Seit Sonntag, den 25. Februar 23.17 Uhr, als sich Wengenroth im Deutschlandfunk als Diskriminierer und Nachtreter outete, sind nun fast 93 Stunden vergangen, ohne dass die Stadt sich zu diesen unsäglichen Aussagen positioniert hat. Das ist beschämend und ein weiteres Indiz dafür, wie niedrig in Augsburg die Sonne der Kulturpolitik steht.



Gregor Gysi: Demokratie muss wieder attraktiv werden

Gregor Gysis Theaterpredigt über Kunst, Religion und die Grenzen des Kapitalismus

Von Halrun Reinholz

Gysi auf der Kanzel von St. Anna (c) DAZ

Gysi auf der Kanzel von St. Anna (c) DAZ


Die „Theaterpredigt“, die seit dem Beginn dieser Spielzeit zu jeder Premiere eine prominente und kompetente Person des öffentlichen Lebens auf die Kanzel von St. Anna oder St. Moritz holt, hat die Aufgabe, Kunst und Religion zusammenzuführen, in ihren Wechselwirkungen auszuloten und damit auch die gesellschaftliche Relevanz von Kunstwerken, wie sie auf der Bühne dargeboten werden, zu thematisieren. Aus Anlass des Brechtfestivals und der Premiere des Brecht-Stücks „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ gab es eine besonders hochkarätig besetzte Theaterpredigt: Gregor Gysi war der angekündigte „Prediger“. Er sorgte dafür, dass die Annakirche schon weit vor Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt war.

Die aktuelle Augsburger Fatzer-Inszenierung hatte Gysi nicht gesehen, er erinnerte sich lediglich an die Inszenierung aus den 70ern von Heiner Müller im Berliner Ensemble. Deshalb ging er auch nicht weiter auf Einzelheiten  von Fatzer ein, sondern baute seine Ausführungen auf die Kernfrage des Brechtfestivals, das Verhältnis von Egoismus und Solidarität in der Gesellschaft und die Rolle, die Brecht dabei spielt. Wenn er auch damit kokettierte, dass „Politiker immer von Dingen reden, von denen sie nichts verstehen“,  zeigte sich den Zuhörern doch erwartungsgemäß ein Gregor Gysi, der – wie es sich für einen DDR-Sozialisierten gehört – sich bei der Beurteilung der gesellschaftlichen Relevanz von Brecht durchaus auf vertrautem Terrain befindet.

In diesen Zeiten, befand er, sei Brecht wieder „sehr modern geworden“, genau wie Marx, mit dessen Ideen man sich ungeachtet der real existierenden Traumata in Osteuropa zu Recht wieder auseinandersetzt. Auch Brecht erlebte die Desillusionierung der marxistischen Realität in der Sowjetunion und den Ländern des Ostblocks und bezeichnete Stalin mit der ihm eigenen Ironie als „verdienten Mörder des Volkes“. Umso mehr experimentierte er mit den utopischen Zügen des Marxismus, der damit wiederum Anklänge an das Religiöse hatte.

Die Auflösung des Dilemmas der Vermittlung sozialer Widersprüche glaubte Brecht im epischen Theater gefunden zu haben, wo der Zuschauer eine aktive Rolle spielte, statt sich mit idealen Figuren zu identifizieren. Er appelliert damit an die menschliche Vernunft, die die Balance zwischen Egoismus und Solidarität herzustellen imstande sein muss. Doch Gysi zweifelt daran, dass dieses marxistische Grundvertrauen in die menschliche Vernunft die Probleme der Welt zu lösen imstande ist. Die Widersprüche und Diskrepanzen sieht er in der heutigen globalisierten Welt sichtbarer denn je und die Typen, wie sie im Fatzer vorkommen, sind immer noch dieselben: Die Schwäche des Egoisten Fatzer lässt seinen Gegenspieler Koch hochkommen. Ein zunächst „heiliger“ Zweck bedürfe unheiliger Mittel, um „heilig“ zu sein und verliert dadurch seine Legitimation. Gysi schlägt den Bogen zur  gesellschaftlichen Realität des Kapitalismus, der einiges leisten kann, etwa eine florierende Wirtschaft garantieren oder Kunst und Forschung fördern. Was Kapitalismus seiner Ansicht nach nicht kann, ist: Kriege verhindern, soziale Gerechtigkeit sichern oder für ökologische Nachhaltigkeit sorgen. Hier versagen die Mechanismen, die auf Verkauf und Gewinn programmiert sind. Auch Demokratie ist aus der Perspektive des Kommerziellen unattraktiv, der ideelle Wert, den sie in repressiven politischen Systemen noch hatte, droht bei den nur über den Kapitalismus sozialisierten Generationen verloren zu gehen.

Als Fazit seiner Predigt mahnte Gysi, dass Demokratie wieder als Wert attraktiv werden müsse. Im übrigen stelle sich in der heutigen Zeit die Kernfrage, wie man vom Kapitalismus das übernehmen kann, was er für eine funktionierende Gesellschaft zu leisten imstande ist, ohne die Nachteile dessen, was er nicht kann. Gastgeberin Susanne Kasch, Stadtdekanin von St. Anna, hakte da ein und bekannte, dass genau dieser Spagat eines der wichtigsten Anliegen der kirchlichen Sozialarbeit sei.

Flankiert wurde die Gastpredigt auch diesmal wieder mit passenden künstlerischen Darbietungen. Diesmal natürlich Brecht. Ensemble-Mitglied Anatol Käbisch, der auch im „Fatzer“ mitspielt, hatte zwei der bekannten sozialkritischen Brecht-Songs im Gepäck: „Die Ballade vom Wasserrad“ und  den „Kälbermarsch“, die er mit Begleitung des Pianisten Piotr Kaczmarczyk interpretierte. “Freilich dreht das Rad sich immer weiter, dass, was oben ist, nicht oben bleibt.“