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FCA vs. VfB Stuttgart: Kein „Schwabenderby“, sondern ein ungleiches Duell

Am heutigen Sonntag (15.30 Uhr) steht in der Augsburger WWK Arena ein ungleiches Duell an.

Der FC Augsburg empfängt den VfB Stuttgart. Die Stuttgarter haben alles, wovon der FCA nur träumen kann: ein treues Publikum, ein großes Stadion (mit knapp 56.000 Zuschauern pro Spiel einen doppelt so hohen Schnitt wie der FCA), einen hochkarätigen Sponsor und schließlich eine nominell starke Mannschaft, die in der Winterpause von Sportvorstand Michael Reschke auf die Schnelle mit Mario Gomez und Erik Tommy verstärkt wurde. Tommy kam vom FCA zu den Stuttgartern, die im Gegensatz zu den Augsburgern tatsächlich Schwaben sind, während sich die Fans des FCA diese regionale Signatur nur einreden („Wir sind aus Augsburg, wir sind aus Schwaben, rot, grün, weiß sind unsere Farben“).

So ungleich die strukturellen wie finanziellen Voraussetzungen zwischen dem VfB und dem FCA auch sein mögen – die Tabelle bildet das schon lange nicht mehr ab. In der Tabelle steht der FCA auch aktuell weit vor den Schwaben, die auch im direkten sportlichen Vergleich mit den Augsburgern alt aussehen: Von den letzten acht Partien gewann der FCA sieben, die Hinrundenpartie dieser Saison endete mit einem 0:0 Unentschieden. Der VfB mag unerschöpfliches Potential haben, sportlich erfolgreicher ist der FCA. Entgegengesetzt proportional verlaufen auch die Zielsetzungskurven der beiden Klubs: In Augsburg will man nicht absteigen, in Stuttgart auf die vorderen Tabellenplätze. Wenn – wie in Gelsenkirchen, Hamburg und Stuttgart – zwischen Anspruch und Wirklichkeit große Lücken klaffen, dann werden diese mit zahlreichen Trainern kaschiert. Zehn Trainer gaben sich in den vergangenen vier Jahren beim VfB die Klinke in die Hand. Vor Kurzem musste Hannes Wolf für Tayfun Korkut weichen.

Auch darauf, dass der VfB in der Vorsaison in der Zweiten Liga kicken musste, gibt FCA-Trainer Manuel Baum wenig: „Der VfB Stuttgart hat richtig viel Qualität, besonders im Sturm. Das Team hat unglaublich viel Erfahrung, viele deutsche Nationalspieler. Ich sehe uns nicht in der Favoritenrolle, es wird ein hart umkämpftes Spiel. Wir müssen hoch aggressiv spielen und immer absichern.“

PlatzMannschaftSpieleS-U-NTorePkt.
1.FC Bayern München 31 25-03-03 84:22 (+62) 78
2.FC Schalke 04 31 16-08-07 49:35 (+14) 56
3.Borussia Dortmund 31 15-09-07 61:41 (+20) 54
4.Bayer 04 Leverkusen 31 14-09-08 55:41 (+14) 51
5.1899 Hoffenheim 31 13-10-08 60:44 (+16) 49
6.RB Leipzig 31 13-08-10 47:47 (0) 47
7.Eintracht Frankfurt 31 13-07-11 41:40 (+1) 46
8.Borussia Mönchengladbach 31 12-07-12 42:48 (-6) 43
9.Hertha BSC 31 10-12-09 38:35 (+3) 42
10.VfB Stuttgart 31 12-06-13 29:35 (-6) 42
11.FC Augsburg 31 10-10-11 40:40 (0) 40
12.Werder Bremen 31 09-10-12 34:38 (-4) 37
13.Hannover 96 31 09-09-13 38:47 (-9) 36
14.VfL Wolfsburg 31 05-15-11 30:40 (-10) 30
15.1. FSV Mainz 05 31 07-09-15 32:49 (-17) 30
16.SC Freiburg 31 06-12-13 26:51 (-25) 30
17.Hamburger SV 31 06-07-18 24:48 (-24) 25
18.1. FC Köln 31 05-07-19 31:60 (-29) 22
Baums Wahrnehmung bezüglich des starken VfB-Sturms relativiert sich womöglich, da Gomez zuletzt an einer Erkältung litt. Sollte Gomez seinen grippalen Infekt nicht auskuriert haben, dürfte vermutlich Gentner in die Mitte. Pikant wäre es, wenn Tommy, der zuletzt zweimal beim VfB in der Startelf stand, gegen den FCA in Hochform auflaufen würde, da Tommy ein dribbelstarker Offensiv-Typ ist, der in Augsburg merklich fehlt. Beim FCA fehlen weiterhin die verletzten Gouweleeuw, Finnbogason und Marco Richter. Nach dem eher bescheidenen Auftritt in Leipzig ist beim FCA damit zu rechnen, dass in der fast ausverkauften WWK-Arena die „Frankfurter Elf“ beginnt: Hitz – Framberger, Danso, Hinteregger, Max – Morvavek, Baier – Heller, Koo, Caiuby – Gregoritsch. Denkbar ist auch die defensivere Variante: ohne Heller, dafür mit Khedira in der Abwehrkette.

Wegen des Schneefalls muss nicht befürchtet werden, dass das Spiel ausfällt. Man habe die Situation im Griff, so das Statement des FCA, der heute in ein fifty-fifty-Spiel geht. Ein Augsburger Sieg und am Lech könnte man sich weiterhin über das FCA-Management amüsieren, das auch mit 34 Punkten aus 23 Spielen das Augsburger Mantra („nur nicht absteigen“) vorbeten würde.



„Göttinnendämmerung hat längst begonnen“

Andrea Nahles machte gestern auf ihrer Pro-GroKo-Tour in Augsburg halt und kritisierte Kanzlerin Angela Merkel und Augsburgs OB Kurt Gribl scharf. Mit einer durchgängig emotional gehaltenen Rede versuchte die designierte Bundesvorsitzende und aktuelle Berliner SPD-Fraktionschefin für eine Große Koalition im Bund zu werben.

Andrea Nahles in Augsburg (c) DAZ

Andrea Nahles in Augsburg (c) DAZ


Es gehe nun mit dem abgeschlossenen Koalitionsvertrag, der eindeutig von einer sozialdemokratischen Handschrift geprägt sei, darum, eine kraftvolle Erneuerung der SPD durchzusetzen. Für die Sicherung von Arbeitnehmerrechten und Sozialstaat könne man auf eine starke SPD nicht verzichten, so Nahles vor 400 Zuhörern in der Augsburger Kälberhalle.

„Was wir jetzt brauchen, ist Kraft, dass wir Politik für die Menschen machen können.“ Auch als „Motor für ein soziales Europa“ sei die SPD unverzichtbar. „Dafür werde ich schuften“, schrie Nahles ins Publikum, darunter zahlreiche GroKo-Gegner, die von Nahles ignoriert wurden. Nahles skandalisierte den alles zersetzenden „chinesischen Staatskapitalismus“ in Deutschland und wetterte gegen Google, Facebook und Amazon, die Rechte der Arbeitnehmer unterliefen und kaum Steuern in Deutschland zahlen würden.

„Hey, und ich sage euch: Die Göttinnendämmerung hat längst begonnen“, rief Nahles ins Publikum: Gemeint war Angela Merkel, die für Nahles die Hauptverantwortung dafür trage, dass es in Deutschland soziale Ungerechtigkeiten und Missstände bei der Rente und der Pflege gebe.

Deshalb sei es auch so bedeutsam, dass bei der anstehenden SPD-Mitgliederbefragung für den mit der Union ausgehandelten Koalitionsvertrag gestimmt werde. Da sei nämlich Substanz dran, schließlich habe man aus Sicht der Sozialdemokratie eine Menge Erfolge herausgehandelt, wie zum Beispiel den Sachverhalt, dass man nicht mehr um sein selbstgenutztes Wohneigentum fürchten müsse, wenn man Sozialhilfe beantrage. Zusätzlich sei die Grundrenten-Regelung verändert worden, sodass viele Rentner nicht mehr über das Sozialamt aufstocken lassen müssten.

Am Ende ihrer Rede brachte Andrea Nahles die Augsburger SPD-Stadträte, die OB Gribl an der Rathaus-Regierung beteiligte, in Verlegenheit, als sie eben auf Oberbürgermeister Kurt Gribl losging, der, so Nahles in verächtlichem Tonfall, bei den GroKo-Verhandlungen eine „tragende Rolle gespielt hat“. Kurt Gribl habe im Zusammenspiel mit Bernd Althusmann verhindern wollen, dass selbstgenutztes Wohneigentum nicht mehr verrechnet werden dürfe, wenn man Sozialhilfe beantrage.

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Andrea Nahles (l.) und Margarete Heinrich, Fraktionschefin der Augsburger Rathaus-SPD - im Hintergrund Augsburgs SPD-Chefin Ulrike Bahr und der SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller (c) DAZ


„Ohne Scheiß, sozialen Wohnungsbau wollten sie gar nicht verhandeln“, so Nahles. Doch das habe eben die SPD verhindert, indem sie 1,5 Millionen neue Sozialwohnungen rausverhandelt habe. Dies hätte man gegen Hemmschuh Gribl/Althusmann durchsetzen müssen, so Nahles. Die „Modernisierungsumlage“ bezeichnete Nahles als Konzept zur „Luxussanierung“. Deshalb habe die Sozialdemokratie eine Absenkung dieser Umlage durchgesetzt.

Von den Augsburger SPD-Stadträten und einem Großteil der Zuhörerschaft erhielt Nahles warmen Applaus. Lediglich von SPD-Ordnungsreferent Dirk Wurm erhielt sie standing-ovations. Die anwesenden GroKo-Gegner machten sich zwar optisch und akustisch bemerkbar, waren aber an diesem Abend in der Minderheit.



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