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Gute Typen, aber wenig Leben

Theater Augsburg bringt die deutsche Erstaufführung des israelischen Stückes „Ein Kind träumt.“

Von Halrun Reinholz

Das Kind träumt (c) Jan-Pieter Fuhr

Das Kind träumt (c) Jan-Pieter Fuhr


Eine Konstellation, die einem Schauer über den Rücken treibt: In ein idyllisches Familienleben mit einem friedlich schlafenden Kind schlägt unvermittelt und ohne Vorwarnung der Terror ein. Machtspiele, Grausamkeit, der Vater wird vor den Augen des Kindes erschossen. Eine Situation, die so oder ähnlich in der Geschichte tausendfach vorkommt. Bewusst verzichtet der israelische Autor Hanoch Levi auf eine Festlegung in Zeit und Raum und konzentriert sich darauf, Mechanismen aufzuzeigen. So zumindest die Intention des Stückes laut Vorankündigung. Ein großartiger Ansatz, der sein Versprechen jedoch nicht einlösen kann.

Ob es das Stück nicht hergibt oder die Inszenierung von Antje Thoms, ist schwer zu sagen. An den Schauspielern liegt es jedenfalls nicht. Natalie Hünig und Andrej Kaminsky als Gegenspieler („Kapitän“) gaben als einzige „Handelnde“ die beiden Handlungspole überzeugend. Auch das “Kind“ (Amelie Rettenbacher) kam gut mit der doch sehr statisch angelegten Rolle zurecht. Den anderen Figuren (Patrick Rupar, Daniel Schmidt, Sebastian Baumgart, Katharina Rehn, Marlene Hoffmann) fallen unterschiedliche Typen-Rollen zu, die für die Handlung nicht immer nachvollziehbar sind. Dadurch erhält die eigentlich sehr spannungsgeladene Konstellation eine undramatische Beliebigkeit, wird das Rollenspiel zur Klamotte mit weiß bemalten Gesichtern, ein Clowns-Spiel.

Schade um die verschenkte Chance mit höchster aktueller Brisanz. Die Situation des Schiffes, das der Kapitän nach willkürlichen Kriterien belegen kann, ist von höchster Aktualität – aber sie war es auch vor über 70 Jahren, als die vor den Nazis Flüchtenden sich auf die Schiffe nach Übersee retten mussten. Die Parallelitäten blitzen immer wieder auf, verlieren sich aber im Ungefähren. Bewegend ist das leider nicht, wie der Inhalt versprechen machen will. Eher ein Wirrwarr von Figuren und Gestalten, die ohne Programmheft nicht wirklich zugeordnet werden können: „Mann der Logik“, „Auf die Lebenden Neidischer“, „Begeisterter Reisender“, „Zahnloser“ – das sind die Typen, die für das Geschehen naheliegend sind, jedoch keine Emotionen ansprechen. Auch wenn das Kunstblut reichlich floss an diesem Abend, die Schauer wollten sich nicht einstellen.



CFS: Erfolg für Stadt im Rechtsstreit mit Architekten

Bundesgerichtshof weist Nichtzulassungsbeschwerde zurück. Damit ist die Frage nach der Verantwortung beim CFS-Desaster juristisch geklärt: Sie liegt bei den Architekten und nicht bei der Stadt.
Die Akte CFS - Bautafel: Nicht die Stadt, sondern die Architekten waren verantwortlich

 CFS - Bautafel: Nicht die Stadt, sondern die Architekten waren verantwortlich (c) DAZ


Mit Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH), das Rechtsmittel der Revision zurückzuweisen, ist das Urteil des Landgerichts Augsburg rechtskräftig, wonach die Architekten den Umbau des Curt-Frenzel-Stadions (CFS) fehlerhaft geplant haben. Das Verfahren über die Höhe des Schadensersatzanspruchs wird demnächst fortgesetzt. – Im Rechtsstreit um den Umbau des Curt-Frenzel-Stadions hat die Stadt Augsburg somit ein wichtiges Etappenziel erreicht. Wie bekannt, hat die Stadt wegen der fehlerhaften Planung des CFS-Umbaus 2012 Klage gegen die ursprünglich mit dem Bau beauftragten Architekten erhoben.

Das Landgericht Augsburg hat im November 2014 entschieden, dass die Ansprüche der Stadt „dem Grund nach“ berechtigt sind. Zu klären war demnach die Frage, ob den Architekten Fehlleistungen anzulasten sind. Über die Höhe des der Stadt zustehenden Anspruchs ist seinerzeit nicht entschieden worden.

Gegen diese Entscheidung haben die Architekten Berufung eingelegt, die das Oberlandesgericht München im September 2015 zurückgewiesen hat. Dagegen haben die Architekten wiederum eine so genannte Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingereicht. Mit Beschluss vom 10. Januar 2018 hat der BGH auch dieses Rechtsmittel zurückgewiesen.
Umbau wurde fehlerhaft geplant

CFS Baustelle Nov 2010 (c) DAZ

CFS Baustelle Nov 2010 (c) DAZ


Damit hat die Stadt Augsburg ein wichtiges Etappenziel erreicht: Die Feststellung des Landgerichts Augsburg, wonach die Architekten fehlerhaft geplant haben, ist rechtskräftig. Die Höhe des Schadensersatzanspruches, der nun der Stadt zusteht, ist noch unklar. Das Verfahren wird daher vor dem Landgericht Augsburg demnächst fortgesetzt. Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl zeigte sich erleichtert, dass die seitens der Stadt von Anfang an vertretene Rechtsauffassung bestätigt worden ist. „Das bedeutet, dass die gegen die Stadt und die WBG/AGS erhobenen schweren Vorwürfe unberechtigt waren und damit vom Tisch sind. Die Verantwortung für den Planungsfehler liegt bei den Architekten und nicht bei der Stadt“, so Gribl. Der damalige WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe, Sportreferent Peter Grab, Baureferent Gerd Merkle und OB Kurt Gribl standen damals im Fokus der Kritik und mussten (besonders von den AEV-Fans) öffentliche Schuldzuweisungen ertragen. Mit der Zurückweisung der letzten Rechtsmittel darf nun von „einem Freispruch erster Klasse“ die Rede sein.

Höhe des Schadensersatzanspruchs wird verhandelt

Wie hoch der Schadensersatzanspruch ausfällt, hängt von einer Reihe vielfältiger technischer Fragen zum Sachverhalt ab. Sollte es zu keiner gütlichen Einigung kommen, wird der Großteil dieser Fragen durch einen oder mehrere vom Gericht zu beauftragende Sachverständige geklärt werden müssen. Wegen der Komplexität der Fragen, die vom Landgericht Augsburg noch zu klären sind, kann die Dauer des Verfahrens zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.