Wendejahre
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Neujahrskonzert »I Got Rhythm!« im Festspielhaus Füssen

Am 13. Januar spielen die Augsburger Philharmoniker zum letzten Mal das Neujahrskonzert »I Got Rhythm!« im Festspielhaus Füssen

100 Jahre alt wäre Leonard Bernstein 2018 geworden. Ein Grund mehr, das neue Jahr mit einem Konzert beginnen zu lassen, das ganz dem symphonischen Jazz, dem klassischen Musical und der amerikanischen Oper des frühen 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Arien und Duette aus Gershwins »Porgy and Bess« werden ebenso wenig fehlen wie Ausschnitte aus Bernsteins »West Side Story«, Duke Ellingtons »Nutcracker Suite«, Songs wie »The Sound of Music« von Richard Rodgers und »Ol’ Man River« von Jerome Kern oder berühmte Melodien aus Cole Porters Musical »Anything goes«.

Die Augsburger Philharmoniker spielen unter der Leitung ihres 1. Kapellmeisters Lancelot Fuhry, es singen mit Jihyun Cecilia Lee, Roman Poboinyi und Stanislav Sergeev drei junge neue Mitglieder des Augsburger Opernensembles. Beginn: 19.30 Uhr. Karten sind über das Festspielhaus Füssen erhältlich.

Gesang: Jihyun Cecilia Lee (Sopran), Roman Poboinyi (Tenor), Stanislav Sergeev (Bass)

Augsburger Philharmoniker

Musikalische Leitung Lancelot Fuhry


Alarm im Gaswerk beim zweiten Augsburger Tatort

Das Augsburger Gaswerk eignet sich hervorragend als Schauplatz für das mysteriöse Geschehen beim „Tatort“

Von Halrun Reinholz

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Kai Windhövel, Sebastian Müller-Stahl, Roman Pertl (v.l.) Foto von Jan-Pieter Fuhr (c)


Folge II: Unter spannenden Umständen hat das Theaterpublikum Gelegenheit, das neue Kulturareal zu erkunden: Man wird zunächst von einem Maitre d`hote edel empfangen, mit Glühwein bewirtet und an Tischen platziert. Danach folgt eine Filmvorführung, denn die Geschichte spielt vor genau 100 Jahren, „als die Bilder laufen lernten“. Und als der Erste Weltkrieg gerade in seine heiße Phase eintrat und die Opfer der Zivilbevölkerung immer grotesker wurden („Gold gab ich für Eisen“). Dieser ernste Hintergrund, Auslöser auch für die Proteste und Revolten im Jahr 1918, ist die Blaupause für die Satire, mit der im Augsburger Tatort alles Hehre durch den Kakao gezogen wird.

Das Format hat schon was von „Dinner-Krimi“: Etwa hundert Zuschauer helfen den “überforderten“  Kommissaren bei der Suche nach einer Bombe, die vor der Detonation entschärft werden muss. Davor zeigen in einem professionell auf alt gemachten Film Ute Fiedler, Linda Elsner und Patrick Rupar, warum Verzicht auf Delikatessen in Kriegszeiten wichtig ist. Der Bombenalarm hat aber eher zivilen Charakter und wirkt dadurch wieder heutig.

Die Bombe muss nun gefunden und unter Zeitdruck entschärft werden, was im Dämmerschein von Laternen bei den Zuschauern dennoch Heiterkeit auslöst. Die beiden Komissare Kai Windhövel und Sebastian Müller-Stahl übertreffen sich mit klugen Sprüchen und kommandieren den Hausmeister Köpke (Roman Pertl) und den Filmvorführer Eugen Herrbrecht (Anatol Käbisch) ganz schön herum. Auch der „feindliche“ britische Klavierspieler (Theodore Ganger) liefert passende Gags. Und darum geht es offenbar hauptsächlich bei dem Format: Vergnügliche Unterhaltung mit einem geografisch passenden Plot.

Im Gegensatz zum ersten Tatort ist die Logistik diesmal deutlich einfacher – kein Bustransfer ist notwendig, alles fußläufig erreichbar und das Gruseln im Dunkeln stellt sich ohne weiteres Zutun ein. Dass sich unter den „Hilfssherriffs“ fleißige Helfer(innen) befinden, die die Technik zur richtigen Zeit aktivieren, ist Teil des Formats und zeigt den Aufwand, der trotz technischer Hilfsmittel getätigt werden muss. Regisseur David Ortmann hat sich einiges einfallen lassen. Zu Recht, wie sich zeigt, denn die weiteren Vorstellungen sind so gut wie ausverkauft.



Bananenröckchen zur Weihnachtszeit

Die neue DAZ-Rubrik „Das geht gar nicht“ soll auf Missstände, Vergessenes oder Verborgenes hinweisen, in der Stadt Augsburg gibt es davon reichlich. Heute senkt sich das Haupt vor dem Vogeltor zur Weihnachtszeit.

Genau weiß man es heute nicht mehr, warum das Vogeltor „Vogeltor“ heißt. Seit 1374/75 ist an dieser Stelle ein Tor mit Brücke aufgezeichnet. 1445 wurde dieses Tor abgerissen und möglicherweise auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Konrad Vögelin ein neues errichtet, eben das heutige Vogeltor, dessen gotisches Durchgangsgewölbe selbst den Fliegerbomben der Allierten standhielt. Neben der Benennung nach dem Auftraggeber könnte der Name aber auch von einem Vogelfänger stammen, der von 1403 bis 1409 das alte Tor bewohnte.

Als hätte man dem Vogeltor unter den Rock gegriffen: Augsburger Denkmalpflege am Vogeltor

Als hätte man Josephine Baker unter den Rock gegriffen: Augsburger Denkmalpflege am Vogeltor (c) DAZ


Wann es anfing, wer damit anfing und was der Denkmalschutz davon hält oder warum Heimatpfleger Hubert Schulz deshalb nicht Alarm schlägt, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit, wenn sich die Bewohner der Städte enthemmt im Konsumrausch befinden, ist alles erlaubt: mit Würstchen- und Ramschbuden zugestellte Plätze und Straßen und öffentliche Dauerberieselung mit Erbauungsmusik, die neben dem üblichen Kaufzwang eine wochenlange Apathie auslöst und somit gefährliche Familienzusammenführungen ermöglicht.

Wer will sich also in der sogenannten „stillen Zeit“ darüber aufregen, dass das Vogeltor jedes Jahr zur Weihnachtszeit – von wem auch immer veranlasst, einen zu kurzen Rock verpasst bekommt? Ein Lichterkettenrock, der mehr an Josephine Bakers Bananenrock erinnert als an Weihnachtsschmuck, ist am Vogeltor zwar so überflüssig (und so hässlich) wie ein Kropf, aber im Krieg und zur Weihnachtszeit ist, wie gesagt, alles erlaubt.

Ein leuchtender Bananenrock ist nichts Aufregendes, auch dann nicht, wenn ihn ältere Damen tragen müssen, wie unser Wehrturm, der ursprünglich maskulin ist, aber von der Augsburger Verwaltung ein paar Wochen im Jahr eine Geschlechtsumwandlung ertragen muss. Sturmtief „Burglind“ hat nun das Kleidungsstück zersaust, sodass Augsburgs Bananenröckchen das historische Gemäuer freilegte, das es doch festlich überdecken sollte.

Mit dem Ablegen des Bananenrocks ging gestern die stille Zeit zu Ende. Das Vogeltor ist wieder nackt, man muss sich nicht mehr schämen, doch es bleibt nur wenig Zeit zur Entspannung – der Fasching naht.



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