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Filmkritik: „Die letzten Jedi“ – Ein Versuch, die Vergangenheit loszulassen

Star Wars: „Die letzten Jedi“ ist nicht mehr wirklich Star Wars – Und das ist gut so

Achtung Spoiler, wer sich also die Spannung nicht nehmen lassen will, sollte zuerst den Film sehen, dann die Kritik lesen

Von Thomas Laschyk

Meine Hauptkritik an Episode VII war, dass es zu sehr an den Thematiken, Strukturen und Dynamiken der alten Filme festhielt, und dadurch sehr berechenbar wurde – Mehr ein Remix, als eine Fortsetzung. Ich war begeistert, dennoch war es lediglich das Gleiche in alter Verpackung. „Die letzten Jedi“ hat es aber anders gemacht.

Die Erwartungen waren hoch – Wird der zweite Teil der neuen Trilogie ebenfalls die alten Filme widerspiegeln? Die Elemente sind da – Die Rebellen sind wieder auf einer Flucht vor den Bösen, unsere Heldin ist auf der Suche nach einem legendären Jedi-Meister auf einem abgeschiedenen Planeten und der Antagonist will wieder Luke Skywalker finden (und mehr). Jedoch schafft es der Film gleichzeitig, Zuschauer nicht nur einmal zu überraschen und die Erwartungen ständig zu durchkreuzen.

Einige Fans fühlen sich deswegen auch verraten, was ich durchaus verstehe – Snoke stirbt so antiklimatisch? Leia stirbt vermeintlich, dann jedoch doch nicht? Luke stirbt so unmotiviert (wenn auch großartig in Szene gesetzt)? Doch auch wenn ich mich als Fan „verletzt“ fühle, so applaudiere ich Regisseur Rian Johnson. Star Wars ist dieses Jahr 40 geworden, und neben den Filmen gab es unzählige Bücher, Filme, Spiele und Comics, in denen die alten Muster und Dynamiken unzählige Male wiederholt worden sind. Und auch wenn das meiste davon nicht mehr Kanon ist, so haben wir das alles schon mal gesehen, auch in Filmen in der Tradition Star Wars. Und ein weiteres Mal müssen wir das wirklich nicht sehen.

„Die letzten Jedi“ nimmt Elemente, Tropen und Szenen, aber macht etwas Neues daraus. Und auch wenn es sich teilweise nicht wie ein „echter Star Wars anfühlt“ und teilweise auch suboptimal umgesetzt wurde, so ist es doch genau das, was das Franchise gebraucht hat.

Gute schauspielerische Leistung, gutes Drehbuch, gute erzählerische Richtung und – ein wenig überraschend – guter Humor machen den Film sehenswert. Was Johnson versteht, ist Spannung und Erwartung aufzubauen, um dann alles plötzlich niederzureißen. Da wirft Luke unförmlich das Lichtschwert einfach über die Schulter, da stirbt Snoke, der vermeintliche Hauptbösewicht, einfach so oder das typische Selbstmordkommando der Rebellen, das in der letzten Sekunde zum Sieg führen soll, scheitert auch (endlich?) mal. Das alles kann man hassen, und das tun sicherlich auch einige, aber es ist die größte Stärke des Films, dass er uns auf neue Wege führt.

Abgesehen davon, dass viele Elemente aus den alten Filmen neu und frisch umgesetzt wurden, ist der Film voller neuer, großartiger Bilder und Charaktere, wie Vice Admiral Holdo (Laura Dern) oder Rose Tico (Kelly Marie Tran), die uns auch einmal Leute aus der zweiten Reihe zeigen, oder aber auch Benicio del Toros namenloser Charakter, der es exzellent schafft, die bisher klischeehaft gezeichneten Grenzen zwischen Gut und Böse zu verwischen. Obwohl er nicht als solcher gedacht war, funktioniert der Film auch als schöner Abschied von Carrie Fisher, die nach dem Ende der Dreharbeiten traurigerweise verstarb und auch nicht durch CGI im nächsten Film zu sehen sein wird, obwohl sie dort ursprünglich eine zentrale Rolle spielen sollte.

Der Film ist natürlich nicht ohne Enttäuschungen, einige Plotstränge bleiben liegen oder besitzen ein paar zu offensichtliche Lücken, Charakterdynamiken bleiben unterentwickelt und das Tempo kommt gegen Ende ins Stottern. An mehreren Stellen hatte man das Gefühl, dass ein Ende kommen würde. Es ist immerhin der längste Star Wars Film bisher und das merkt man. Auch wirken manche Szenen eher lächerlich und gezwungen, was jedoch durch andere optisch, musikalisch und emotional perfekt komponierte Szenen mehr als ausgeglichen wird.

„Die letzten Jedi“ ist kein Film ohne Fehler, jedoch eine würdige und mutige Fortsetzung, mit großartigen Emotionen, einigen der atemberaubendsten Szenen der Filmreihe und nicht nur einer Überraschung für die Zuschauer, die noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Eines der Hauptmotive des Film ist die Vergangenheit und der Versuch, sie loszulassen. Kylo Ren lässt seine Meister und Familie zurück, Rey verabschiedet sich von ihren völlig unbedeutenden Eltern (großartige Entscheidung!), Luke macht Frieden mit seinen Fehlern und den der Jedi. Poe lernt die Tugenden der Zurückhaltung und Finn, nicht wegzurennen.

Und der Genre-Film selbst lernt ebenfalls, seine Vergangenheit loszulassen und neue, eigene Wege zu gehen und die Fackel an die nächste Generation weiterzugeben, ohne sich vom zu sehr von Vorangegangenem leiten zu lassen. ——————–

Thomas Laschyk hat Master Internationale Literaturen in Augsburg studiert. Der gebürtige Augsburger bloggt über politische Themen auf „Der Volksverpetzer“ und ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Faktenchecker von Mimikama. Foto: privat



„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!“

Mit einer Kundgebung in der Augsburger Innenstadt zeigten etwa 120 Menschen am gestrigen Samstag Solidarität mit Geflüchteten.

Den Anlass für die vom Augsburger Flüchtlingsrat organisierte Kundgebung gab die verheerende Situation und völkerrechtswidrige Politik an den europäischen Außengrenzen. Zudem kritisierten die Redner die deutsche Ausgrenzungspolitik, den ausgesetzte Familiennachzug und die Abschiebeflieger nach Afghanistan und Pakistan. Auf der Kundgebung wurden sowohl die düsteren Seiten der aktuellen Situation beleuchtet als auch die Solidarität mit Geflüchteten in den Mittelpunkt gerückt.

Redner des Flüchtlingsrates, der Augsburger Helferkreise und einer Ärztinnenorganisation kamen ebenso zu Wort wie Anne-Kathrin Kapp-Kleineidam, Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche Göggingen sowie eine Angehörige der unlängst aus Augsburg abgeschobenen Familie aus dem Kosovo. Deren Bericht über den kollektiven Suizidversuch infolge der Abschiebung der Familie legte in erschütternder Weise das Leid der von Abschiebungen Betroffenen offen. Flankiert wurde der Vortrag von einer medizinischen Einschätzung der gesundheitlichen Folgen des andauernden Verharrens in Angst vor Abschiebung.

„Peter Höll vom Augsburger Flüchtlingsrat sezierte die unmenschliche und verlogene Politik der EU an den Außengrenzen, die immer öfter auch nicht davor zurückschreckt, Bündnisse mit zwielichtigen Staatschefs oder Milizen einzugehen“, wie es in einer Pressemitteilung des Augsburger Flüchtlingsrats heißt. Anlass zur Hoffnung würde die ungebrochene Solidarität unzähliger Augsburger geben, die sich trotz der rauen gesellschaftlichen Lage nicht von einer konsequenten und nachhaltigen Unterstützung Geflüchteter abbringen ließen und für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft eintreten. So berichtete etwa Pfarrerin Kapp-Kleineidam vom neu gegründeten Verein matteo – Kirche und Asyl, der sich für die Integration und Aufnahme in Kirche und Gesellschaft stark macht und sich auf den zentralen Satz des Matthäus-Evangeliums bezieht: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!“ (Matthäus 23,35).

Isabella Geier gab stellvertretend für die Augsburger Helferkreise ein Zeugnis der beständigen ehrenamtlichen Integrationsarbeit und prangerte zugleich das Verhalten der Stadtverwaltung an, die engagierter dem Anspruch »Friedensstadt« nachkommen solle.     —-  Foto: privat



FCA: Finnbogason-Finale mit Happy End

Mit einem Dreierpack sorgte Augsburgs Torschütze vom Dienst Alfred Finnbogason im letzten Spiel  der Bundesliga-Hinrunde vor 26.345 Zuschauern in der heimischen WWK-Arena für einen versöhnlichen Abschluss der englischen Woche. Durch das glückliche 3:3 Unentschieden gegen den FC Freiburg, das erst in der Nachspielzeit erzwungen wurde, überwintert der FCA auf einem einstelligen Tabellenplatz und darf sich weiter zu Höherem berufen fühlen.

Von Udo Legner

Im Unterschied zum Mittwochsspiel auf Schalke standen Rani Khedira (für den verletzten Kevin Danso) und Marcel Heller (für Ja-Cheol Koo) in der Augsburger Startelf. Noch vor dem Anpfiff kam – wie schon beim Auftaktspiel der englischen Woche gegen die Berliner Hertha – in den FCA Fan-Blöcken etwas Unmut auf, da die Seitenwahl nicht das erwünschte Ergebnis ergab.

Fulminanter Auftakt durch Finnbogason

Doch spätestens nach 56 Sekunden war dieser Frust vergessen, denn Finnbogason schloss gleich den ersten Angriff mit der 1:0 Führung für den FCA ab. Der Freiburger Caglar Söyüncü verpasste Caiubys Pass in den Strafraum und Augsburgs isländischer Torschütze verwandelte im zweiten Versuch zur Blitz-Führung für den FCA. In der Folge spielten die Augsburger wie aus einem Guss. Durch frühes und energisches Pressing erstickten sie den Freiburger Spielaufbau schon im Keim und schnürten die Streich-Schützlinge in deren Hälfte ein. In der 9. Minute  verblüffte Michael Gregoritsch die Augsburger Fans, da er – ganz entgegen seiner Gewohnheit – das Kunststück fertigbrachte, eine hundertprozentige Torchance nach herrlicher Hereingabe von Philipp Max allzu leichtfertig zu vergeben. Völlig frei und unbedrängt schaffte es der Augsburger Goalgetter, den Ball aus kürzester Distanz über das Freiburger Gehäuse zu setzen.

Abgebrühte Freiburger

Das Finnbogason-Rätsel: 90 Minuten ohne Tor - und dennoch drei Treffer erzielt

Das Finnbogason-Rätsel: 90 Minuten ohne Tor - und dennoch drei Treffer erzielt - Foto (c) Siegfried Kerpf


So kam es, wie es bestimmt nicht kommen musste. Nach einer Viertelstunde war es mit dem Augsburger Traumfußball erst einmal vorbei. Die Freiburger fanden mehr Räume und spielten sich frei. Mit ihrer allerersten Torchance markierten sie gleich den Ausgleichstreffer (20. Min.) Nach einem Konter stand Christian Günter nach schnellem Antritt und schöner Kombination auf der linken Seite völlig unbehelligt vor FCA-Keeper Marwin Hitz und erzielte das 1:1 für die abgebrühten Kicker aus dem Breisgau. Bis zur Pause verlief die Partie ausgeglichen, wobei die Augsburger noch Glück hatten, dass der Franzose Yoric Ravet nicht mehr aus seinen Chancen (32. und 40. Min.) machte.

Fazit zur Halbzeit: Nach furiosem Start, in dem es der FCA versäumte, die Führung auszubauen, verlor der FCA mehr und mehr den Faden und ließ die Freiburger ins Spiel kommen.

In der zweiten Hälfte war vom Augsburger Angriffswirbel der ersten Viertelstunde nur noch wenig zu sehen. Nur sporadisch kamen die Augsburger gefährlich vor das Freiburger Tor und konnten auch aus den vielen Standards (Eckball-Verhältnis 11:4 für den FCA) kein Kapital schlagen. Dass dies auch anders geht, zeigten die Freiburger, die gleich mit ihrer ersten Ecke (49. Min.) und durch einen Kopfball ihres Knipsers  Nils Petersen die 2:1 Führung markierten. In der anschließenden Drangphase des FCA sorgten die Elfmeter-Entscheidung des Unparteiischen Christian Dingert und der überstrapazierte Videobeweis für den größten Aufreger.

Frust und Lust in den Schlussminuten

Nach einem Foul an dem ansonsten enttäuschenden Marcel Heller durch Söyüncü (59. Min.) zeigte der Referee zuerst auf den Elfmeterpunkt, bis er – nach langen unheilvollen Minuten – seine Entscheidung revidierte und auf Handspiel von Finnbogason und Freistoß für Freiburg im Mittelkreis entschied. Der Frust unter den FCA Fans übertrug sich auf das Augsburger Team, dessen Defensive bei einem Freiburger Konter, den Nils Petersen mit der 3:1 Führung für Freiburg abschloss, jegliche Cleverness vermissen ließ. So schien es, als hätte sich der FCA durch fahrlässiges Vergeben seiner Chancen in der ersten Phase der Partie und durch undiszipliniertes Abwehrhalten selbst auf die Verliererstraße gebracht.

Als drei Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, hatten sich schon viele gefrustete FCA-Fans von ihrem FCA abgewandt und auf den Heimweg begeben. Doch dann belohnte Alfred Finnbogason (und natürlich der gerechte Fußballgott) all die, die ihrem FCA auch in dieser Notlage treu zur Seite standen.

Denn endlich war es vorbei mit der Augsburger Magerkost. In der ersten und letzten Minute der Nachspielzeit strafte der vielgeschmähte Finnbogason – dem so mancher Fußballexperte die Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte – seine Kritiker ein ums andere Mal Lügen. Mit seinen zwei Kopfballtoren vermasselte er den Freiburgern ihr Fußballfest, die sich freilich trotz Finnbogasans Dreier hochzufrieden und mit einer Ausbeute von sieben  Punkten aus der englischen Woche auf die Heimreise an die Dreisam begeben konnten.

And the dream goes on

Nach diesem Unentschieden in letzter Sekunde steht der FCA – nach der Pokal-Pleite in der ersten Runde und verpatztem Bundesliga-Auftakt als Abstiegskandidat Nr. 1 gehandelt – mit 24 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz: mit neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und bereits doppelt so vielen Punkten Vorsprung auf den Tabellenletzten aus Köln. Im ersten Spiel der Rückrunde gegen den Tabellenvorletzten aus Hamburg, das bereits am 13. Januar (15.30 Uhr) steigt, wird man sehen, wohin die Reihe des FCA geht. Dass der Abstand nach oben – auf die Plätze, die nach Europa führen – viel geringer ist als der Abstand auf die Abstiegsplätze, stimmt zuversichtlich. Angesichts der wie geschmiert laufenden Torfabrik – lediglich vier Teams erzielten in der Hinrunde mehr Tore als der FCA – scheint vieles möglich und wenig unmöglich.

Zur Erinnerung: In der bislang erfolgreichsten Bundesligasaison 2014/2015, die den FCA im Folgejahr bis an die Anfield Road nach Liverpool führte, verbuchte der FCA am Ende 49 Punkte.

FCA: Hitz – Max, Gouweleeuw, Hinteregger, Opare – Baier, Khedira – Caiuby, Gregoritsch, Heller – Finnbogason.

Einwechslungen:

23. Min Framberger (für Opare),

71. Min Cirdiva (für Heller),

76. Min Schmid (für Khedira).



Malzeit
300 Millionen
Buergerbueros