Grenzgänger
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

FCA vs. Freiburg: Fußball ist ein Spiel, das man nicht verstehen kann

Der FC Augsburg erkämpft sich im letzten Spiel der Bundesliga-Hinrunde gegen den SC Freiburg ein 3:3-Unentschieden. Vor 26.345 Zuschauern in der Augsburger WWK-Arena erzielte Alfred Finnbogason bereits nach 56 Sekunden die Führung der Augsburger (1.), doch Christian Günter (20.) und Nils Petersen (48./65.) drehten das Spiel zugunsten der Gäste – dachte jeder im Stadion, da der FCA in der Schlussphase nur noch mit langen Bällen operierte und kaum noch einen strukturierten Angriff zustande brachte. Doch dann nickte Finnbogason noch zwei Flankenbälle aus kurzer Distanz zum 3:3-Endstand ein (90./90.+3).

PlatzMannschaftSpieleS-U-NTorePkt.
1.FC Bayern München 31 25-03-03 84:22 (+62) 78
2.FC Schalke 04 31 16-08-07 49:35 (+14) 56
3.Borussia Dortmund 31 15-09-07 61:41 (+20) 54
4.Bayer 04 Leverkusen 31 14-09-08 55:41 (+14) 51
5.1899 Hoffenheim 31 13-10-08 60:44 (+16) 49
6.RB Leipzig 31 13-08-10 47:47 (0) 47
7.Eintracht Frankfurt 31 13-07-11 41:40 (+1) 46
8.Borussia Mönchengladbach 31 12-07-12 42:48 (-6) 43
9.Hertha BSC 31 10-12-09 38:35 (+3) 42
10.VfB Stuttgart 31 12-06-13 29:35 (-6) 42
11.FC Augsburg 31 10-10-11 40:40 (0) 40
12.Werder Bremen 31 09-10-12 34:38 (-4) 37
13.Hannover 96 31 09-09-13 38:47 (-9) 36
14.VfL Wolfsburg 31 05-15-11 30:40 (-10) 30
15.1. FSV Mainz 05 31 07-09-15 32:49 (-17) 30
16.SC Freiburg 31 06-12-13 26:51 (-25) 30
17.Hamburger SV 31 06-07-18 24:48 (-24) 25
18.1. FC Köln 31 05-07-19 31:60 (-29) 22
Der FCA begann wie die Feuerwehr, schoss das schnelle 1:0 und presste intensiv und extrem hoch. In der Anfangsphase wussten die Freiburger nicht, wie ihnen geschah, da sie nicht ins Spiel fanden und kaum Luft zum atmen hatten, da der FCA in den ersten 15 Minuten die Räume bereits in der Freiburger Hälfte dergestalt dicht zustellte, sodass den Breisgauern keine einzige nennenswerte Spieleröffnung gelingen sollte. Nach zirka 20 Minuten ließ das Pressing der Augsburger deutlich nach und der SC Freiburg zeigte sich zunehmend handlungschnell, strukturierter und ballsicherer als die Augsburger. So ging die 3:1-Führung der Gäste nach 65 Minuten auch vollkommen in Ordnung. Als die Zuschauer bereits frustiert in Scharen abwanderten, kam Finnbogason mit Köpfchen. Ausgerechnet Alfred Finnbogason, möchte man sagen, verwandelte mit seinen beiden Kopfbällen ein bereits verloren geglaubtes Spiel in einen gefühlten Sieg. Wer nun sagt, er könne das Resultat erklären, hat ein taktisches Verhältnis zur Wirklichkeit des Fußballs. Ein Spielbericht von Udo Legner folgt am Sonntag nach dem Kirchgang.

Auf bemerkenswerte Vorkommnisse, die für Unmut auf den Rängen sorgten, soll an dieser Stelle aber in einem Kurzkommentar hingewiesen werden.

Erstens hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren, wie viele Zuschauer tatsächlich im Stadion sind, was nicht möglich ist, wenn der FCA stets so tut, als wären alle Dauerkartenbesitzer anwesend. Zweitens regte sich Marwin Hitz in der 68. Minute zurecht maßlos darüber auf, dass er von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, als er einen Ball trotz einem 1:3-Rückstand ins Seitenaus spielte, statt den Ball mit mehr Risiko im Spiel zu halten. Der Kredit der FCA-Fans scheint sich schnell aufzubrauchen. Drittens ist es bemerkenswert, dass bereits während des Prozederes des Videobeweises nicht nur beide Fanlager, sondern auch viele Zuschauer auf der Gegengerade in die Schmähgesänge gegen den DFB einstimmten. Als dann der klare Elfmeter wegen eines unklaren Handspiels, wovon niemand im Stadion etwas mitbekommen hatte, nicht gegeben wurde, erhoben sich die DFB-Schmähgesänge (beider Fanlager!) zu einem Orkan.

Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, die Einwände gegen die aktuelle Videobeweis-Praxis sind berechtigt und die Verachtung der Stadionbesucher für den DFB nachvollziehbar. So macht der DFB den Fußball kaputt. Der Videobeweis muss in der Winterpause abgeschafft werden. Ein Neustart mit einem klaren, einfachen und für den Stadionbesucher nachvollziehbaren Regelwerk muss mit dem Aus in der Winterpause nicht ausgeschlossen werden. Doch nach den ersten 17 Runden gilt nur der Imperativ: Weg mit dem Mist! (Siegfried Zagler)



Neuer Standort für Süchtigen-Treff: CSU stimmt unter Vorbehalt zu

Der CSU Ortsverband Oberhausen spricht sich für den alternativ vorgeschlagenen Standort direkt am Helmut-Haller-Platz aus und fordert zugleich zahlreiche Verbesserungen für das Stadtviertel.

Oberhauser Bahnhof - Im Vordergrund die ehem. Apotheke, wo der neue Süchtigen-Treff verortet werden soll

Oberhauser Bahnhof - Im Vordergrund die ehemalige Apotheke, wo der neue Süchtigen-Treff verortet werden soll


Der neu vorgeschlagene Standort für den Süchtigen-Treff in einer ehemaligen Apotheke direkt am Bahnhofsvorplatz wird vom Vorstand des CSU Ortsverbandes Oberhausen begrüßt. „Es freut uns, dass das Ordnungsreferat nun endlich unseren Vorschlägen folgt und einer sozialen Betreuung der Alkohol- und Drogenszene am Helmut-Haller-Platz zustimmt. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Szene nicht inmitten eines Wohnviertels, sondern direkt am Platz betreut werden sollte“, so der Ortsverbandsvorsitzende Thomas Lidel.

Wichtig sei es allerdings, weiterhin die Anwohner effektiv vor Gewalt, Lärmbelästigungen und Verschmutzungen zu schützen. Zusätzlich müsse der Platz endlich nachhaltig entwickelt werden. „Die vielen Versprechungen, die bei den Informationsveranstaltungen in der Vergangenheit gemacht wurden, müssen jetzt eingehalten werden“, so Lidel, der darauf hinweist, dass die Oberhauser ein Recht darauf hätten, dass attraktive Umgestaltungen des Bahnhofsvorplatzes sowie eine Verbesserung der Situation im Hettenbach-Park und am Wertachufer vorangebracht werden müssen.

Der CSU Ortsverband Oberhausen sieht jedoch Teile des Konzepts eines alternativen Betreuungsangebotes kritisch. Es müsse Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden, anstelle weiterer Anreize in der Sucht zu verharren zu schaffen. Das Ziel ist es, die Szene zu verkleinern und nicht mehr Süchtige an den Platz zu locken. Dieses Ziel dürfe nicht aus den Augen verloren werden.



Vom „Meilenstein eines Gesamtkonzeptes“ zum Senkblei eines Ordnungsreferenten

Das Ende des Süchtigen-Treffs in der Dinglerstraße: Warum Wurms Aktionsmus´ krachend gescheitert ist und gleichzeitig neue Probleme aufwirft

Kommentar von Siegfried Zagler

Branderstr.60 Ecke Grafstr.:Der neue Standort für den Süchtigen-Treff?

Branderstr.60 Ecke Grafstr.: Der neue Standort für den Süchtigen-Treff?


Was für ein Theater, was für eine Blamage! Mit dem Aus für das Projekt „Süchtigen-Treff Dinglerstraße“ hat sich die Stadtregierung und die Stadt Augsburg bis auf die Knochen blamiert. 50 Projekte wurden in Augenschein genommen, 20 wurden geprüft, zwei kamen in die engere Auswahl, dann die Entscheidung für die Dinglerstraße, die Ordnungsreferent Dirk Wurm lange geheim hielt, weil es Proteste seitens der Anwohner gab.

Kein Wunder: Die ausgesuchte Immobile ist ein Wohnhaus, in dem in den Obergeschossen zwei Familien mit jeweils zwei Kindern wohnen. Sie sprachen sich vehement gegen das Projekt aus. In diesem Moment hätte man mit ein wenig Verantwortungsgefühl und mit ein paar Gran politischer Vernunft von diesem Standort absehen müssen. In unmittelbarer Nähe der Dinglerstraße befinden sich zwei Kindertagesstätten (Kitas), eine Schule (Martinschule) und direkt gegenüber eine Unterkunft für Asylbewerber. Keine drei Gehminuten von der Dinglerstraße entfernt befindet sich das Wertachufer, wo sich vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein eine jugendliche Trinker- und Drogenszene trifft. An jeder vierten Ecke (gefühlt) befindet sich eine Bier- und Schnapskneipe, deren Kundschaft ebenfalls nicht leicht zu nehmen ist.

Kurzum: Dirk Wurm wollte mit aller Macht einen Süchtigen-Treff in ein Wohnhaus mit Kindern einrichten, das in einem schwierigen und sozial schwer belasteten Quartier liegt, um den 600 Meter entfernten Helmut-Haller-Platz am Oberhauser Bahnhof zu entlasten. Der Oberhauser Bahnhof ist jedoch mit „seinem Süchtigen-Treff unter freiem Himmel“, im Vergleich zu den Verhältnissen um die Dinglerstraße herum, ein eher unproblematischer Ort.

An drei Informationsabenden vor Ort musste sich Dirk Wurm von Oberhauser Bürgern Ende November eben genau dies erklären lassen, doch Wurm räumte die durchwegs sachlich vorgetragenen Bürger-Bedenken auf seine unverwechselbare Art und Weise aus dem Weg: Weglächeln und Kleinreden. Noch am 6. Dezember bezeichnete Dirk Wurm im Allgemeinen Ausschuss den Standort als „Meilenstein im Gesamtkonzept Oberhauser Bahnhof“. Ein Pseudo-Konzept, das als Zielführung angab, „die Dominanz der Menschen mit einer Suchterkrankung auf dem Platz aufzulösen“.

Mit „Platz“ ist der Helmut-Haller-Platz gemeint. Dass dieses „Konzept“ hätte funktionieren können, wollte ohnehin niemand glauben. Aufgrund der angeführten Sachverhalte ist es zu begrüßen, dass die Stadt Wurms Irrfahrt beendete, bevor er damit krachend im Stadtrat gescheitert wäre. Viel zu lange hat die Augsburger Doppelspitze Eva Weber und Kurt Gribl diesem absurden Theater zugesehen. Möglicherweise mit Kalkül, denn die Beschädigung des Ordnungsreferenten befindet sich nun auf kollateraler Höhe. Mit diesem Projekt hat sich Wurm selbst aus dem internen SPD-Verfahren genommen, das evaluiert, wer als OB-Kandidat 2020 gegen Kurt Gribl (oder Eva Weber) in Frage kommen könnte.

Unabhängig von Wurms Offenbarungseid wirft die neue Planung am neuen Standort in unmittelbarer Nähe des Oberhauser Bahnhofs neue Probleme auf. Mit der ehemaligen St. Christophorus-Apotheke würde die Stadt genau das einlösen, was Wurm stets als Argument in der Debatte um die Dinglerstraße gegen einen nahen Standort („Containerlösung“) einzuwenden hatte: Die Verfestigung der Drogen-Szene am Oberhauser Bahnhof. Nicht nur mit der Dinglerstraße, sondern nun auch mit dem neuen Standort hat sich Wurm als Ordnungsreferent vorauseilend unmöglich gemacht und zugleich dafür gesorgt, dass nun mit verschärftem Widerstand der Anwohner des neuen Standorts gerechnet werden muss. Mit seinem aktionistischen Vorgehen hat Wurm eine betreute Anlaufstation für Drogenabhängige in einem Wohngebiet von einem schwierigen Unterfangen in ein sehr schwer zu lösendes Problem verwandelt.



Malzeit
300 Millionen
Buergerbueros
Stadtteilgespraeche