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Kommentar: Es geht um Menschen in schwerer Not

Warum sich die Stadt Augsburg in Sachen “Dinglerstraße” fürchterlich blamiert

Kommentar von Siegfried Zagler

“Die SPD Augsburg hält die Einrichtung eines betreuten Treffs in Oberhausen für sinnvoll, weil damit der Helmut-Haller-Platz als etablierter Treffpunkt der Alkoholiker- und Drogenszene entlastet und den Abhängigen geholfen werden kann”, so Ulrike Bahr, Vorsitzende der SPD Augsburg. Die Szene würde einen betreuten Ort brauchen, wo sie für eine gewisse Zeit der Konsumspirale entkommen könne. Eine ärztliche Sprechstunde sei ebenso wie ein Mittagstisch mittelfristig wünschenswert. „Eine stationäre räumliche Betreuung auf dem Platz, etwa in einem Container, stellt für uns keine sinnvolle Alternative dar, da sich dadurch die aktuellen Zustände verfestigen und eher noch verschlimmern könnten.”

Fast alles an diesem SPD-Statement ist falsch, wie gesagt fast alles: Der Kern von Ulrike Bahrs Aussage, dass nämlich die Alkoholiker-und Drogenszene einen betreuten Ort brauchen würde, stimmt. Eine Einrichtung dieser Art wäre ein deutliches und wünschenwertes Zeichen der Stadt, nämlich ein humanes Ausrufezeichen mit der christlichen Botschaft, dass niemand aufgegeben werden darf. Und es wäre ein Zeichen des Respekts gegenüber süchtigen und gesellschaftlich gestrauchelten Personen, die selbstverständlich auch zur Augsburger Stadtgesellschaft gehören. Pauschale Kriminalisierung, gesellschaftliche Diskriminierung und staatliche Gängeleien sind Vergangenheit und haben weder etwas mit dem Gedanken der Hilfe noch mit Konzeptprogrammen der Resozialisierung zu tun.

Dass die Stadt sich verstärkt um diese Personengruppen kümmern muss, ist eine späte und beschämende Einsicht. Beschämend auch deshalb, weil die städtische Initiative aus ordungspolitischen Überlegungen heraus in die Gänge kam. Aus ordnungspolitischer Sicht wird mit dem Treff in der Dinglerstraße der Helmut-Haller-Platz aber nicht entlastet. Die Personen, die sich dort treffen, werden ihren Treff nicht in die Räume der Dinglerstraße 10 verlagern. Das hat zum einen mit den kurzen Öffnungszeiten dieses Treffs zu tun und zum anderen mit der Entfernung, die 600 Meter beträgt. Die Strecke vom Königsplatz zum Theater ist 50 Meter kürzer. Dafür braucht man zu Fuß zwischen 7 und 9 Minuten. Um jedes Missverständnis auszuschließen: Ein betreuter Treff wäre für drogenabhängige Bürger der Stadt und der Region eine wünschenswerte Einrichtung.

Wer aber die Situation am Oberhauser Bahnhof organisieren und in eine Form gießen will, die für Zugreisende, Passanten und Anwohner und selbstverständlich auch für die Personen des Treffs akzeptabler und sicherer ist, muss vor Ort handeln. Eine Räumlichkeit mit Betreuung im Bahnhofsgebäude oder ein leichter Anbau neben oder in der Nähe des Treffs würde die Situation am Oberhauser Bahnhof wohl eher zum Besseren wenden.

Das ist zugegebener Maßen eine Annahme, die einer Bewertung von Experten bedarf. Deshalb ist der Vorschlag der Opposition zu präferieren, ein Gesamtkonzept für den Bahnhofsvorplatz in Oberhausen zu erstellen. Dazu gehört auch eine Analyse von Soziologen, die mit den Instrumenten der Wissenschaft das Szenario untersuchen und beschreiben sollten.

Heute Abend starten die dreitägigen Informationsabende der Stadt in der Dinglerstraße 10. Warum sie vom Ordnungsreferenten geleitet und moderiert werden, erschließt sich nicht, da es sich nicht um eine ordnungspolitisch relevante Maßnahme handelt, sondern um eine soziale. Gefragt wäre also in dieser Angelegenheit mit Stefan Kiefer (SPD) der Sozialreferent der Stadt. Zumindest hätte Ordnungsreferent Dirk Wurm (ebenfalls SPD) das Thema referatsübergreifend setzen müssen. Dass Dirk Wurm bei diesem Projekt überfordert wirkt, ist eine Sache, dass man ihn in dieser Sache allein vor sich hinwursteln lässt, ist nicht weniger schädlich. Schließlich geht es in dieser Sache nicht um ein Standortproblem, sondern um Menschen in schwerer Not.



DEL: AEV holt gegen Ingolstadt nur einen Punkt

Die Augsburger Panther haben das Derby gegen den ERC Ingolstadt knapp mit 1:2 nach Penaltyschießen verloren. Vor 4501 Zuschauern führte der AEV durch einen Treffer von Matt White (29.) lange mit 1:0. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit glich Jacob Berglund (59.) für Ingolstadt aus und im Penaltyschießen sicherte Michael Collins den Gästen den Zusatzpunkt.

Mike Stewart musste gegen die Schanzer neben dem weiterhin erkrankten auch auf Torhüter Jonathan Boutin und Abwehrspieler Scott Valentine verzichten. Derek Dinger rückte in die Verteidigung und Ferdinand Dürr nahm als Ersatzgoalie auf der Bank platz. Ben Meisner erhielt das Vertrauen von Beginn an zwischen den Pfosten.

Ingolstadt zu Beginn besser

Und dieser hatte zu Beginn alle Hände voll zu tun, denn die Gäste kamen deutlich besser aus den Startlöchern und dominierten die ersten Minuten. Die beste Chance in dieser Phase vergab John Laliberte gegen Meisner aus kurzer Distanz (4.). Der AEV brauchte ein paar Minuten, kam dann aber durch einen Distanzschuss von Brady Lamb (8.) und vor allem einen Nachschuss von Michael Davies (11.) zu ersten guten Gelegenheiten. Ingolstadt hatte in einem durchschnittlichen ersten Durchgang aber die bessere Spielanlage und kam durch Sean Sullivan (14.), Michael Collins (15.) und Dustin Friesen (16.) zu weiteren Chancen, aber Meisner hatte jeweils eine Antwort parat. Die Panther hatten kurz vor Drittelende noch ein Überzahlspiel, aber Tore fielen im ersten Durchgang nicht.

White mit der Führung

Im zweiten Abschnitt waren Torchancen zunächst Mangelware. Augsburg agierte etwas offensiver, kam  aber wie der ERC kaum gefährlich zum Abschluss. Und wenn doch ein Schuss durchkam, hatten Meisner und Timo Pielmeier wenig Mühe. Beispielsweise wehrte der Augsburger Goalie einen Schuss von Benedikt Schopper aus der Distanz stark ab und war kurz danach auch gegen Brandon Buck zur Stelle (je 27.). Aus dem Nichts dann die Führung für die Hausherren: Nach einem weiten Pass brachte White die Scheibe unter Kontrolle, fuhr allein auf Pielmeier zu und ließ diesem nicht den Hauch einer Chance (29.). Das Tor tat dem Spiel nur kurz gut: Greg Mauldin (31.) für den ERC und Aleksander Polaczek (32.) hatten kurz nach der Führung gute Chancen, aber anschließend verflachte das Spielgeschehen wieder.

Kretschmann scheitert

Hektisch wurde es wieder kurz vor Schluss, als die Panther ein zweites Mal mit einem Mann mehr spielen durften. Ein weiteres Tor gelang dem AEV im Mitteldrittel aber nicht mehr. Im dritten Abschnitt hatte der AEV dann in Unterzahl durch Christian Kretschmann die große Chance auf das 2:0, aber der Stürmer schoss freistehend aus kurzer Distanz am Tor vorbei (44.). Auch Simon Sezemsky verfehlte nur hauchdünn (48.). Auf der Gegenseite scheiterte Taticek mit seinem Versuch aus dem Slot an Meisner (47.). Das Spiel lieferte nun mehr Torraumszenen, lebte aber hauptsächlich von der Spannung, denn die Gäste drängten auf den Ausgleich.

Hafenrichter an den Pfosten – Berglund trifft

Die Panther verlegten sich auf Konter, hatten durch Hans Detsch ein weiteres Mal die große Chance auf die Entscheidung. Doch Pielmeier reagierte bei dem Tip-In-Versuch stark mit dem Schoner (54.). Zudem traf Jaroslav Hafenrichter in Unterzahl nur den Pfosten (57.). Und so kamen die Gäste tatsächlich noch zum Ausgleich, als Berglund den Puck aus dem Gewühl über die Linie bugsierte (59.). Dabei blieb es auch nach 60 Minuten. In der Overtime traf Patrick McNeill den Pfosten (62.) und beide Mannschaften hatten hervorragende Einschussgelegenheiten, aber Tore fielen keine.

Collins entscheidet Penaltyschießen

Somit musste das Penaltyschießen über den Zusatzpunkt entscheiden. Und dort traf Ingolstadts Collins gleich zweimal, während beim AEV nur Evan Trupp einnetzen konnte (65.). Für die Panther geht es nun am Freitag bei den Fischtown Pinguins weiter. Zwei Tage später geben die Krefeld Pinguine ihre Visitenkarte im Curt-Frenzel-Stadion ab.