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Ausschussgemeinschaft will geförderten Wohnraum bei den Ladehöfen

“Wir beantragen hiermit infolge des akuten Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum in Augsburg, dass der vorliegende Bebauungsplan Nr. 476 II dahingehend geändert wird, dass 30 Prozent der Bruttogeschossfläche der neuen Wohnungen zwingend als geförderte Mietwohnungen errichtet werden.”

Ehem. Ladehöfe zwischen Bahnhof und Bismarckbrücke

Ehem. Ladehöfe zwischen Bahnhof und Bismarckbrücke


So beginnt ein Antrag der Ausschussgemeinschaft (FW/LINKE/ÖDP/Polit-WG), der bereits in der morgigen Stadtratssitzung behandelt werden soll.

Da der Wohnungsmarkt in Augsburg sehr stark angespannt sei, sei es in den neu mit Wohnungen bebauten Arealen in Augsburg besonders notwendig “sozial geförderte Wohnungen zu errichten”. Es dürfe nicht zu einer noch stärkeren sozialen Ausgrenzung in Augsburg kommen, als es schon der Fall sei, wie es in einem Statement der Ausschussgemeinschaft heißt.

Die Planung gehe an den Erfordernissen des Wohnungsmarktes in Augsburg vorbei und führe Dinge „als soziale Komponente“ in unmittelbarer Nähe an, die die Lage für Menschen mit geringem Einkommen nicht wirklich verbessern würden, wie die Ausschussgemeinschaft ausführt. – “Wenn man also die soziale Ausgrenzung in Augsburg abmildern möchte und die allgemeine Erkenntnis in die Tat umsetzten möchte, dass man in Augsburg unbedingt mehr bezahlbaren Wohnraum braucht, dann ist die Forderung nach 30 Prozent geförderten Wohnraum eigentlich die Mindestforderung.” So schließt die Begründung des Antrags.


Festival: Unterschriftensammlung für Modular im Park

Nachdem sich eine Unterschriftenaktion gegen das Modularfestival im Wittelsbacher Park in Luft aufgelöst hat, gibt es nun eine Online-Initiative für den umstrittenen Veranstaltungsort.

Modular 2017 im Wittelsbacher Park

Modular 2017 im Wittelsbacher Park


Die Petition „Für ein Modular im Kongress am Park!“ ist eine Onlinepetition der Club & Kulturkommission Augsburg, die sich für eine Fortsetzung des Modularfestivals im Wittelsbacher Park positioniert hat und im Netz eine Unterschriftensammlung gestartet hat.

Der Kongress am Park erfülle hervorragend die Voraussetzungen für die Durchführung dieses kreativen, bunten und vor allem völlig friedlichen Festivals, wie es in der Begründung der Initiative heißt. Die zentrale Lage am Kongress am Park ermögliche eine umweltschonende und sichere An- und Abreise. Darüber hinaus verfüge der Kongress am Park über die richtige Atmosphäre. Außerdem sei der Park gemäß seiner Geschichte für Großveranstaltungen prädestiniert.

„Gemeinsam mit der SPD-Stadtratsfraktion setzen wir uns dafür ein, dass das Modular bis mindestens 2020 im Wittelsbacher Park stattfindet. Der Wittelsbacher Park ist aktuell der beste Standort und macht viel von der entspannten und familienfreundlichen Atmosphäre des Modular Festivals aus. Deswegen unterstützen wir ebenso wie die Grüne Jugend Augsburg die Petition.“ So Silke Högg, die Vorsitzende der Augsburger Jusos, die ins gleiche Horn blasen, wie die Jugendorganisation der Grünen, die diese Petition ebenfalls unterstützen.

Noch bis zum 11. Oktober kann die Petition „Für ein Modular im Kongress am Park!“ auf openPetition unterzeichnet werden. Die Unterschriften sollen anschließend Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl überreicht werden.

Was weder in der Onlinepetition noch in den Statements der Jugendorganisationen zur Sprache kommt, ist der Sachverhalt, dass es seitens der Stadtregierung gegenüber der Bürgerschaft die Versprechung gibt, dass 2017 “letztmalig das Modularfestival im Wittelsbacher Park stattfinden wird”, weil man auf der Suche nach einem alternativen Standort innerhalb des Stadtgebiets fündig geworden sei. Das Schreiben, das von Umweltreferent Reiner Erben unterzeichnet wurde, liegt der DAZ vor.

Gemeint ist dabei das Areal am Gaswerk, das von den Stadtwerken gerade als Kreativareal entwickelt wird. Die Stadt hat sich auf das Gaswerk festgelegt und somit weitsichtig Kulturentwicklung jenseits von partikulären Anwohnerinteressen und atmosphärischen Präferenzen betrieben. Dennoch findet bezüglich der Standortfrage am 4. Oktober (19 Uhr im Foyer der Kongresshalle) ein sogenannter Bürgertalk statt.





Oberhauser Bahnhof: Unterschriftensammlung für Realisierung des versprochenen Gesamtkonzepts

Die Stadtregierung hält sich in Sachen Oberhauser Bahnhof nicht an einen beschlossenen Zeitplan. Aus diesem Grund sammelte Peter Grab (WSA) 1.000 Unterschriften. Zweck der Aktion: Die Stadtregierung soll endlich handeln.

Peter Grab

Peter Grab


Obwohl es nur einen Infostand (am Oberhauser Marktsonntag) gegeben habe und nur zeitweise Listen in der Bahnhofsbuchhandlung und in einer Metzgerei auslagen, seien in vier Monaten 1000 Unterschriften zusammengekommen, so Peter Grab in einer Pressemitteilung.

Diese sollen mit dem nachdrücklichen Wunsch Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl überreicht werden, damit die konkreten Maßnahmen im Rahmen eines abgestimmten Gesamtkonzepts durchgeführt werden, die im Dezember 2016 im Allgemeinen Ausschuss beschlossen wurden. “In dieser Sitzung kündigte Ordnungsreferent Dirk Wurm erste Umsetzungsmaßnahmen des Gesamtkonzepts für die darauf folgende Sitzung im März an. Weder in dieser Märzsitzung, noch in den nächsten Sitzungen des Allgemeinen Ausschusses im Mai und Juli dieses Jahres machte der Ordnungsreferent seine Ankündigung wahr”, so Grab weiter.

Mit diesen 1000 Unterschriften werde seitens der Bürgerinnen und Bürger nachdrücklich versucht, die Stadtregierung doch noch zum Handeln zu bewegen. Es gehe dabei nicht um eine Einzelmaßnahme, sondern um “ein referatsübergreifendes Handeln eines Maßnahmen-Gesamtkonzepts”, wie Grab ausführt. Es müsse Schluss sein, nur Partikularinteressen am Helmut- Haller-Platz zu verfolgen.


Zum Teufel mit dem Turamichele

Warum man das Turamichele-Fest abschaffen sollte. Und wieder erhält Bernhard Schillers Turamichele-Essay einen aufregenden Aktualitätsbezug: Morgen ist nämlich “Turamichele-Tag” 

Von Bernhard Schiller

Die Turamichele-Prozession: 162 Stiche gegen das Böse: (Foto: Stadt Augsburg))

Die Turamichele-Prozession: 162 Stiche gegen das Böse (Foto: Stadt Augsburg)

Es dauert nicht mehr lange, dann wird dem Publikum auf dem prominentesten Platz der Friedensstadt ein durchaus blutrünstiges Schauspiel geboten: Heerscharen von Kindern bejubeln einen Krieger, der seinem sich vor Schmerzen krümmenden Gegner mit Lanzenstichen „im Takt der Stundenschläge den Garaus macht“, wie es auf der Homepage der Stadt Augsburg hieß.

Das Turamichele-Fest ist eine gemeinsame Veranstaltung der City Initiative Augsburg (CiA) und der Stadt Augsburg. Ihre Erläuterungen zu Geschichte und Bedeutung des blutigen Puppenspiels im Perlachturm sind von frappierender Oberflächlichkeit gezeichnet. Ihnen genügt der Verweis zur 400-jährigen Tradition und die konsenstaugliche Formel vom „Sieg des Guten über das Böse.“ Genau diese Formel jedoch ist besonders kritikfähig. Zum einen, weil überall dort, wo Menschen metaphysische Kämpfe real umsetzen wollen (Beispiel Islamischer Staat), die größten Grausamkeiten zutage treten. Zum anderen, weil sich die moralische Architektur in einer dynamischen und offenen Gesellschaft nach 400 Jahren längst verändert haben sollte.

Um zu verstehen, weshalb das Turamichele in Augsburg dennoch durch Religions- und Weltkriege hindurch bis heute weiter morden darf, müssen wir einen Blick in die Geschichte werfen. Im Gegensatz zur Behauptung der Stadt Augsburg wird das Turamichele nicht erst seit den 1950er Jahren als großes Familienfest begangen. Zahlreiche Dokumente im Augsburger Stadtarchiv zeugen von der Kontinuität des Brauches seit dem Mittelalter und – insbesondere in seiner herausragenden Bedeutung für nationalsozialistische Durchhalteparolen in den 1940er Jahren. In einer Sondersendung des Deutschen Kurzwellensenders wurden zur Ermunterung der Frontsoldaten im Winter 1942 Aufnahmen vom Turamichele-Fest ausgestrahlt, die ein Journalist der Neuen Augsburger Zeitung an die Adresse der Kinder wie folgt kommentierte: „Da kann ich mir ja nun so ungefähr vorstellen, wie da unsere Soldaten in den Bunkern und Gräben und auf Vorposten spitzen werden, wenn plötzlich Euer „Eins-zwei-drei“ markerschütternd durch den Lautsprecher an ihr Ohr dringt.“

Bösartige Durchschlagskraft sprachen auch andere Nationalsozialisten dem Michaelsgeist zu: „Es ist der Michaelsgeist! Michael tritt sein göttliches Amt an. Er ist erwacht. Unser Volk wurde in unseren Tagen gewürdigt, die Waffen des Michael gegen das Untermenschentum zu führen.“  So predigte es ein Stuttgarter Pastor 1935 repräsentativ für all die anderen nationalsozialistischen Pastoren, Prediger und Propagandisten. Niemand anders als Adolf Hitler galt ihnen als der Erlöser, der gekommen war, den „Michaelsgeist“ zu reanimieren. Auch die NS-Presse schwärmte von der „Wiedergeburt vergangener Zeit“, als am 05. August 1934 30.000 Nationalsozialisten in Sonderzügen nach Ulm reisten, um im dortigen Münster eine monströse, stählerne Michaelsskulptur einzuweihen. Sie hängt dort bis heute.

Ein Schutzpatron des Heiligen Römischen Reichs und eine Identifikationsfigur einer sich darunter konstruierenden deutschen Nation

Warum sprachen die Nationalsozialisten von einer „Wiedergeburt“? Die Antwort ist unmittelbar mit der Augsburger Stadtgeschichte verknüpft und liegt vor den Toren der Stadt auf dem historischen Lechfeld begraben. Im Jahr 955 gewannen dort die Soldaten Ottos I. die Entscheidungsschlacht gegen die Krieger der Magyaren. Und weil die siegreichen Kämpfer, so die Legende, ein Bildnis des Erzengels Michael auf ihrem Banner trugen, galt dieser fortan als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reichs und als Identifikationsfigur einer sich darunter konstruierenden deutschen Nation. Wie gelangte Michael aber auf das Banner der Soldaten? Der Engel Michael findet erstmalig namentlich Erwähnung im Buch des Propheten Daniel. Dort ist er die Schutzmacht des Volkes Israel. Der Name Michael (Mechila) bedeutet Vergebung. Er ist – wie alle Engel im jüdischen Glauben – kein eigenständiges Wesen, sondern ein Aspekt Gottes. Eine bildliche Darstellung zum Zwecke der Anbetung ist hier unvorstellbar und wäre verwerflicher Götzendienst, ebenso die Lehre vom Dualismus widerstreitender Mächte aus Licht und Dunkel, wie sie beim Turamichele propagiert wird.

Michaeliskult am Zeughaus: finstere Bronzezeugen eines verwerflichen Götzendiensts (Foto: B. Schiller)

Michaeliskult am Zeughaus: finstere Bronzezeugen eines verwerflichen Götzendienstes (Foto: B. Schiller)

Erst in der christlichen Bibel erhalten das Böse und das Gute jene dualistische, schwarz-weiße Ausprägung, wie sie in der Johannes-Offenbarung zu finden ist – in der Erzählung von der endzeitlichen großen Schlacht zwischen Michael und dem Teufelsdrachen. Als Papst Gelasius im Jahr 493 den 29. September zum Festtag des Erzengels Michael erklärte, verschmolzen die Eigenschaften der vorchristlichen Odinskrieger und die des christlichen Siegers über das Böse zu einer germanisch-messianischen Allianz. Zuvor feierten die Germanen an diesem Datum ihren obersten Kriegsgott Odin/Wotan. Der Name Wotan bedeutet Wüterich. Nach der wütenden Schlacht auf dem Lechfeld ging dementsprechend in der Vorstellung der deutschen Christenheit auch die Vision Israels (“das von Gott „auserwählte Volk”) als fiebriger Wahn auf die deutsche Nation über. Der deutsche Michel entstand, also jener Mythos vom schlafenden Weltenretter, der beizeiten geweckt werden muss, um dem jeweiligen Satan den Garaus zu machen. Das Volk der angeblichen Christusmörder, die Juden, landete dabei nachhaltig auf der Seite des Teufels.

Vor genau 400 Jahren wurden Turamichele-Figuren in Augsburg erstmals schriftlich erwähnt. In einer Zeit, die auch und insbesondere in Augsburg aufgeladen war durch die Gegnerschaft von Protestanten und Katholiken. Damals war es die alljährliche weihevolle Aufgabe der Betschwestern des Klosters Maria Stern, das nackte Turamichele zum Festtag einzukleiden und bunt zu dekorieren. Naheliegend, dass der Engel – ähnlich der finsteren Michaelsbronze über dem Zeughaus-Portal – Symbol der Gegenreformation war und regelmäßig den lutherischen Teufel abstach. Jedoch, auch und gerade Protestanten atmeten Michaelsgeist voller Überschwang. Sie waren die gedanklichen Wegbereiter des deutschen National-Messianismus.

Nach 1822 diente das Turamichele als Projektionsfläche für Affekte gegen die verhasste Staatsregierung in München

Dichterfürst Friedrich Schiller (1759 – 1805) etwa kam zu dem Schluss, der Deutsche sei „erwählt von dem Weltgeist“. Sein Zeitgenosse Friedrich Schleiermacher (1768-1843), einer der bedeutendsten Pädagogen und protestantischen Theologen, nannte die deutsche Nation „ein auserwähltes Werkzeug und Volk Gottes“. Friedrich Perthes (1772 – 1843), damals einer der wichtigsten Verlagshändler, war überzeugt: „Wir Deutsche sind ein auserwähltes Volk, […] welches die Menschheit repräsentiert“. Der glühende Patriot und Frühnationalist Turnvater Jahn (1778-1852) konnte sich nicht zurückhalten und verlautbarte, dem deutschen Volk komme es zu, „des Weltbeglückers heiliges Amt“ auszuüben und kraft seiner „menschlichen Göttlichkeit“ die „Erde als Heiland zu segnen“. Papist oder Lutheraner – von der Schlacht auf dem Lechfeld bis in die Neuzeit jedenfalls war man im deutschen Kulturraum überzeugt, die Welt vom Übel erlösen zu müssen und das, neben aller Kathedertheologie und Kathederphilosophie, mittels roher Gewalt und stets unter Anrufung des Nationalheiligen Michael.

Das alles war den Aufklärern aus München egal. Als im Jahr 1806 die bis dato Freie Reichsstadt Augsburg unter die Hoheit des Königreichs Bayern geriet und fortan von München aus regiert wurde, sollte es auch mit dem Turamichele zu Ende gehen. An der Isar hatte man unter der Leitung des Grafen Montgelas begonnen, einen modernen, säkularen Staat zu schaffen, der mitunter die Abschaffung von Privilegien der Glaubensvertreter vorsah, sowie die Schaffung von Freiheitsrechten für die Mitbürger jüdischen Glaubens. Im Turamichele sah man deshalb ein voraufklärerisches Schauspiel und so wurde es kurzerhand verboten. Eine derartige Einflussnahme konnten die (durch Verlust ihres Standes als Freie Reichsstädter ohnehin schon schwer gedemütigten) Augsburger nicht akzeptieren und erstritten sich im Jahr 1822 ihren gewalttätigen Engel zurück. Nunmehr diente das Turamichele nicht mehr nur als Projektionsfläche für aggressive Affekte gegen Heiden und Andersgläubige, sondern auch gegen weltliche Feinde, in diesem Fall die verhasste Staatsregierung in München.

Erzengel Michael: Lautstark riefen die Soldaten des Ersten Weltkrieges nach ihrem Patron

1871 wurde Bayern Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs, dem mit Wilhelm I. wieder ein Kaiser voranging. Dessen Enkel wurde ebenfalls Kaiser und suchte sich zur Legitimation seiner und des deutschen Volkes herausragender Stellung in der Weltgeschichte einen neuen Dämon, ein paar tausend Kilometer weiter entfernt: China! Wilhelm II. rief die Völker Europas zum Widerstand gegen die von ihm im damals üblichen Rassistenjargon so genannte „Gelbe Gefahr“ auf und ließ illustratorisch den heiligen, deutschen Michel die europäischen Nationen anführen. Er krönte das Kriegsgeschrei in seiner an die Schlachten des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation erinnernden, berühmten „Hunnenrede“ vom 27. Juli 1900: „Die Aufgaben, welche das alte römische Reich deutscher Nation nicht hat lösen können, ist das neue Deutsche Reich in der Lage zu lösen. Das Mittel, das ihm dies ermöglicht, ist unser Heer.“ 13 Jahre später ließ Wilhelm II. das gigantische Völkerschlachtdenkmal in Leipzig als Zeichen deutscher Befreiung einweihen. Riesige Reliefs zeigen dort einen menschengestaltigen Erzengel Michael als Schutzpatron der Deutschen. Darüber die steinerne Inschrift: „Gott mit uns.“ Der Deutsche Patriotenbund, Bauherr des Denkmals, nannte den Erzengel Michael stolz den „Kriegsgott der Deutschen“, der „alles vor sich niederwerfend dahinfährt.“ Traditionsbewusst und derart missionstrunken rannten dann die Krieger des neuen, alten Deutschen Reichs, den Auftrag zur endzeitlichen Erlösungsschlacht halluzinierend, in die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Lautstark riefen sie dabei nach ihrem Patron:

„St. Michel, hilf nun Deinem Volke!

Weih unsere Waffen,

Ein Großes zu schaffen!

Führ uns zum Siege! Zum Siege!“

Der Krieg führte in eine Katastrophe, der deutsche Glaube an den heiligen Auftrag blieb dennoch erhalten: Der deutsche Michel erwachte erneut und mit ihm Hitler. – Und heute? Die von Religionskriegen und apokalyptischen Szenarien geprägte Gegenwart erinnert in mancher Hinsicht an vergangen geglaubte Zeiten. Erneut sehen sich Menschen hierzulande Gefahren durch fremde Mächte ausgeliefert und suchen nach Bewältigungsstrategien – deutschtypisch polarisiert zwischen Welterlösungstum und aggressivem Nationalismus. Das fest ins kulturelle Erbe Deutschlands gebrannte Narrativ vom schlafenden Michel respektive der Lichtgestalt des Erzengel Michael und seinen finsteren Feinden wabert weiterhin im kollektiven Gedächtnis. Hieraus schöpfen diejenigen, die heute vorgeben, mit eines Volkes Stimme zu sprechen und ein „christliches“ Abendland zu verteidigen ihren Ungeist. Sie gewinnen den Mob und die Masse für sich und ihre Ziele, weil ihr Gegner (islamischer Terror) tatsächlich böse ist. Doch sie würden den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Solange Bräuche wie das Turamichele-Fest existieren, solange existiert auch der Nährboden für Antisemitismus, Rassismus und totalitäre Gewalt

Solange Bräuche wie das Turamichele-Fest unreflektiert Spuren in Gehirnen legen, solange existiert auch der soziokulturelle Nährboden für Antisemitismus, Rassismus und totalitäre Gewalt. Augsburg, als Friedensstadt, kann die Herausforderung annehmen. Das Turamichele ist kein Kinderfest. Kinder, zumal die kleinen, unterscheiden nicht zwischen Holzfiguren und Wesen aus Fleisch und Blut. Mit dem Turamichele wird am Rathausplatz nicht nur Gewalt als Mittel im Umgang mit Konflikten propagiert, sondern – vor allem – die euphorisch-mörderische, vollkommen mitleidslose und brutalstmögliche Vernichtung des Gegners. Das ist nicht bloß unzeitgemäß, das ist unmenschlich und unwürdig. Mitnichten handelt es sich beim Gegner des Turamichele um einen „Teufelsdrachen“, wie von den Veranstaltern suggeriert. Der Unterlegene hat Menschengestalt und wurde durch diverse Anleihen aus dem Bestiarium zum dunklen, schmutzigen Untermenschen stilisiert. Da sich Metaphysik und handfeste ökonomische Interessen generell zum mutmaßlichen Vorteil aller kombinieren lassen, freuen sich die Veranstalter auch in diesem Jahr, Kinder und Eltern „beim mittlerweile über 400 Jahre andauernden Kampf Gut gegen Böse und einem XXL-Shoppingerlebnis begrüßen zu dürfen“ (CIA). “Blutrausch trifft Kaufrausch.” Viel mehr als Sarkasmus möchte man dieser Gedankenlosigkeit nicht hinzufügen.

Was bliebe übrig, würde dem Turamichele-Fest sowohl die eschatologische Überhöhung, als auch der blinde Kommerz entzogen? Nichts! Um im Zuge der allgemeinen Musealisierung auch das Turamichele in die Jetztzeit zu überführen, könnten neue Wege der interaktiven Auseinandersetzung mit dem Thema eingeschlagen werden. Vorstellbar wäre die Partizipation des Publikums, etwa indem Kinder die blutige Lanze mittels Wireless-Joystick selbst in den zappelnden Körper des Unterlegenen rammen.

Stattdessen könnten die Turamichele-Figuren (und dieser Vorschlag ist durchaus ernst gemeint) auch in ein richtiges Museum verfrachtet werden, um dort aus der Distanz, aber plakativ, die Unterschiede zwischen totalitär-messianischen Ideologien und einer säkularen, freiheitlich-demokratisch verfassten Gesellschaft zu demonstrieren. Für kontemplativ Veranlagte bietet die christliche Mythologie auch freundlichere Versionen der Konfliktbewältigung an. Wie zum Beispiel die friedensstiftende Legende der Martha von Bethanien, die den menschenfressenden Drachen Tarasque mit einem selbst gebastelten Kreuz aus Zweigen und ihrem sanften Gesang zähmte.



Tierschutz: PETA fordert Ausquartierung der Fische aus Augsburger Rockfabrik

“Fische sind keine Dekoration”, so die Tierschutzorganisation PETA, weshalb die Tierrechtsorganisation den Geschäftsführer der Rockfabrik schriftlich darum gebeten hat, “ein ruhiges und artgerechteres Zuhause für die Fische zu suchen”.

Die Fische seien in dem Eingangsbereich der Augsburger Rockfabrik einem großen Besucherstrom und lauter Musik ausgesetzt. Zudem hat PETA sich an das zuständige Veterinäramt gewandt, um einen Transfer der sensiblen Tiere zu veranlassen. Fische verfügten über einen guten Hörsinn und erzeugten selbst vielfältige Laute. Umgekehrter Tages- und Nachtrhythmus, Unruhe durch Besucher, laute Musik und vibrierende Bässe – setze die Fische täglich unter Stress, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Fische sind keine lebendige Dekoration und gehören nicht in eine Diskothek.“

Eine artgerechte Haltung von Fischen ist in Gefangenschaft sei möglich. PETA fordert daher die Abschaffung von Aquarien.



Aktionsplan Inklusion für die Stadt Augsburg: Online-Beteiligung und Bürgerwerkstatt

Augsburg macht sich auf den Weg zu einer inklusiven Stadt. Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Sinne der UNO-Behindertenrechtskonvention.

Zum “Aktionsplan Inklusion” strebt die Stadt eine Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern an. Das öffentliche Beteiligungsverfahren mündet in eine Bürgerwerkstatt am Samstag, den 14. Oktober ab 9.30 Uhr im Kongress am Park.

„Obwohl sich im Lauf mehrerer Jahre schon einiges verbessert hat, stehen Menschen mit Behinderung in vielen Lebenssituationen noch immer vor Hindernissen. Sei es bei der Wohnungssuche, in Schule und Beruf, in Kultur und Freizeit, in der Mobilität. Der Aktionsplan Inklusion, den die Stadt erarbeitet, soll Hindernisse aufzeigen und Lösungsvorschläge sammeln. Die Maßnahmen, die daraus entstehen, nützen allen: Menschen mit und ohne Behinderung“, erklärt Bürgermeister und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer.

In der Bürgerwerkstatt werden die wichtigsten Gesichtspunkte des Themas Inklusion in sechs Arbeitsgruppen bearbeitet. Der Buchautor und Sportler Florian Sitzmann berichtet in seinem Vortrag über „25 Jahre gelebte Inklusion“. Das Duo Tiefenbacher/Weh rundet die Veranstaltung musikalisch ab.

Das Fachwissen aller ist gefragt

„Menschen mit Behinderung werden heute stärker unter dem Blickwinkel der selbstverständlichen Zugehörigkeit gesehen. Die 2008 in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention hat ein Umdenken bewirkt“, erläutert Andrea Bayer, Inklusionsplanerin der Stadt, die Ausgangssituation. „Wir brauchen dazu die Bürgerschaft. Denn beim Thema Inklusion gibt es in der Stadtgesellschaft viele Akteure, deren Fachwissen wir einbeziehen wollen. Dazu zählen die Betroffenen selbst, ihre Angehörigen sowie Verbände und Selbsthilfegruppen. Aber auch alle Bürgerinnen und Bürger, die mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen. Deshalb sind alle Interessierten und ihre Ideen herzlich willkommen“, so Bayer. Ende 2018 soll der Aktionsplan fertig sein.

Eine Beteiligung ist auch online möglich, nähere Informationen sind auf der Seite Bürgerwerktstatt 2017 zu finden.



Turnus-Führung im Naturmuseum

„Wo Riesen-Tausendfüßer & Ur-Elefanten sich treffen“: Das Naturmuseum lädt am Sonntag, den 1. Oktober zu seiner nächsten Turnusführung für die ganze Familie ein.

Auf der lehrreichen Expedition durch alle Ausstellungsbereiche des Naturmuseums mit Blick auf die Geschichte unseres Planeten, insbesondere die jüngere Erdgeschichte unserer Heimat sowie auf die Vielfalt der Natur sollen spielerisch Antworten auf Fragen gefunden werden. Dabei begeben sich Groß und Klein auf eine Zeitreise von den eiszeitlichen Mammuts über die Zeitalter der Dinosaurier und Riesen-Krabbeltiere bis hin zur Entstehung des Lebens in der Ursuppe. Alle Teilnehmenden werden aktiv einbezogen, spezielle Exponate dürfen sogar “begriffen“ werden.

Die Abendteuerreisen beginnen jeweils um 14 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab sechs Jahren beträgt 1 Euro, die Führung kostet für Erwachsene 2 Euro, für Jugendliche und Kinder 1 Euro. Näheres unter Naturmuseum.



Warnstreik: 300 Klinikumsangestellte folgen Aufruf

Zirka 300 Mitarbeiter des Klinikums Augsburg befanden sich am vergangenen Montag im Streik

Klinikum Augsburg

Klinikum Augsburg


„Das ist deutlich mehr als wir erwartet haben“, sagte Stefan Jagel, Gewerkschaftssekretär bei ver.di Augsburg. Der Warnstreik wurde zur Klärung von Differenzen bei der Auslegung der Notdienstvereinbarung um eine Woche verschoben. Die Streikbereitschaft wächst von Tag zu Tag, um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchzusetzen. An der Protestkundgebung vor dem Augsburger Rathaus sollen gar 400 Menschen teilgenommen haben. Ver.di hatte die Klinikmitarbeiter zum ganztägigen Arbeitskampf aufgerufen, weil der Vorstand des Klinikum Augsburg sich geweigert hatte, Tarifverhandlungen für die Entlastung des Klinikpersonals aufzunehmen. ver.di fordert eine Mindestpersonalausstattung, einen Belastungsausgleich und die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen.

Durch den Streik waren 13 von 32 Operationssäle geschlossen und etwa 200 von 1751 Krankenhausbetten betroffen. Eine Gefährdung der Patienten wurde durch eine Notdienstvereinbarung ausgeschlossen, die zwischen ver.di und dem Arbeitgeber abgeschlossen wurde. „Nicht alle die streiken wollten konnten sich am Streik beteiligen, um den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten. Sonst wäre die Beteiligung sicher noch höher gewesen. Die Beschäftigten wollen, dass sich die Arbeitsbedingungen endlich entscheidend verbessern“, so ver.di-Sekretär Jagel.

Verärgert zeigte sich Landrat Martin Sailer, der – wie die Süddeutsche berichtet – die Gewerkschaft beschuldigt haben soll, “die Umwandlung zur Uniklinik auf den letzten Metern zu gefährden”, da das Gesetz zur Umwandlung noch vom Landtag verabschiedet werden müsse.