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Wie denken die Bürger über ihre Stadt?

An der seit 20. Juli laufenden Bürgerumfrage 2017 der Stadt beteiligten sich bisher mehr als viertausend Augsburger. Mit über zweitausend ausgefüllten Papierfragebögen sind bereits 300 Fragebögen mehr beim Amt für Statistik und Stadtforschung eingegangen als zur gleichen Zeit bei der Bürgerumfrage 2015.

Augsburger als Modell: Blick über St. Ulrich in die Maximilianstraße

Augsburg als Modell: Blick über St. Ulrich in die Maximilianstraße


Auch Online liegt die Beteiligung mit über 1.900 höher als vor zwei Jahren. Aufgrund des weiterhin starken Interesses hat sich das Amt für Statistik und Stadtforschung dazu entschlossen, die Möglichkeit zur Teilnahme bis zum Ende der Sommerferien zu verlängern. Damit können auch Urlaubsrückkehrer noch ihre Meinungen und Ansichten über die Stadt Augsburg einbringen. Unter https://duva-server.de/augsburg/erhebung2017 kann der Fragebogen Online ausgefüllt oder heruntergeladen werden.

Mit dieser repräsentativen und anonymen Befragung sollen die Erfahrungen und Meinungen der Bürgerinnen und Bürger ebenso wie ihre Ansprüche und Bedürfnisse erfasst werden. Zentrales Thema ist diesmal „Wohnen und Wohnumfeld“. Mit Fragen vorhergehender Umfragen lassen sich auch Veränderungen von Meinungen und Stimmungen in der Bevölkerung feststellen. Der Fragebogen umfasst zehn Seiten mit rund 80 Fragen, die nach Einschätzung der Verfasser in etwa einer halben Stunde beantwortet werden können.

Die repräsentative Bürgerumfrage der Stadt Augsburg findet seit 2003 in Kooperation mit der Universität Augsburg im zweijährigen Turnus statt und soll es der Verwaltung ermöglichen, bürgernah und zielorientiert auf die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft einzugehen. Sie ist damit ein Baustein der breiten Bürgerbeteiligung für Stadtentwicklung. Die Befragung führt das Amt für Statistik und Stadtforschung in Kooperation mit der Projektgruppe Stadtforschung der Universität Augsburg durch. Erste Ergebnisse liegen voraussichtlich zum Sommersemester 2018 vor.



Bundestagswahl: Podiumsdiskussion mit Ullrich, Bahr, Roth und Hintermayr

Im vergangenen Juli hat sich der neue Integrationsbeirat der Stadt Augsburg konstituiert. Als erste öffentliche Veranstaltung lädt der Beirat nun zu einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Bundestagswahl ein.

Bei der moderierten Runde haben Ulrike Bahr (SPD), Frederik Hintermayr (Linke), Claudia Roth (Grüne) und Volker Ullrich (CSU) ihr Kommen zugesagt. Es werden grundsätzliche Einschätzungen politischer Linien von den Kandidatinnen und Kandidaten erfragt und anschließend auch mit dem Publikum diskutiert. Die Moderation wird der Politikwissenschaftler Prof. Peter Kraus von der Universität Augsburg führen.

Die Podiumsdiskussion findet am Mittwoch, 06. September 2017, ab 18:00 Uhr im Kulturhaus Kresslesmühle, Barfüßerstraße 4, 86150 Augsburg statt. Die Teilnahme ist für alle Interessierten frei.



Führung: Lebenswelt und Kultur der Judengemeinden auf dem Land

„Jüdisches Schwaben – Lebenswelt und Kultur der Judengemeinden auf dem Land“, so das Thema einer Führung von Frank Schillinger im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben

Nach der Ausweisung im Jahr 1438 durften Juden fast 400 Jahre nicht mehr in Augsburg wohnen. Wo siedelten sie sich in dieser Zeit an? Wie gestalteten sie ihr Leben im heutigen Bayerisch-Schwaben? Diesen Fragen geht die öffentliche Themenführung mit Museumsmitarbeiter Frank Schillinger am 6. September um 18.00 Uhr nach. Die Führung macht vertraut mit den Bedingungen jüdischer Existenz in der Region und erläutert künstlerisch anspruchsvolle Tora-Schilder aus den einstigen Synagogen auf dem Land.

Die Ritualgegenstände spiegeln religiöse Vorstellungen, sie erlauben darüber hinaus aber auch Einblicke in die interne Organisation der Landjudengemeinden und beleuchten deren Beziehungen mit der christlichen Umwelt. Der Rundgang schließt mit einer Besichtigung der 100 Jahre alten Synagoge mit ihrer imposanten Architektur und ihrem ungewöhnlichen Bildprogramm. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ort: Jüdisches Kulturmuseum / Datum: Mittwoch, 6.9.2017 / Zeit: 18.00 Uhr / Eintritt und Führung: 6,00/3,00 Euro



Japan: keine Zonen, keine Streifen und pünktliche Züge

Wer das Glück hat, Freunde zu haben, die es privat oder beruflich ins ferne Ausland verschlagen hat, für den ergibt sich die Wahl des Ferienziels fast von allein. So kam ich nach Usbekistan und Uruguay, nach Nordindien und North Carolina und so kam es in diesen Sommerferien zu meiner Japanreise.

Skizzen aus Japan von Udo Legner

Unterwegs als Analphabet

Selbst wenn dem westlichen Reisenden angesichts zweier Silbenschriften und einer komplexen Zeichenschrift mit Tausenden von kryptischen Zeichen alles Geschriebene verschlossen bleibt, ist er nicht verloren. Inzwischen wird in Japan vieles auf Englisch beschriftet: U-Bahnen, Züge, Bahnhöfe sind fast immer zweisprachig und zudem sind die englischen Ansagen von einer Qualität, von der Ausländer in Deutschland nur träumen können.

Auch in gastronomischer Hinsicht gibt es Hilfestellungen für den westlichen Touristen: Originalgetreue und mit Preis versehene Plastikmodelle am Eingang der Restaurants zeigen detailliert, welche kulinarischen Angebote im Inneren warten und verhindern unliebsame Überraschungen.

Erste Anlaufstation war Tokio, wohin es meinen amerikanischen Freund Ed vor einem Jahr verschlagen hatte. Der erste Eindruck – selbst in der 9 Millionen-Megastadt Tokio ist die Natur nie weit entfernt.

Von der Haustür meiner Freunde – die am Stadtrand von Tokio wohnen – waren die ersten Reisfelder in Jogging-Distanz erreichbar. Lediglich fünf Prozent der Landesfläche sind besiedelt, mehr als die Hälfte Japans besteht aus Wäldern und Gebirgslandschaften und – was bei fast 30.000 Kilometer Küstenlinie nicht verwundert – aus vielen Badestränden.

Bei der ersten Fahrt ins Zentrum eine weitere positive Überraschung: Hier scheint trotz oder wegen der immensen Menschenmengen alles zu funktionieren! Sensationell einfach ist etwa die Nutzung des städtischen Bus-, U-Bahn- und Zugnetzwerks. Keine Zonen, keine Streifen, alles geht kinderleicht! Mit einer aufladbaren Chipkarte kann man sämtliche Verkehrsmittel nutzen – beim Ausstieg bzw. an den Ausgängen wird per Scanner automatisch der richtige Betrag für die gefahrene Strecke abgebucht.

Unser erster Besuch galt dem Tokyo National Museum, dem ältesten und größten Museum Japans. Dort fanden wir nach längerem Suchen die Grafiken von Sesshū Tōyō (jap. 雪舟 等楊). Dieser Künstler schuf Ende des 15. Jahrhunderts mit seinen tiefen, menschenleeren Tuschelandschaften eine ganz eigene Form der Malerei, indem er chinesische Traditionen weiterentwickelte. Starke Kontraste sowie sparsame und expressive Pinselstriche charakterisieren seine Werke, die als Vorläufer des europäischen Impressionismus gelten.

Über drei Jahrhunderte mussten vergehen, bis ähnliche Meisterwerke in Sachen Reduktion und Abstraktion in der Malerei von William Turner und bei den französischen Impressionisten wieder zu finden waren. – Dass uns die Japaner in vielerlei Hinsicht um Lichtjahre voraus sind – dieser Eindruck verfestigte sich auf unserer dreiwöchigen Japanreise, die uns von Tokio nach Kyoto, Takayama, Kazawana, Sendai, Hakadote und Otaru führte, bevor es via Tokio wieder nach Hause ging.

Shinkansen – Ein feiner Zug der japanischen Bahn

Mit dem überaus günstigen Japan Rail Pass (3 Wochen kosten 445 Euro), der zum Leidwesen aller Japaner nur von ausländischen Touristen erworben werden kann, kann man das vorbildlich ausgebaute Schnellzugnetz nutzen. Als erstes ist da die unglaubliche Pünktlichkeit und der Komfort der Shinkansen Schnellzüge zu nennen die stets auf die Minute abfuhren – und ankamen. Bekanntlich war Japan das erste Land, das ein Netz für Hochgeschwindigkeitszüge schuf. Der erste Shinkansen hatte seine Jungfernfahrt 1964, anlässlich der Olympischen Spiele in Tokyo. Seit letztem Jahr ist auch Hokkaido an das Schnellbahnnetz angeschlossen.

Die Begeisterung für diese Hochgeschwindigkeitszüge beginnt bereits vor Fahrtantritt. Steht man vor dem Fahrkartenschalter wegen einer Reservierung an, wird man gleich von einer Bediensteten unterstützt, die ein Formular mit gewünschter Abfahrtszeit und den entsprechenden Verbindungen ausfüllt. Am Schalter bekommt man dann prompt die Reservierungsscheine ausgestellt. Auch Reisende ohne Reservierung – nicht alle Shinkansen sind reservierungspflichtig – bekommen auf dem Bahnsteig ihre Plätze zugewiesen, was Stau und Gedränge bei der Platzsuche verhindert. Dass sich das im Shinkansen von Hakodate nach Tokio vergessene Smartphone meiner Freundin andern Tags im Fundbüro der Tokio Station wiederfand, rundet dieses überaus positive Bild von der japanischen Bahn als Dienstleistungs-Paradies ab.

Doch nicht nur an den Bahnhöfen und in Bussen gilt: Wer um Hilfe bittet, wird gar nicht mehr aus den Augen gelassen. Auf der Suche nach unserem Hotel in Takayama begleitete uns ein älterer japanischer Herr eine geschlagene halbe Stunde bis wir dank seiner Hartnäckigkeit endlich fündig wurden!

Von Japan lernen? Das Rätsel hinter der Fassade

So gesehen ist es durchaus verwunderlich, dass sich bei den Rankings zur Lebensqualität das Land Japan selten unter den Top 20 findet. Ob dies an den hohen Lebenshaltungskosten liegt, an der tradierten Frauenrolle oder an der Anfälligkeit für Erdbeben? In japanischen Filmen und Romanen ist viel von Leistungsdruck die Rede, dem bereits Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind.

Als Tourist kann man nur ahnen, was sich hinter den Fassaden der Häuser und Gebäude verbirgt, die zugegebenermaßen auch in Großstädten oft sehr hässlich sind. Was man als Japanreisender nicht sieht, ist die Armut. In den drei Wochen, in denen wir dort unterwegs waren, haben wir keinen einzigen Bettler und Obdachlosen zu Gesicht bekommen. Dafür jede Menge Polizisten und Polizeistationen, die einem wohl das Gefühl von Sicherheit geben sollten. Und noch etwas ist uns aufgestoßen: Alles ist irgendwie übermäßig und unnötigerweise eingepackt. Ständig bekommt man Plastiktüten zum Einkauf dazu und oft sind sogar die Flyer, die auf der Straße verteilt werden, noch in Folie verpackt.

Am Essen und am Trinken liegt es bestimmt nicht – allein das berühmte und butterzarte Kobe- oder Hida-Beef, wie es in Takayama und Kyoto aufgetischt wird oder die Fülle der Meeresfrüchte auf Hokkaido machen Japan zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ersten Ranges!

Aller schlechten Dinge sind vier – auch beim Bier!

Die bekanntesten japanischen Biersorten sind Asahi Bier, Sapporo Bier und Kirin Lager und müssen sich hinter den deutschen Bieren nicht verstecken! Apropos Bier: Man sollte auf jeden Fall vermeiden mit dem vierten Bier aufzuhören! Dass die Zahl „vier“ Unglück bringt, habe ich dummerweise erst erfahren, als es schon zu spät war.

Zur Erklärung: „Vier“ wird „shi“ ausgesprochen und ist damit phonetisch gleichbedeutend mit dem Wort für Tod. Daher wird die „vier“ im Alltag umgangen, auch Hotelzimmer mit der Nummer vier gibt es oftmals nicht. Hätte ich das gewusst, hätte ich im Biermuseum in Sapporo bestimmt noch ein fünftes Bier bestellt. So kam es, wie es wohl nicht unbedingt kommen musste. Am selben Abend setzte es für mein geliebtes Schalke nach einem fulminanten Auftaktsieg gegen Leipzig eine (un)erklärbare 1:0 Schlappe gegen den Aufsteiger aus Hannover. —– Fotos (c) Udo Legner



Historisches Bürgerfest: Wenn die Verödung der Welt keine Schmerzen mehr bereitet

Wenn man mit dem Rad den verödeten Park beim Roten Tor entlang fährt, kann man es kaum fassen und hofft, dass es sich um eine optische Täuschung handelt. Doch es ist keine Täuschung: Die Stadt Augsburg gibt ihre Parkanlagen preis!

Kommentar von Siegfried Zagler

Temporäre Vernichtung eines Parks

Temporäre Vernichtung eines Parks


Mystische Feste, wie zum Beispiel Ostern, Karneval oder Weinachten sind in die kulturelle DNA einer Gesellschaft eingewebt und gehören zu den wenigen Zivilisationsmerkmalen, die weit über nationale Grenzen hinausreichen. Weniger universal sind dagegen kollektive Identitätskonstruktionen, die sich aus lokalen Besonderheiten herausgebildet haben und engere Relevanzklammern bilden – wie zum Beispiel in Augsburg das Turamichelefest, das Hohe Friedensfest oder der Plärrer.

Nimmt man die Unterhaltungsshows des Augsburger Stadttheaters auf der Freilichtbühne dazu, haben sich innerhalb einer kurzen Zeitspanne in Augsburg eine Reihe von nicht-historischen Festivitäten gebildet, die mit einem kulturell eher niederschwelligen Angebot die Augsburger Innenstadt zu einer Art Eventzone definieren. Allen voran die Sommernächte, das Modularfestival, La Strada, die lange Nacht des was auch immer, das Ulrichsfest, das Bismarckfest und nicht zuletzt der sogenannte „Taubenschlag“, ein Nebenprogramm des Kulturprogramms zum Hohen Friedensfest. Und drei Tage in der Woche feiert nächtens im Augsburger Sommer zuverlässig der Alkohol- und Partymob auf der Maximilianstraße vor sich hin.

Alle oben angeführten Veranstaltungen wurden und werden von den Vertretern der Stadt wohlwollend bewertet und auch mit weitschweifigen Grußworten unterstützt. Auch wenn es sich um kulturelle Manifestationen handelt, die einer geschichtsbewussten Tradition und einer urbanen Aura der Stadt zuwiderlaufen, soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass bezüglich dieser jüngeren Festivitäten ein langer und intensiver politischer Prozess vorausging. Man kann sich über die Feste wundern, ärgern und man kann sie aufs Horn nehmen, aber bei Tagesanbruch kommt der städtische Reinigungsdienst und die Müllabfuhr und beseitigt die Spuren des Klimbims und die Stadt wird wieder zur Stadt.

Anders verhält es sich beim sogenannten „Historischen Bürgerfest“ in der Parkanlage am Roten Tor. Dort campiert im zweijährigen Turnus in den ersten beiden Augustwochen ein historisches Disneyland mit Pferden und Feuershows. Der Park am Roten Tor wird zwei Wochen zugesperrt und bleibt für den Rest des Sommers unbetretbar.

Die beiden Fragen, die angesichts dieser beispiellosen temporären Vernichtung eines urbanen Erholungsraumes zu stellen sind, sind Fragen, die ein tiefes Luftholen und somit einen langen Atem verlangen: Wer hat das zu verantworten? Wer kann dafür politisch zur Verantwortung gezogen werden?

Wenn eine Stadt es billigend in Kauf nimmt, dass ein öffentlicher Park im Herzen der Stadt über Monate hinweg von ihren Bürgern nicht mehr zu betreten ist, damit sich dort für zwei Wochen ein pseudohistorischer Klamauk breitmachen kann, dann scheint in dieser Stadt der kulturelle und politische Niedergang bereits so weit fortgeschritten, dass selbst die Verödung der Welt keine Schmerzen mehr bereitet.



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