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FCA liefert sich mit Gladbach ein großartiges Duell

Der FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach trennten sich in der 2. Runde der Fußballbundesliga mit einem leistungsgerechten 2:2 Unentschieden. Die Tore für den FCA erzielten Finnbogason mit einem sogenannten Blitztor nach 35 Sekunden und Sergio Córdova (89.). Für Gladbach netzten Zakaria (8.) und Wendt (30.) ein.

Von Siegfried Zagler

Wer hätte das gedacht: Der FC Augsburg zeigt über die gesamte Distanz gegen Borussia Mönchengladbach in der WWK Arena vor 29.000 Zuschauern ein starkes Spiel und hätte durchaus als Sieger vom Platz gehen können, hätten Finnbogason und Co. ihre Chancen nicht so fahrlässig vergeben. Bereits in der siebten Minute hätte die Vorentscheidung in einer insgesamt schnellen und rassigen Partie fallen können: Finnbogason legte, nachdem der FCA schön in den Strafraum der Gladbacher kombiniert hatte, einen Tick zu schwach zurück, sodass Jonathan Schmids Hammer von Veestergard zur Ecke geblockt werden konnte – mit der Hand. Ohne diesen irregulären Block wäre das Leder im Gästekasten eingeschlagen! Wenige Sekunden später fiel für Gladbach der Ausgleich, da die zu weit aufgerückte FCA-Abwehr mit einem schlichten Doppelpass aus dem Halbfeld ausgekontert wurde: Denis Zakaria nimmt mit Ball Tempo auf, passt zu Lars Stindl, der wieder auf Zakaria vorlegt und dieser behielt allein vor Hitz die Nerven: 1:1!

Anschließend bestimmte die Borussia das Spiel und ging folgerichtig auch in Führung. Raffael setzte sich im Sechzehner durch, legte für Patrick Herrmann auf, dessen Schuss Hitz nicht festhalten konnte. Schließlich köpfte Wendt die 2:1-Führung für Gladbach aus kurzer Distanz (30.). Dies wäre sicher nicht passiert, hätte Alfred Finnbogason nicht versagt, als er einen Steilpass erlief und Jan Sommer mit einem Schüsschen langweilte (29.). In der 41. Minute zog Thorgan Hazard im Fünfer aus spitzem Winkel ab, traf aber nur den Innenpfosten des Augsburger Tores. Kurz vor der Halbzeitpause hatte wiederum Finnbogason den Ausgleich auf dem Fuß, verzog aber aus wenigen Metern (43.). Dennoch ging der Halbzeitstand (1:2) für Gladbach in Ordnung.

Wie bereits in Halbzeit eins legte der FCA in der zweiten Halbzeit los wie die Feuerwehr. Zuerst köpfte Michael Gregoritsch nach einer Flanke von Philipp Max über das Gästetor (47.), dann lenkte Sommer einen 25-Meter-Schuss von Finnbogason mit den Fingerspitzen noch über den Querbalken (48.) und schließlich prüfte auch noch Daniel Baier den Gladbacher Torhüter (49.). In der 50. Minute landete ein Kopfball von Caiuby im Anschluss an eine Ecke neben dem Tor (50.). In fünf Minuten vier vergebene Großchancen: deutlicher kann man kaum darstellen, woran es fehlt.

Der FCA zeigte keine Resignation, sondern hielt das Tempo hoch und kam in der 64. Minute zu einer weiteren Chance: Nach Vorarbeit von Finnbogason stand Schmid allein vor Torhüter Sommer, der in höchster Not seinen Kasten sauber hielt.

Mit einem Dreifachwechsel wollte FCA-Trainer Baum die Schlussphase der Partie forcieren. Es sollte funktionieren: Zunächst strich ein Kopfball von Martin Hinteregger knapp am Tor der Gäste vorbei (77.), dann klärte Vestergaard im eigenen Fünfer eine gefährliche Aktion (78.). Mit Leidenschaft und Kampf drängte Augsburg auf den Ausgleich, drei Minuten vor Spielende köpfte Marcel Heller den Ball in die Arme von Sommer (87.). Zwei Minuten später war es soweit: Serio Córdova versenkte den Ball mit einer sehenswerten Direktabnahme aus fünf Metern im Gladbacher Tor zum 2:2 (89.). Die punktgenaue Hereingabe kam von Heller. Hinteregger hatte in der Nachspielzeit sogar noch das Siegtor auf dem Kopf, traf aber aus aussichtsreicher Position das Tor nicht (90.+1.).

Nach der Länderspielpause empfängt der FCA am 9. September den 1.FC Köln.

FCAMarwin Hitz; – Jeffrey Gouweleeuw; Philipp Max; Raphael Framberger; Martin Hinteregger; – Daniel Baier; Michael Gregoritsch; Jonathan Schmid; Ja-Cheol Koo; Francisco da Silva Caiuby; – Alfred Finnbogason.

Eingewechselt: Marcel Heller (76.); Rani Khedira (76.); Sergio Córdova (76.); –

Ausgewechselt: Michael Gregoritsch (76.); Jonathan Schmid (76.); Ja-Cheol Koo (76.); –

Auswechselbank: Andreas Luthe (TW); Daniel Opare; Gojko Kacar; Dong-Won Ji.

Tore:

1:0 Alfred Finnbogason (1.)

1:1 Denis Zakaria (8.)

1:2 Oscar Wendt (30.)

2:2 Sergio Córdova (89.)



FCA: Gladbach könnte der passende Gegner sein

Warum gegen Gladbach ein Sieg im Bereich des Möglichen liegt

Von Siegfried Zagler

Niemand weiß genau, wie viele Zuschauer am 15. August 1973 im Münchner Olympiastadion das Zweitligaspiel zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Augsburg verfolgten. Vorsichtige Schätzungen gehen von 80.000 aus, vermutlich waren es deutlich mehr. In manchen Berichten ist gar von 90.000 die Rede. Es war ein lauer Sommerabend, als in Augsburg das Fußballfieber ausbrach und sich geschätzte 50.000 FCA-Zugewandte spontan dazu entschlossen, ihrer Haller-Begeisterung nachzugehen. Ob nun 10.000 oder 20.000 Menschen mit oder ohne Eintrittskarten das Stadion stürmen sollten, blieb ebenfalls ungeklärt. Das unglaubliche Fußballspiel, das heute den inoffiziellen Zweitliga-Zuschauerrekord hält, ging 1:1 aus. Helmut Haller spielte seine erste Saison beim FCA und war damals ein Weltstar des Fußballsports. Von Haller waren an diesem denkwürdigen Abend drei, vier technische Aktionen zu sehen, die man in in dieser Perfektion – Beckenbauer hin, Beckenbauer her – in München noch nicht gesehen hatte. Der FCA war mit Haller megasexy und hätte alle Möglichkeiten gehabt, zu einer Zeit als sich der Profifußball in Deutschland gerade zu entwickeln begann, eine feste Größe auf der Landkarte der Bundesliga zu werden. Es sollte anders kommen.

Als sich 27 Jahre später, am letzten Spieltag der Zweitliga-Saison 2009/10 im Berliner Olympiastadion 77.116 Zuschauer einfanden, um die Begegnung Hertha BSC Berlin vs. FC Augsburg zu sehen, standen beide Teams als Bundesliga-Aufsteiger bereits fest. Der FCA war längst aus seinem 23-jährigen Tiefschlaf erwacht und spielte bereits die vierte Saison in der zweiten Liga. Die Zuschauerzahl dieses Spiels gilt heute als offizielle Zahl für den Zuschauerrekord eines Zweitliga-Spiels, womit der FCA wohl für die Ewigkeit als der Verein in die Geschichte des deutschen Fußballs eingeht, der einen inoffiziellen und einen offiziellen Zweitliga-Zuschauerrekorde hält.

In allen sechs Bundesligaspielzeiten, die nach diesem Aufstieg folgen sollten, wurde der FCA als Hauptverdächtiger für den Abstieg verhandelt. Das ist auch in dieser Saison so, worüber sich in Augsburg niemand aufregt. Schließlich befindet sich der FCA saisonübergreifend in einer Torflaute, die nicht unbedingt Anlass zum Optimismus gibt: In den letzten fünf Pflichtspielen erzielte der FCA zwei Tore. Das sind 0,4 Tore pro Spiel. Bliebe es bei dieser Quote, würde der FCA mit 14 geschossenen Toren seine siebte Bundesligasaison beenden und als Absteiger Tasmania Berlin (10 Punkte 15:108 Tore) als schlechtesten Absteiger aller Zeiten übertreffen. Soweit wird es wohl nicht kommen, doch ob der FCA mit seinem aktuellen Kader „absolut bundesligatauglich“ ist, wie FCA-Trainer Manuel Baum zu wissen glaubt, wird nicht nur seitens der DAZ bezweifelt. Tasmania Berlin ist auch Inhaber eines anderen Negativrekordes, der wohl auch für die Ewigkeit bestimmt ist: 827 Zuschauer sahen in der Saison 1965/66 im Berliner Olympiastadion die Partie zwischen Tasmania und Borussia Mönchengladbach.

Womit wir in der Jetztzeit sind. In wenigen Stunden kreuzen in der WWK Arena, die nicht ausverkauft sein wird, der FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach die Klingen. Wollte man für dieses Spiel diverse Statistiken bemühen, käme man vorschnell zu einer Prognose, die den FCA als Favorit notiert. Das Auftaktspiel gewannen die Gladbacher zwar im emotionsgeladenen Derby gegen Köln, doch gerade dieser Sieg bedient eine Serie, die für den FCA spricht: Zwei Siege zum Auftakt gelangen den Fohlen in 49 Spielzeiten in der Bundesliga nur fünf Mal, zuletzt 1995/96. Die nächste pro-FCA-Serie: Seit die Augsburger dem Oberhaus angehören, haben die Gladbacher am Lech noch nicht gewonnen. Drei Siege, drei Unentschieden stehen für den FCA in der Heimspiel-Bilanz gegen Gladbach zu Buche. Kein anderes Bundesligateam hat eine schlechtere Augsburg-Bilanz als die Hecking-Schützlinge.

Was sonst noch für den FCA spricht? Wenig! Das sieht selbst FCA-Trainer Baum nicht anders: „Die Borussia hat eine extrem gute Spielanlage, sie sind sehr beweglich und haben Top-Qualität. Sie gehört für mich in dieser Saison zu den sechs besten Mannschaften in der Bundesliga. Wir sind zum jetzigen Stand weiter als im letzten Jahr, das hat das HSV-Spiel gezeigt. Wir wollen es jetzt über’s Kollektiv lösen.“ Wenn man das „Kollektiv“ als Lösung anführt, dann heißt das in die Normalsprache übersetzt: „Wir sind krasser Außenseiter, aber im Fußball kann man das wettmachen.“ Gladbachs Trainer Dieter Hecking geht die Partie mit breiter Brust an: „Wir sind gut drauf“, so Hecking, der auch gegen den FCA auf die spielerischen Qualitäten seiner Mannschaft baut. Das könnte die Siegchance des FCA erhöhen, falls die Augsburger ihre Vorsätze auch auf den Platz bringen sollten, nämlich den Gegner früh attackieren, um bei Balleroberung mit mehr Wucht und Willen als in Hamburg den Abschluss zu erzwingen.

Während Gladbach einen perfekten Saisonauftakt vorzuweisen hat, muss sich der FCA gegen eine Mini-Krise stemmen. Immerhin bleibt dem FCA ein hochmotivierter Bobadilla erspart: „Dem FCA war es sehr wichtig, dass ihr früherer Publikumsliebling nicht im ersten Heimspiel gegen sie aufläuft. Wir haben diesem Wunsch entsprochen“, so Borussias Sportdirektor Max Eberl auf der Homepage der Gladbacher. Raúl Bobadilla hatte kurz vor dem Saisonstart völlig überraschend einen Zweijahresvertrag bei der Borussia unterschrieben. Sollte der FCA heute – Statistik hin, Statistik her – sang- und klanglos gegen entfesselte Gladbacher untergehen, wird das Baum-Wort der „Bundesligatauglichkeit“ weiter zu hinterfragen sein. Möglicherweise ist aber gerade Borussia Mönchengladbach der passende Gegner für den FCA. Ein Sieg gegen die Fohlen liegt natürlich – wie gegen jeden anderen Bundesligagegner – im Bereich des Möglichen. Schließlich spielt man in der gleichen Liga.



Ausstellung: „Panorama“ – Photographien von Walter Käsmair

Mit der Ausstellung „Panorama“ erinnert die Augsburger Kunstpädagogik an ihren langjährigen Fotografie-Lehrbeauftragten, den im Oktober 2016 verstorbenen Künstler Walter Käsmair.

Walter Käsmair, 1957 in Augsburg geboren, arbeitete bis zu seinem überraschenden Tod am 23. Oktober 2016 als freischaffender Künstler und Lehrbeauftragter für Photographie am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg.

Seine Suche nach dem Licht begann meist, wenn Dunkelheit aufzog und die Stadt unbewohnt schien. In Walter Käsmairs Werk war für Menschen kein Platz. Ihm ging es nämlich um nicht viel weniger als die Erfindung einer anderen Welt. Der fotografische „Sucher“ sucht nicht, sondern inszeniert. Der Künstler unter den Fotografen steuert den Lauf des Lichts in einen unentdeckten Raum. Der Raum hieß bei Käsmair „Augsburg“. Ein Augsburg, das es außerhalb seiner Lichtgemälde nicht gibt. Augsburg ist, das könnte man beim längeren Betrachten der fotografischen Kunstwerke Walter Käsmairs leicht vergessen, nämlich eine bewohnte Stadt. In Käsmairs Fotogemälden ist Augsburg ein sakraler Ort, ein Kunstwerk, in dem gewöhnliche Menschen nichts verloren haben. Die Maximilianstraße, die Kahnfahrt, die Stadtmetzg, der Rathausplatz, die Altstadt, der Stempflesee: Es gibt keinen Ort, der ohne Geheimnis wäre: Augsburg als glanzvolle Dämmerung am Vorabend eines Ausbruchs, als atmender Ort einer versunkenen Geschichte, als Mitte einer Welt, die nur für höhere Wesen bestimmt zu sein scheint.

Als Lichtbildner war Walter Käsmair ein Perfektionist und dabei ein Handwerker, der sich mit seinen Schwarz-Weiß-Gemälden an dem Werk des großen Amerikaners Ansel Adams orientierte. Weil seiner Meinung nach der „Blitz“ durch sein pralles, flaches Licht die Tiefenwirkung eines Foto-Gemäldes zerstört, verzichtete Käsmair auf diese Technik und brannte mit zarten Übergängen von Weiß zu Schwarz eine Entrücktheit und Überzeitlichkeit auf seine Bilder, die im Lauf der Jahrzehnte zur unverwechselbaren Signatur seiner Besessenheit wurden. In den Schwarz-Weiß-Fotografien des Augsburger Fotokünstlers Walter Kaismair zeigt sich eine Welt, die nur wenige Momente existiert und dennoch für die Ewigkeit geschaffen wurde. Eine Welt, die wir zwar alle kennen, die uns aber verborgen bleibt. Der 1957 geborene Walter Käsmair wohnte die meiste Zeit seines Lebens im Lechviertel und zählte zu den wenigen Augsburger Persönlichkeiten, die ausschließlich ihre Stadt ins Zentrum ihrer Schaffenskraft stellten – und gerade deshalb durch und durch antiprovinziell wirkten.

Die Ausstellung „Panorama“ ist in der Universität Augsburg bis zum 30. September 2017 im 2. Obergeschoss des Zentrums für Kunst und Musik (Gebäude G, Universitätsstraße 26, 86159 Augsburg) zu sehen. Sie ist montags bis freitags von 9.00 bis 19.00 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.

(Foto: Karin Strauß)



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