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Was ist Wählertäuschung, was nicht?

Anmerkungen zum Scheitern der CSM

Kommentar von Siegfried Zagler

Im Gegensatz zu Berufspolitikern in Landtagen und im Gegensatz zu Bundestagsabgeordneten üben Stadträte in den kommunalen „Verwaltungsparlamenten“ ein Ehrenamt aus, von dem man nicht einfach zurücktreten kann, weil man sich politisch nicht mehr einer bestimmten Gruppierung oder Fraktion zugehörig fühlt. Ein Ausscheiden aus dem Stadtrat wird über die Gemeindeordnung geregelt. Krankheit oder Wohnortwechsel sind mögliche Gründe. Der Stadtrat stimmt über die Zulässigkeit des Ausscheidens ab. Bleibt ein Stadtrat, der aus einer Fraktion ausscheidet, ohne sich einer anderen Fraktion oder einer Ausschussgemeinschaft anzuschließen, als Einzelperson im Stadtrat, hat er kaum noch Möglichkeiten, an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken.

Aus diesem Grund ist es über die Gemeindeordnung abgesichert und auch politisch sinnvoll, wenn sich in den kommunalen Stadt-und Gemeinderäten während einer Stadt- oder Gemeinderatsperiode fraktionslose Stadträte anderen Fraktionen anschließen oder neue Fraktionen oder Ausschussgemeinschaften bilden. Es ist also nicht nur formal falsch, sondern auch politisch falsch gedacht, wenn in der veröffentlichten Meinung die Ansicht vertreten wird, dass aus den Fraktionen ausgetretene Kommunalpolitiker auch aus den Kommunalparlamenten ausscheiden müssten. Das hat damit zu tun, dass das kommunale Wahlrecht in Bayern es ermöglicht, dass einzelne Kandidaten gewählt werden können, ohne dass man dafür die Partei-Liste wählen muss, auf der die Kandidaten zur Wahl antreten. Die Kommunalwahl in Bayern ist auch eine Persönlichkeitswahl. Wenn also Stadträte ihre Fraktionen verlassen, um zu anderen politischen Gruppierungen zu wechseln, darf man nicht kategorisch von „Wahlbetrug“ oder Täuschung der Wähler sprechen. In allen Parteien des aktuellen Regierungsbündnisses gibt es Personen, die keine Stadträte wären, wären sie in ihren Listen nicht nach vorne gewählt worden. Eine Sieglinde Wisniewski (SPD) wäre wohl auch auf der Grünen Liste nach vorne gewählt worden, eine Pia Härtinger (Grüne) wohl auch auf einer SPD-Liste und ein Willi Leichtle (SPD) wohl auf jeder anderen Liste. Man könnte ein Dutzend weitere Beispiele nennen.

Unabhängig davon, sind personelle Wechselbewegungen von einer Fraktion zu einer anderen politische Aktionen, die selbstverständlich politisch bewertet werden müssen. Im Zusammenhang mit dem Wechsel der letzten CSM-Stadträtin Claudia Eberle zu Pro Augsburg stand in der vergangenen Woche wieder einmal das Wort der „Wählertäuschung“ im Raum. Im Fall der CSM ist das zutreffend, in anderen Fällen nicht.

I Die CSM

Dass sich eine neue Gruppierung (CSM) bildet, die vor der Wahl damit wirbt, die bessere CSU sein zu wollen, und mit drei Stadträten in den Stadtrat gewählt wird, um nach drei Jahren wieder in die CSU zurückzukehren, ist schwere Wählertäuschung. Obwohl Claudia Eberle lange die Stellung hielt und am Ende des Tages nicht zur CSU-Fraktion zurückkehrte, muss festgehalten werden, dass die CSU 2014 mit 23 Stadträten in den Stadtrat gewählt wurde und nun mit den beiden CSM-Rückkehrern und dem ehemaligen AfD-Stadtrat Marc Zander 26 Stadträte in den Augsburger Stadtrat einbringt. Durch die Bildung der CSM und ihre späteren inhaltlichen Schwächen und die wiederum damit verbundene Auflösung, die auch damit zu tun hatte, dass Frontmann Hermann Weber ausschied, weil er einen hochkarätigen Verwaltungsjob nicht ablehnen wollte, diente die CSM in hohem Maße der Stärkung der CSU – nachträglich. Im direkten Wahlergebnis verlor die CSU im Vergleich zu 2008 2,4 Prozentpunkte. Nachträglich liegt die CSU durch die „Zuwanderung“ der AfD-CSM Stadträte mit Stadtratssitzen deutlich über dem Ergebnis von 2008. Zu verantworten haben das die Stadträte von CSM und AfD: Ein schwerer Fall von Wählertäuschung!

II Die AfD

Die AfD zog 2014 mit vier Stadträten in den Augsburger Stadtrat ein. Nach dem Essener Parteitag und dem damit verbundenen Rechtsrutsch und der Lücke-Abspaltung traten Thomas Lis und Marc Zander aus der AfD aus. Lis ging zu Pro Augsburg, Zander blieb eine Weile parteilos, um später bei der CSU einzutreten. Thorsten Kunze trat später aus persönlichen Gründen aus der AfD aus. Kunze wurde bei der Wahl von Listenplatz 3 auf Platz 5 zurückgewählt und kam ohnehin nur als Nachzügler in den Stadtrat, weil der vorgewählte Alexander Bolkart schnell („aus persönlichen Gründen“) hinwarf und aus dem Stadtrat ausschied. Sind die Motive der AfDler, die AfD zu verlassen plausibel und verständlich, so trug die Fastauflösung der AfD erheblich dazu bei, am Ende des Tages eben jene politische Konkurrenz zu stärken, gegen die sie im Wahlkampf angetreten waren. Wie gesagt: Ein klarer Fall von Wählertäuschung!

III Die FDP

Einen besonders merkwürdigen Fall der Wählertäuschung finden wir bei der Augsburger FDP vor. Dabei geht es nicht um die FDP, sondern um Stadtrat Markus Arnold, der mit dem FDP-Ticket als einziger FDP-Mann 2014 in den Stadtrat einzog. Aus Gründen, die wohl nur Bernd Kränzle und Johannes Hintersberger erklären können, bot die CSU Arnold eine Hospitanz in der CSU-Fraktion an. Arnold nahm an und sitzt nun als vollwertiges Mitglied in der CSU-Fraktion und pflegt seit vielen Jahren seinen individuellen Distanzierungsprozess bezüglich der Augsburger Kreis-FDP, wo Markus Arnold kein Standing mehr hat und darauf auch wohl wenig wert legt. Die Kreis-FDP hatte von Beginn an nur formal ein Mandat im Augsburger Stadtrat. Politisch gehört Arnold zur CSU-Fraktion, der er auch einen Fraktionskostenzuschuss von 300 Euro pro Monat zukommen lässt.

IV Peter Grab

Der ehemalige Kulturreferent und 2. Bürgermeister (2008 – 2014) der Stadt Augsburg stürzte innerhalb eines kurzen Zeitkorridors zweimal tief. Zuerst bei der Kommunalwahl 2014, als er als Frontmann von Pro Augsburg ein granatenschlechtes Wahlergebnis einfuhr und somit sein Hang zur Selbstüberschätzung vom Wähler erkannt und sanktioniert wurde. Und zum Zweiten, als er wegen einer in einem Schmuddelblog ausgebreiteten Sexaffäre vom PA-Verein aus Pro Augsburg heraus gemobbt wurde. Grab versuchte sich mit einer Ausschussgemeinschaft mit der damals noch zweiköpfigen AfD politisch über Wasser zu halten, wovon er aber wieder Abstand nahm, weil er einsehen musste, dass eine Bürogemeinschaft mit Rechtspopulisten politisch nicht vermittelbar ist. Grab gründete als Einzelstadtrat eine neue Wählergruppierung (WSA) und leistet heute unaufgeregte und kaum wahrnehmbare Oppositionsarbeit. Kein Medium hat Grab stärker kritisiert als die DAZ. Und dennoch muss man an dieser Stelle WSA-Mann Peter Grab attestieren, dass er gerade wegen seines dilettantischen Agierens keine Wählertäuschung betrieben hat.

V Die CSU

Einer Partei wie der CSU, die in Bayern seit mehr als einem halben Jahrhundert an der Macht ist, wird in Sachen nicht eingelöster Wahlversprechungen aus Tradition viel zu wenig nachgetragen. Ungeachtet dessen liegt schwerwiegende Wählertäuschung vor, wenn man im Wahlprogramm Steuererhöhungen ausschließt und sie dann mit einem Impetus der Selbstverständlichkeit beschließt, als hätte es dieses Versprechen nie gegeben.

VI Die Grünen

Bei den Grünen reicht ein Blick ins Wahlprogramm, um zu erkennen, dass sie sich mit großer Lust vor der Wahl an eine Maxime der Regenbogenregierung erinnerten: keine weitere Neuverschuldung, sondern Haushaltskonsolidierung. Aus der Grünen Priorisierung des nachhaltigen Haushaltens ist nichts geworden. Die Grünen stimmten, nach der Wahl zum Regierungsbündnis gehörend, geschlossen für Haushaltseinbringungen, die die höchsten Neuverschuldungsbeträge der Nachkriegsgeschichte beinhalteten. Für diese 180-Grad-Kehre ließ sich die Grüne Fraktion das Placet von ihren Mitgliedern geben, die sie zu einer Urabstimmung baten, um ihre Beteiligung an einer beispiellosen städtischen Schuldenpolitik politisch absichern zu lassen. Die Grünen haben zirka 200 Mitglieder, die nicht ansatzweise ihre Wählertäuschung an 84.000 Wählern legitimieren können.

VII Die SPD

Die Augsburger SPD verlor bei der Kommunalwahl 2014 sechs Stadtratssitze und erzielte mit 22,4 Prozent das schlechteste Wahlergebnis in der Stadt Augsburg, die in den 70er- und 80er-Jahren eine SPD Hochburg war. Vergleicht man die Anzahl der aktuellen SPD-Fraktion mit den Fraktionsstärken der 70er- und 80er-Jahre, lässt sich feststellen, dass sich die SPD in Augsburg halbiert hat. Festzumachen ist das am Führungspersonal der Augsburger Sozialdemokraten, das von Periode zu Periode zunehmend an politischer Aura und gesellschaftlicher Überzeugungskraft verlor. Nach dem Wahldesaster 2014 trat innerhalb der Augsburger SPD niemand aus einer Führungsposition zurück. OB-Kandidat Stefan Kiefer wurde Sozialreferent, Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wurm Ordnungsreferent. Der damit zusammenhängende Aufstieg der Margarete Heinrich zur Fraktionsvorsitzenden unterstreicht die Unsichtbarmachung der Augsburger SPD auf spektakuläre Weise. Obwohl die SPD bisher kaum Wahlversprechen ihres umfangreichen Wahlprogramms umzusetzen verstand, liegt bei der SPD keine Wählertäuschung vor. Eine Koalitionsbildung mit der CSU lag bereits vor der Wahl in der Luft und bei der Bildung einer Koalition muss man in der Lage sein, von eigenen Programminhalten Abstand zu nehmen. Die Augsburger SPD leidet an vielen Krankheiten, nicht aber daran, dass sie die Wähler getäuscht hat.

VII Oberbürgermeister Kurt Gribl

OB Kurt Gribl, der mit 51,8 Prozent der Wählerstimmen 2014 zum zweiten Mal ins Oberbürgermeisteramt gewählt wurde, ist der Architekt des aktuellen Augsburger Regierungsbündnisses zwischen CSU, SPD und den Grünen. Kurt Gribl hat seinen überzeugenden Wahlsieg (51,8 Prozent) und die überraschend hohen 37,7 CSU-Prozentpunkte dafür verwendet, um mit 72,5 Prozent der Stadtratssitze Politik zu machen. Kurt Gribl sitzt inzwischen dem Bayerischen Städtetag vor, gehört in der bayerischen CSU zu einer anerkannten Größe (einer von fünf stellvertretenden Parteivorsitzenden) und sitzt nach langen Anlaufschwierigkeiten nun auch in der Augsburger CSU fest im Sattel. Er gehört in Bayern zur politischen Elite und zu den schnellsten Aufsteigern der CSU-Geschichte. Diesen Aufstieg verdankt er auch dem Augsburger Bündniskonstrukt, das dem Macher Kurt Gribl stets solide Mehrheiten sichert. Mit dem Wählerwillen der Kommunalwahl 2014 korrespondiert das Augsburger Bündnis nur schwach. Die Wähler der SPD und der Grünen haben diese beiden Parteien nicht gewählt, um einen CSU-Oberbürgermeister in Augsburg zum politischen Supermann zu küren.

Die Praxis der Politik fragt nicht nach dem Wählerwillen, sondern danach, was sich aus einem Wahlergebnis machen lässt. Die Augsburger Kommunalpolitik reflektiert auf atemberaubende Weise die Differenz zwischen Politik und moralischen Verpflichtungen. Eine Differenz, die in ihrer Schnittmenge das technische Handwerk der Wählertäuschung erkennbar macht, nämlich Überzeugungen zu besitzen, diese zu erhöhen und zu verraten.



Martin Junge erhält den Preis Augsburger Friedensfest 2017

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrer Dr. h.c. Dr. h.c. Martin Junge (56), ist Träger des diesjährigen „Preis Augsburger Friedensfest“.

Martin Junge

Martin Junge (c) LWB


Dies gab Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl am heutigen 8. August, dem Augsburger Hohen Friedensfest, bei der Feierstunde im Goldenen Saal des Rathauses vor rund 200 Gästen bekannt. Martin Junge wurde 1961 in Chile als Sohn einer österreichischen Mutter und eines chilenischen Vaters geboren. Er studierte Theologie in Deutschland und arbeitete in Deutschland, Chile und der Schweiz. Seit 2010 leitet er das Büro der Kirchengemeinschaft des LWB in Genf.

Kurt Gribl nannte den evangelisch-lutherischen Theologen einen „geduldigen Brückenbauer zwischen den Kontinenten, der aufgrund seiner theologischen Prägung und seiner Herkunft Europa als „globalen Norden“ und Südamerika als „globalen Süden“ miteinander verbindet.“ Regionalbischof Michael Grabow von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Oberkirchenrat im Kirchenkreis Augsburg würdigte Martin Junge als Kenner der theologischen und kirchlichen Tradition des europäischen Luthertums, der zugleich von der lateinamerikanischen Theologie stark inspiriert ist.

„In seinem Denken und Handeln verbindet sich ein klares Bewusstsein für den geistlichen Charakter der Kirche mit engagierter Weltverantwortung. Zugleich setzt er sich nachdrücklich für ein globales Selbstverständnis der lutherischen Kirche ein“, so Grabow über den Generalsekretär der größten lutherischen Weltgemeinschaft. Der LWB umfasst 145 lutherische Kirchen mit über 74 Millionen Mitgliedern in 98 Ländern.

Martin Junge: „Weg der Versöhnung fortsetzen“

In einer ersten Reaktion zeigte sich Junge gerührt: „Ich fühle mich geehrt und bin dankbar für den Augsburger Friedenspreis. Er ermutigt uns im Lutherischen Weltbund und mich persönlich, den Weg der Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen fortzusetzen. In einer Welt, die von Konflikt, Spaltung und zersetzenden Bewegungen geprägt ist, lohnt es sich, im Dialog zu bleiben. Durch kontinuierliche Dialoge wachsen Vertrauen sowie gegenseitiges Verständnis, Unterschiede können überwunden werden. Dies zeigt die Annäherung zwischen Lutheranern und Katholiken in den 50 Jahren des Dialogs zwischen LWB und Vatikan eindrücklich.“

Mit Verweis auf den Augsburger Religionsfrieden (1555) und die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) hob Junge die Bedeutung der Stadt Augsburg hervor: „Augsburg steht für die Friedensbemühungen zwischen Katholiken und Lutheranern. In diesem Geiste wollen wir unseren gemeinsamen Weg fortsetzen“. Regionalbischof Michael Grabow begründete die Entscheidung der Friedenspreis-Jury, deren Vorsitzender er ist.

Jury-Mitglieder sind außerdem OB Dr. Kurt Gribl, Oberkirchenrat Michael Martin, Stadtdekanin Susanne Kasch, Weihbischof Dr. Anton Losinger, Professor Dr. Bernd Oberdorfer, Dr. Herbert Veh, Präsident des Landgerichts, Rechtsanwalt Dr. Thomas Weckbach und Professor Dr. Gregor Wurst.

In Anlehnung an den konfessionellen Hintergrund des Hohen Friedensfestes haben Stadt und Evangelische Kirche im Jahr 1985 vereinbart, dass der Friedenspreis „für besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten“ verliehen wird. Das Hohe Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August in Augsburg gefeiert. Es geht zurück auf den Westfälischen Frieden von 1648, der das Ende der Unterdrückung der Protestanten während des Dreißigjährigen Krieges einleitete. Seit 1950 ist der 8. August ein gesetzlicher Feiertag, der nur für das Stadtgebiet Augsburg gilt.

Der mit 12.500 Euro dotierte „Preis Augsburger Friedensfest“ wird seit 1985 alle drei Jahre am 8. August zum Hohen Friedensfest verliehen. Anlässlich der 450-Jahr-Feier des Augsburger Religionsfriedens von 1555 im Jahr 2005 wurde die Preisverleihung ausnahmsweise um ein Jahr vorgezogen. Somit wird auch heuer wieder ein Friedenspreis vergeben. Die eigentliche Preisverleihung findet am Samstag, 21. Oktober 2017 im Goldenen Saal des Rathauses statt.

Mit Blick auf das Augsburger Bekenntnis, die Confessio Augustana 1530, und den Augsburger Religionsfrieden 1555 erinnerte Oberbürgermeister Dr. Gribl daran, „dass es dem Mut der protestantischen Fürsten im 16. Jahrhundert zu verdanken ist, wenn wir heute in der westlichen Welt und in vielen Ländern dieser Erde im toleranten Miteinander der Weltanschauungen und Religionen leben dürfen. Denn der tolerante und respektvolle Umgang miteinander ist ein mächtiger Friedengarant und eines der höchsten Güter, die wir besitzen.“ Leider müsse man erkennen „dass die einst so mutig proklamierte Forderung für gegenseitige Toleranz, für Meinungs- und Glaubensfreiheit auch 2017 bei weitem nicht in allen Ländern unserer Erde eingelöst ist. Auch innerhalb unserer Gesellschaft seien Frieden und Freiheit durch zum Teil hohe Gewaltbereitschaft einzelner Gruppierungen ernsthaft bedroht. Das Augsburger Hohe Friedensfest sei deshalb ein starkes Bekenntnis für das friedliche Miteinander unserer Stadtgesellschaft, deren Merkmal die Vielfalt sei. „Auf diese Vielfalt ist Augsburg stolz. Sie gilt es, täglich zu leben und zu bewahren. Für Menschen, die danach handeln – überall auf der Welt“, so Augsburgs Stadtoberhaupt Kurt Gribl.

Bisherige Preisträger:

2014 an Schwester Dr. Dr. h.c. Lea Ackermann, Gründerin und Erste Vorsitzende von SOLWODI

2011 Papst Shenouda III von Alexandrien (Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, gestorben)

2008 Prinz el Hassan bin Talal von Jordanien (Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, Förderer des „Trialogs“ zwischen Muslime, Juden und Christen)

2005 Michail Gorbatschow (Friedensnobelpreisträger 1990 und früherer Staatschef der Sowjetunion) sowie Christian Führer (Pastor der Leipziger Nikolaikirche, gestorben)

2003 Senator a. D. Helmut Hartmann (Gründer des Forums Interkulturelles Leben und Lernen – FILL)

2000 Sumaya Farhat-Naser (Friedensvermittlerin im Westjordanland)

1997 Dr. Alfons Nossol (Erzbischof in Oppeln/Polen)

1994 Dr. Richard von Weizsäcker (Altbundespräsident, gestorben)

1991 Nathan Peter Levinson (Landesrabbiner Hamburg und Schleswig-Holstein, gestorben)

1988 Chiara Lubich, (Gründerin der Fokolar-Bewegung, gestorben)

1985 Dr. Hermann Kunst (deutscher Militärbischof, gestorben)



ÖDP unterstützt Volksbegehren gegen Flächenfraß in Bayern

Derzeit verschwindet in Bayern täglich die Fläche von zirka 20 Fußballfeldern unter Beton und Asphalt. Verantwortlich hierfür ist laut ÖDP die verfehlte Politik der CSU in Bayern.

So habe die CSU durch ihre Initiative auf Bundesebene erreicht, dass in Außenbereichen von Kommunen ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren durchgeführt werden könne (§13b, Baugesetzbuch). Des Weiteren habe die Landtags-CSU durch die Verwässerung des Anbindegebotes im Bayerischen Landesentwicklungsplan (LEP) dafür gesorgt, dass Gewerbegebiete an großen Schnellstraßen beliebig aneinandergereiht werden könnten. „Damit wird der Zersiedelung unserer Landschaft Tür und Tor geöffnet“, so der Augsburger ÖDP Stadtrat Christian Pettinger.

„Unter Umgehung aller lästigen Bedenkenträger werden nun auch noch die letzten verbliebenen Naturräume Bayerns meistbietend verhökert.“ Die ÖDP begrüßt deshalb ausdrücklich eine Initiative der Landtags-Grünen, die angekündigt haben, ein Volksbegehren gegen den Flächenfraß in Bayern auf den Weg bringen zu wollen. Der Landesvorstand der Bayerischen ÖDP hat bereits vergangene Woche verlauten lassen, dass sich die ÖDP Bayern mit ihrer großen Erfahrung in Sachen ‚direkter Demokratie‘ gerne und aktiv an dem Volksbegehren beteiligen werde.

Auch der Vorstand des Kreisverbandes Augsburg Stadt der ÖDP hat sich nun für eine Teilnahme an dem geplanten Volksbegehren ausgesprochen. Pettinger dazu: „Wenn die CSU die Zerstörung unserer Heimat billigend in Kauf nimmt, dann müssen eben die Bürgerinnen und Bürger jetzt die Notbremse ziehen!“



FC Augsburg vs. PSV Eindhoven: Familienfest statt Fußballfest

Vor dem Start ins verflixte siebte Bundesligajahr stand beim letzten Testspiel des FCA gegen den niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven der Abschied von Kapitän Paul Verhaegh im Mittelpunkt des Interesses, der nach siebenjähriger Zugehörigkeit eine neue Herausforderung sucht und nach Wolfsburg wechselt. In einer Partie ohne große Höhepunkte reichte es für den FC Augsburg vor 14521 Zuschauern zu einem torlosen Unentschieden.

Von Udo Legner

Ein Blick auf die Startformation des FC Augsburg gab Hinweise, auf welche Spieler Trainer Manuel Baum beim Saisonauftakt setzt. Überraschenderweise hütete Marwin Hitz das Tor des Bundesligisten, der sein Team mit zwei Glanzparaden (3. und 15. Min.) vor einem frühen Rückstand bewahrte und in der 2. Hälfte vom Schalker Neuzugang Giefer ersetzt wurde. Der von seiner Erkältung genesene Jeffrey Gouweleeuw begann im Abwehrzentrum, bis er von Kacar (74. Min.) abgelöst wurde. In der neuen Rolle des Kapitäns lief Daniel Baier auf, der das Spiel der Augsburger zu organisieren versuchte. Einen überzeugenden Eindruck hinterließ Verhaegh-Ersatz Raphael Framberger, für den eine Viertelstunde vor Spielende Opare kam. Abgesehen von der frühen Auswechslung von Cajuby (Oberschenkelzerrung), für den erst Marcel Heller (23. Min.) und später Cordova (74. Min.) ins Spiel kamen, gibt es vom Spielgeschehen selbst wenig Nennenswertes zu berichten.

Die wenigen Augsburger Torchancen wurden von Baier, Framberger und Koo unisono vergeben und auch auf der Gegenseite deutete der niederländische Erstligist lediglich mit einem Pfostenschuss (79.Min.) Torgefährlichkeit an. Fazit: Das Familienfest des FCA war zwar kein Fußballfest, machte aber – nicht zuletzt wegen der ersten Auszahlungen der Verzehrkarten – Appetit auf mehr. Am nächsten Wochenende wird es ernst für den FCA. In der 1. Hauptrunde des DFB Pokals geht es nach Magdeburg, wo der Grundstein für einen gelungenen Saisonauftakt gelegt werden soll.

FCA: Hitz (46. Giefer) – Framberger (74. Opare), Gouweleeuw (74. Kacar), Hinteregger (74. Danso), Max (61. Stafylidis) – Baier (74. Leitner) – Schmid (74. Thommy), Khedira (46. Koo), Gregoritsch (61. Moravek), Caiuby (23. Heller/81. Cordova) – Finnbogason (74. Bobadilla).



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