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Ehe für alle: Stellungnahme von Ulrike Bahr

Konfrontiert mit der Stellungnahme des Bistum Augsburg erreichte die DAZ zeitnah eine Stellungnahme der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr, die sich dagegen wehrt, dass das Thema urplötzlich auf die Tagesordnung des Parlaments gekommen sei.

Ulrike Bahr

MdB Ulrike Bahr


„Die „Ehe für alle“ ist jetzt nicht urplötzlich auf die Tagesordnung der Politik oder des Parlaments gekommen. Seit 30 (!) Sitzungswochen, also länger als ein Jahr, vertagen wir in jeder Ausschusssitzung des Familienausschusses (und auch des federführenden Rechtsausschusses) die Entscheidung zu Anträgen und Gesetzentwürfen, weil sich die Union nicht positionieren und das Thema nicht im Ausschuss oder im Parlament besprechen wollte. Einfach aussitzen ist aber auch problematisch“, so Ulrike Bahr, die darauf hinweist, dass sie aus ihrem Wahlkreis mehr als 90 Mails bekommen habe, die die Ehe für alle unterstützen würden. Umfragen hätten in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent Zustimmung zur Öffnung der Ehe ermittelt. Wenn es bis zur letzten Sitzungswoche dauere, bis bei der Bundeskanzlerin Bewegung erkennbar werde, dann sei das bedauerlich, aber eben nicht zu ändern.

Nun gehe es aber der SPD auch darum, diese Chance zu nutzen. Seit Ende 2015 mache sich die Koalition Gedanken darüber, wie diese Frage zu entscheiden sei. „Die Entscheidung kommt an diesem Freitag zwar überraschend, aber nicht unvorbereitet und keineswegs im „Hauruck-Verfahren“. Die vielen Zuschriften aus dem Wahlkreis zeigten ja auch, dass das Thema in der Bevölkerung diskutiert werde.

Wenn also die heutige Ehe und die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft völlig gleichgestellt würden, dann würde das keine Schlechterstellung das Vater-Mutter-Kind-Modells bedeuten. Die Öffnung der Ehe würde niemandem etwas wegnehmen. Weiter führt Bahr aus, dass die SPD seit längerem den Ansatz in sich trage, „alle Menschen zu unterstützen, die rechtlich und praktisch füreinander einstehen und besonders dort zu entlasten, wo Kinder aufwachsen“. So Ulrike Bahr in einem Schreiben an die DAZ.

Weiter führt die Augsburger SPD-Chefin aus, dass im Jahre 2015 mehr als ein Drittel aller Kinder nicht in Ehen geboren worden seien. „Also nicht in der klassischen Vater-Mutter-Kind-Konstellation. Diesen gesellschaftlichen Realitäten müssen wir uns stellen“, wie MdB Ulrike Bahr in ihrer Stellungnahme betont.



Bistum Augsburg: Ehe für alle bedeutet Auflösung des staatlichen Ehebegriffs

Die katholische Kirche in Augsburg mischt sich in die Politik ein und gibt eine Erklärung zur „Ehe für alle“ ab. Darin problematisiert der Diözesanrat der Diözese Augsburg besonders das politische Selbstverständnis der Unionsparteien.

Bistum Augsburg

Bistum Augsburg


Der Diözesanrat der Diözese Augsburg wendet sich gegen die Veränderung des Ehebegriffs durch die geplante Einführung der „Ehe für alle“. „Mit Sorge sehen wir insbesondere das Aufgeben der bislang klaren Position der Unionsparteien sowie die Ausweitung des Adoptionsrechts“, heißt es in einer Stellungnahme des Bistum Augsburg. Nachdem Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel erklärte, bei der Entscheidung für oder gegen die „Ehe für alle“ im Bundestag den Fraktionszwang aufzulösen, betrachten die Augsburger Katholiken die kategorische Absage der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der „Zivilehe“ durch die Unionsparteien als „erledigt“.

Alle Menschen sind ein Abbild Gottes, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg erklärt dazu: „Als Christen betrachten wir jeden Menschen als geliebtes Geschöpf und Abbild Gottes, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Der Respekt und die Liebe zu allen Menschen ist Prinzip jedes christlichen Denkens und Handelns. Ausgrenzungen werden wir stets entgegentreten. Das Verständnis der Ehe als lebenslange Bindung von Mann und Frau sowie als optimale Grundlage für die Bildung einer Familie durch die Zeugung und Erziehung von Kindern gehört zu den Selbstverständlichkeiten des Menschseins und ist Grundlage von Artikel 6 des Grundgesetzes.“

Die Auflösung des staatlichen Ehebegriffs und der Wechsel von der Ehe zwischen Mann und Frau als „Markenkern“ der Union zur „Gewissensfrage“ der Abgeordneten sei ein so tiefgreifender Schritt, dass er nicht im Schnellverfahren abgehandelt werden dürfe. „Wir fordern alle Katholiken auf, sich unmissverständlich für die staatliche Gewährleistung von Artikel 6 des Grundgesetzes einzusetzen, so wie er zweifelsfrei im Sinne der Verfassungsväter festgelegt wurde“, heißt es abschließend in der Erklärung.

Ehe für alle ist Populismus und ein Angriff auf den Kern unserer Gesellschaft

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ


Eine härtere Gangart schlägt der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg an. Die erzkonservative Vereinigung zielt unverblümt darauf ab, dass Katholiken im Bistum Augsburg die Bundestagsabgeordneten beeinflussen sollen: „Der Familienbund ruft dazu auf, für den besonderen Schutz der Ehe von Mann und Frau einzutreten und den Abgeordneten bei der Gewissensentscheidung am kommenden Freitag zu helfen.“ – Wenn die Ehe für alle Formen des Zusammenlebens geöffnet werde, würde sie de facto abgeschafft. „Hier soll offenbar das, was unsere Gesellschaft im Innersten ausmacht, uminterpretiert werden“, sagt Pavel Jerabek, Diözesanvorsitzender des Familienbundes.

Hintergrund der Katholikenmobilisierung ist ein Wahlkampfmanöver der SPD, die die „Ehe für alle“ als Thema zur Profilschärfung links der Mitte entdeckt hat. Um das Thema aus dem Wahlkampf zu nehmen, solle nun am kommenden Freitag im Bundestag über die Gleichstellung der Ehe homosexueller Paare abgestimmt werden. Der Rechtsausschuss des Bundestages hat heute mit 20:19 dafür gestimmt, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen.

In dieser Angelegenheit gibt es wohl eine knappe Rot-Rot-Grüne Mehrheit im Bundestag. Politische Beobachter in Berlin werten die anvisierte Abstimmung als ersten Testlauf für eine Rot-Rot-Grüne Koalition, die nach der Bundestagswahl im September möglich wäre.



FCA: Marcel Heller kommt

Der FC Augsburg hat sich die Dienste von Offensivspieler Marcel Heller gesichert.

Hellers Vertrag läuft beim Bundesliga-Absteiger SV Darmstadt 98 zum 30. Juni aus. Der 31-jährige Offensivspieler wechselt ablösefrei zum FCA und erhält einen Zwei-Jahresvertrag. „Es war mein Ziel, auch in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen. Daher freue ich mich auf diese neue Herausforderung beim FCA, der mich durch tolle Gespräche und die reizvolle Aufgabe überzeugt hat“, sagt Marcel Heller, der für Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 insgesamt 99 Bundesliga-Spiele (11 Tore) absolviert hat.

„Marcel Heller hat in den letzten Jahren die Entwicklung von Darmstadt 98 entscheidend mit seinen Toren und Vorlagen geprägt und dabei nahezu alle Spiele absolviert. Daher freuen wir uns, dass wir mit ihm einen der schnellsten Spieler in der Bundesliga für uns gewinnen konnten“, sagt Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport nach der Vertragsunterschrift. Marcel Heller wird am kommenden Montag die Vorbereitung mit den neuen Teamkollegen aufnehmen und am Montagabend auch an der Trikotpräsentation des FCA teilnehmen.



Abschied von einem Dinosaurier

Warum Halil Altintop trotz seiner geringen Laufbereitschaft für den FCA so wertvoll war

Von Siegfried Zagler

Halil Altintop

Halil Altintop (c) Bernd Weichlein


Halil Altintop ist in Augsburg Geschichte. Er verlässt aber nicht nur Augsburg und die Bundesliga, sondern vermutlich bald auch die Sphäre des Spitzensports. Es ist nämlich kaum vorstellbar, dass ein Spieler wie Altintop, der in Augsburg selten einen Schritt zu viel lief, mit seiner ökonomischen Spielweise im Spitzenfußball noch eine Mannschaft verstärken kann. Mit 34 Jahren ist das nichts Besonderes, sondern die Regel. Aus Augsburger Sicht muss man Halil Altintop also doppelt dankbar sein.

Zum einen, weil er in der zurückliegenden Saison in letzter Sekunde und in der letzten Rille zusammen mit der Mannschaft alle Reserven mobilisierte und als Leader ein schwer angeschlagenes Schiff vor der Havarie rettete, also mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Energieleistung den Bundesligaabstieg des FCA abwenden konnte.

Und man muss ihm dafür dankbar sein, dass er den FCA verlässt, denn das Augsburger Management hätte ihn merkwürdigerweise gerne für ein weiteres Jahr gehalten. Richtig verstanden hat diese Äußerungen seitens des FCA außerhalb der Sportredaktion der Augsburger Allgemeinen niemand so richtig. Altintop war, wenn man die gesamte vergangene Saison in die Bewertung nimmt, nicht viel mehr als eine Zumutung: zu langsam, zu lauffaul, zu planlos. Auch wenn der in Gelsenkirchen geborene Altintop auf der Zielgeraden durch seine Torgefährlichkeit sporadisch zu glänzen verstand, waren bereits in der Vorsaison seine fußballerischen Darbietung meistens davon gekennzeichnet, dass er im Spiel lange Auszeiten nehmen musste und er jeden längeren Sprint vermied.

Mit Halil Altintop verlässt der letzte Phlegmatiker die Bundesliga. Ein Dinosaurier in der Evolutionsgeschichte des Fußballs, also ein Spieler, dessen phlegmatische Spielweise bereits in seiner ersten Saison beim FCA ins Auge stach. „Ein echter Halbstürmer“ – ein an die Fußballkultur der Siebziger erinnernder Sparfußballer, ohne Dynamik und Sprintvermögen – ein Schleicher. Doch mit seinem Phlegma und seiner Übersicht beflügelte und sortierte er das ungestüme Heranstürmen eines Tobias Werners. Und mit seiner Ballsicherheit und seiner Torgefährlichkeit changierte er in Augsburg zuweilen zwischen einer „falschen Neun“ und einem geschickten Ballverteiler im Mittelfeld, der – zusammen mit Werner und Baier – den FCA für zwei Saisons zu einem fußballspielenden Riesen entwickelte. Ohne das „magische“ Dreieck“ Baier-Werner-Altintop hätte es die beiden Topspielzeiten des FC Augsburg in der Bundesliga nicht gegeben.

In Augsburg absolvierte Halil Altintop in vier Spielzeiten insgesamt 128 Spiele für den FCA. In 115 Bundesligaspielen, fünf Europa-League-Begegnungen und acht Partien im DFB-Pokal zeigte er meistens überzeugende Auftritte. – Halil Altintop kann Augsburg mit breiter Brust und der Gewissheit verlassen, dass er in hohem Maße mitgeholfen hat, den Klub in der Bundesliga zu etablieren.



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