DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Komplexität des Einfachen: Die wunderbaren Zeichnungen der Nontira Kigle

Der freiberuflichen Augsburger Illustratorin und Kommunikationsdesignerin Nontira Kigle wird in der DAZ ein Porträt gewidmet. Ein Format, das es so bisher nicht gab – und auch nicht geplant war, doch Udo Legner bestand mit der für ihn üblichen Beharrlichkeit darauf, so dass die geplante Porträt-Reihe der DAZ mit Nontira Kigle beginnt. Am morgigen Samstag startet in der Galerie Süßkind in der Dominikanergasse 9 eine Kigle-Werkschau.

Ein Porträt von Udo Legner

Nontira Kigles bisheriger Werdegang ist eine Erfolgsstory. Mit 5 Jahren kehrt die gebürtige Augsburgerin von Thailand nach Deutschland zurück. Ihrem Lieblingshobby Zeichnen bleibt sie auch nach der Schulzeit treu. Nach Abschluss der FOS für Gestaltung und der Geburt ihrer Tochter Annika nimmt sie als alleinerziehende Mutter das Studium Kommunikationsdesign an der Augsburger Hochschule auf. Dass ihre Skizzen und Pläne in dieser Phase nicht in der Schublade verblichener Hoffnungen verschwanden, schreibt sie insbesondere ihrer Mutter und ihren Freunden zu, die sie während der vierjährigen Studienzeit unterstützten.

Durchbruch mit Dylan Days

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sie ihr Diplom in Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration erwarb. Erste Berufserfahrungen sammelte sie bei der Augsburger Werbeagentur “Creationell”, wo sie meist für Layout und Corporate Design zuständig war. In dieser Zeit begann sie nebenher für die freie Szene Flyer und Plakate zu illustrieren und es kommt zur Zusammenarbeit mit Künstlern des Kulturparks West, Muhackl oder Blutwurst und Jean Stein. Schnell merkt die Designerin, dass ihr Herzblut in diese Illustrationen fließt und sie diese Aufträge weit mehr erfüllen als ihre Arbeit als Angestellte und so wagte sie 2010 den Schritt in die Selbständigkeit.

Die neue Freiheit hatte freilich ihren Preis. Schnell musste sie erfahren, dass die berufliche Selbständigkeit kein Selbstläufer war. Ständig sah sie sich mit der bangen Frage konfrontiert, ob es überhaupt zum Lebensunterhalt reichen würde. Dass die Mühen der Ebenen bewältigt werden konnten, dazu trugen neben der künstlerischen Qualität ihrer Arbeiten vor allem ein kontinuierlicher Kundenkontakt und das Beharren auf realistische Stundensätze bei. Meilensteine auf dem Weg zur Augsburger Szene-Zeichnerin waren – so will es die Legende – ihr Mitwirken beim John Lennon-Memorial, das zum 70. Geburtstag von John Lennon 2010 vom Büro für Popkultur (Kulturamt Augsburg) zelebriert wurde und ihre Teilnahme an den Dylan-Days im darauffolgenden Jahr. Für diese beiden Events gestaltete Nontira Kigle Flyer und Plakate. Bereits ein Jahr später ist sie als Szene-Zeichnerin so bekannt, dass sie in der Kategorie „Nachwuchskünstler“ den ersten Augsburger Pop-Preis Roy in Empfang nehmen durfte.

Veranstalter fühlen sich von ihr genuin verstanden

Selbstporträt

Selbstporträt


Seit 2012 kann sich Nontira Kigle als Haus- und Hofdesignerin vom multimedialen Ensemble Bluespots Productions bezeichnen und seit 2015 ist sie Art Director des Schönheitsmagazins BEAUTYNESS von DR. GRANDEL. Die Liste ihrer Kunden, die nach dem Motto „Einmal Nonti, immer Nonti“ seit Jahren mit ihr zusammenarbeiten ist inzwischen so lang, dass sich die Illustratorin zuweilen gezwungen sieht, zeitlich aufwändige oder weniger kreative Aufträge abzulehnen. Viele Veranstalter fühlen sich von ihr geradezu genuin verstanden und wollen sich ihre Flyer und Plakate ohne den speziellen Nonti-Touch gar nicht mehr vorstellen: Junges Theater, FAKS-Theater, Brechtkreis, oder das aus den Dylan-Days hervorgegangene JUST KIDS Festival wollen auf die Künste von Nontira Kigle ebenso wenig verzichten wie das Ballmertshofer Filmfest oder das städtische Maria-Theresia-Gymnasium, für das sie inzwischen Website-Grafiken anfertigt.

It takes two to tango

Um die Erwartungen ihrer Auftraggeber zu (über)treffen, lotet die Designerin in ausführlichen Kundengesprächen stets aus, worum es bei den einzelnen Projekten und Events geht. Dann werden im Dialog mit den Auftraggebern das optimale Design und der unverwechselbare Nonti-Touch der Illustrationen entworfen und kreiert.

Ein passendes Beispiel für dieses Procedere war in der April-Ausgabe des a3kultur-Feuilletons zu bewundern: In Form eines Puppenhauses hatte Nontira Kigle die vielfältigen Aufgaben und Organisationsstrukturen des Augsburger Kulturamts illustriert. Bevor das „Kultur-Kraftwerk“ Gesicht und Struktur bekam, war Recherche angesagt. Die a3kultur-Redaktion lieferte die Vorlagen samt „Puppenhaus Idee“ und Nontira Kigle vollstreckte in bewährter Manier. Dieses Zusammenspiel – mit a3kultur gibt es inzwischen drei bis vier solcher Kooperationen pro Jahr – funktionierte so gut, dass sich auch andere Institutionen ihre Illustrationskünste sichern wollen.

Wohin geht die Reise?

Nontira Kigle (2.v.r.) auf der "Neuen Szene World Stage" bei den Sommernächten mit Mississippi Isabel

Nontira Kigle (2.v.r.) auf der "Neue Szene World Stage" bei den Sommernächten mit der Band "Mississippi und Isabelle"


Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass Nontira Kigle Augsburg ab und an den Rücken kehren kann. Ihre letzten Reisen gingen nach Thailand und Neapel. Im Spätsommer liebäugelt sie mit einem Wanderurlaub in Großbritannien und vorher geht es – Tradition verpflichtet! – noch zu einem Abstecher zum 40. Ballmertshofer Filmfest auf die Schwäbische Alb.

Wohin Nontiras Kigles berufliche Reise geht? Sie kann sich gut vorstellen, ihren Erfahrungsschatz an andere weiterzugeben, auch wenn ihre Klientel und Gefolgschaft hofft und bangt, noch lange von ihr beglückt zu werden! Vor ihrem Studium träumte sie davon, in die Zentren der Kunst hinauszugehen – nach Berlin, nach London, nach New York. Doch in Augsburg hat sie ihr Netzwerk und sie weiß dieses zu schätzen. Mit ihren Zeichnungen erzählt sie auf eigenartig-naive Weise mit wenigen Strichen eine komplexe Geschichte, die sich im Kopf des Betrachters einspinnt.

„Versunken und Entsprungen“ –  Gezeichnete Geschichten aus Augsburg

Aktuelle Werkproben von der Illustratorin und Musikerin Nontira Kigle gibt es in der Vernissage und Release Party „Versunken und Entsprungen – Gezeichnete Geschichten aus Augsburg“ in der Galerie Süßkind (Eröffnung 1. Juli um 19.30 Uhr/Dominikanergasse 9) zu sehen und zu hören, bei der sie als neues Mitglied der Musikgruppe „Mississippi und Isabelle“ auftritt.



Just Kids Festival 2017

Für die Öffentlichkeit fast unbemerkt, doch umso nachhaltiger für die beteiligten Schüler, Lehrkräfte und Akteure der kulturellen Bildung, hat sich in den letzten Jahren das JUST KIDS FESTIVAL entwickelt. POP, POETRY & PALAVER – das Motto dieses Festivals umreißt, worum es bei diesem Event vor allem geht, nämlich um die Auseinandersetzung mit Popkultur, Literatur, Musik und Kunst nach dem Prinzip „Do it yourself & do it together“!

Von Udo Legner

(c) Nontira Kigle

(c) Nontira Kigle


Gefördert von der Sparda-Bank und dem Förderprogramm SchulePlus des Augsburger Schul- und Bildungsreferats hat sich unter der Federführung des Kultur- und Schulservices Augsburg und der Fachstelle Schulentwicklung und Bildung ein Pflänzchen entwickelt, das sich in der Augsburger Kultur- und Schullandschaft immer größerer Beliebtheit erfreut.

Bereits im Vorfeld dieses Low Budget Festivals verlassen Schüler und Lehrer ihre Komfortzone und bereiten sich in Kooperation mit ausgewiesenen Szenekünstlern in Fotografie-, Graffiti-, Tanz- und Musik-Workshops auf ihre Auftritte für das Grande Finale im Kulturpark West vor. Die Schulen nutzen die Angebote dieses partizipativen Festivals, das in Kooperation mit der Augsburger Stadtbücherei, der Universität Augsburg und der Fachstelle für Schulentwicklung und Bildung organisiert wird, und nehmen an Lesungen und Fachvorträgen teil, die sich in diesem Jahr allesamt um das Thema „100 Jahre Jugendszenen“ drehen.

Patti Smith als Namenspatronin

Dass sich das Festival den Namen “Just Kids” gegeben hat, ist den Passionen der Festivalmacher geschuldet. Patti Smith, Königin des Punk beziehungsweise ihre gleichnamige Biografie sollte dadurch den gebührenden Platz bekommen. Brechtige Anekdote am Rande: Als Patti Smith im Rahmen des Brecht Festivals 2014 im Augsburger Stadttheater auftrat, ließen die Festivalmacher ihr durch den Kurator Girisha Fernando eine Hommage in Printform zukommen. In einem Foto-Workshop hatten sich Schüler des Holbein-Gymnasiums unter Anleitung ihres Kunstlehrers Thomas Körner-Wilsdorff, (der auch für die diesjährige Ausstellung der Kunstkurse der Augsburger Gymnasien im Augsburger Rathaus verantwortlich zeichnet) in Pose gestellt und fotografiert, sodass sie der Punk Ikone verblüffend ähnelten. Dieses Präsent an Patti Smith war nicht ganz uneigennützig: wenn sie es ihrem Soulmate Bob Dylan zeigen würde, so das Kalkül, würde er neidisch werden und – unberechenbar wie er ist – um einen Auftritt beim JUST KIDS Festival betteln.

Auch wenn sich diese Hoffnung bislang nicht erfüllt hat, ist Nobelpreisträger Bob Dylan Bestandteil des Festivals. In Kooperation mit SchulUnA (Augsburger Enlischdidaktik und bayerische Schulen im Dialog) gastiert Prof. Dr. John Dean aus Paris beim Tag der Englischen Didaktik an der Universität Augsburg und hält weitere Vorträge im Maria-Theresia-Gymnasium und im Kulturpark West. Das Finale des Just Kids Festivals geht am 13. Juli in der Kradhalle und Bombig Bar & Garage über die Bühne.

Das genaue Programm des Festivals findet sich unter: www.pop-poetry.de



Choreoloop [1.0] – Zeitgenössischer Tanzabend mit Studierenden aus Wien

Die Augsburger Tänzerin Diana Wöhrl lädt am 2. Juli 2017 zum „Choreoloop [1.0]“. Im Kulturhaus „abraxas“ präsentiert die Studentin der Hochschule MUK Wien (früher „Konservatorium der Stadt Wien“) zeitgenössische Choreographien.

Die Projekt-Kompanie für den Abend hat sie aus ihren Kommilitonen zusammengestellt: Acht internationale Studierende (China, Deutschland, Korea, Kroatien, Österreich und Slowenien) der MUK Wien sind an diesem Abend in Augsburg zu sehen. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer verbindet die Passion zum Tanz als gestaltendem Akt und die Suche nach einem Ausdruck, der über bloße förmliche Ästhethik hinausgehend Gefühle, Eindrücke und Menschlichkeit vermittelt.

„Tanz, das bedeutet für mich, eine Welt zu erschaffen, in der es erlaubt ist zu Träumen, zu hinterfragen und kritisch zu sein. Wir freuen uns drauf, Ausschnitte unserers Schaffen in der tanzbegeisterten Stadt Augsburg zu präsentieren!“, so Diana Wöhrl. Gezeigt werden von den jungen Künstlern selbst choreographierte Stücke: Zum einen bereits ausgezeichnete Werke wie das Solo „Who is Artemis“ von Verena Herterich (Choreographie: Wanda Petri; Einladung zum “Internationalen Solo Tanz Festival“ in Stuttgart) sowie das Solo „Green ME“ von Zoé Afan-Strasser (1. Preis “Dance Expression IDA“, Florenz, in der Sparte Choreographie). Darüber hinaus gibt es an dem Abend mehrere Uraufführungen zu sehen, darunter das Stück „Reincarnation“ (AT) (Yukyung Lee, Choreographie: Diana Wöhrl) und ein eigens für den Abend kreiertes Duett (Vito Vidovic Bintchende / Diana Wöhrl).

Die gebürtige Augsburgerin Diana Wöhrl erhielt in der Akademie Payer Unterricht in klassischem und modernem Ballett. 2014 wurde sie im Rahmen des Augsburger Kunstförderpreises mit dem Maureen Denman-Preis ausgezeichnet.

Beginn: Sonntag, 2. Juli 2017, 19.00 Uhr. Ort: Kulturhaus abraxas (Theater), Sommestr. 30, 86156 Augsburg. Eintritt: 15,- Euro / 12,- Euro (erm.), Kartenvorverkauf und -reservierung: 0821 324-6355 / abraxas@augsburg.de) ——– Foto (c) Verena Lukitsch Pictures



Bundestag beschließt “Ehe für alle”

Nach jahrelanger Debatte hat der Bundestag die Gleichstellung der bürgerlichen Ehe für Homosexuelle ermöglicht.

Von Siegfried Zagler

Damit ist geregelt, dass homosexuelle Paare künftig genauso heiraten und Kinder adoptieren dürfen, wie ein heterosexuelles Paar. Für die Fortschreibung einer Zivilgesellschaft ist das ein epochemachender Schritt und somit eine historische Entscheidung. Der von Rot-Rot-Grün eingebrachte Gesetzentwurf der Länder erhielt bei der heutigen Abstimmung im Bundestag eine klare Mehrheit – beinahe ein Viertel der Unionsabgeordneten stimmte dem Gesetz zu. Bundeskanzlerin Merkel stimmte dagegen. Bei 623 abgegebenen Stimmen sprach sich eine Mehrheit von 393 Abgeordneten für die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare aus. 226 Parlamentarier stimmten mit Nein, vier enthielten sich. Der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich stimmte dagegen, Claudia Roth (Grüne) und Ulrike Bahr stimmten dafür.

In den Reihen der Union bewerteten nicht wenige Parlamentarier das Vorpreschen der SPD als “Koalitionsbruch”. Bezüglich der politischen Großwetterlage der Bundesrepublik ist festzuhalten, dass mit dem heutigen Tag die Phase des heißen Wahlkampfes beginnt.

“Ich kann diesem Gesetz nicht zustimmen und begründe dies wie folgt.” So beginnt eine Stellungnahme des Augsburger Bundesabgeordneten Volker Ullrich, der explizit auf den Koalitionsbruch der SPD hinweist: “Wenn beim vorliegenden Gesetzentwurf die SPD mit der Opposition stimmt, so stellt dies einen eklatanten Verstoß gegen die im Koalitionsvertrag getroffene Vereinbarung einer einheitlichen Abstimmung dar – nicht wenige sprechen daher auch offen von einem Koalitionsbruch”, so Ullrich, der sich darüber echauffiert, dass die “erfolgreiche Koalition zum Ende der Wahlperiode einseitig von einem Koalitionspartner aufgekündigt wird”. Dies sei in der Geschichte der Bundesrepublik eine einmalige Angelegenheit und füge dem Vertrauen in die Politik großen Schaden zu. Die heutige Abstimmung sei eine nicht hinnehmbare unwürdige Hauruck-Aktion, die sich wohl nur im Zusammenhang mit dem nahenden Wahlkampf erklären lasse. “Es ist ein Testlauf für eine mögliche rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl. Ich bin nicht bereit, diese Art der parlamentarischen Meinungsbildung aus rein wahltaktischen Gründen hinzunehmen und zu unterstützen. Der Gesetzentwurf des Bundesrates kann auch keine Zustimmung finden, weil wesentliche Fragen nicht geklärt sind und er somit nicht entscheidungsreif ist.” So Volker Ullrich, der noch darauf hinweist, dass die Frage noch nicht beantwortet wurde, ob die „Öffnung“ der Ehe nicht einer Grundgesetzänderung bedürfe.

Auf lokaler Ebene meldeten sich am schnellsten die schwäbischen Jusos zu Wort: “Jahrzehnte mussten viele Menschen unter Androhung von Haft für die Rechte von queeren Menschen in Deutschland kämpfen. Mit dem heutigen Beschluss des Bundestags zur Ehe für alle wird wieder ein Stück konservative Diskriminierungspolitik beendet. Zwölf Jahre lang hat Angela Merkel die „Ehe für alle“ blockiert. Nun ist sie endlich umgefallen. Ein breiter Teil der Gesellschaft von 83 Prozent steht hinter der Ehe für alle und der Schritt war längst überfällig. Dieses Gesetz schadet niemandem und nimmt auch keinem etwas weg, sondern sorgt für gleiche Rechte für alle”, so die Vorsitzende der schwäbischen Jusos, Anna Rasehorn.

Kurz darauf ließ Peter Rauscher, der Vorsitzende des Kreisverbandes der Augsburger Grünen, die “Glocken der Zukunft” läuten und hob dabei hervor, dass mit dem heutigen Tag “eine Urforderung der Grünen” erfüllt worden sei: “In Zukunft wird es keine Unterscheidung mehr geben, ob zwei Personen gleichen Geschlechtes oder unterschiedlichen Geschlechtes den Bund für das Leben eingehen. Wir Grüne haben dies schon lange gefordert. In Zeiten größerer Unsicherheit, globaler Krisen und eines Anstiegs rechter Hetze, dem Schüren von Angst und Vorurteilen und dem immer lauter werdenden Brüllen der Ewiggestrigen ist die heutige Entscheidung im Bundestag ein Leuchtfeuer: Zuversichtlich, vorwärtsgewandt und leidenschaftlich muss die Politik der Zukunft sein.”



Stadtrat beschließt AVV-Tarifreform

Die geplante Tarifreform des AVV wurde auf der gestrigen Sitzung seitens des Augsburger Stadtrats mit deutlicher Mehrheit gegen 17 Stimmen beschlossen.

Damit wurde eine Tarifreform für den ÖPNV auf den Weg gebracht, die für die CSU ein “großes Werk” darstellt, für die Grünen eine Verbesserung eines schlechten Systems und für die SPD, die Linken, die Freien Wähler sowie Christian Pettinger (ÖDP) nichts weiter ist, als ein visionsloser Schlag ins Nichts, der “durch nichts zu rechtfertigen ist” (Pettinger). Noch am Tag vor der Abstimmung versuchte die Jugendorganisation der Grünen, die Grüne Fraktion umzustimmen, doch die Liebesmüh´war vergebens: Mit den Stimmen der CSU und den Grünen und einer Reihe von Stadträten, die nicht diesen Fraktionen angehören, konnte sich das neue Tarifsystem im Augsburger Stadtrat durchsetzen. Gegen 17 Stimmen sprach sich der Augsburger Stadtrat für die umstrittene Neugestaltung der Preisgestaltung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs aus.



Heute starten die “Augsburger Sommernächte”

Heute Abend beginnt eine dreitägige Veranstaltungsreihe, die es in dieser Größe und diesem Format in der Stadt Augsburg noch nicht gegeben hat: die zweiten “Augsburger Sommernächte”. Man wird sie gut finden müssen.

Von Siegfried Zagler

Von heute Abend bis Samstagnacht finden die sogenannten “Sommernächte” in der Augsburger Innenstadt statt. Es handelt sich um ein Fest, das aus den “Maxfesten” hervorging. Die Stadt Augsburg kündigt “ihr” Fest auf ihrer Homepage folgendermaßen an: “Die ganze Stadt ein Fest. Lange Tage, lange Nächte: Die Augsburger Innerstadt feiert, schlemmt und tanzt. Zu lauten und leisen Tönen. Zu unterschiedlichen Musikrichtungen – von 80er-Party bis Blasmusik. Mit exotischen und regionalen Leckereien – von Streetfood bis Stadtmarkt. Von 29. Juni bis 1. Juli 2017 schlüpft die Innenstadt in ihr Ausgehkleid und feiert ihre zweiten Sommernächte – an 14 Locations, vom Königsplatz über die Maxstraße bis zum Rathausplatz. Jeder Besucher, ob jung oder alt, ob Jazz oder Elektro, ob Prosecco oder Spezi, findet seinen Lieblingsplatz. Auch zwischen den Plätzen gibt es einiges zu entdecken, wie Straßenmusiker oder Poetry Slammer auf Unplugged Stages – präsentiert von der Neuen Szene. Auch Augsburgs Hinterhöfe wie der Schaezlergarten werden bespielt.”

Alle Veranstaltungen sind kostenlos und finden offenbar (bis auf das heutige Eröffnungskonzert der Augsburger Philharmoniker) unabhängig vom Wetter statt. – Regen wird von allen Wetterstationen prognostiziert.

Von 17 bis 24 Uhr spielt die Musik draußen, Speisen und Getränke sind bis ein Uhr erhältlich. Die Partyzone ist riesig: Die komplette Maximilianstraße vom Ulrichsplatz bis zum Rathausplatz. Der Stadtmarkt ist dabei und der Königsplatz wird bespielt. Polizisten, Sanitäter, Feuerwehr, der städtische Ordnungsdienst, ein privater Sicherheitsdienst und der Augusta Club Ordnungsdienst (ACO) sind anwesend. Aufgrund der großen Festzone gibt es kein eingezäuntes Gelände. Der Veranstalter (CIA) gab im Vorfeld der Veranstaltung einige Vorgaben bekannt, die für Besucher bindend sind: Große Rucksäcke und Taschen dürfen nicht mitgenommen werden. Handtaschen, Turnbeutel und Jutetaschen sind erlaubt. Es sei gut möglich, dass es an den Zugängen zu Kontrollvorgängen komme. Um den üblichen Sicherheitsstandard zu gewährleisten, hat die CIA (City Initiative Augsburg) Verhaltensempfehlungen herausgegeben: Fahrräder sind in der Festzone nicht erwünscht, Brunnen dürfen nicht bestiegen und Glasflaschen nicht mitgebracht werden.

“Der Müll soll in die vorgesehenen Tonnen entsorgt, die öffentlichen Toiletten benutzt und auf dem Heimweg unnötiger Lärm vermieden werden”, wie die Augsburger Allgemeine schreibt. Damit die Besucher bei den vielfältigen Veranstaltungsangeboten den Überblick behalten, hat das städtische Medien- und Kommunikationsamt eine App „Sommernächte“ für das Smartphone entwickelt. Alle Konzerte sind dort aufgeführt und ein Lageplan ist zur Orientierung eingewebt. Nicht gelistet ist in der App, wie sich die Bewohner der Innenstadt verhalten sollen, die weder Lärm noch Rummel ertragen wollen.



Ehe für alle: Stellungnahme von Ulrike Bahr

Konfrontiert mit der Stellungnahme des Bistum Augsburg erreichte die DAZ zeitnah eine Stellungnahme der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr, die sich dagegen wehrt, dass das Thema urplötzlich auf die Tagesordnung des Parlaments gekommen sei.

Ulrike Bahr

MdB Ulrike Bahr


“Die “Ehe für alle” ist jetzt nicht urplötzlich auf die Tagesordnung der Politik oder des Parlaments gekommen. Seit 30 (!) Sitzungswochen, also länger als ein Jahr, vertagen wir in jeder Ausschusssitzung des Familienausschusses (und auch des federführenden Rechtsausschusses) die Entscheidung zu Anträgen und Gesetzentwürfen, weil sich die Union nicht positionieren und das Thema nicht im Ausschuss oder im Parlament besprechen wollte. Einfach aussitzen ist aber auch problematisch”, so Ulrike Bahr, die darauf hinweist, dass sie aus ihrem Wahlkreis mehr als 90 Mails bekommen habe, die die Ehe für alle unterstützen würden. Umfragen hätten in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent Zustimmung zur Öffnung der Ehe ermittelt. Wenn es bis zur letzten Sitzungswoche dauere, bis bei der Bundeskanzlerin Bewegung erkennbar werde, dann sei das bedauerlich, aber eben nicht zu ändern.

Nun gehe es aber der SPD auch darum, diese Chance zu nutzen. Seit Ende 2015 mache sich die Koalition Gedanken darüber, wie diese Frage zu entscheiden sei. “Die Entscheidung kommt an diesem Freitag zwar überraschend, aber nicht unvorbereitet und keineswegs im “Hauruck-Verfahren”. Die vielen Zuschriften aus dem Wahlkreis zeigten ja auch, dass das Thema in der Bevölkerung diskutiert werde.

Wenn also die heutige Ehe und die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft völlig gleichgestellt würden, dann würde das keine Schlechterstellung das Vater-Mutter-Kind-Modells bedeuten. Die Öffnung der Ehe würde niemandem etwas wegnehmen. Weiter führt Bahr aus, dass die SPD seit längerem den Ansatz in sich trage, “alle Menschen zu unterstützen, die rechtlich und praktisch füreinander einstehen und besonders dort zu entlasten, wo Kinder aufwachsen”. So Ulrike Bahr in einem Schreiben an die DAZ.

Weiter führt die Augsburger SPD-Chefin aus, dass im Jahre 2015 mehr als ein Drittel aller Kinder nicht in Ehen geboren worden seien. “Also nicht in der klassischen Vater-Mutter-Kind-Konstellation. Diesen gesellschaftlichen Realitäten müssen wir uns stellen”, wie MdB Ulrike Bahr in ihrer Stellungnahme betont.



Bistum Augsburg: Ehe für alle bedeutet Auflösung des staatlichen Ehebegriffs

Die katholische Kirche in Augsburg mischt sich in die Politik ein und gibt eine Erklärung zur „Ehe für alle“ ab. Darin problematisiert der Diözesanrat der Diözese Augsburg besonders das politische Selbstverständnis der Unionsparteien.

Bistum Augsburg

Bistum Augsburg


Der Diözesanrat der Diözese Augsburg wendet sich gegen die Veränderung des Ehebegriffs durch die geplante Einführung der „Ehe für alle“. “Mit Sorge sehen wir insbesondere das Aufgeben der bislang klaren Position der Unionsparteien sowie die Ausweitung des Adoptionsrechts”, heißt es in einer Stellungnahme des Bistum Augsburg. Nachdem Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel erklärte, bei der Entscheidung für oder gegen die „Ehe für alle“ im Bundestag den Fraktionszwang aufzulösen, betrachten die Augsburger Katholiken die kategorische Absage der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der “Zivilehe” durch die Unionsparteien als “erledigt”.

Alle Menschen sind ein Abbild Gottes, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg erklärt dazu: “Als Christen betrachten wir jeden Menschen als geliebtes Geschöpf und Abbild Gottes, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Der Respekt und die Liebe zu allen Menschen ist Prinzip jedes christlichen Denkens und Handelns. Ausgrenzungen werden wir stets entgegentreten. Das Verständnis der Ehe als lebenslange Bindung von Mann und Frau sowie als optimale Grundlage für die Bildung einer Familie durch die Zeugung und Erziehung von Kindern gehört zu den Selbstverständlichkeiten des Menschseins und ist Grundlage von Artikel 6 des Grundgesetzes.”

Die Auflösung des staatlichen Ehebegriffs und der Wechsel von der Ehe zwischen Mann und Frau als „Markenkern“ der Union zur „Gewissensfrage“ der Abgeordneten sei ein so tiefgreifender Schritt, dass er nicht im Schnellverfahren abgehandelt werden dürfe. “Wir fordern alle Katholiken auf, sich unmissverständlich für die staatliche Gewährleistung von Artikel 6 des Grundgesetzes einzusetzen, so wie er zweifelsfrei im Sinne der Verfassungsväter festgelegt wurde”, heißt es abschließend in der Erklärung.

Ehe für alle ist Populismus und ein Angriff auf den Kern unserer Gesellschaft

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ

Bischöflicher Sitz: Der Dom zu Augsburg (c) DAZ


Eine härtere Gangart schlägt der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg an. Die erzkonservative Vereinigung zielt unverblümt darauf ab, dass Katholiken im Bistum Augsburg die Bundestagsabgeordneten beeinflussen sollen: “Der Familienbund ruft dazu auf, für den besonderen Schutz der Ehe von Mann und Frau einzutreten und den Abgeordneten bei der Gewissensentscheidung am kommenden Freitag zu helfen.” – Wenn die Ehe für alle Formen des Zusammenlebens geöffnet werde, würde sie de facto abgeschafft. “Hier soll offenbar das, was unsere Gesellschaft im Innersten ausmacht, uminterpretiert werden”, sagt Pavel Jerabek, Diözesanvorsitzender des Familienbundes.

Hintergrund der Katholikenmobilisierung ist ein Wahlkampfmanöver der SPD, die die “Ehe für alle” als Thema zur Profilschärfung links der Mitte entdeckt hat. Um das Thema aus dem Wahlkampf zu nehmen, solle nun am kommenden Freitag im Bundestag über die Gleichstellung der Ehe homosexueller Paare abgestimmt werden. Der Rechtsausschuss des Bundestages hat heute mit 20:19 dafür gestimmt, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen.

In dieser Angelegenheit gibt es wohl eine knappe Rot-Rot-Grüne Mehrheit im Bundestag. Politische Beobachter in Berlin werten die anvisierte Abstimmung als ersten Testlauf für eine Rot-Rot-Grüne Koalition, die nach der Bundestagswahl im September möglich wäre.



FCA: Marcel Heller kommt

Der FC Augsburg hat sich die Dienste von Offensivspieler Marcel Heller gesichert.

Hellers Vertrag läuft beim Bundesliga-Absteiger SV Darmstadt 98 zum 30. Juni aus. Der 31-jährige Offensivspieler wechselt ablösefrei zum FCA und erhält einen Zwei-Jahresvertrag. „Es war mein Ziel, auch in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen. Daher freue ich mich auf diese neue Herausforderung beim FCA, der mich durch tolle Gespräche und die reizvolle Aufgabe überzeugt hat“, sagt Marcel Heller, der für Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 insgesamt 99 Bundesliga-Spiele (11 Tore) absolviert hat.

„Marcel Heller hat in den letzten Jahren die Entwicklung von Darmstadt 98 entscheidend mit seinen Toren und Vorlagen geprägt und dabei nahezu alle Spiele absolviert. Daher freuen wir uns, dass wir mit ihm einen der schnellsten Spieler in der Bundesliga für uns gewinnen konnten“, sagt Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport nach der Vertragsunterschrift. Marcel Heller wird am kommenden Montag die Vorbereitung mit den neuen Teamkollegen aufnehmen und am Montagabend auch an der Trikotpräsentation des FCA teilnehmen.



Abschied von einem Dinosaurier

Warum Halil Altintop trotz seiner geringen Laufbereitschaft für den FCA so wertvoll war

Von Siegfried Zagler

Halil Altintop

Halil Altintop (c) Bernd Weichlein


Halil Altintop ist in Augsburg Geschichte. Er verlässt aber nicht nur Augsburg und die Bundesliga, sondern vermutlich bald auch die Sphäre des Spitzensports. Es ist nämlich kaum vorstellbar, dass ein Spieler wie Altintop, der in Augsburg selten einen Schritt zu viel lief, mit seiner ökonomischen Spielweise im Spitzenfußball noch eine Mannschaft verstärken kann. Mit 34 Jahren ist das nichts Besonderes, sondern die Regel. Aus Augsburger Sicht muss man Halil Altintop also doppelt dankbar sein.

Zum einen, weil er in der zurückliegenden Saison in letzter Sekunde und in der letzten Rille zusammen mit der Mannschaft alle Reserven mobilisierte und als Leader ein schwer angeschlagenes Schiff vor der Havarie rettete, also mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Energieleistung den Bundesligaabstieg des FCA abwenden konnte.

Und man muss ihm dafür dankbar sein, dass er den FCA verlässt, denn das Augsburger Management hätte ihn merkwürdigerweise gerne für ein weiteres Jahr gehalten. Richtig verstanden hat diese Äußerungen seitens des FCA außerhalb der Sportredaktion der Augsburger Allgemeinen niemand so richtig. Altintop war, wenn man die gesamte vergangene Saison in die Bewertung nimmt, nicht viel mehr als eine Zumutung: zu langsam, zu lauffaul, zu planlos. Auch wenn der in Gelsenkirchen geborene Altintop auf der Zielgeraden durch seine Torgefährlichkeit sporadisch zu glänzen verstand, waren bereits in der Vorsaison seine fußballerischen Darbietung meistens davon gekennzeichnet, dass er im Spiel lange Auszeiten nehmen musste und er jeden längeren Sprint vermied.

Mit Halil Altintop verlässt der letzte Phlegmatiker die Bundesliga. Ein Dinosaurier in der Evolutionsgeschichte des Fußballs, also ein Spieler, dessen phlegmatische Spielweise bereits in seiner ersten Saison beim FCA ins Auge stach. “Ein echter Halbstürmer” – ein an die Fußballkultur der Siebziger erinnernder Sparfußballer, ohne Dynamik und Sprintvermögen – ein Schleicher. Doch mit seinem Phlegma und seiner Übersicht beflügelte und sortierte er das ungestüme Heranstürmen eines Tobias Werners. Und mit seiner Ballsicherheit und seiner Torgefährlichkeit changierte er in Augsburg zuweilen zwischen einer “falschen Neun” und einem geschickten Ballverteiler im Mittelfeld, der – zusammen mit Werner und Baier – den FCA für zwei Saisons zu einem fußballspielenden Riesen entwickelte. Ohne das “magische” Dreieck” Baier-Werner-Altintop hätte es die beiden Topspielzeiten des FC Augsburg in der Bundesliga nicht gegeben.

In Augsburg absolvierte Halil Altintop in vier Spielzeiten insgesamt 128 Spiele für den FCA. In 115 Bundesligaspielen, fünf Europa-League-Begegnungen und acht Partien im DFB-Pokal zeigte er meistens überzeugende Auftritte. – Halil Altintop kann Augsburg mit breiter Brust und der Gewissheit verlassen, dass er in hohem Maße mitgeholfen hat, den Klub in der Bundesliga zu etablieren.