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Mozartfest: Virtuose junge Talente, aber wenig Publikum

Beim Festival der ARD-Preisträger im Kleinen Goldenen Saal zeigen die jungen Leute des Aris-Quartetts gemeinsam mit der Flötistin Daniela Koch und der Harfenistin Agnès Clément, dass Musik auf hohem Niveau auch jungen Akteuren Spaß machen kann.

Von Halrun Reinholz

v.l. Caspar Vinzens, Lukas Sieber, Daniela Koch, Agnès Clément, Noémi Zipperling, Anna Katharina Wildermuth

Jung, virtuos und überzeugend: Caspar Vinzens, Lukas Sieber, Daniela Koch, Agnès Clément, Noémi Zipperling, Anna Katharina Wildermuth (v.l.) (c) DAZ


Ein “Festival im Festival” versprach der Abend im festlichen Kleinen Goldenen Saal, den Leopold Mozart seinerzeit schon kannte. Das Mozartfest hat viele festliche Momente in petto. Die Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs sind die Créme de la Crème junger Musiker. Festivalleiter Simon Pickel begrüßte das Publikum persönlich und wies darauf hin, dass einem ARD-preisgekrönten Musiker eine Karriere so gut wie sicher sei. Entsprechend hoch die Erwartung an die jungen Künstler, die sich in wechselnden Besetzungen durchaus Ungewöhnliches aus dem Bereich der Kammermusik ausgesucht hatten.

Drei Musiker des Aris-Quartetts, Anna Katharina Wildermuth (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Cello) spielten zunächst Mozarts leicht-beschwingtes Quartett für Streichertrio und Flöte A-Dur mit der Flötistin Daniela Koch. Weniger bekannt der Komponist Jean Cras, ein musikalisch dilettierender französischer Marineoffizier, dem man unter dem Einfluss von Debussy durchaus impressionistische Wasser-Effekte, aber auch überraschende und heitere Wendungen bescheinigen kann. Für sein Quintett für Streichertrio, Flöte und Harfe trat nun die Harfenistin Agnès Clément auf den Plan. Der erste Teil des Konzerts endete mit einem schwungvoll-resoluten Debussy, nämlich dessen Sonate für Flöte, Harfe und Viola.

Im zweiten Teil stand ein (großen Teilen des Publikums) weitgehend unbekannter zeitgenössischer  Komponist auf dem Programm, der Japaner Toshio Hosokawa (*1955). Cellist Lukas Sieber hielt es daher für angebracht, das Auditorium auf das Musikverständnis und Kompositionskonzept des Japaners vorzubereiten, was sicher hilfreich war für die darauf folgende doch sehr ungewöhnliche Darbietung von „Landscape II“ für Harfe und Streichquartett, die die Musiker sichtlich auch auf besondere Weise forderte.

Ganz konventionell dafür der Schluss des Konzerts mit dem Streichquartett Nr. 9 in C-Dur von Ludwig van Beethoven in reiner „Aris“-Besetzung – die zweite Geigerin Noémi Zipperling war nach der Pause ebenfalls in Erscheinung getreten. Die Ankündigung hatte nicht zu viel versprochen: Eine hochkarätige Darbietung gut gelaunter junger Leute mit sichtbarer Freude am virtuosen Musizieren bekam das Publikum zu sehen – ein leider eher spärlich erschienenes Publikum.

Woran kann es liegen, dass der Kleine Goldene Saal bei einer solchen Aufführung nur locker gefüllt ist und offenbar auch andere Konzerte des Mozartfestes nicht ausverkauft waren oder sind?

Die vom Konkurrenzfestival „Mozart@augsburg“ erst vor ein paar Wochen aufs Programm gesetzte Aufführung des Mozart-Requiems mit Mariss Jansons und seinem Bayerischen Rundfunkorchester füllte trotz der für Augsburg exorbitanten Eintrittspreise die Kongresshalle. Ist das der Bonus großer Namen? Das Feiertags-Wochenende könnte eine Rolle spielen. Oder spielen Defizite beim Marketing eine Rolle? Vielleicht muss sich der neue Festivalleiter mit seinem Konzept auch erst einmal profilieren. Schade drum. Wer nicht da war, hat etwas verpasst.



Mozartfest auf der Zielgeraden

Am 28. Mai endet das Mozartfest 2017. Als Zwischenbilanz lässt sich an dieser Stelle bereits festhalten, dass die Mozart-Veranstaltungsreihe bisher beim Publikum Begeisterung entfachte – auch dann, wenn die Spuren zu Mozart nur mit dem Mikroskop zu sehen waren.

Von Siegfried Zagler

Ein “Hochgenuss” so schallte es aus allen Veranstaltungsorten zu den Sensoren der DAZ, deren Autoren und Leser sich ebenfalls von der Qualität der Vorträge beeindruckt zeigten. “In den letzten vier Festivaltagen warten weitere Höhepunkte und gekonnte Stilbrüche auf die Festivalbesucher”, wie es in einer Pressemitteilung des Veranstaltungsbüros heißt.

“Freistil”, so der Titel des von Maximilian Hornung und Sarah Christian konzipierten „Festival im Festival“, bietet dem kammermusik-affinen Publikum heute, Donnerstag, den 25. Mai um 19.30 Uhr im Kleinen Goldenen Saal das Konzert “Klaviertriospuren” mit Werken von Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Arnold Schönberg. Es musizieren Sarah Christian (Violine), Maximilian Hornung (Cello) und Fabian Müller (Klavier). Es folgt das Konzert “Klavierquintettspuren” am 26. Mai, 19.30 Uhr ebenfalls im Kleinen Goldenen Saal. Einen Tag später gibt es die erste Cello-Clubnacht der Musikgeschichte: Am 27. Mai in der Mahagonibar ab 22.30 Uhr – nach dem Konzert in der Ulrichsbasilika mit dem Windsbacher Knabenchor, der mit Renaissance-Klängen die spirituellen Schübe der Reformation freizulegen versucht.

Foto: Steven Isserlis (c) Stadt Augsburg

Foto: Steven Isserlis (c) Stadt Augsburg


Interessant könnte es auch am Sonntag, den 28. Mai werden. Dann ist zum Festival-Abschluss “als krönender Höhepunkt” der Cellist Steven Isserlis um 11 Uhr im Café Picnic beim Künstlergespräch zu erleben und schließlich nichtsprechend um 19.30 Uhr auf der großen Bühnen im Kongress mit den Augsburger Philharmonikern unter Domonkos Héja. Im Gepäck hat er zwei der bedeutendsten Werke der sinfonischen Literatur: Mozarts Sinfonia concertante und Richard Strauss‘ Tondichtung Don Quixote. – “Mit Musik, die in ihrer Vielfarbigkeit und komprimierten Energie schon so manchen überwältigt hat. Vermutlich wird an diesem Abend, wenn der mit allen Wassern gewaschene Ausnahme-Interpret Steven Isserlis dem kompositorischen Genie Strauss zur Seite steht, kaum ein Konzertbesucher der Überwältigung standhalten.” So heißt es jedenfalls im mit Superlativen überladenen Programmheft.



Konzert: Musikalischer Dialog zwischen Mittelalter und Gegenwart

“Aenigma et Stupor”, so das Motto eines musikalischen Vortrags am kommenden Samstag. Im Kontext des Lutherjahres präsentieren Iris Lichtinger (Sopran, Blockflöten) und Stefan Blum (Percussion) am Samstag, den 27. Mai 2017, ab 20 Uhr in der Utopia Toolbox, Generatorenhalle (Wertachstraße 29a) Werke von Sandeep Bhagwati, Mario Lavista, Frederic Rzewski, Stefan Blum, Samir Odeh-Tamimi, Hildegard von Bingen sowie Estampien des Mittelalters.

Über 1000 Jahre spannt sich der Bogen des Konzertprogramms. Erstaunliche Nähe, aber auch rätselhafte Ferne der Klangrede werden erlebbar, wenn mittelalterliche Tänze auf zeitgenössische und experimentelle Werke für Blockflöte, Stimme und Perkussion treffen. Im Kontext des Lutherjahrs 2017 spiegeln Werke von Komponisten deutsch-indischer, israelisch-palästinensischer, mexikanischer, amerikanischer und deutscher Herkunft unterschiedliche spirituelle Ansätze wider, die, so die Veranstalter, in eine “Einheit” münden.

Ein Abend des Tonkünstlerverbandes Augsburg-Schwaben e.V., gefördert durch das Kulturamt der Stadt Augsburg und das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstlerverband Bayern e.V.

Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Kartenvorverkauf und weitere Informationen: Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben e.V.

Foto: Iris Lichtinger (Gesang und Flöte), Stefan Blum (Percussion). (c) Klaus Satzinger-Viel