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Mozartfest: Teatro d’Amore – Monteverdi neu aufgelegt

Ein Crossover-Projekt mit modernem Zeitgeist und Improvisation, dessen überraschender Höreindruck das Publikum begeistert: Christina Pluhar eröffnete gestern mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata das Augsburger Mozartfest 2017.

Von Andrea Huber

Neue Noten ins Augsburger Mozartfest bringt nicht nur Simon Pickel als neuer künstlerischer Leiter, sondern auch das Festivalthema „Spurensuche“. Der pinke Pfeil zieht sich wie ein roter Faden durch Programmheft: “Flyer, Sitzwürfel und Banner und sollen für „Spurensuche“ stehen”, so Thomas Weitzel am gestrigen Freitag in seiner Begrüßung im ausverkauften Parktheater.

Wer weiß genau, wie Monteverdis Musik damals geklungen hat? Für Christina Pluhar ist der Wunsch nach Authentizität nicht realisierbar. Notentexte aus der Zeit Monteverdis zum Zweck der Gedächtnishilfe geben deshalb viel Raum für Improvisation und lassen diese zu einem wesentlichen Teil der Aufführungspraxis werden.

Eröffnungskonzert Mozartfest 2017: Christina Pluhar mit Ensemble L'Arpeggiata, Céline Scheen (Sopran), Vincenzo Capezzuto (Alt), Anna Dego (Tanz). Foto (c) Christian Menkel

Eröffnungskonzert Mozartfest 2017: Christina Pluhar mit Ensemble L'Arpeggiata, Céline Scheen (Sopran), Vincenzo Capezzuto (Alt), Anna Dego (Tanz) (v.l.) Foto (c) Christian Menkel




Das Ensemble L’Arpeggiata vermengt die Barocke Musik Monteverdis und seiner Zeitgenossen mit Jazz- und Blueselementen, mit Volksmusik bis hin zum Rap – weit über die bisherige Vorstellungskraft der um Authentizität bemühten Alte Musik-Puristen hinaus und öffnet mit dieser Herangehensweise neue Empfindungsräume und Klangkompositionen, die tief in die menschliche Empfindungslust hinein leuchten und somit neue Welten erschaffen.

Groovige Basslinien und Hammond-Sound am Orgelpositiv gepaart mit virtuosen Improvisationen und imposanten perkussiven Elementen lösen die vergangenen Jahrhunderte auf und verdichten die Zeit auf einen Punkt der wahren Empfindung. Die Zeit verlor gestern Abend ihre Bedeutung: Christina Pluhar und ihr Ensemble generierten ein atemberaubendes Erlebnis.

Herausragend die Solisten: Céline Scheen zählt zu den gefragtesten Sopranistinnen der „Alten Musik“ und sang sich als Ersatz für Nuria Rial lebendig und zugleich empfindsam, mit klarem, strahlendem Timbre in die Herzen der Zuschauer. Vincenzo Capezzuto intonierte mit seiner ungewöhnlich hellen Alt-Stimme sicher und anrührend.

Das Publikum dankte mit langanhaltendem frenetischem Applaus.



Bundesligafinale: Nichts für schwache Nerven

Die wichtigsten Fragen der Fußballbundesliga wurden vor der letzten Runde geklärt: Bayern München wurde zum fünften Mal in Folge Meister, RB Leipzig Vizemeister, Darmstadt und Ingolstadt steigen direkt ab. Offen ist noch, wer sich für die Europa League qualifiziert und ob Dortmund oder Hoffenheim den dritten Platz belegt, der direkt in die Champions League führt. Und offen ist natürlich die Frage, welcher Bundesligist sich in die Verlängerung (Relegation wohl gegen Braunschweig) begeben muss.

Und schon sind wir beim FCA, der sich am 34. Spieltag bei seinem Auswärtsspiel in Hoffenheim in doppelter Hinsicht in einem dramatischen Fernduell befindet: Zum einen spielt die TSG Hoffenheim gegen den FC Augsburg um eine direkte Champions League-Qualifikation, die sie bei einem Sieg gegen Augsburg erreichen würde, wenn Dortmund zu Hause gegen Bremen nicht gewinnt. Auch ein Kantersieg gegen den FCA mit sechs bis sieben Toren Differenz könnte den Sinsheimern weiterhelfen, die zwar mit Dortmund punktgleich sind, aber mit -4 das schlechtere Torverhältnis haben.

Die Begegnung Hoffenheim vs. Augsburg ist also für beide Mannschaften ein extrem wichtiges Spiel. Die TSG 1899 Hoffenheim will wieder an Dortmund vorbei, womit die direkte Qualifikation zur Champions League (Platz 3) erreicht wäre. Der Bundesligavierte muss sich bekanntermaßen über zwei Qualifikationsspiele in die Königsklasse quälen.

Der Sinsheim-Krimi ist nichts für schwache Nerven

Nichts für schwache Nerven ist also der Sinsheim-Krimi, der auch den Weg in die Zweite Liga behandelt: Sollte der FCA in Hoffenheim punkten, dann hätten die Brecht-Städter den Klassenerhalt sicher erreicht. Bereits mit einem Remis hätte Augsburg 38 Punkte, die der HSV nur mit einem Sieg gegen Wolfsburg erreichen kann. In diesem Fall würde der VfL Wolfsburg bei 37 Punkten stehen bleiben. Und sowohl der HSV (hat ein hoffnungslos schlechtes Torverhältnis), als auch Wolfsburg würden hinter dem FCA bleiben.

Sollte der FCA hoch verlieren, dann spielt das keine große Rolle, falls sich Hamburg und Wolfsburg unentschieden trennen sollten oder der HSV verlieren sollte. Falls der HSV aber Wolfsburg schlagen sollte, darf der FCA nur mit einem Tor Differenz verlieren. Der FCA dürfte sogar gegen Hoffenheim mit 0:2 verlieren, würde der HSV nur mit 1:0 oder 2:1 gewinnen.

Alles klar?

Und das Spiel selbst?

FCA-Trainer Baum will die gleiche Startelf aufs Feld schicken, die zuletzt gegen Hamburg und Dortmund zu überzeugen wusste. Unklar ist lediglich die Torhüterposition, da noch nicht sicher ist, ob Marwin Witz seine Hüftverletzung überwunden hat.

Für die DAZ-Redaktion steht fest, dass der FCA nicht in die Relegation muss – nicht weil der FCA in Hoffenheim punktet, sondern weil der HSV gegen Wolfsburg nicht gewinnt.