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Stadtrat Thorsten Kunze tritt aus AfD aus

Nach Thomas Lis und Marc Zander trat auch Thorsten Kunze aus der Augsburger AfD aus. Damit ist Markus Bayerbach der einzig verbliebene AfD-Stadtrat von der einst vierköpfigen AfD-Fraktion.

Thorsten Kunze ist als AfD-Mitglied zusammen mit drei weiteren AfDlern im März 2014 in den Augsburger Stadtrat gewählt worden. Nach dem Essener AfD-Parteitag im Juli 2015 traten Marc Zander und Thomas Lis aus der AfD aus, weil sie den Rechtsruck der Partei nicht mittragen wollten. Lis trat bei Pro Augsburg ein, Zander blieb lange parteilos und ließ sich schließlich zum Eintritt in die CSU bewegen. Mit Thorsten Kunze, der bisher in der politischen Landschaft nicht in Erscheinung trat, verließ nun der dritte gewählte Stadtrat die Augsburger AfD.

Kunze will als Einzelstadtrat weitermachen. Als Begründung für den Austritt gab Kunze den Schiffbruch von Frauke Petry in der Bundespartei an. – In der Augsburger AfD herrsche deshalb keine Untergangsstimmung, wie der letzte verbliebene AfD-Stadtrat Markus Bayerbach der DAZ auf Anfrage erklärte. Der Mitgliederstand, so Bayerbach, nehme nicht ab, sondern zu. Derzeit betrage die Mitgliederzahl 120 Personen.



Macht ein gutes Theater und scheitert daran, wenn es sein muss

Warum die künstlerische Weiterentwicklung des Augsburger Stadttheaters möglich ist

Kommentar von Siegfried Zagler

Das Augsburger Stadttheater befindet sich seit Jahrzehnten in einer Relevanzkrise. Es gibt weder soziale noch künstlerische Messlatten dafür, was und wie viel das Theater in Augsburg in der Vergangenheit in Sachen Aufklärung, Bildung und humanistischer Sensibilisierung für die Stadtgesellschaft geleistet hat. Doch darum scheint es offenbar nicht zu gehen. Wichtiger scheint vielmehr die Haltung, dass sich eine Stadt in der Größenordnung Augsburgs ein Theater leisten muss – was immer es auch leistet.

Das Brecht-Wort, dass man das Augsburger Stadttheater aus künstlerischen Gründen schließen sollte, hat im Grunde wenig an Aktualität verloren. Seit 40 Jahren, also von Stromberg über Thoma, Baumgardt und schließlich von Peters bis Votteler lieferten die wechselnden künstlerischen Leiter des Augsburger Stadttheaters ihrem Abonnenten-Publikum auf den Punkt genau, was es von ihnen erwartete. Natürlich gab es zwischendurch mal eine Dekonstruktion, einen Skandal oder eine in der Abweichung von der Norm künstlerisch herausragende Arbeit, doch von der unausgesprochenen kleinbürgerlichen Erwartungshaltung einer gehobenen Abendunterhaltung wich das Augsburger Stadttheater selten ab. Dem 12. Augsburger Intendanten (seit 1945) stünden dafür nun viele Türen offen. Das Große Haus mit knapp 1.000 Plätzen muss nicht gefüllt werden. André Bücker könnte jenseits aller Mainstream-Zwänge ein neues Augsburger Stadttheater erschaffen. Ein Stadttheater, das nicht zuvorderst den Publikumsgeschmack bedient, sondern sich ein Publikum schafft, das von einem Theater mehr erwartet als die ewige Wiederkehr der bürgerlichen Selbstvergewisserung mittels einer verbrauchten Ästhetik.

Auch ohne großes Haus wird André Bücker das Theater in Augsburg nicht neu erfinden. Dazu fehlt ihm nämlich (noch) das Publikum, womit wir bereits beim größten Manko der Augsburger Theaterlandschaft sind. Ein gutes Theater braucht ein gutes Publikum, braucht ein starkes Feuilleton, eine gewaltige Kritik und natürlich besessene Künstler. Ein gutes Theater kann in Augsburg nur dann ein gutes Theater sein, wenn es alte Zöpfe abschneidet, die kleinbürgerliche Kulinarik hinter sich lässt und ein neues Publikum findet, ein Publikum, das ins Theater geht, um sich anstecken zu lassen. Ein gutes Theater muss nicht nur die menschliche Psyche in all ihren Verzweigungen und Abgründen ausleuchten, sollte nicht nur den Irrsinn und die Ironie der Weltläufe erzählen und ästhetisieren, sondern auch Visionen für andere Welten, andere Ordnungen und Gesellschaften entwerfen.

Ein gutes Theater ist ein Ort des Schmerzes, ein Ort der Aufruhr – ist ein grausames Theater. Dass das möglich ist, kann man in München im Residenztheater oder an den Kammerspielen verfolgen. Nur ein gutes Theater benötigt Gelder der öffentlichen Hand, braucht die konsequente Unterstützung der politischen Klasse und braucht das Einverständnis einer offenen Gesellschaft, die an ihrer Beschränktheit und Ungleichheit zwar leidet, aber nichts daran ändern kann – oder will.

Der künftige Intendant weiß das alles. Das war aus seiner Programmvorstellung seines Startjahres herauszuhören. Er würde gerne das Stadttheater Augsburg aus der Agonie seines Silbersees herausführen. Würde gerne der vermufften Marke “Stadttheater” den Glanz einer Aufbruchsinstitution verpassen. “Wenn es wieder in das Große Haus zurückkehrt, wird das Augsburger Stadttheater ein anderes sein”, sagte Bücker bei seinem ersten öffentlichen Augsburger Auftritt im Stadtwerke-Saal.

Falls Bücker in Augsburg auf keinen Fall scheitern will, wird er vermutlich nicht viel in dieser Stadt bewegen, wird er alles und jeden bedienen, wird das Augsburger Stadttheater sich den Trends der Zeit fügen und im üblichen Kanon einen guten oder weniger guten Job machen. Falls Bücker aber, wie es für jeden Künstler möglich sein sollte, in sein künstlerisches Wirken ein Scheitern mit einkalkuliert haben sollte, dann hätte das Theater Augsburg seit “tausend Jahren” erstmalig die Chance, ein gutes und aufregendes Theater zu werden. Ein gutes Theater braucht nämlich nicht nur ein gutes Publikum, sondern auch einen guten Intendanten.

Wenn es stimmen sollte, dass ein guter Intendant in Augsburg zum Scheitern verurteilt ist, dann gilt nur eins, lieber André Bücker: Macht ein gutes Theater und scheitert daran, wenn es sein muss!



Theater: Bücker stellt neues Team und Programm vor

Am vergangenen Dienstag stellte der künftige Intendant des Augsburger Stadttheaters André Bücker auf einer Pressekonferenz das neue Führungsteam und den Spielplan 2017/18 vor.

Neu im Team sind der Operndirektor Daniel Herzog, Ricardo Fernando als neuer Ballettdirektor und Sophie Walz als Leitende Musiktheaterdramaturgin. Domonkos Héja bleibt als Generalmusikdirektor am Theater Augsburg.
 Im Schauspiel werden Lutz Keßler als Leitender Dramaturg, Sabeth Braun (Dramaturgin), Nicole Schneiderbauer (Hausregisseurin) und David Ortmann (Hausregisseur) als Team die Künstlerische Leitung übernehmen.

Das Theater soll wieder ein politischer Ort werden, der gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert

Unter dem Motto »Sinnsucht« will das Ensemble des Theater Augsburg neue Wege gehen.
 André Bücker versteht das Theater als Ort des Diskurses, in dem aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert werden: “Theater ist für mich ein politischer Ort, der soziale Gegenwart reflektiert.” 
Der neue Intendant hat vor, den Fokus auf die aufklärerische Kraft des Theaters zu legen und die Potentiale für Bildung und Vermittlung zu verstärken. Dafür soll eine zusätzliche Stelle in der Theaterpädagogik sorgen.
 Durch Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Kulturinstitutionen sowie der “freien Szene” möchte Bücker die gesellschaftliche Bedeutung und die Diskursfähigkeit des Augsburger Stadttheaters stärken.

Die Sanierung des Großen Hauses erfordere Bewegung. Deshalb stehe die Spielzeit 2017/18 für “Aufbruch, Umbruch und Öffnung des Theaters”. Davon würden zahlreiche Projekte zeugen, zum Beispiel wie der »Tatort Augsburg« (Idee und Regie: David Ortmann) und die Plattform für interdisziplinäre und interkulturelle Theaterarbeit »Plan A«.

Oper: Freischütz und zwei deutsche Erstaufführungen

Neben Carl Maria von Webers Klassiker »Der Freischütz« (Inszenierung: Hinrich Horstkotte), mit dem die Saison in der neuen Spielstätte im martini-Park eröffnet wird, und Verdis »La forza del destino« stehen mit Rufus Wainwrights »Prima Donna« in der Inszenierung von Hans Peter Cloos und Dai Fujikuras »Solaris« zwei Deutsche Erstaufführungen auf dem Spielplan.

Operette und Musical: “Herz aus Gold” und Jimmy Hartwig

Zur Abteilung “Wiederentdeckung” gehört Paul Abrahams Fußball-Operette »Roxy und ihr Wunderteam«, bei der der ehemalige Profifußballspieler und Ex-FCA-Trainer Jimmy Hartwig auf der Bühne auszuhalten ist. Auf der Freilichtbühne am Roten Tor zeigt das Theater Augsburg ein Auftragswerk, die Uraufführung von Stephan Kanyars Fugger-Musical »Herz aus Gold«.

Schauspiel: Von der Sinnsuche Peer Gynts bis zum Untergang des Egoisten Johann Fatzer

Im Schauspiel startet die Spielzeit mit »Peer Gynt« in der Inszenierung von André Bücker. Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer, die auch »Plan A« kuratiert, zeigt in ihrer ersten Inszenierung Thomas Köcks »paradies fluten«.

»Das Kind träumt«, eine große und berührende Allegorie über Flucht und Vertreibung von dem israelischen Dramatiker Hanoch Levin wird in Augsburg erstmalig in deutscher Sprache aufgeführt.

Zum Brechtfestival 2018 inszeniert Christian von Treskow Brechts großes Fragment »Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer«. 50 Jahre nach 1968 befragt das Theater Augsburg die Utopien der 68er-Generation vor dem Hintergrund der politischen Gegenwart. Der türkische Dramatiker und Lyriker Turgay Nar hat mit »Das Spiel der Schahrazad« eine sprachgewaltige Adaption der grausamen Geschichte aus Tausendundeiner Nacht vorgelegt, die der in Augsburg ansässige Regisseur Ferdi Degirmencioglu übersetzt hat.

Ballett mit Musik von Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin und Amy Winehouse

Das Ballett zeigt in der Choreografie des neuen Ballettdirektors Ricardo Fernando dessen Neuinterpretation des Klassikers »Schwanensee«. Bei »Dimensions of Dance. Part 1« werden international renommierte Choreografen in Augsburg erwartet. Auf der brechtbühne zeigt die Ballettkompanie, dass Musik von Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin oder Amy Winehouse auch klassisch ausgebildeten Tänzern als Grundlage für einen fulminanten Ballettabend dienen kann.
 In acht Sinfoniekonzerten sowie zahlreichen Sonder- und Familienkonzerten präsentieren die Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Domonkos Héja ein höchst abwechslungsreiches Konzertprogramm. Artist in Residence ist in der kommenden Spielzeit der Bassposaunist Stefan Schulz.

Das Augsburger Stadttheater wird nicht nur baulich saniert, sondern erhält auch inhaltlich eine neue Ausrichtung

Neben dem  Programm auf den verschiedenen Bühnen startet das Theater Augsburg zahlreiche Projekte, Formate und Kooperationen sowie ein vielseitiges theaterpädagogisches Workshop-Angebot. Diese Ausrichtung soll das Profil des Theater Augsburg in den nächsten Jahren maßgeblich prägen, ebenso wie die zahlreichen Künstler, die in allen Sparten neu nach Augsburg kommen werden. Sie werden künftig dem Theater ein neues Gesicht geben und die künstlerische Handschrift des Hauses als Ensemble- und Repertoiretheater bestimmen.
Die Spielstätte im martini-Park wird am 24. September 2017 mit einem großen Theaterfest eröffnet.

V. l. n. r.: Lutz Keßler (Leitender Dramaturg Schauspiel & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Ricardo Fernando (Ballettdirektor), David Ortmann (Hausregisseur & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Sabeth Braun (Schauspieldramaturgin & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Nicole Schneiderbauer (Hausregisseurin, Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel & Kuratorin Plan A), Sophie Walz (Leitende Musiktheaterdramaturgin), André Bücker (Intendant), Heike Neumann (Leiterin Kommunikation), Daniel Herzog (Operndirektor), Friedrich Meyer (Kaufmännischer Direktor), Domonkos Héja (Generalmusikdirektor). Foto: Jan-Pieter Fuhr



Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Der Augsburger Flüchtlingsrat ruft am heutigen Samstag, den 29. April zu einer Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan auf. Start ist um 12 Uhr am Moritzplatz in Augsburg.

“Die vehementen Abschiebungen nach Afghanistan und in andere von Krieg und Perspektivlosigkeit gekennzeichnete Staaten gehen weiter – und das, obwohl gerade auch in Afghanistan nach wie vor desaströse Sicherheitsverhältnisse herrschen. Die Berichterstattungen der letzten beiden Wochen lassen zudem erneut auf eine Verschärfung der Situation im gesamten Land schließen.  Der Augsburger Flüchtlingsrat ruft daher ein weiteres Mal zu einer Demonstration für ein friedliches Miteinander und gegen Abschiebungen in Krieg und Perspektivlosigkeit auf. Wir möchten ein weiteres mal erreichen, dass unzähliche Menschen mit uns auf die Straße gehen und lautstark für Solidarität und Mitmenschlichkeit demonstrieren.” So der Aufruf der Veranstalter, die unerschrocken gegen die aktuelle Abschiebe-Praxis der Bundesregierung demonstrieren.

AfghanInnen Asyl zu gewähren entspräche den europäischen Grundwerten. Die Massendeportationen nach Afghanistan seien ein Angriff auf diese Werte als auch auf den Kerngedanken des Asylrechts, wie es in der Stellungnahme des Augsburger Flüchtlingsrats heißt.