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Judenberg für sieben Wochen gesperrt

Wegen notwendiger Sanierungsarbeiten an den Strom- und Fernwärmeleitungen muss der Judenberg als Verbindung von Altstadt und Innenstadt ab Montag, 8. Mai bis voraussichtlich Freitag, 23. Juni gesperrt werden. Gleichzeitig wird der Straßenbelag durch das Tiefbauamt der Stadt Augsburg erneuert. Alle Geschäfte und die Zugänge zu Gebäuden sind während der Bauzeit erreichbar, auch am Judenberg. Für Fußgänger werden Umleitungen über den Hunoldsberg und die Treppe am Rathaus ausgeschildert.

Die Arbeiten beginnen, nachdem das Gerüst für den Neubau „Max23“ am Judenberg abgebaut ist. Die für die Bauarbeiten nötige Sperrung wurde zeitlich außerdem so koordiniert, dass sie zwischen zwei Innenstadtveranstaltungen liegt, dem Marksonntag am 7. Mai und den Augsburg Sommernächten vom 29. Juni bis 1. Juli. – Die Fernwärmeleitung in diesem Bereich stammt aus den 1960er Jahren und muss erneuert werden. Zusammen mit dem Austausch der Fernwärmeleitungen und Stromkabel werden Leerrohre für Glasfaserleitungen verlegt. Das Tiefbauamt stellt parallel und im Anschluss die Oberfläche am Judenberg und im Bereich der Maximilianstraße vor dem neu errichteten Gebäude „Max23“ bis zur Haltestelle des Pendelbusses wieder her. Diese Arbeiten werden bis voraussichtlich 11. August dauern. Allerdings ist dann, ab voraussichtlich 24. Juni, der Fußgängerverkehr am Judenberg wieder möglich. – Wenn die Arbeiten am Judenberg Mitte August abgeschlossen sind, wird der noch nicht erneuerte Leitungsabschnitt im Hunoldsgraben ersetzt. Im kommenden Jahr wird dann voraussichtlich die Fernwärmeleitung in der Weißen Gasse saniert.





Auferstehung für eine Halbzeit: FCA ringt Köln nieder

Der FC Augsburg hat nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ein Heimspiel gewonnen und sich für eine Halbzeit zu Ostern vom Totenbett erhoben. Nach einer mit spektakulären Szenen gespickten Partie gingen die Augsburger gegen den 1. FC Köln nach 96 Minuten als Sieger (2:1) vom Platz. Die Tore vor 30.660 Zuschauern in der ausverkauften WWK Arena erzielten Martin Hinteregger (5. /Kopfball nach Ecke) und Paul Verhaegh (23. / Foulelfmeter) für den FCA. Köln markierte den Anschlusstreffer (65.) nach einem ruhenden Ball durch ein Eigentor von Philipp Max.

Von Siegfried Zagler

Ein zweitägiges Trainingslager in Grassau am Chiemsee. Ein Besuch der besorgten Ultraszene vor dem Hotel und die üblichen Reden, dass nun die Spieler gefordert seien. Vor Anpfiff wurden im Stadionbereich Flugzettel verteilt, die das Publikum zur Unterstützung des FCA aufforderten und die lokale Presse forderte eine Überprüfung des “Reuter-Systems”. – Im Vorfeld der Partie gegen Köln drängte sich der Eindruck auf, dass es sich bei den 28 Bundesligaspielen davor um Kindergeburtstage gehandelt haben musste, auf die sich die Augsburger mit Sackhüpfen und Eierlaufen vorbereiteten.

Ungeachtet der Kritik an seiner Rotationsmanie, würfelte Manuel Baum erneut seine Anfangsformation durcheinander. Kohr, Janker, Teigl und Ji nahmen auf der Ersatzbank Platz und Usami, Schmid, Altintop und Hinteregger rutschten in die Startelf. Bei den Augsburgern war von Beginn an der Wille zu erkennen, die schwachen Auftritte der vergangenen Spieltage hinter sich zu lassen. Nach fünf Minuten lenkte Timo Horn einen Finnbogason-Schuss zur Ecke. Aus dieser Ecke entstand die Augsburger Führung durch einen direkt verwandelten Kopfball des freistehenden Hintereggers. Im Anschluss hatte der FCA nichts als Glück, als Kölns Osako das Leder nach einer flachen und scharfen Flanke aus kürzester Entfernung nicht traf. In der ersten Halbzeit war der FCA die bessere Mannschaft; in der zweiten Halbzeit fingen sich beim FCA erneut die Strukturen in allen Mannschaftsteilen aufzulösen.

Mit Glück und dem Unvermögen der Kölner überstand der FCA eine zweite Halbzeit, in der er keinen Torschuss und keine einzige Strafraumszene zu generieren verstand. Ein Leistungsabfall, der zwar nicht punktemäßig bestraft wurde, aber dennoch mit einem zu hohen Preis bezahlt werden musste: Koo verletzte sich bei einer kopflosen Aktion, für die er Gelb-Rot erhielt, offensichtlich schwer. Kohr erhielt die 10. Gelbe Karte und Finnbogason musste in der Nachspielzeit für ein dummes Foul im Angriff mit Rot vom Platz. Schlechte Vorzeichen für die wichtige Partie am kommenden Samstag in Frankfurt. Mit dem Köln-Sieg konnte der FCA die Punkte-Distanz zu Ingolstadt auf vier Punkte vergrößern und verlor keinen Boden zu den Plätzen, die eine Relegation ersparen würden. Ein differenzierter Spielbericht von Udo Legner folgt.



FCA vs. Köln: Darf man auf Auferstehung hoffen?

Der FCA agierte in seinen vergangenen Partien leblos und blutleer. Heute soll gegen Köln die Wende für die Augsburger stattfinden. Gelingt dem FCA am Ostersamstag die dritte Auferstehung in seiner noch jungen Bundesligageschichte?

Von Siegfried Zagler

Als der FCA in seiner ersten Bundesligasaison 2011/12 am 18. Spieltag gegen den Tabellenletzten SC Freiburg sang- und klanglos verlor und auf den letzten Platz abrutschte, verlor der damalige Präsident Walther Seinsch die Hoffnung und die Geduld. Er eröffnete Trainer Luhukay und Manager Rettig, dass sie zum Saisonende ihren Hut zu nehmen haben und leitete die Planungen für die Zweite Liga ein. Damals schien der FCA mit 15 geschossenen Toren und 15 erzielten Punkten unaufhaltsam dem Abstieg entgegenzugleiten, doch dann geschah das “Augsburger Wunder”. In der Rückrunde holte der FCA in 16 Spielen 23 Punkte und befand sich am Ende mit 38 Punkten weit entfernt von der Abstiegszone. Abgestiegen sind damals Kaiserslautern, Köln und Hertha BSC. In der folgenden Saison sollte die Hinrunde mit dem aus der dritten Liga verpflichteten Trainer Markus Weinzierl katastrophaler verlaufen als es sich die versiertesten Pessimisten vorstellen konnten: Mit neun Punkten zierte der FCA nach 17 Spieltagen zusammen mit Greuther Fürth erneut das Tabellenende. Doch der unberechenbare Präsident Seinsch hatte die Lektion der ersten Bundesligasaison gelernt. Weinzierl durfte weitermachen und das zweite Augsburger Wunder nahm seinen Lauf: Der FCA holte in den 17 Rückrundenspielen 24 Punkte und blieb zum zweiten Mal in Folge wegen einer furiosen Rückrunde in der Liga.

Der FCA kann also Abstiegskampf, könnte man meinen. Doch der Vergleich zur heutigen Situation ist nicht zu ziehen. Damals standen die Augsburger von Beginn an mit dem Rücken zur Wand und fanden in höchster Not die richtige Antwort. In dieser Saison startete der FCA mit einem im Abstiegskampf erfahrenen Bundesligatrainer, der sich mit dem FCA zur Decke strecken wollte. Dirk Schuster wurde auf rätselhafte Weise von einem Trainer-Anfänger abgelöst, der zusammen mit dem Management Luftschlösser baute und den FCA an den Rand des Abgrunds führte. In den ersten beiden Krisenjahren konnten die Augsburger die Winterpause nutzen, um sich aufzuladen und zu verstärken. In diesem Jahr hielt das Management fälschlicherweise den Kader für stark genug. Winterverstärkungen wurden nicht getätigt. Dafür experimentierte Trainer Manuel Baum die gesamte Rückrunde mit Aufstellungsvarianten und verschiedenen Taktiksystemen herum, bis die Mannschaft dergestalt verunsichert war, dass sie zuletzt Schwierigkeiten hatte, ein paar halbwegs organisierte Spielzüge aus der eigenen Hälfte heraus zu führen. Die Mannschaft wirkte im Lauf der Rückrunde überaltert, einfallslos und blutleer. Während alle anderen im Abstiegskampf verwickelten Klubs positive Trends zu verzeichnen hatten, fiel die Augsburger Mannschaft auseinander wie ein überladenes Kartenhaus. Der Kern der Mannschaft, eine intakte und hochgelobte Abwehr, wurde zur Schießbude der Liga. Und die in der Hinrunde gut verteidigten Standards wurden in der Rückrunde zu einem gewaltigen Problem (acht Gegentore).

Raul Bobadilla in der Anfield Road (c) Siegfried Kerpf

Raul Bobadilla: Sein Einsatz ist nicht gesichert (c) Siegfried Kerpf


Und noch etwas ist anders als in den ersten beiden Krisenjahren des FCA: Das Publikum murrt, meckert und pfeift. Und die lokale Presse, allen voran die Augsburger Allgemeine, hat ihre FCA-Poesie aufgegeben und schießt mit harter Kritik gegen Baum und Reuter – selbst Präsident Hofmann ist nicht mehr sakrosankt. Eine Kanonade wie die von Karl Luckner in “Augsburg extra” wäre noch unter Schuster undenkbar gewesen. Zu gewaltig sind die Fehler, die man den handelnden Personen des FCA heute vor die Nase halten kann.

Will man den Durchhalte-Verlautbarungen des FCA noch folgen, dann soll heute auf dem Platz in der WWK Arena (15.30 Uhr) der Wendepunkt folgen. Richtig weit hergeholt ist das nur dann nicht, wenn man die Statistik bemüht. Schließlich kommt der 1.FC Köln, gegen den der FCA seit sechs Spielen ungeschlagen ist. Nur gegen Frankfurt hat der FCA seit seiner Bundesligazugehörigkeit eine bessere Bilanz vorzuweisen. Und schließlich haben die Kölner auswärts nicht so viel gerissen und in der Rückrunde bereits fünf Niederlagen kassiert. Und wenn man sich an Serien festhalten will, dann geht das mit Kölns Edelstürmer recht gut. Mit Anthony Modeste haben die Kölner einen Torjäger, der 23 Saisontore erzielte und damit für 58 Prozent der Kölner Tore verantwortlich ist. Auf einen höheren Anteil kommt kein anderer Spieler der Bundesliga für seinen Verein. Das Gute daran aus Augsburger Sicht ist der Umstand, dass Modeste noch nie gegen den FCA traf.

So gesehen, könnte man auf das Prinzip Hoffnung bauen. Doch beim FCA ringt Raul Bobadilla um seine Form. Bobadilla ist der einzige torgefährliche Angreifer der Augsburger und sein Einsatz gegen Köln ist wegen einer Wadenverhärtung nicht gesichert. Sollte der FCA heute dieses Schlüsselspiel im Endspurt verlieren, dann wäre das die vierte Niederlage in Folge. Selbst in den finsteren beiden Vorrunden zu Beginn der Augsburger Bundesliga-Ära gab es keine Niederlagenserie in diesem Ausmaß. Den Kölnern ist das “wurscht”. Sie haben sich unter ihrem österreichischen Trainer Peter Stöger von Saison zu Saison verbessert und dürfen dieses Jahr sogar auf eine Europa League-Teilnahme hoffen. Für die Rheinländer geht es in Augsburg also um eine große Vision.

Sollte der FCA am heutigen Ostersamstag aber verlieren, dann verfinstert sich der Horizont in Augsburg und die dritte Auferstehung eines Fußballvereins, würde sie sich trotzdem noch ereignen, hätte beinahe eine biblische Dimension.